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LEITFADEN FÜR BETROFFENE FAMILIEN
 

Aufgrund der uns vorliegenden Fälle und Presseberichte haben wir festgestellt, dass sich die Abläufe der Ereignisse ein vielen Punkten erschreckend ähneln.

Schlimmstenfalls stellt sich der Verlauf folgendermaßen dar:

1. Ein Kind berichtet von einem oder mehreren Gewaltübergriffen durch eine Lehrkraft.

2. Die Eltern suchen das Gespräch mit der beteiligten Lehrkraft, werden aber abgewiesen oder bekommen nicht zufriedenstellende Aussagen.

3. Die Eltern möglicher Zeugen reagieren auf Nachfragen ebenfalls abweisend, da sie Probleme für sich und ihre Kinder wittern.

4. Die Elternsprecher entpuppen sich in solchen Situationen leider oft als Lehrersprecher und arbeiten schlimmstenfalls noch gegen die Betroffenen.

5. Die Schulleitung schützt die Kollegen und wird alles daran setzen, den Fall unter den Teppich zu kehren.

6. Das Schulamt ist darum bemüht, nicht durch Problemschulen beim Ministerium aufzufallen und weist Dienstaufsichtsbeschwerden als unbegründet zurück.

7. Die Polizei verweist betroffene Familien ans Schulamt, da sie sich nicht zuständig fühlt.

8. Das Ministerium tut alles, um sein Schulamt zu schützen und lehnt Beschwerden grundsätzlich ab.

9. Die Staatsanwaltschaft macht Dienst nach Vorschrift und nach einem Jahr teilt man den Betroffenen mit, dass man leider nach so langer Zeit keine glaubwürdigen Aussagen mehr bekommen kann.

10. Das System hat wieder einmal funktioniert und so leben alle friedlich bis an ihr seliges Ende oder halt bis zum nächsten „bedauerlichen Einzelfall“.




Viele von uns haben diese oder ähnliche Erfahrungen machen müssen und daher haben wir uns dazu entschlossen, unsere Fehler zu veröffentlichen, damit andere Betroffene daraus lernen können und diese bestenfalls vermeiden.

Im nachfolgenden Text werden die Stolpersteine und Fallstricke in den verschiedenen Phasen beschrieben und Wege und Möglichkeiten erläutert. Tipps und Anregungen zur ständigen Aktualisierung und Verbesserung sind immer willkommen.

Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass es sich bei unseren Ausführungen nicht um eine Rechtsberatung handelt, sondern dass hier persönliche Erfahrungen und Erlebnisse ausgewertet und zusammengefasst wurden.

Für Rückfragen und weitere Infos stehen wir im Forum, aber auch telefonisch oder per PM gern zur Verfügung. Wir bedanken uns bei allen Familien, die durch die mutige Offenlegung ihrer Fälle dazu beigetragen haben, dieses Gesamtbild zu entwickeln, und anderen Opfern die Gewissheit zu geben: Du stehst mit diesem Problem nicht allein da. Es gibt unzählige „bedauerliche Einzelfälle“ quer durch die BRD – und vor allem: Es gibt Hilfe und Unterstützung.


Zu Punkt 1 – Ein Kind berichtet von Gewaltübergriffen durch eine Lehrkraft.

Bereits hier entscheidet sich oft der weitere Verlauf der Dinge.
Oft wird Eltern vorgeworfen, sie hätten das Kind ausgefragt, durch eine Erwartungshaltung Aussagen beeinflusst und durch suggestive Fragen ein gewünschtes Ergebnis bekommen.

Aus heutiger Sicht würden wir dem Kind zuhören und es trösten, jedoch nicht mehr als unbedingt nötig befragen, bevor die nächsten Schritte feststehen. Das wichtigste Ziel ist die Stabilisierung des verstörten, verängstigten, gedemütigten und in seinem Vertrauen erschütterten Kindes.

Das Kind muss bereits an diesem Punkt in die weitere Entwicklung eingebunden werden und entscheiden dürfen. Will es ein Gespräch mit der beschuldigten Lehrkraft oder will es sich lieber für eine Weile zurückziehen?

Wenn fest steht, dass der Übergriff so schwerwiegend war, dass juristische Schritte folgen sollen, sollte sofort ein Anwalt konsultiert werden. Hier passiert oft der nächste Fehler – die falsche Anwaltswahl.

