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Der Lernprozess

 
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Doris Carnap
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BeitragVerfasst am: 26.07.2006, 09:39    Titel: Der Lernprozess Antworten mit Zitat

Hallo,

im Lehrerforum steht unter der Rubrik 'off topic' unter 'elternfrage' auf Seite 10 folgender Beitrag von snopy64:
Zitat:
Vor einer Englischarbeit habe ich sehr klar beschrieben (auch angeschrieben), was und auch wie gelernt werden soll (kann). Im Prinzip war auch schon vorher vieles klar, da ich den Unterricht ja mit den Schülern gestaltet hatte. Aber irgendwie konnten sie mit meiner Vorstellung / Hoffnung, dass möglichst viele Schüler gut abschneiden, nichts anfangen

Ja, das wäre wirklich schön, wenn die Hoffnungen eines Lehrers ausreichen würden, um gute Arbeiten zu schreiben. Ich frage mich nur, was während des Unterrichts passiert ist, das ist doch die Zeit in der der Lernprozess stattfinden sollte? Anscheinend nichts, denn vor der Arbeit erst wurde den Schülern beschrieben (auch angeschrieben) was sie zu lernen haben. Dieses Lernen fand von der Lehrerin unbegleitet statt, und war anscheinend erfolglos. Schuld daran sind natürlich die unmotivierten Schüler!
Zitat:
Lala schrieb: Ja, ich beschreibe auch immer sehr genau, um was es geht in der Arbeit. Ich glaube, wenn ich die Fragen mit Lösungen an die Tafel schreiben würde mit der sehr klaren Anweisung, dass genau dies für die KA relevant sei, gäbe es immer noch Fünfen....Wo können wir da noch an der Motivation der Schüler arbeiten???

Die Schüler sind aber auch unglaublich unfähig und unmotiviert!

Dafür tragen Lehrer natürlich keine Verantwortung, sondern laut Timm ist es die Gesellschaft die einem Schüler die Lernfreude austreibt und die Lehrer stehen erst am Ende diese Weges und haben natürlich keinen Einfluss darauf.

Und füchsle, eine Mutter beschriebt im Schulthemen Forum unter der Rubrik E.L.S.K.E. im Thread 'Neues Pänomen' was dann zu Hause passiert:
Zitat:
"Bsp. Kind schreibt schlechte Arbeiten. Dann stellt man sich erst mal die Frage: Können wir üben? wie? womit?.............und schon ist man vielleicht mittendrin. Die Unterlagen aus dem Unterricht reichen nicht aus. Konkrete Tipps gibt es nicht, ausser das Textbuch besser lesen. Es ist zum grossen Teil auch Hilflosigkeit, dass man den Fehler woanders sucht."


Der Lernprozess spielt während des Unterrichts keine wesenliche Rolle. AEBLI hat in seinem Buch ?Zwölf Grundformen des Lernens", Stuttgart 1987, 3. Auflage, diese Thematik erneut aufgegriffen.
Zitat:
Dort schreibt er (S. 391):

Zitat:
?Erziehungspersonen verfügen über Techniken, die im Kind Lernprozesse auslösen, die sich aufgrund seiner spontanen Aktivitäten nie ereignen würden."

http://bebis.cidsnet.de/weiterbildu....gestaltung/bescheiden.htm


Erziehungspersonen sollten über Techniken verfügen...in der Praxis fehlt ihnen leider häufig dieses Wissen. Zum Thema "Konstruktivismus und Didaktik" ein interessanter Beitrag: http://bebis.cidsnet.de/weiterbildu....alldidaktik/konstrukt.htm

Doris
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"Das Geheimnis der Erziehungskunst ist der Respekt vor dem Schüler." Ralph Waldo Emerson
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Timm



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BeitragVerfasst am: 29.07.2006, 11:08    Titel: Re: Der Lernprozess Antworten mit Zitat

Doris Carnap hat Folgendes geschrieben:
Hallo,

Dafür tragen Lehrer natürlich keine Verantwortung, sondern laut Timm ist es die Gesellschaft die einem Schüler die Lernfreude austreibt und die Lehrer stehen erst am Ende diese Weges und haben natürlich keinen Einfluss darauf.



