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Kasernenhofpädagogik - doch nicht bei uns!!!
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Silke
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BeitragVerfasst am: 17.06.2006, 13:28    Titel: Kasernenhofpädagogik - doch nicht bei uns!!! Antworten mit Zitat

Hallo,

wir sind Eltern eines Sohnes, der mittlerweile fast 15 Jahre alt ist und die 8. Klasse eines Gymnasiums besucht.
Das, was ich hier im Forum so lese, weckt die schlimmsten Erinnerungen in mir, und die Erlebnisse, die wir während der Grundschulzeit unseres Sohnes hatten, kommen wieder an die Oberfläche.

Unser Sohn wurde im Herbst 1997 eingeschult, da war er gerade 6 Jahre alt geworden.
Er bekam eine Lehrerin, Frau M., die schon etwas älter war und sehr strikte Erziehungsprinzipien vertrat. Wie sie diese Prinzipien durchsetzte sollte sich im Laufe der Zeit zeigen.
Am Anfang dachten wir, dass etwas Konsequenz ja nicht schädlich sein könnte und wollten zunächst einmal abwarten, wie sich das Ganze entwickelte.
Unser Sohn erzählte zuhause nichts von der Schule, und wie viele andere Eltern auch dachten wir, es wäre alles in Ordnung.
Im Laufe der 3. Klasse, das war das Schuljahr 1999/2000, gab es dann immer mehr Eltern, die sich über die Unterrichtsmethoden von Frau M. beschwerten.
Mein Mann war stellvertretender Elternbeirat , und es gab mehrere Gespräche zwischen der Lehrerin und den betroffenen Eltern in Anwesenheit des Elternbeirats oder Stellvertreters und
der Schulleitung.
Eines Tages kam unser Sohn nach Hause und erklärte uns, dass er nicht mehr in die Schule gehen wollte. Auf unser Nachfragen kam heraus, dass die Lehrerin eine Mitteilung meines Mannes an sie vor der Klasse vorgelesen hat (leider weiß ich nicht mehr, um was es dabei ging). Daraufhin vereinbarte mein Mann sofort einen Termin mit Frau M. und konfrontierte sie mit dem Vorfall; sie stritt alles ab und sagte unser Sohn hätte sich das ausgedacht.
Nach und nach kam dann heraus mit welchen Methoden diese Frau arbeitete:

sie schrie ziemlich viel mit den Kindern herum
es war den Kindern nicht erlaubt während des Unterrichts die Toilette aufzusuchen, das ging natürlich ein paar Mal in die Hose
die Kinder durften nichts auf den Ablagen unter den Bänken haben, wenn doch, wurden die Bänke umgekippt, und das betroffene Kind musste auf dem Boden herumkriechen und alles wieder aufheben
das gleiche Spiel fand statt, wenn die Kinder das geforderte Arbeitmaterial nicht schnell genug aus dem Ranzen holten; der Ranzen wurde ausgekippt, weiteres Vorgehen s. o.
die Kinder durften sich nicht aushelfen mit Papier oder Klebestift, wenn diese Dinge zu Hause vergessen wurden oder während der Stunde zu Ende gingen
zu einem Kind, das bei Schuleintritt schon lesen und schreiben konnte und dessen Eltern die Lehrerin baten dem Kind zusätzliche Aufgaben zu geben, damit es sich nicht langweilte, sagte sie, als es eine Frage nicht beantworten konnte : ?Du bist ja
gar nicht so intelligent, wie deine Eltern behaupten.?
Das gleiche Kind durfte nach einem fehlerlosen Diktat den kompletten Text noch einmal abschreiben
Kinder, die falsche Antworten gaben, wurden nach vorne geholt und kollektiv ausgelacht

Im Laufe des zweiten Halbjahres eskalierte die Situation zunehmend. Immer mehr Eltern beschwerten sich über die Lehrerin.
Während der Sommerferien versuchte der Elternbeirat zu erreichen, dass die Klasse eine neue Klassenlehrerin bekam, was auch gelang; doch nun kommt es: in der letzten Ferienwoche bekamen wir einen Anruf vom Schulleiter unserer Grundschule, in dem uns mitgeteilt wurde, dass sich eine große Anzahl von Eltern unserer Klasse zusammengefunden hätten, mit dem Ziel Frau M. wieder als Klassenlehrerin zu bekommen.
Es fand ein außerordentlicher Elternabend statt, während dem im Beisein von Frau M. und einer Vertreterin des Personalrats sowie des Schulelternbeirats, Frau M. wieder in ihr Amt als Klassenlehrerin ?eingeführt? wurde; möglich wurde dies durch eine Abstimmung nach dem Motto ?Wer will Frau M. als Klassenlehrerin wiederhaben und wer nicht?, wobei diese Abstimmung per Handzeichen erfolgte, und dies alles im Beisein von Frau M..
Daraufhin war uns klar, dass wir unseren Sohn aus der Klasse herausnehmen mussten,
Am letzten Ferientag fand dann nochmals eine Besprechung mit der Schulleitung statt, während der sich acht Eltern dazu entschlossen ihre Kinder aus dieser Klasse herauszunehmen.
Die Kinder wurden auf verschiedene Klassen verteilt und unser Sohn kam zusammen mit seinem damals besten Freund in eine Klasse mit einer sehr netten und lieben Klassenlehrerin, die uns noch heute in guter Erinnerung ist.
Allerdings klingt mir eine Frage unseres Sohnes damals heute noch im Ohr, nämlich: ?Mama, warum müssen wir aus der Klasse heraus, wir haben doch gar nichts gemacht.?

