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Propagierte ?Gewaltprävention? und die Realität

 
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wilhelm



Anmeldedatum: 24.02.2007
Beiträge: 2

BeitragVerfasst am: 28.02.2007, 15:29    Titel: Propagierte ?Gewaltprävention? und die Realität Antworten mit Zitat

Hallo,

Mich interessiert wie das an anderen Schulen ist.

An der Schule meiner Tochter (integrierte Gesamtschule) wird ?Gewaltprävention? ganz groß geschrieben, zumindest theoretisch.
In zahllosen Elternbriefen, Veranstaltungen wie auch im Internetportal dieser Schule werden allerlei Bekenntnisse, Absichtserklärungen und ?Sonntagsreden? gehalten, was doch alles für die Gewaltprävention getan wird. Dafür ständen allerlei Experten (auch möchtegern oder selbsternannte) zur Verfügung, Schulpsychologen, Sozialpädagogen, Vertrauenslehrer, Vertrauens-Schüler, Schlichter und was weiß ich noch alles.

Kommt es aber dann zum Mobbing, wie bei meiner Tochter geschehen, heißt es dann lapidar, zwischen den Zeilen, durch die Blume, ?das Kind solle sich nicht so anstellen?.

Praktisch schauen die LehrerInnen weg, die Mobbingtäter interessiert niemanden, nur die Opfer gelangen ins Blickfeld, werden für psychotherapeutisch behandlungsbedürftig erklärt, es wird in den Familien (dem ?familiären Umfeld?) des Opfers geschnüffelt, das Umfeld der Täter interessiert nicht.
Es geht ganz offensichtlich um Schuldzuweisung gegen die Opfer und um Alibifunktion der LehrerInnen, die ihr Versagen, und ihre unterlassene Hilfeleistung nicht wahrhaben, nicht eingestehen wollen (weil es nicht sein kann, was nicht sein darf). Es wird nur über Gewaltprävention geredet aber nichts getan.

Das Recht und Verursacherprinzip werden hier auf den Kopf gestellt, die Täter bleiben unbehelligt, die Opfer will man in die Therapie geben. Die Eltern (nur die der Opfer) werden in die Mangel genommen.

Die Experten kennen nur eine Lösung, das Opfer soll gegen Mobbingangriffe ?stark? gemacht werden, somit können aber die Täter so weiter machen wie bisher.

Meines Erachtens ist dies der falsche Weg, es führt nur dazu, daß die Täter gegenüber ?stark? gemachten Opfern die Strategie ändern, und immer aggressiver vorgehen, um zum Erfolg zu kommen

Es ist wie beim Einbruchschutz, nach einem Einbruch wird der Geschädigte wohl ?aufrüsten? er wird besser Schlösser einbauen usw. Damit wird aber kein einziger Einbruch verhindert, weil die Täter ebenso aufrüsten, und ihre Einbruchstechniken der neuen Sicherheitstechnik anpassen (?Wettrüsten?).

Damit wird nur an den Symptomen gebastelt, statt richtiger an den Ursachen (den Verursachern).

Damit hängt wohl auch zusammen, daß die physische Aggression und Gewalt auf Schulhöfen, nicht nur dort, steigt. Da wird auf denen auf dem Boden liegenden noch weiter eingeprügelt und getreten, die Schwelle, eine Waffe zu verwenden wird niedriger usw.,

Das führ ich auch darauf zurück, daß man die Opfer stärkt (sie z.B. in Kampfsport schickt usw.) aber die Täter unbehelligt läßt. Also werden die Täter immer brutaler, um ihr Macht-Level, ihren Abstand zu den ?Ohnmächtigen? zu erhalten.

Meine Tochter ist zurückhaltend, nachdenklich, belesen, kritisch, nicht oberflächlich.
Im Unterricht verhält sie sich diszipliniert (an sich unabdingbar für effizientes Lernen) die Mehrheit verhält sich jedoch chaotisch.

Viele LehrerInnen passen sich aber dieser Mehrheit an, nehmen sie als Maßstab, da gelten die Disziplinierten fast schon als Störfaktor oder gar las ?Loser?.

Offenbar ideologisch verblendet verwechseln die Experten Gleichberechtigung oder Chancengleichheit mit Gleichmacherei und Chaos mit ?Freiheit? oder ?freier Entfaltung der Persönlichkeit?.
Sie befürchten, das Schüler einen seelischen Knacks bekommen, oder ?unfrei? werden, wenn sie mal zur Disziplin ermahnt werden (Stichwort ?Kuschelpädagogik?).

Die ?Wilden? sind nicht selten die Lieblinge so mancher LehrerInnen, und erhalten meist gute Bewertungen im Sozialverhalten. Dagegen scheinen die stillen SchülerInen eher langweilig zu sein, denn die ?lernen ja nur..?.

Entsprechend deuten die ?Experten? die Wesensart meiner Tochter als sozial ungünstig, und bescheinigen ihr mangelndes Selbstvertrauen.