Liebe Doris,

ich habe mich bis jetzt auf das Mitlesen in diesem Forum beschränkt. Eure Beiträge spiegeln zwar nur einen kleinen, aber wichtigen Teil der schulischen Realität wider. Da es aber explizit um den Austausch von Betroffenen geht, möchte ich mich auch weiterhin zurückhalten.
Wenn ich aber sowohl falsch als auch aus dem Zusammenhang gerissen zitiert sehe, muss ich das klar stellen. Ich tauge definitiv nicht als Anwalt der Kollegen, die für das Scheitern der Schüler verantwortlich sind. Deshalb möchte ich Folgendes richtig stellen:

1. In unseren Beiträgen haben sich zum Schluss Berufsschullehrer unterhalten. Wir stehen - einfach aufrund unseres Jobs - am definitiven Ende der Ausbildung eines Schülers. Deswegen sehen wir uns mit Realitäten konfrontiert, die sich allein aus der zeitlichen Andauer manchmal schwierig ändern lassen. Für Kollegen aus der Primar- und Sekundarstufe I sieht das anders aus!
2. Mein Originalbeitrag war wesentlich anders als das vollkommen falsche Zitat:
Zitat:

Ich stimme auch überein, dass Menschen prinzipiell lernbegierig sind. ABER: Die Gesellschaft kann es einem auch austreiben. UND: Das ist oft nicht die Schuld der Schule.
[...]
Wir, die als Kollegen am Ende der Kette stehen, sehen irgendwann unsere Einflussmöglichkeit als sehr begrenzt. Wir können nur versuchen, das beste, fördernste Lernumfeld zu schaffen und im begrenzten Maße Einfluss auf die Umgebungsparamter zu nehmen.
Ich denke aber, dass so ein forderndes und förderndes Umfeld zumindest einigen Schülern aufzeigen kann, dass es noch andere Möglichkeiten im Leben gibt. Das Wissen, was unsere Schüler beeinflusst und bedrückt, sollte uns neben aller Konsequenz immer auch an ein größtes Maß an Menschlichkeit unseren Schutzbefohlenen gegenüber mahnen.

Ich habe mir also lediglich erlaubt darauf hinzuweisen, dass die gesellschaftliche Verhältnisse (außerhalb der Schule, denn Schule ist Teil der Gesellschaft!!!), auch ihren Beitrag zur Schul- und Lernmüdigkeit beitragen.

Wenn ich gerade am Posten bin: Erziehungspersonen sind in erster Linie mal die Eltern. Davon geht auch das GG in Art. 6 aus:
Zitat:

(2) Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflich
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Doris Carnap
Moderatorin


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BeitragVerfasst am: 30.07.2006, 11:42    Titel: Antworten mit Zitat

Lieber Timm,

willkommen im Forum.

In diesem Thread geht es um den Lernprozess und Probleme der Lehrer und nicht um die Erziehung der Eltern. Wir können das Thema 'Erziehung' auch gerne in einem neuen Thread nochmal aufnehmen, wenn du Interesse hast. In diesem Thread war die Erziehung schon mal Thema: http://emgs.de/forum-emgs/viewtopic.php?t=29

Der Ursprung des Threads im Lehrerforum war der Brief einer Mutter http://emgs.de/forum-emgs/viewtopic.php?t=492 über den wir hier auch hier im Forum diskutiert haben. Die Mutter hatte die Leiden ihres Sohnes beschrieben und die Veränderungen nach Schuleintritt.

Dass sich ein gut begabtes, zu Schulbeginn hochmotiviertes Kind so entwickelt, wird von Eltern häufig beklagt. Wir müssen fassungslos zusehen, wie aus Kindern mit außergewöhnlichen Fahigkeiten in der Schule 'Mangelwesen' werden. Weil hier Lehrer sehr häufig nur nach Schwächen und Defiziten Ausschau halten und das manchmal solange, bis die Kinder eine Lernblockade entwickelt haben, dann ist die Diagnose schnell gestellt: ungeeignet für....