Unter den Eltern, die Frau M. unbedingt wieder als Klassenlehrerin haben wollten, waren auch Eltern, die sich vorher bei meinem Mann, der ja stellvertretender Elternbeirat war, bitterlich über sie beschwert hatten.
Es ist mir bis heute unbegreiflich, wie Eltern es zulassen können, dass ihren Kindern solche Dinge angetan werden. Unsere Kinder waren die Opfer und wurden zu Tätern gestempelt, weil sie die Klasse verlassen mussten.
Dieses Erlebnis hat meine Einstellung und die meines Mannes zu anderen Eltern entscheidend geprägt, und mein Mann, dem vorgeworfen wurde, er sei ja nur Elternvertreter, weil er Vorteile für seinen Sohn herausholen wolle, hat sich damals entschieden nie mehr als Elternvertreter zu fungieren.
Unser Sohn hatte dann ein schönes letztes Grundschuljahr, aber da Frau M. ja immer noch an der Schule war, und die in ihrer Klasse verbliebenen Kinder keine Gelegenheit ausließen
die herausgenommenen Kinder zu beschimpfen und zu ärgern, war das Ganze in meinen Augen nur die zweitbeste Lösung.

Nach dem Wechsel aufs Gymnasium im Herbst 2001 stellte sich dann heraus, dass unser Sohn Legastheniker ist, ein Verdacht den ich schon in der 3. Klasse gegenüber Frau M. äußerte, diese jedoch wiegelte ab und behauptete sie hätte auch einen Sohn, der Legastheniker wäre und sie wüsste genau, woran man erkennen könnte, ob ein Kind Legastheniker ist.
So ging uns wertvolle Zeit verloren, die zur Förderung hätte genutzt werden können.

Wir haben damals alle Möglichkeiten ausgenutzt, Kontakt mit dem zuständigen Schulamt aufgenommen, einen Brief an das hessische Kultusministerium geschrieben, alles umsonst.
Man sagte uns, wir wären doch nicht mehr betroffen, also bestünde kein Handlungsbedarf.
Ich wollte unbedingt verhindern, dass diese Lehrerin noch einmal eine erste Klasse übernahm, aber es kam wie es kommen musste, im Schuljahr 2001/2002 übernahm sie tatsächlich noch einmal eine erste Klasse; es dauerte keine drei Wochen, da erhielt mein Mann vom Elternbeirat und verschiedenen Eltern dieser Klasse Telefonanrufe, in denen sich herausstellte, dass sich die Geschichte wiederholte.
Diese Lehrerin wurde sowohl von Seiten der Schulleitung, als auch von Seiten des Kollegiums gedeckt; mittlerweile hat sie das Pensionsalter erreicht und unterrichtet nicht mehr.

Wir haben drei Kinder, und wenn ich mir überlege mit welcher Freude und Wissbegierde sie am Anfang die Schule besuchten, und wie das Ganze jetzt aussieht , könnte ich heulen.
Unsere Große, fast 17 Jahre alt, 10. Klasse Gymnasium, steht vor der Wiederholung der Klasse, der Mittlere, der um den es bei diesem Bericht ging, kämpft, bedingt durch seine Legasthenie, die sich bei ihm leider auch sehr stark auf die Fremdsprachen auswirkt, ebenfalls um seine Versetzung. Die einzige, die sich ein sonniges Gemüt bewahrt hat, ist unsere Jüngste, die demnächst 13 Jahre alt wird und die 7. Klasse besucht.

Es erstaunt mich immer wieder mit welcher Ignoranz viele Lehrer vorgehen; neuestes Beispiel aus der Klasse unserer ältesten Tochter: Chemie-Arbeit, die Lehrerin sagte den Kindern, was drankommt, die Arbeit wird geschrieben, die komplette Klasse, sogar die guten Schüler/innen, beschweren sich, dass die Arbeit zu schwer gewesen wäre.
Daraufhin die Lehrerin ?Ihr habt nur nicht richtig gelernt?. Die Arbeit wird zurückgegeben, Notenspiegel: 2x 2, 6x 3, 5x 4, 10x 5 und 2x 6, Durchschnitt: 4,2
Was macht die Lehrerin, sie geht zur Schulleitung und lässt sich die Arbeit genehmigen.