Da Misshandlung Schutzbefohlener bzw. Körperverletzung einen Straftatbestand darstellen macht es Sinn, einen strafrechtlich versierten Anwalt zu beauftragen. So werden bereits zu Beginn des Verfahrensfehler vermieden, die später nicht mehr auszugleichen sind – siehe auch Punkt 7.

Lassen Sie auf jeden Fall Verletzungen oder Angstzustände von Ihrem behandelnden Kinderarzt attestieren.

Falls Sie einen Psychologen hinzuziehen möchten, empfiehlt sich ein forensischer Psychologe. Hierdurch werden eventuell unnötige Befragungen vermieden und vor Gericht und bei Staatsanwaltschaften werden deren Empfehlungen sehr hoch eingestuft.

Aber am allerwichtigsten: Nehmen Sie sich viel Zeit für ihr Kind, erhalten sie ihm trotz aller Aufregung seinen normalen Ablauf und unternehmen Sie zur Ablenkung auch schöne Dinge mit ihm.
Vielen Kindern helfen kleine Schutzengel oder Sorgenpüppchen - aber am wirkungsvollsten: Seien Sie da, wenn Ihr Kind Sie braucht, auch wenn es ein paar Urlaubstage kostet.


Zu Punkt 2 – Gespräche – nicht ohne Zeugen und Protokoll

In den seltensten Fällen wird die Lehrkraft die Straftat zugeben und so verlaufen Gesprächesversuche oft nicht zufriedenstellend.

Es empfiehlt sich trotzdem, den Weg einzuhalten und die Lehrkraft um ein Gespräch zu bitten, zu dem ein unbeteiligter Zeuge mitgenommen werden sollte.

Achten Sie auf Parität. Wenn die Schulleitung an dem Gespräch teilnehmen möchte sollte auf „ihrer Seite“ dementsprechend viele Zeugen sitzen.

Schreiben Sie im Gespräch ein Protokoll und bitten Sie am Ende des Gesprächs, alle Anwesenden, es zu unterzeichnen.

(Sie sollten von nun an grundsätzlich mit Papier und Schreibgeräten „bewaffnet“ sein und sich wichtige Äußerung von möglichen Zeugen sofort schriftlich bestätigen lassen.)

Schreiben Sie sich vor dem Termin alle für Sie wichtigen Punkte auf und gehen Sie diese Liste im Gespräch systematisch durch. Wenn die Zeit nicht reicht, muss halt ein weiterer Termin vereinbart werden. Man kann jedoch bereits bei der Auswahl des Termins darauf achten, dass alle Beteiligten zeitlich relativ unbeschränkt sind.

Am wichtigsten: Machen Sie sich klar, welches Ziel Sie verfolgen und formulieren Sie diese Forderungen.

Beispiel: Mein Kind mag die Lehrkraft an sich und hatte vorher noch nie Probleme mit ihr.
Es ist mir wichtig, herauszufinden, warum Frau Y meinen Sohn geohrfeigt hat.
Ich möchte, dass Maßnahmen ergriffen werden, um so etwas künftig zu vermeiden.
Die Lehrkraft soll sich bei meinem Kind entschuldigen.

Falls Sie eine Strafanzeige stellen möchten, sollte ihr Anwalt bei diesem Gespräch anwesend sein. Sind Sie nicht sicher, lassen Sie sich vorab telefonisch beraten und informieren.



Zu Punkt 3 - Aus Eltern werden Feinde?

Häufig spricht sich ein Vorfall schnell herum und ebenso häufig schlägt die anfängliche Bestürzung und Neugier in Ablehnung um.

Schon in der Antike wurde gern mal der Überbringer schlechter Nachrichten hingerichtet - nun kommen Sie mit sehr schlechten Nachrichten daher. Rechnen Sie mit nichts, dann werden Sie nicht enttäuscht.

Wichtig: Seien sie nicht zu vertrauensvoll – aus „Freunden“ werden schnell Zeugen der Gegenseite. Besprechen und beraten Sie ihre Schritte nur mit absolut vertrauenswürdigen Personen.

Viele Eltern durchleben Urängste, wenn sie das Schulgebäude betreten, verwandeln sich in stammelnde Bündel Unsicherheit, brave Musterschüler oder geben ihr Hirn aus Sicherheitsgründen bereits am Schultor ab.