Du kritisierst bei Rolf folgendes:
Zitat:
Tja, du sprichst den wunden Punkt bei robischon an. Sein Menschenbild geht recht statisch vom lernbegierigen Primarstüfler aus.
Nein Timm, es ist nicht Rolfs Menschenbild - es ist schlicht eine Tatsache, dass alle Kinder bis zu ihrem Schuleintritt unglaublich viel lernen und bei Schuleintritt noch sehr lenrnfreudig sind und die Lernfreude im Laufe der Schulzeit verlieren. So steht es auf der Homepage der Schule, die meine Kinder besucht haben und das haben sie dort auch so erlebt:
Zitat:
Virtually every five year old comes to school eager to learn. The mission of Quality Schools International (QSI) is to keep this urge to learn alive in every child in QSI schools. [...] Our schools follow a logical model of education, which measures success by the accomplishments, and attitudes of our students. We believe that all of our students can succeed, that their successes encourage them to continue in a pattern of success, and that it is the schools? responsibility to provide the conditions for success.

Und in Deutschland passiert häufig etwas 'unerklärliches' mit diesen Kindern im 'normalen' Unterricht Die Schüler sitzen gelangweilt da, die Einen, weil sie in vier Wochen lesen und schreiben gelernt haben und eigentlich den Mathestoff der ersten drei Schuljahre locker beherrschen, die Anderen, weil sie so weit hinten hängen, dass sie den Anschluss verloren haben. Dass das Entwicklungsalter der Kinder bei Schuleintritt um vier Jahre differiert ist nichts Neues! Schon lange wird von den Lehrern "Binnendiffernzierung" erwartet, leider können sich zu viele Lehrer noch nicht mal vorstellen, wie das gemacht werden soll und schreiben auch offen im Lehrerforum, dass sie dazu nicht Willens und in der Lage sind.

Du suchst die Ursache für die Lernunlust der jungen Menschen, die dann später eine Berufsschule besuchen (auch) bei der Gesellschaft, ich mache dafür die Lehrer verantwortlich (und natürlich auch die Aufsichtsbehörden, die sich nicht darum kümmern, ob die vom Staat Alimentierten auch die an sie gestellten Forderugnen erfüllen). Denn ich gehe einfach nicht davon aus, dass deutsche Kinder unmotivierter oder dümmer (oder schlechter erzogen) sind, als zum Beispiel schwedische oder australische Kinder. Und wie schon geschrieben, bei meinen eigenen Kinder konnte ich beobachten, was dieses Fehler- und Defizitdenken bewirkt hat. Und auch bei den Kindern meiner Freunde, die zurück nach Australien oder England gegangen sind oder ihre Kinder hier oder im Ausland auf eine Privatschule geschickt haben - der Geist der Schulen ist ganz anders und spornt die Kinder zu Hochleistungen an. Diesen anderen Geist vermisse ich in unseren Schulen:
Zitat:
We believe that all of our students can succeed, that their successes encourage them to continue in a pattern of success, and that it is the schools? responsibility to provide the conditions for success.

Natürlich verlassen auch Jugendliche anderer Länder die Schule, um eine Berufsausbildung zu machen - aber sie entscheiden sich freiwillig für diesen Weg und das macht den großen Unterschied.

Lala beschreibt diese Schüler im Lehrerforum als 'überschult'
Zitat:
Leider gibt es in den Berufsfachschulen jedes Jahr mindestens einen, der durch das Raster fällt und für den wir im Interesse der anderen, die weiterkommen wollen, leider den Schulabgang vorsehen.

Und du erklärst "warum kann nun Lernen Schülern verleidet werden" durch:
Zitat:
Timm: a) Gruppenzwang: Die gesellschaftliche Sozialisation in den peer-Gruppen vermittelt, dass Lernen uncool ist und Chancen im eigenen Milieu damit kaum wachsen. Leider gilt beispielsweise in einigen Stadtteilen eine kriminelle Karriere als aussichtsreicher als eine normale "bürgerliche". Oft sind die Betroffenen nicht mit denen aus b) identisch.


Judith Rich Harris beschäftigt sich in ihrem Buch "Ist Erziehung sinnlos - warum Kinder so werden, wie sie sind" mit dem Einfluss der Peer-group und dem Fehler vieler Lehrer ganze Gruppen auszugrenzen, die dann, um sich zu schützen, vorgeben dass Lernen uncool sei. Aktuell bei der Diskussion um die Rütli- Schule wurde doch herausgestellt, dass viele andere Schulen unter ähnlichen Bedingungen sehr erfolgreich arbeiten können.