Kein Wunder das den Kindern bei diesen Voraussetzungen die Lust auf Schule vergeht.

LG und ein schönes Wochenende

Silke
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Doris Carnap
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BeitragVerfasst am: 19.06.2006, 09:58    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Silke,

was du über die Situation deiner Kinder schreibst, empfinde ich als typisch für unser (hessisches) Schulsystem.

Wie geht die Schule mit der Legasthenie deines Sohnes um? Legastheniker brauchen natürlich auch bei den Fremdsprachen sehr viel länger, um die Rechtschreibung einigermaßen zu beherrschen. Wird die Verordnung zum Nachteilsausgleich berücksichtigt?

Zitat:
Es erstaunt mich immer wieder mit welcher Ignoranz viele Lehrer vorgehen; neuestes Beispiel aus der Klasse unserer ältesten Tochter: Chemie-Arbeit, die Lehrerin sagte den Kindern, was drankommt, die Arbeit wird geschrieben, die komplette Klasse, sogar die guten Schüler/innen, beschweren sich, dass die Arbeit zu schwer gewesen wäre.
Daraufhin die Lehrerin ?Ihr habt nur nicht richtig gelernt?. Die Arbeit wird zurückgegeben, Notenspiegel: 2x 2, 6x 3, 5x 4, 10x 5 und 2x 6, Durchschnitt: 4,2
Was macht die Lehrerin, sie geht zur Schulleitung und lässt sich die Arbeit genehmigen.

Auch ich beklage, dass Lehrer sich für den Lernprozess zu wenig interessieren. Den Schülern werden die Informationen vor die Füße geschmissen, sie müssen dann sehen, was sie damit machen. Wer die Menge der Informationen selbst gut strukturien kann hat Glück, der Rest hat halt Pech gehabt. Eine Unterstützung beim Lernprozess fehlt in vielen Schulen vollkommen. So erscheint es manchen Lehrern schon zuviel, wenn sie überhaupt verraten sollen was in einer Arbeit dran kommt.

Lehrerin und Schulleiter haben aber laut hessischer Verordnung aber vorschriftsmäßig gehandelt. In der Verordnung zur Ausgesstaltung des Schulverhältnis heißt es unter § 27 Wiederholen von schriftlichen Arbeiten:
Zitat:
(1) Ist mehr als ein Drittel der abgelieferten schriftlichen Arbeiten mit den Noten mangelhaft oder ungenügend oder mit einer entsprechenden Punktzahl bewertet worden, ist die Arbeit einmal zu wiederholen, sofern nicht die Schulleiterin oder der Schulleiter nach Beratung mit der Fachlehrerin oder dem Fachlehrer entscheidet, dass die Arbeit zu werten sei.
http://www.kultusministerium.hessen....7a05da00b098df824d88464e9

Diese Regel trägt mit Sicherheit nicht dazu bei, die Leistungsfähigkeit der Schüler zu erhöhen. Die Schüler empfinden sich häufig als Opfer von Willkür. (Siehe 'Fragwürdigkeit der Zensurengebung' unter der Rubrik Dikussionen) In Schulen anderer Länder dürfen die Schüler über den Prüfungstermin bestimmen. Wenn sie selbst das Gefühl haben, etwas verstanden zu haben, lassen sie sich testen. Wenn die Schüler mit dem Ergebnis nicht zufrieden sind, können sie den Test wiederholen. Das motiviert zu Höchstleistungen und fördert das eigenständige Arbeiten. Allerdings sind die zu erreichenden Ziele klar gestellt und ein Schüler kann immer wieder selbst überprüfen, wie weit er ist im Verständnis der Lerneinheit.

Hier ein Zitat aus dem Didaktiklehrbuch von von Karl-Heinz Flechsig/Hans-Dieter Haller von 1975 zur Leistungsmessung und Evaluation, die zeigt dass der Zweifel an der Arbeit der Schulen schon länger besteht:

Zitat:
Ein alltäglicher Fall: Qualifikationsmessung oder Leistungsmessung?