Eines steht fest: Die Lehrerschaft wird von Ihren Forderungen nicht beglückt sein, und vor solchermaßen in Ungnade gefallenen Personen schrecken einfach gestrickte Gemüter schnell zurück. Werden solche Ressentiments durch den Lehrkörper gar noch forciert nennt man das Mobbing – eine Methode, die sich in vielen Jahrzehnten bewährt hat.

Es gab diverse Fälle, in denen man den beschwerdeführenden Eltern sogar in ihrer Kirchengemeinde noch Vorwürfe machte, sie offen anfeindete und ausgrenzte, statt sich um die Kinder zu sorgen.



Zu Punkt 4 - Die Elternsprecher entpuppen sich als Lehrersprecher

Selbstverständlich gibt es viele gute und ehrenhafte Gründe, als Elternsprecher zu arbeiten. Es gibt jedoch ebenso viele, die rein egoistisch motiviert sind, denn nicht selten trifft man die Eltern der größten „Problemkinder“ einer Schule in der Elternvertretung wieder.

Es soll vorkommen, dass Eltern dieses Amt nur übernehmen, weil sie sich Vorteile für ihr schwieriges Kind „erarbeiten“ wollen.

Solche Lehrersprecher werden nun alles daran setzen, das Objekt ihrer Einschleimbemühungen zu schützen. Schließlich geht es nicht um ihr Kind und das Wohl anderer könnte ihnen nicht gleichgültiger sein.
Solche „Elternvertreter“ verdienen ihren Namen nicht und sind eine Schande für alle seriös arbeitenden Elternsprecher. Sie kommen bei Gelegenheiten dieser Art gern unter ihren Steinen hervor, da sie die stets willkommene Möglichkeit wittern, dem Lehrkörper zu Willen zu sein.

Sollten Sie ordnungsgemäß arbeitende Klassen- und Schulelternsprecher haben, können diese – als neutrale Berater - auch zu den Besprechungen eingeladen werden.

Sollten sie zu einer Eltern- oder Schulkonferenz eingeladen werden, achten Sie auf eine ordnungsgemäße Einladung , die auch die Tagesordnung beinhaltet und ziehen Sie auch hier neutrale Zeugen oder ihren Anwalt hinzu.



Zu Punkt 5 - Die Schulleitung als Täter?

Oft versucht man seitens der Schulleitung den Fall herunterzuspielen und dem Kind die Schuld an dem Vorfall zu geben. Machen Sie sich darauf gefasst, dass aus der Ohrfeige ganz schnell nur eine falsch gedeutete Handbewegung wird, ein Buch „fällt“ einer Lehrkraft schon mal aus der Hand, Pech, wenn sich just in diesem Moment ein Schülerkopf darunter befindet.

Das Fehlverhalten Ihres Kindes wird hingegen sehr schwerwiegend geschildert, Bei dieser Gelegenheit wird Ihnen eventuell auch die Liste der Verfehlungen in den letzten 2 Jahren vorgelesen. Verspätungen, vergessene Hausaufgaben, Bummeleien, schwatzen mit dem Nachbarn – versinken Sie nicht unter dem Tisch – NICHTS rechtfertigt Gewalt als Erziehungsmittel. Lassen Sie sich nicht auf diese Umleitungsversuche ein und bestehen Sie auf eine sachlichen Klärung.

Voller Vertrauen sind viele Familien zur Schulleitung gegangen und wurden enttäuscht. Dies kann diverse Gründe haben, denn erstens stehen die Schulleiter unter Druck, dem Schulamt nicht negativ aufzufallen, zweitens fällt es vielen schwer, den Kollegen gegenüber die nötige Subjektivität aufzubringen und drittens können auch Schulleiter/innen Täter sein – sei es aktiv oder durch Duldung der Übergriffe durch andere Lehrkräfte.


Ist auch die Schulleitung nicht bereit zu handeln, bleibt der Weg der Dienstaufsichtbeschwerden, die berühmt – berüchtigten 3F:
Formlos – Fristlos – Fruchtlos.

Leider werden Ihnen viele betroffene Familien die Richtigkeit dieser Redensart bestätigen.



Zu Punkt 6 - Das Schulamt - wer nichts tut kann keine Fehler machen

Bevor man sich mit den Beamten des zuständigen Schulamtes unterhält sollte man sich folgende Dinge durch den Kopf gehen lassen.

1. Schulräte sind meist ehemalige Lehrer, die nun Ihre Beschwerden gegen (ehemalige) Kollegen bearbeiten sollen. Sie ahnen bestimmt ungefähr, wo Sie damit auf der Beliebtheitsskala landen.