Zitat:
Timm: b) Sozioökonomische Perspektivlosigkeit: Ein Schüler, der weiß, dass er trotz an das Herangehen an seine Leistungsgrenzen keine Aussicht auf Arbeit und Ausbildungsplatz hat, wird sich dem Lernen verweigern. Wir wissen, dass eine Suche nach einem Ausbildungsplatz mit einem guten 3er Schnitt im HS-Zeugnis in vielen Regionen fast aussichtlos ist.


Da ist der deutsche Fehlglaube, ein Schüler habe seine Leistungsgrenze erreicht. Das wird in anderen Ländern ganz anders gesehen: jeder kann Erfolg haben.

Zitat:
c) Timm: Entwicklungspsychologische Aspekte, oft kombiniert mit a): Es stehen momentan wichtiger Dinge auf der Agenda als im schulischen Kontext zu lernen. Dabei spielt die Form des Lernens keine Rolle, weil der Inhalt mit der Schule inkompatibel ist. Wir werden unseren Schülern kaum eine Einführung ins Flirten, Petting, Kopulieren, Kiffen oder Saufen/Party machen liefern können. Viele von uns werden sich aber an Zeiten erinnern, in denen das eine oder andere absolute Priorität hatte.

Natürlich gibt es den typischen Leistungseinbruch zu Beginn der Pubertät, aber auch das ist keine deutsche Spezialität. Nur werden die Jugendlichen anderer Länder dafür nicht bestraft! Aber auch im Bildungsplan für das Gymnasium (B-W) wird auf die Leistungseinbrüche besonders hingewiesen:
Zitat:
Bei den Jugendlichen der 8. Klasse ergeben sich oftmals auffallende Leistungseinbrüche, die mit pubertären Schwierigkeiten einerseits und den steigenden Anforderungen andererseits zu tun haben. Eine Häufung von Mißerfolgen kann Resignation und Angst zur Folge haben. Darunter leidet die Motivation, die Wissenslücken nehmen zu. Auf die Festigung des Basiswissens ist daher besonders zu achten. Für die Lehrerinnen und Lehrer bedeutet das, der Gefahr zu widerstehen, vorrangig mit jenen zu arbeiten, mit denen man mühelos vorankommt. So schwierig es im Einzelfall ist - durch Ermutigung und individuelle Hilfen sollte immer wieder versucht werden, dafür zu sorgen, daß das Selbstwertgefühl auch der Schwächeren nicht beschädigt wird.


Gott sei Dank ist Schule nicht für die Bereiche von Flirten bis Party machen zuständig - da würde den Kids sicherlich auch der Spaß vergehen;-)

Zitat:
Timm: Wir, die als Kollegen am Ende der Kette stehen, sehen irgendwann unsere Einflussmöglichkeit als sehr begrenzt. Wir können nur versuchen, das beste, fördernste Lernumfeld zu schaffen und im begrenzten Maße Einfluss auf die Umgebungsparamter zu nehmen.


Ich denke, der Erfolg könnte viel größer sein, wenn man aufhört sich einzureden, dass die Einflussmöglichkeiten begrenzt sind. Das Ziel sollte sein "das beste, fördernste Lernumfeld zu schaffen" und "Einfluss auf die Umgebungsparameter zu nehmen"!

Doris
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Timm



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BeitragVerfasst am: 30.07.2006, 15:57    Titel: Antworten mit Zitat

Doris Carnap hat Folgendes geschrieben:
Schon lange wird von den Lehrern "Binnendiffernzierung" erwartet, leider können sich zu viele Lehrer noch nicht mal vorstellen, wie das gemacht werden soll und schreiben auch offen im Lehrerforum, dass sie dazu nicht Willens und in der Lage sind.

Liebe Doris,
meine erste Fobi hatte das Thema "Binnendifferenzierung" zum Inhalt.

Zitat:

Du suchst die Ursache für die Lernunlust der jungen Menschen, die dann später eine Berufsschule besuchen (auch) bei der Gesellschaft, ich mache dafür die Lehrer verantwortlich (und natürlich auch die Aufsichtsbehörden, die sich nicht darum kümmern, ob die vom Staat Alimentierten auch die an sie gestellten Forderugnen erfüllen). Denn ich gehe einfach nicht davon aus, dass deutsche Kinder unmotivierter oder dümmer (oder schlechter erzogen) sind, als zum Beispiel schwedische oder australische Kinder. Und wie schon geschrieben, bei meinen eigenen Kinder konnte ich beobachten, was dieses Fehler- und Defizitdenken bewirkt hat. Und auch bei den Kindern meiner Freunde, die zurück nach Australien oder England gegangen sind oder ihre Kinder hier oder im Ausland auf eine Privatschule geschickt haben - der Geist der Schulen ist ganz anders und spornt die Kinder zu Hochleistungen an. Diesen anderen Geist vermisse ich in unseren Schulen.

