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WIE KINDER ZUM SCHWEIGEN GEBRACHT WERDEN
 

Wie Kinder zum Schweigen gebracht werden


Immer wieder kommen bei Eltern Fragen und Zweifel auf:
WARUM
hat MEIN Kind nichts von Vorfällen und Übergriffen berichtet?

Eines zur Beruhigung vorweg: Es hat in den meisten Fällen nichts damit zu tun, dass die Kinder ihren Eltern nicht vertrauen.
Es kommt jedoch vor, dass Kinder in der Schule so massiv unter Druck gesetzt und eingeschüchtert werden, dass sie vor lauter Angst mit niemandem mehr darüber sprechen können, ja sogar krank werden und so auf sich aufmerksam machen und auf diese indirekte Wiese um Hilfe bitten.

Die Hintergründe möchte ich gern an Beispielen erläutern, die uns durch Kinder berichtet wurden.



Kollektives Einschwören und Drohungen


Viele Kinder einer 1. Klasse werden zu Hause verhaltensauffällig. Sie wollen wieder zu den Eltern ins Bett, schlafen nur noch mit Licht, bauen sich Nester, nässen wieder ein, klagen über Bauchweh und Kopfschmerzen, werden aggressiv oder tieftraurig, weigern sich zur Schule zu gehen etc.

Nach ein paar Monaten werden Strafanzeigen gegen Lehrkräfte erstattet, da mehrere Kinder zu Hause von Misshandlungen berichtet haben.

Eine Mutter berichtete:
Ich habe meine Tochter gefragt, warum sie nie mit mir über die Vorkommnisse gesprochen hat. Sie antwortete: Unsere Lehrerin hat uns gesagt, dass wir das nicht dürfen.
Wenn wir zu Hause erzählen, was in der Schule passiert,
geschieht ein Unglück, und wir fliegen alle von der Schule.

Das Verhalten der Lehrkraft ist an seelischer Grausamkeit kaum zu überbieten, denn durch diese vage Formulierung „es passiert ein Unglück“ schmort jedes Kind in SEINER kleinen Hölle. Nichts ist schlimmer, als eine von Angst getriebene Phantasie ...


Massive Manipulation einzelner Kinder

Eltern sollten immer dann skeptisch werden, wenn Kinder in einer Sprache über Schul-Erlebnisse berichten, die nicht ihrem Alter oder ihrem sonstigen Erzählstil entsprechen. Es kann sein, dass die Kinder massiv manipuliert wurden, wie in den folgenden Fällen:

Ein Mädchen beklagt sich darüber, von ihrer Sportlehrerin ins Bein gekniffen worden zu sein, als sie nicht hörte und mit anderen Kindern auf einer Mauer des Schulhofs stand. Sie hat eine halbmondförmige, verschorfte Wunde am Unterschenkel. Die Eltern sprachen mit der Lehrkraft und der Schulleitung. Die Lehrerin, die sonst immer lange Kunstnägel trägt, erschien mit kurz geschnittenen Nägeln und stritt alles ab.

In der nächsten Sportstunde spielte sich folgendes ab: Die Schülerin (7Jahre alt) befand sich in der Umkleidekabine, stand nur im Slip vor ihrer Sporttasche und wollte sich gerade umziehen, als die Lehrerin erschien und alle anderen Kinder rausschickte. Dem Mädchen wurde es untersagt, sich zu bekleiden, die Lehrerin nahm sie bei den Armen, begab sich auf Augenhöhe mit dem Kind, so dass sich ihre Nasen fast berührten und sagte immer wieder den gleichen Satz: Du musst sagen, dass das nicht stimmt. So etwas würde ich doch niemals tun!

Das Mädchen war völlig verstört, da es nicht daran gewöhnt ist, angelogen und manipuliert zu werden. So antworte sie genauso gebetsmühlenartig: Doch, das hast du getan! – bis die Lehrerin schließlich entnervt von ihr abließ.

Das Pech der Lehrkraft: Dem Mädchen war ihr kurzes Leben lang im Elternhaus immer wieder gesagt worden: Egal was du tust - Du darfst nicht lügen. Im Gegensatz zur Lehrerin hält sie sich an diese Spielregel.

Nur wenige Tage später hörten wir denselben Satz zum zweiten Mal, gleiche Schule, andere Lehrkraft. Ein Junge berichtete: Ich bekam im Unterricht eine Ohrfeige. Hinterher hat die Lehrerin der Klasse erzählt, dass es nur so ausgesehen hat und dass man zu Hause auch nichts anderes erzählen darf. Mich hat sie mit in den Flur genommen und gesagt, dass ich nichts erzählen darf. Ich bekäme sonst Ärger und würde von der Schule fliegen. Also habe ich den Mund gehalten und auf Fragen geantwortet:
Nein, so etwas würde Frau XXX doch niemals tun!

Die Mutter berichtete: Erst als es darum ging, dass eine kleine Schwester an der gleichen Schule eingeschult werden sollte, brach er sein Schweigen – er wollte auf gar keinen Fall, dass sie dort hin muss und erzählte von seinen Erlebnissen.