2. Das Schulamt hat eine vorgesetzte Dienststelle, ist dem Land – bzw. dem Bildungsministerium gegenüber zur Rechenschaft verpflichtet und dort möchte man auf keinen Fall den Eindruck erwecken, seinen „Laden nicht im Griff“ zu haben.

3. Die Behörde hat Möglichkeiten von denen Sie nur träumen – dort darf man nämlich völlig ungestraft NICHTS tun. Ja, Sie haben richtig gelesen! Und von dieser Möglichkeit wird auch lebhaft Gebrauch gemacht. Eine betroffene Familie bekam erst nach 6 Monaten eine Einfangsbestätigung für ihre Beschwerde und das auch erst, nachdem man sich beim Ministerium beklagt hat.

4. Liegt eine Strafanzeige vor, wird Ihnen das Schulamt mitteilen, dass es die Polizeiarbeit nicht durch eigene Ermittlungen stören möchte. Eine Staatsanwältin sagte im Gegenzug einer Mutter: Ich kann doch nicht die Arbeit des Schulamtes erledigen! In der Mitte steht ein geschlagenes Kind und bekommt weder hier noch dort Hilfe.



Zu Punkt 7 - Die Polizei - dein Freund? Dein Helfer?

Aus unserer persönlichen Erfahrung muss ich sagen, dass der Gang zur Polizeidienststelle unser erster, größter und entscheidender Fehler war.

Bitte bedenken Sie, dass viele Polizeiwachen sehr schlecht ausgestattet sind. EDV ist Mangelware und immer noch gibt es Beamte, die nicht einmal in zumutbarer Geschwindigkeit tippen können. Das führt dazu, dass Protokolle oft nicht die ihnen angemessene und erwünschte Qualität aufweisen.

Zudem haben einige Familien berichtet, dass man ihre Anzeigen nicht aufnehmen wollte, weil das Schulamt zuständig sei. Manchmal heißt es gar: Ach, Kinder übertreiben schon mal, und so eine Backpfeife hat doch noch niemandem geschadet.

In ländlichen Gegenden kann erschwerend hinzukommen, dass man sich halt kennt – Beamte unter sich – und plötzlich fällt mir das Sprichwort mit den Krähen ein ...

Ich gebe zu bedenken, dass der weitere Verlauf sich bereits hier entscheidet, denn die Anzeige spielt eine entscheidende Rolle im Verfahren. Die Fehler, die hier gemacht werden, wird man nicht wieder los und selbst Gerichte und forensische Psychologen zweifeln den Wert eines solchen Protokolls selten an.

Es gibt jedoch diverse andere Methoden, die wesentlich erfolgversprechender sind und bei denen SIE den Wortlaut bestimmen. In Protokollen wird aus einer Ohrfeige schnell ein „leichtes Antippen“ oder ein „Stups“ – manchmal staune ich, dass noch niemand auf die Idee gekommen ist, ein „liebevolles Streicheln“ daraus zu basteln!

Zudem weiß man nicht, welche Eignung der befragende Beamte mitbringt. Durch falsch oder gar suggestiv geführte Verhöre wird jeder kindliche Zeuge für den Rest der Verfahrens „unbrauchbar“.


Wir können folgende Alternativen empfehlen:

1. In vielen Bundesländern gibt es inzwischen Internet-Polizeiwachen. Dort kann man online seine selbst formulierte Anzeige aufgeben und per hierzu erstelltem User-account ständig den Verbleib und den Ansprechpartner abrufen. Vorteil: Man hat die Formulierung in der Hand und der Service ist kostenfrei.

2. Man kann über seinen Anwalt Anzeige erstatten. Die Möglichkeit ist sehr sicher, weil Anwälten im Gegensatz zu „hysterischen Eltern mit Rachegelüsten“ eine angemessene Sachlichkeit unterstellt wird – Ihnen hingegen kann jederzeit das Totschlagargument „Suggestion“ vorgehalten werden. Nachteil: Diese Variante ist kostenpflichtig und die meisten Rechtsschutzversicherungen übernehmen die Kosten nicht – bitte ggf. vorher nachfragen. Wenn man einen strafrechtlich versierten Anwalt wählt, ist diese Methode sehr empfehlenswert.