Die führst immer wieder an, dass ausländische Schulsystem besser seien als das unsere. Leider redest du nur vom allgemeinbildenden Schulsystem. Ein Vergleich mit dem deutschen Berufsschulsystem kann es aber in Hinblick auf Großbrittanien und Australien schon deswegen nicht geben, weil sie ein solches nicht haben. Ich habe mich mit keinem Wort als ein Verteidiger des deutschen allgemeinbildendne Schulsystems geäußert. Ehrlich gesagt bin ich verärgert, in Sippenhaft für alle deutschen Lehrer genommen zu werden, die dazu noch unter politisch vorgegebenen Bedingungen arbeiten müssen.
Unsere Beiträge im von dir zitierten Thread waren - noch einmal - zum Schluss von Berufsschullehrern. Du kannst mich einfach nicht zum Apologeten von etwas machen, über das ich nicht geschrieben habe!
Dass du meinst, Lernbereitschaft hänge nur von den Lehrern ab, halte ich für schlicht lebensfremd. Ich bitte aber um Antwort, wie ich mit einem volljährigen Schülern umzugehen habe, der sich durch die Prüfung fallen ließ und mir sagte: "Herr X, nächstes Jahr schaffe ich, dieses Jahr habe ich ja eigentlich nur Party gemacht."
Zitat:

Natürlich verlassen auch Jugendliche anderer Länder die Schule, um eine Berufsausbildung zu machen - aber sie entscheiden sich freiwillig für diesen Weg und das macht den großen Unterschied.

Öh, du meinst alle Schüler, die wir im beruflichen Schulsystem haben, hätten die Schule unfreiwillig verlassen?
Zitat:

Lala beschreibt diese Schüler im Lehrerforum als 'überschult'
Zitat:
Leider gibt es in den Berufsfachschulen jedes Jahr mindestens einen, der durch das Raster fällt und für den wir im Interesse der anderen, die weiterkommen wollen, leider den Schulabgang vorsehen.

Weißt du denn überhaupt, was Berufsfachschulen sind?
Zitat:

Und du erklärst "warum kann nun Lernen Schülern verleidet werden" durch:
Zitat:
Timm: a) Gruppenzwang: Die gesellschaftliche Sozialisation in den peer-Gruppen vermittelt, dass Lernen uncool ist und Chancen im eigenen Milieu damit kaum wachsen. Leider gilt beispielsweise in einigen Stadtteilen eine kriminelle Karriere als aussichtsreicher als eine normale "bürgerliche". Oft sind die Betroffenen nicht mit denen aus b) identisch.


Judith Rich Harris beschäftigt sich in ihrem Buch "Ist Erziehung sinnlos - warum Kinder so werden, wie sie sind" mit dem Einfluss der Peer-group und dem Fehler vieler Lehrer ganze Gruppen auszugrenzen, die dann, um sich zu schützen, vorgeben dass Lernen uncool sei. Aktuell bei der Diskussion um die Rütli- Schule wurde doch herausgestellt, dass viele andere Schulen unter ähnlichen Bedingungen sehr erfolgreich arbeiten können.

Bitte erkläre mir, wie ich als Lehrer "ganze Gruppen" ausgrenzen kann?
Zitat:

Zitat:
Timm: b) Sozioökonomische Perspektivlosigkeit: Ein Schüler, der weiß, dass er trotz an das Herangehen an seine Leistungsgrenzen keine Aussicht auf Arbeit und Ausbildungsplatz hat, wird sich dem Lernen verweigern. Wir wissen, dass eine Suche nach einem Ausbildungsplatz mit einem guten 3er Schnitt im HS-Zeugnis in vielen Regionen fast aussichtlos ist.


Da ist der deutsche Fehlglaube, ein Schüler habe seine Leistungsgrenze erreicht. Das wird in anderen Ländern ganz anders gesehen: jeder kann Erfolg haben.