Tatsächlich leiden aber die Mobber, Schreier und Gröler unter mangelndem Selbstvertrauen, sie wollen nämlich ihre Opfer niedermachen um sich damit selbst vermeintlich zu erhöhen.

Diese angeblich psychisch gesunden und selbstbewußten Schüler sind jedoch ganz offensichtlich nicht in der Lage, z. B. mal alleine in den Supermarkt zu gehen, sie treten immer in regelrechten Horden auf. Sieht man sie selten man alleine, sind sie so klein mit Hut, wirken regelrecht gestört.

Da läuft vieles falsch, aber die Experten stehen über aller Kritik, wobei so manche garantiert die Schwachpunkte sogar erkennen, sich aber nicht trauen sie anzusprechen, weil sie nicht als Nestbeschmutzer gelten wollen.

Es kommt mir so vor als ob es den Experten nur um einen funktionierenden Schulapparat geht. Wie der realisiert wird, ist dann ganz unabhängig von Qualität oder gar ethischer Betrachtung.

Und wenn es sein muß, kann eine Schule aus 599 Grölern, Mobbern und Dummköpfen bestehen, das ist dann in Ordnung, Hauptsache die Schule funktioniert wie geschmiert.
Dann ist ein einziger Gescheiter eben der Störfaktor und muß ausgemerzt, psychotherapeutisch behandelt werden.

Gruß, wilhelm
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Doris Carnap
Moderatorin


Anmeldedatum: 18.01.2006
Beiträge: 803
Bundesland: Hessen

BeitragVerfasst am: 01.03.2007, 10:14    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo wilhelm,

was du beschreibst habe ich auch schon beobachtet: theoretisch hört es sich gut an, was eine Schule zu bieten hat, die Umsetzung ist leider oft mangelhaft! Wahrscheinlich aus Zeitgründen wird es versäumt Zusammenhänge zu ergründen, man ist mit einfachen Antworten und Lösungen zufrieden. Ist ein Schüler eher aggressiv wird ihm schnell die Rolle des Sündenbocks zugeschrieben, egal wie sehr er vorher von seinen Mitschülern (aber auch Lehrern) beleidigt und bedrängt wurde. Oder die Kinder sind einfach zu empfindlich und sollen sich, bitte schön, nicht so anstellen! Das Kind ist dann selbst dran Schuld.

Es fehlt an uneren Schulen häufig die gegenseitige Achtsamkeit im Umgang miteinander. Manche Lehrer sind so von ihrer Selektionaufgabe besessen, dass sie keine Zeit haben, um für eine gute Atmosphäre zu sorgen. Nirgendwo werden Schüler so schnell und einfach abgestuft wie in einer Gesamtschule, von wenigen Ausnahmen abgesehen.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang ein gutes Klassenklima. Wo das Klima wirklich stimmt, werden sich die Schüler nicht gegenseitig 'fertigmachen'. An Gesamtschule gibt es diesen festen Klassenverband auch nicht so wie an den übrigen Schulen.

Bei uns in Deutschland ist die Klassenleitung eher eine unbeliebte Aufgabe, die nur mehr Arbeit macht und manchen Lehrern regelrecht aufgezwungen werden muss. Diese Lehrer verhalten sich dann entsprechend unwillig und unmotiviert und schrecken auch nicht davor zurück den Eltern auf einem Elternabend klar zu machen, dass man von ihnen nichts erwarten kann! In anderen Ländern werden Lehrer speziell für eine Klassenleitung ausgebildet, bei uns gehört sie selbstverständlich zum Job, ohne dass Lehrer eine Ahnung haben wie man es schafft aus vielen Individuen eine gut funktionierende Gruppe zu machen. Da kann es auch passieren, dass Lehrer mit einer kleinen Gruppe Schüler zusammenarbeiten und den Rest der Klasse ausgrenzen.

Zum Thema Mobbing gab es eine Untersuchung an einer Münchner Grundschule.
Zitat:
Ein Team von Entwicklungspsychologen und Pädagogen vom Department für Psychologie der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München hat jetzt in einem Pilotprojekt alle Schüler einer Schwabinger Grundschule befragt. Unter der Leitung von Privatdozentin Dr. Mechthild Schäfer am Lehrstuhl für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie fanden die Forscher Hinweise, dass den ersten beiden Klassen eine ganz besondere Rolle zukommt. ?Besonders spannend war für uns, dass sich gerade bei den Anfangsklassen, also im ersten und zweiten Schuljahr, deutliche Unterschiede zwischen den Klassen abzeichnen?, so Schäfer. ?Das lässt vermuten, dass am Anfang der Schulzeit gutes Klassenmanagement besonders viel Gestaltungsspielraum für ein friedfertiges Klassenklima bereit hält.? http://www.emgs.de/forum-emgs/viewtopic.php?t=566


Das habe ich auch auf weiterführenden Schulen so beobachte: von einer guten Klassenleitung hängt viel ab.

Doris
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"Das Geheimnis der Erziehungskunst ist der Respekt vor dem Schüler." Ralph Waldo Emerson
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