3. Scheut man die Kosten, kann man auch allein oder mit Unterstützung geeigneter Helfer eine Anzeige formulieren und direkt an die zuständige Staatsanwaltschaft senden. Im Internet kursieren übrigens Schwarzlisten über Richter, Staatsanwälte und Gutachter – ein vorsorglicher Blick in die Listen kann nicht schaden: http://www.richterdatenbank.net/staatsanwaltdatenbank/Staatsanwalt/



Zu Punkt 8 - Das Ministerium und sein Schulamt

Wenn ein Minister anordnet: „Wir sind hier ab sofort kinderfreundlich!“ dann ist das so - muss ja nicht stimmen!

Da stören natürlich all die Querulanten, die daherkommen und mit Beschwerden über Prügel, Misshandlungen, Psychoterror und Dauergebrüll die schöne Statistik kaputt machen wollen.

Kein Problem. Denen teilt man einfach mit, dass sich ALLE Beamten und Angestellten GRUNDSÄTZLICH richtig verhalten haben und schon ist die Welt wieder in Ordnung. Wer wird schon die Worte des Bildungsministeriums anzweifeln?

Bis man diese Spiel-Stufe erreicht hat, sind oft schon einige Monate ins Land gegangen, man hat die Kinder bereits umgeschult oder zieht gerade um und ist rechtschaffen zermürbt vom Kampf gegen die langsam mahlenden Windmühlen. Für viele Familien ist dies der Zeitpunkt, an dem sie aufgeben.

PS: Es lohnt sich durchaus, die Lebensläufe der Bildungsminister zu ergooglen.



Zu Punkt 9 - Die Staatsanwaltschaft macht Dienst nach Vorschrift?

Haben Sie Anzeige erstattet, und hat die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen tatsächlich aufgenommen, so heißt das noch lange nicht, dass Sie sich nun entspannt zurück lehnen dürfen, da nun die Gerechtigkeit ihren Lauf nimmt.

Rechnen Sie nach ca. 6 Monaten, die durch einen eher verhaltenen bis nicht erkennbaren Ermittlungsdrang geprägt sind, mit einem Einstellungsbescheid – das ist die Erfahrung die viele Eltern machen mussten. Natürlich kann man Beschwerde gegen diesen Bescheid einlegen, und zwar bei der zuständigen Generalstaatsanwaltschaft. Bis dieser Vorgang abgeschlossen ist, vergeht ein weiteres halbes Jahr.
Wie hoch sehen Sie die Chancen, dass ein Staatsanwalt die Entscheidung eines anderen anzweifelt oder gar aufhebt?
Die nächsten 6 Monate dürfen Sie mit dem Klageerzwingungsverfahren verschwenden. Am Ende steht dann die zynische Auskunft: Man hätte sofort alle Kinder befragen sollen – NUN ist es leider zu spät. Pech gehabt!

Leider traurige Realität und leider keine Seltenheit.

Selbst den betroffenen Eltern ist es klar, dass Staatsanwälte oft wesentlich grausamere Fälle zu bearbeiten haben - was wiegt da schon eine Ohrfeige oder der Tritt in den Allerwertesten?
Schließlich weiß man ja auch, dass Kinder durch ihr Betragen oft geradezu darum betteln!
Kennt man ja von den eigenen Kindern? Und für so etwas einen Beamten bestrafen? Die ganze Karriere verspielen, nur weil die Gören nicht hören können?

Leider werden die Folgen für die Kinder oft unterschätzt. Es hat schon mutige und wegweisende Verfahren und Richtersprüche gegeben, die den Rechten, der Würde und dem Schutzanspruch des Kindes gerecht wurden.

Es geht nicht um drastische Strafen für Lehrer – es geht um den Schutz der Kinder, denen durch eine in Angst und Schrecken zugebrachte Grundschulzeit der Lebensweg gründlich verdorben werden kann.



Zu Punkt 10 - Das System hat wieder einmal funktioniert und so leben alle friedlich bis an ihr seliges Ende oder halt bis zum nächsten „bedauerlichen Einzelfall“.

Das kann funktionieren, wenn die betroffenen Familien sich still und leise trollen, sich eine neue Schule suchen und fortan, dank der lehrreichen Erfahrungen, brav und artig den Mund halten.

In Germanien ist jedoch eine Elterngeneration herangewachsen, die ihre Pflichten sehr ernst nimmt. Ein Arzt erklärte uns, dass die Liebe zum Kind und dessen Wertschätzung aufgrund der niedrigen Kinderzahl in den meisten Familien eine neue Qualität bekommen hat.