Nein, es ist ein Fehlglaube, dass jeder Schüler eine 1 erreichen kann. Und eine 3 ist kein Misserfolg, sondern belegt Leistungen, "wenn sie im allgemeinen den Anforderungen entsprechen" Rolling Eyes
Zitat:

Zitat:
c) Timm: Entwicklungspsychologische Aspekte, oft kombiniert mit a): Es stehen momentan wichtiger Dinge auf der Agenda als im schulischen Kontext zu lernen. Dabei spielt die Form des Lernens keine Rolle, weil der Inhalt mit der Schule inkompatibel ist. Wir werden unseren Schülern kaum eine Einführung ins Flirten, Petting, Kopulieren, Kiffen oder Saufen/Party machen liefern können. Viele von uns werden sich aber an Zeiten erinnern, in denen das eine oder andere absolute Priorität hatte.

Natürlich gibt es den typischen Leistungseinbruch zu Beginn der Pubertät, aber auch das ist keine deutsche Spezialität. Nur werden die Jugendlichen anderer Länder dafür nicht bestraft! Aber auch im Bildungsplan für das Gymnasium (B-W) wird auf die Leistungseinbrüche besonders hingewiesen:
Zitat:
Bei den Jugendlichen der 8. Klasse ergeben sich oftmals auffallende Leistungseinbrüche, die mit pubertären Schwierigkeiten einerseits und den steigenden Anforderungen andererseits zu tun haben. Eine Häufung von Mißerfolgen kann Resignation und Angst zur Folge haben. Darunter leidet die Motivation, die Wissenslücken nehmen zu. Auf die Festigung des Basiswissens ist daher besonders zu achten. Für die Lehrerinnen und Lehrer bedeutet das, der Gefahr zu widerstehen, vorrangig mit jenen zu arbeiten, mit denen man mühelos vorankommt. So schwierig es im Einzelfall ist - durch Ermutigung und individuelle Hilfen sollte immer wieder versucht werden, dafür zu sorgen, daß das Selbstwertgefühl auch der Schwächeren nicht beschädigt wird.


Gott sei Dank ist Schule nicht für die Bereiche von Flirten bis Party machen zuständig - da würde den Kids sicherlich auch der Spaß vergehen;-)

Nö, die geilsten Partys haben wir immer noch auf Schulfesten und Ausfahrten gehabt. Wink
Es gibt übrigens auch Schüler, ja ganze Jahrgänge, die ihre Schulzeit genossen haben und um parents zu zitieren:
Zitat:

Und die Vorfreude auf die Schule, nach den langen Ferien, war bisher immer groß.
Viele von unserem Jahrgang haben übrigens 14 Jahre nach dem Abi immer noch Kontakt zu ihren "bösen" Paukern und spielen zum Beispiel freiwillig beim Ehemaligen-Lehrersport mit!
Im Übrigen unterrichte ich immer noch nicht am Gymnasium und du solltest dann bitte auch mit den enstprechenden Lehrern darüber reden. Ansonsten hoffe ich auf eine Antwort für obige Frage.

Zitat:

Zitat:
Timm: Wir, die als Kollegen am Ende der Kette stehen, sehen irgendwann unsere Einflussmöglichkeit als sehr begrenzt. Wir können nur versuchen, das beste, fördernste Lernumfeld zu schaffen und im begrenzten Maße Einfluss auf die Umgebungsparamter zu nehmen.


Ich denke, der Erfolg könnte viel größer sein, wenn man aufhört sich einzureden, dass die Einflussmöglichkeiten begrenzt sind. Das Ziel sollte sein "das beste, fördernste Lernumfeld zu schaffen" und "Einfluss auf die Umgebungsparameter zu nehmen"!