Bis auf 2 Kinder dieser Klasse hielten sich alle an die Vorgaben der Lehrerinnen und behaupten heute noch, nichts gesehen zu haben.
Dafür können sie schön im Chor sagen: Nein, so etwas würde Frau XXX doch niemals tun.


Die Kinder berichteten:
Wenn sie ausgerastet war, wurden hinterher oft Süßigkeiten verteilt – eine Lehrerin hat dafür sogar eine Schublade, in der sie immer Schokolade hat, die sie dann an Kinder verteilt, damit die sagen, dass sie nix gesehen haben und wie nett die Lehrerin ist.

Eine andere ist nach Vorfällen immer besonders lieb zu uns. Sie spricht dann mit einer ganz lieben Stimme, gar nicht wie sonst, da brüllt sie immerzu und beschimpft uns, aber dann lobt sie uns und schenkt lieben Kindern Gummibärchen. Nur das geschlagene Kind bekommt keine Süßigkeiten von der Lehrerin, denn dieses Kind war ja böse!


Aber auch das gibt es:
Eltern bringen ihre Kinder zum Schweigen.

Beispiel: Kinder berichten, dass ein Mädchen im Unterricht geschlagen wurde.
Ich habe nicht den leisesten Zweifel, denn die Beschreibung der Szene beschrieb Dinge, die ein 10-jähriges Kind nicht wissen kann, wenn es sie nicht erlebt hat.
Ein Junge erzählt:
Das Mädchen saß auf ihrem Platz und redete. Die Lehrerin wurde sauer, ging zu ihr hin und schlug ihr mit der flachen Hand ganz doll auf den Rücken. Das war furchtbar und hat so geröhrt.
Frage: Geröhrt?
Der Junge: Ja, das Mädchen hatte gerade den Mund auf und da kam die Luft durch den dollen Schlag so raus, dass es geröhrt hat.

2 Mütter suchten daraufhin die Mutter des Mädchens auf, um sie zu informieren, dass es Zeugen gibt und dass man ihr helfen würde.

Ergebnis: Die Mutter war überrascht aber nicht daran interessiert, ihrer Tochter zu helfen, die voller Angst daneben stand.
Die Mutter hat Angst vor dem Gerede der Leute, Angst vor Umsatzeinbußen für ihr Lädchen und hat sich zur Beruhigung folgende Version zurechtgelegt: Diese Leute von der Elterninitiative spinnen doch alle. Die Kinder haben das meiner Tochter nur eingeredet.

Ein paar Wochen später an der Bushaltestelle:
„ Ich habe mich jetzt getraut, meiner Mutter zu sagen, dass ich in der Schule eingesperrt wurde. Mal sehen, vielleicht trau ich mich ja auch, ihr von den Schlägen zu erzähle“, erzählt ein kleines Mädchen und schaut traurig zu Boden.


Während einer Hospitation im Mathematik-Unterricht konnte ich eine unglaubliche Beobachtung machen. Wenn man sich leise in ein Ecke setzt, vergessen die Kids schnell, das man anwesend ist und geben sich ganz natürlich. Einige wurden recht albern und es wurde der Lehrerin zu bunt. Sie erhob ihre Stimme und setzt zu einer Standpauke an.

In diesem Moment senkten fast alle Kinder der Klasse synchron die Köpfe. Kein einziger Schüler blickte mehr auf – die Lehrerin hätte jetzt Limbo tanzen oder Kinder ohrfeigen können und (fast) niemand hätte hinterher sagen können, was passiert ist. Ich war sprachlos vor Erstaunen über dieses seltsame Schauspiel.

Jedes Kind muss wissen, dass es den Eltern, Geschwistern Freunden ALLES erzählen kann, was es bedrückt und dass die Eltern ihm glauben.

Betroffene Familien berichten rückblickend fast einstimmig, dass sie solche Zustände im Traum nicht für möglich gehalten hätten. Man fragt zwar immer: Na, wie war es denn heute in der Schule? - rechnet doch aber nicht im Traum mit solchen Antworten.

Manchmal ist es nötig, doch genauer hinzuhören. Niemand wäre auf den Gedanken gekommen zu fragen: Na, wie war es denn heute? Haben dich irgendwelche Lehrerinnen tierisch angebrüllt, gekniffen, geschlagen oder eingesperrt?

Die allermeisten Lehrkräfte tun dies ja glücklicherweise auch nicht, aber wenn Ihr Kind sich seit der Einschulung sehr verändert hat, wieder einnässt, unter Kopfschmerzen, Bauchweh, Übelkeit leidet, aggressiv oder tieftraurig geworden ist, sich Nester zum schlafen baut oder ins Elternbett möchte, sich zurück- statt weiterentwickelt, überhaupt nicht zur Schule gehen möchte, dann sollte man behutsam etwas genauer nachfragen.
 

Stand: 30.04.2006 zusammengestellt von Angelika Bachmann




 
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