Natürlich gibt es auch hier Ausnahmen, Eltern, denen einzig ihre Ruhe heilig ist und die sich nicht mit den Problemen ihrer Kinder befassen möchten. In der Tierwelt stellen sich die Muttertiere stets schützend vor ihre Jungen. Ich erspare mir, meine Meinung über Menschen zum Ausdruck zu bringen, die dies für ihr Kind nicht tun.

Es gibt diverse Methoden, sich trotz juristischer Aussichtslosigkeit gegen Gewalt zur Wehr zu setzen.

Eine sehr wichtige und wirkungsvolle Methode besteht darin, Öffentlichkeit herzustellen.

Das kann im ersten Schritt durch Versammlungen und Konferenzen geschehen.
Weiterhin stehen Demos, Flugblattaktionen und Internetforen bzw. Homepages zur Wahl, um auf Missstände aufmerksam zu machen und zu informieren.

Ein weiterer Joker: Wenden Sie sich an Ihren Schulträger bzw. die Bürgermeister. Viele Familien haben auf diesem Weg erstaunlich viel Unterstützung erhalten.

Eine Eingabe an den Petitionsausschuss kann langfristig Erfolg haben, eignet sich aber nicht, wenn akute Probleme gelöst werden sollen.


Mit Politikern haben viele Familien hingegen extrem schlechte Erfahrungen gemacht. Außer viel Kopfnicken und Kinderköpfchen-Streicheln, solange die Presse in der Nähe war, konnten keine ernstzunehmenden Bemühungen festgestellt werden.


Was vielen betroffenen Familien hingegen sehr geholfen hat war die Unterstützung der Presse.
Es geht nicht um Sensationsjournalismus – es geht darum, öffentlich zu machen, was Kindern und Eltern im Jahre 2006 in einer westlichen Demokratie passieren kann.


Es geht darum, andere zu warnen, Umschulungen zu ermöglichen, Einschulungen umzulenken und ein Problembewusstsein zu schaffen, das Kinder angemessen schützt.



Schlusswort ohne Happy End?

Die obige Zusammenfassung soll keinesfalls entmutigen, sie soll nur warnen.
Wenn man weiß, WAS alles möglich ist, kann man angemessen reagieren und so die gröbsten Fehler vermeiden – keine Bange, Ihnen werden noch genug eigene passieren, die wir dann gern für Sie in diese Aufstellung einarbeiten Wink


Was soll ich also tun?

Diese Entscheidung kann nur der Fragesteller treffen.

Haben Sie die Nerven, die Zeit und das Kapital für einen langwierigen Rechtsstreit und würden sich ein Leben lang Vorwürfe machen, ihn nicht bis zum bitteren Ende geführt zu haben? Dann kennen Sie die Antwort.

Sind Sie sehr harmoniebedürftig und leiden stark unter Konflikten?
Auch Sie kennen Ihre Antwort.

Aber vorab müssen Sie mit der Hauptperson in diesem Drama sprechen.

Fragen Sie Ihr Kind!


Nur Ihr Kind kann Ihnen sagen, wie es weiter gehen soll, denn Ihr Kind wird mit den Entscheidungen leben müssen. Ein eskalierter Konflikt endet mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit mit einer Umschulung.

Stehen geeignete Alternativen zur Verfügung und möchte Ihr Kind überhaupt die Schule wechseln oder gar umziehen?

Manchmal ist der Verbleib an der jetztigen Schule unumgänglich. Dann sollte man alles tun, um das Kind zu stärken. Viele Psychologen empfehlen z.B. Kurse in Selbstverteidigung bzw. Kampfsport.


Egal was Sie tun, Sie werden rückwirkend Zweifel haben, ob dieser oder jener Schritt richtig war – aber ALLES ist besser, als den Kopf in den Sand zu stecken.



Vorsorge ?

Die beginnt schon bei der Schulwahl - schauen sie sich die Schulen in ihrem Einzugsgebiet genau an. Beobachten Sie während der Pausen den Schulhof - wie gehen die Kinder miteinander um?

Machen Sie während des Schulbetriebs einen Spaziergang um das Gebäude, oder nach Möglichkeit durch die Flure und lauschen Sie darauf, was Ihnen aus den Klassenräumen entgegenschallt.