Doris

Hilfst du uns dabei, Einfluss auf die Umgebungsparamter zu nehmen? Leider kann ich keine Lehrstellen schaffen und auch Bildungspolitik mache ich nicht! Ich kann dir nur aus Erfahrung sagen, dass wir Berufsschullehrer sehr aufgeschlossen gegenüber Neuem sind. Wir haben in den letzten drei Schuljahren drei neue Schularten bei uns etabliert, die insbesondere bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt beinhalten!
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Silke
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BeitragVerfasst am: 30.07.2006, 17:01    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Doris,

deinen Ausführungen ist nichts mehr hinzuzufügen, du hast es auf den Punkt gebracht.
Ich erlebe jeden Tag wie demotiviert und frustriert meine Kinder die Schule besuchen.
Und um eine Erklärung für sich selber zu haben, heißt es dann ?Lernen ist uncool? und alle, die es tun sind ?Streber?. Diese Haltung entspringt in meinen Augen der eigenen Hilflosigkeit, denn eigentlich würde man sich schon über eine gute Note freuen.
Es gab mal ein geflügeltes Wort: ?Das Lob des Fehlers? hieß es da, bedeutete wohl soviel wie ?aus Fehlern kann man lernen?. Genau dies ist aber in den Schulen unerwünscht; meine älteste Tochter,
z. Bsp. traut sich nicht mündlich mitzuarbeiten, weil sie Angst davor hat, dass ihre Antworten falsch sein könnten; es würde dann gelacht werden und eine spitze Bemerkung des Lehrers folge dann noch obendrauf.
Was meinen Sohn angeht, äußerte eine Lehrerin meinem Mann gegenüber, dass er sich sehr bemühen würde, aber das allein genüge nicht; was soll man davon halten?
Lernen muss man freiwillig sonst funktioniert es nicht, und diese Gabe bringt jedes Kind mit;
die Aufgabe der Gesellschaft, also von uns allen ist es, jedem Kind zu ermöglichen sein Begabungspotenzial so weit wie irgend möglich auszuschöpfen und genau da versagt die deutsche Bildungspolitik.

@Timm

Du warst einer der wenigen, der auf meinem Beitrag ?Was geschieht mit unseren Kindern??im Schulthemenforum neutral und sachlich geantwortet hat, und mich nicht, wie eine hysterische Mutter dargestellt hat; dafür meinen Respekt.

Zum Schluss noch eins: Eltern lieben ihre Kinder, und wenn ein Lehrer oder eine Lehrerin ein Kind herablassend oder demütigend behandelt, dann tut das nicht nur dem Kind weh, sondern es verletzt auch uns Eltern. Beispiele für solches Verhalten könnte ich ohne Ende anführen.

Liebe Grüße

Silke
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Doris Carnap
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BeitragVerfasst am: 01.08.2006, 10:19    Titel: Antworten mit Zitat

Lieber Timm,
Zitat:
Timm: Ehrlich gesagt bin ich verärgert, in Sippenhaft für alle deutschen Lehrer genommen zu werden, die dazu noch unter politisch vorgegebenen Bedingungen arbeiten müssen.

Du wirst nicht in Sippenhaft genommen, sondern fühlst dich in Sippenhaft genommen. Dein Unterricht war (bis jetzt) noch nicht das Thema, was du an Informationen im Lehrerforum von dir gegeben hast, war aber durchaus interessant.

Ich beobachte, dass die pädagogische Freiheit den Lehren sehr viel Spielraum lässt, dieser Spielraum ist nach meiner Auffassung bei schlechter Leistung der Lehrkraft zu groß! Es kontrolliert doch niemand was im Klassenzimmer wirklich los ist. Kein Lehrer wird durch politisch vorgegebene Bedingungen davon abgehalten guten und interessanten Unterricht zu machen und Schulen haben große Freiheiten. Bildungsforscher Rolff kritisierte, dass im Jahr 2002 nur 2% der Schulen diesen Freiraum nutzten, nach PISA hat sich da sicher etwas bewegt. Jedenfalls wird kein Lehrer davon abgehalten den Lernprozess der Schüler angemessen zu begleiten - um mal kurz auf das eigentlcihe Thema zurückzukommen.

Zitat:
Timm:Ich habe mich mit keinem Wort als ein Verteidiger des deutschen allgemeinbildenden Schulsystems geäußert.

Das ist doch eine gute Vorraussetzung, um über die Stärken und Schwächen des deutschen Systems zu diskutieren.

Zitat:
Timm: Die führst immer wieder an, dass ausländische Schulsystem besser seien als das unsere.

Mir geht es um den anderen Umgang mit den Kindern und Jugendlichen.Und da braucht man manchmal noch nicht mal ins Ausland zu gehen, es gibt auch in Deutschland "Schulen die gelingen" . Ich sehe unser viergliedriges Schulsystem aber als Ursache dafür, dass der Selektionsgedanke ein derartiges Ausmaß annehmen konnte, dass ein erstaunlicher Teil der Schüler die Schule "ungebildet" verlässt.

Zitat:
Timm: Öh, du meinst alle Schüler, die wir im beruflichen Schulsystem haben, hätten die Schule unfreiwillig verlassen?

Nein, natürlich nicht alle, aber mehr als nötig.
Zitat:

Timm: Weißt du denn überhaupt, was Berufsfachschulen sind?

Ja, jedenfalls was Berufsfachschulen in Hessen sind.

Zitat:
Timm: Dass du meinst, Lernbereitschaft hänge nur von den Lehrern ab, halte ich für schlicht lebensfremd.

Lehrer müssen einen ganz wesentlichen Beitrag dazu leisten, damit die Lernbereitschaft aufrecht erhalten wird, denn sie sind ja (oder sollten) die Spezialisten für das Lernen (sein). Wenn ich vergleiche welche Ansprüche an die Lehrer, was die Unterstützung der Schüler betrifft, in anderen Ländern gestellt werden, sind diese Ansprüche wirklich lebensfremd? Es war doch ein Punkt von PISA, dass deutsche Lehrer ihre Schüler auffällig wenig beim Lernen unterstützen.

Zitat:
Ich bitte aber um Antwort, wie ich mit einem volljährigen Schülern umzugehen habe, der sich durch die Prüfung fallen ließ und mir sagte: "Herr X, nächstes Jahr schaffe ich, dieses Jahr habe ich ja eigentlich nur Party gemacht."

Freu dich, dass jemand bereit ist aus seinen Fehlern zu lernen und biete ihm deine Unterstützung an.
Zitat:

Timm: Nein, es ist ein Fehlglaube, dass jeder Schüler eine 1 erreichen kann. Und eine 3 ist kein Misserfolg, sondern belegt Leistungen, "wenn sie im allgemeinen den Anforderungen entsprechen"

Wenn du dich mit der Fragwürdigkeit der Zensurengebung beschäftig hast, wird dir klar sein wie wenig Noten aussagen. Denn solange Noten von der Sympathie eines Lehrers abhängen können und nicht von den Leistungen des Schülers, sollte man weiter vorsichtig sein, aus den Noten irgendwelche Fähigkeiten für die Zukunft herauszulesen.

Zitat:
Timm: Bitte erkläre mir, wie ich als Lehrer "ganze Gruppen" ausgrenzen kann?

Jungen können zum Beispiel wegen ihrer anderen Leistungen und ihres anderen Verhaltens ausgegrenzt werden, ganz besonders auffällig ist diese Ausgrenzung bei Jungen mit Migrationshintergrund. Dass man Mädchen nicht ausgrenzen darf steht mittlerweile in jedem Schulgesetz.

Zitat:
Timm: Viele von unserem Jahrgang haben übrigens 14 Jahre nach dem Abi immer noch Kontakt zu ihren "bösen" Paukern und spielen zum Beispiel freiwillig beim Ehemaligen-Lehrersport mit!

Wie viele sind das und was ist mit denen, die die Schule vorzeitig verlassen mussten?

Zitat:
Timm: Es gibt übrigens auch Schüler, ja ganze Jahrgänge, die ihre Schulzeit genossen haben und um parents zu zitieren:

Zitat:
Und die Vorfreude auf die Schule, nach den langen Ferien, war bisher immer groß
.
Meine Kinder freuen sich auch auf die Schule, aber da besonders auf ihre Freunde Wink und an zweiter Stellle auf die Lehrer, die guten Untericht machen, den Rest empfinden sie eher als Zumutung.

Dieser Satz von parents lässt aber nicht unbedingt auf eine heile Schulwelt schließen;-)
Zitat:
Irgendwie trage ich eine latente Wut in mir, auf dieses beschissene Schulsystem.


Zitat:
Timm: Ich kann dir nur aus Erfahrung sagen, dass wir Berufsschullehrer sehr aufgeschlossen gegenüber Neuem sind.

Das freut mich zu hören.

Zitat:
Wir haben in den letzten drei Schuljahren drei neue Schularten etabliert, die insbesondere bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt beinhalten!

Was kann ich mir unter 'drei neue Schularten' vorstellen, die ihr als Berufsschullehrer 'etabliert' habt?

Doris
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