Besuchen Sie die Schule und verschaffen Sie sich einen ersten Eindruck von den Lehrkräften und der Schulleitung. Fragen Sie, ob vorab eine Besichtigung möglich ist, besuchen Sie Schulfeste, die häufig für alle Bürger zugänglich sind. Auch dort kann man sich ein Bild über die Stimmung und die Umgangsformen machen.

Es gibt zwar keine freie Grundschulwahl, aber dem kann man durch eine geschickte Wahl des Wohnortes frühzeitig entgegenwirken. Auch ein gut begründeter Umschulungsantrag beim Schulamt kann Erfolg haben.



Reden, Reden, Reden ... und das gilt für Kinder, Eltern, Schulräte und Lehrer - wenn die Kommunikation abreißt werden die Gräben immer tiefer, am Ende sind die Fronten verhärtet und es gibt keine für beide Seiten zufriedenstellende Lösung mehr.

Frühzeitig um Hilfe bitten, wenn man merkt, dass sich eine Situation festfährt. Anlaufstelle kann der Elternsprecher, die Stadt als Schulträger, das Schulamt, oder der Landeselternsprecher sein. Anfangs reicht vielleicht noch ein moderiertes Gespräch - im fortgeschrittenen Stadium kann eine Mediation hilfreich sein.


Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Wenn Systeme zu lange im eigenen Saft schmoren, neigen sie dazu, sich zu verselbstständigen und abzukapseln. Das Dienstleistungsunternehmen „Schule“ braucht dringend eine wirkungsvolle Qualitätskontrolle.

Wer kann schon zwei Herren dienen – das Schulamt kann es in vielen Fällen nicht, und daher ist es dringend nötig, hierzu einen mit den gleichen Befugnissen ausgestatteten Gegenpol zu schaffen.

Überforderungen abbauen – leichter gesagt als getan. Denkbare Maßnahmen wären eine bessere pädagogische Ausbildung, kleinere Klassen, bessere Arbeitsbedingungen und vor allem Ausstiegsmöglichkeiten für ausgebrannte Lehrer.

Eine ernstgemeinte Reform des völlig überalterten Schulrechts - keine Reförmchen, die von betriebsblinden Ex-Lehrern erdacht werden.

Freie Schulwahl auch im Grundschulbereich - Problemschulen "entschärfen" sich dadurch schnell und wirkungsvoll selbst.



Ein bisschen Hoffnung?

Ja, auch die gibt es.

Es gibt Lehrkräfte, die Vorfälle ehrlich mit den Betroffenen besprechen, gemeinsam Lösungen suchen und finden, und mehr braucht es oft gar nicht.

Es gibt Schulleiter, die SOFORT und angemessen reagieren, wenn es zu Übergriffen kommt.

Es gibt Schulräte, die sich trauen aus der Reihe zu tanzen, unbequeme Fragen zu stellen und noch unbequemere Maßnahmen zu ergreifen.

Es gibt Polizisten, die uns viel Glück wünschen und versichern, dass die Ergebnisse nicht in ihrer Verantwortung liegen.

Es gibt Staatsanwälte, die auch gegen Beamte rigoros ermitteln und denen bewusst ist, dass Gewalt sich nicht nur an gebrochenen Knochen, Hämatomen und Blutspuren festmachen lässt.

Es gibt Richter, die erkannt haben, dass psychische Gewalt oft noch mehr Schaden anrichtet, als Schläge es vermögen, und mutige Urteile verfassen.

Es gibt sie - aber leider nicht in annähernd ausreichender Zahl.



Ganz oben auf meinem Wunschzettel steht eine
 „schnelle Eingreiftruppe“.
Gut geschulte Blauhelme in deutschen Schulen würden mich enorm beruhigen. Sie sollten als Feuerwehr, als Ersthelfer immer dorthin eilen, wo es gerade anfängt zu brennen.

Unabhängig, kompetent und überregional könnten solche Teams durch Eltern und Lehrern angefordert werden und als Gesprächsmoderatoren und Mediatoren fungieren, um eine Eskalation zu vermeiden und Lösungen zu erarbeiten.

Eine entsprechende Forderung einer "Eingreiftruppe im Konfliktfall" liegt den Kultusministerien bereits vor:
Interventionsteam



Egal, welches Ergebnis am Ende steht - Ihr Kind hat gewonnen, denn es hat gelernt, dass seine Eltern es lieben, sich einsetzen und es notfalls gegen den Rest der Welt verteidigen


Stand: 30.04.2006 zusammengestellt von Angelika Bachmann
 




 
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