Wie ist das, wenn Sabine Autofahren lernt? Schon lange, bevor sie die Erlaubnis zum Führen eines Kraftfahrzeugs erhalten kann, hat sie einen Teil der Verkehrszeichen kennen gelernt, hat häufig auf dem Beifahrersitz gesessen und die Handgriffe beobachtet; vielleicht hat ihr Freund oder ihr Vater sie auch schon einmal unerlaubterweise ans Steuer gelassen. Dann sucht sie sich eine Fahrschule aus, nachdem sie sich mit Freunden und Bekannten darüber unterhalten hat, wo man am preiswertesten und freundlichsten bedient wird, nimmt an einigen "theoretischen Stunden" teil, liest ein paar Teste und nimmt noch zwischen 20 und 40 Fahrstunden. Sodann meldet sich Sabine zur Prüfung - beim Technischen Überwachungsverein - an, bekommt dort einen Termin und einen "Prüfer" benannt und muss nun ihre neu erworbene Qualifikation (nämlich ein Kraftfahrzeug führen zu können) unter Beweis stellen. Hält der Prüfer ihre Leistungen - theoretisch wie praktisch - für ausreichend, bekommt sie ihren "Qualifikationsnachweis", sprich Führerschein. Wenn nicht, darf sie noch ein paar Stunden mehr nehmen und sich erneut zur Prüfung melden. So einfach ist das, auch wenn es freundliche und autoritäre Fahrlehrer, kompliziertere und einfachere Verkehrssituationen, wohlwollende und launische Prüfer gibt. Was allerdings auffällt, ist dies: Der Prüfer ist nicht zugleich auch Warentester oder Marktkontrolleur. Er sammelt daher keine Daten darüber, welche Fahrschulen erfolgreich sind oder wie teuer es dort ist, den Führerschein zu erwerben - zwecks Veröffentlichung oder Lizenzentzug. Wie würde sich Sabine verhalten, wenn sie die folgende Fahrschule besuchen müsste? : Sie darf sich die Fahrschule nicht selbst aussuchen, sondern bekommt eine solche zugewiesen. Jeder Kurs dauert 30 Stunden - für alle. Der Fahrlehrer geht davon aus, dass keiner der Fahrschüler je ein Verkehrszeichen oder Auto von innen gesehen hat. Einen großen Teil der Fahrübungen müssen die Fahrschüler privat organisieren, wobei es ihrem Glück oder ihrer Findigkeit überlassen bleibt, einen Helfer zu finden. Der Fahrlehrer ist zugleich auch der Prüfer. Im Misserfolgsfalle herrscht Konsens darüber, dass der Fahrschüler unbegabt oder unkonzentriert, die Umstände widrig oder das Auto bockig war - die Qualität der Fahrschule wird grundsätzlich nicht in Frage gestellt. Am Ende erhält man eine Bescheinigung, auf der eine Zahl (zwischen 1 und 6) steht, die zwar nichts darüber aussagt, ob man einen Pkw zuverlässig durch den Verkehr steuern kann, wohl aber darüber, ob man zur besseren oder schlechteren Schülergruppe gehört. Schließlich: Wenn man bei der Fahrprüfung durchfällt, muss man den ganzen Kram wiederholen. Ob Sabine und ihre Mitschüler mit dieser Regelung wohl zufrieden wären?
http://www.ikkconsult.de/mambo/content/view/22/53/


Ein Thema das dreißig Jahre später auch noch aktuell ist: die Qualität von Unterricht.

Doris
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Tess



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BeitragVerfasst am: 19.06.2006, 18:47    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

Doris Carnap hat Folgendes geschrieben:
was du über die Situation deiner Kinder schreibst, empfinde ich als typisch für unser (hessisches) Schulsystem.


leider nicht nur für das hessische.

Es ist in der Tat eine geballte Ladung, was Silke berichtet. Aber das traurige an der Sache ist doch, dass fast alle Eltern ähnliche Begebenheiten aus der Schule ihrer Kinder berichten können.

Ich kann mich auch erinnern, dass ein Freund meines Sohnes mal sein Mäppchen zu Hause gelassen hat. Viele Kinder wollten ihm einen Bleistift oder andere Untensilien ausleihen, sie durften nicht, die Lehrerin hat sie sogar angeschrien. Der Junge durfte den ganzen Schulmorgen nichts mitschreiben und musste dann alles als Hausaufgabe auf den nächsten Tag abschreiben. Wo bleibt denn da das soziale Lernen? Bzw. wer hätte von wem noch eine Menge zu lernen?

Für LRS geschädigte Kinder gibt es in BW kaum Rücksicht. Diskalkulie existiert angeblich gar nicht. Betroffenen Kindern wird eine Haupschulempfehlung ausgestellt, egal wie intelligent sie sind. Dort gibt es dann wiederum kaum Unterstützung.


Eine Mathe-Klassenarbeit gab es neulich auch gerade zurück, in der der Klassenschnitt ungenügend war..........erfreulicherweise ist es eine ZK. Ich hoffe, das ist wenigstens ein bisschen peinlich für den Lehrer.

Ein anderer netter Lehrer hat eine zusätzliche freiwillige Arbeit angeboten, um die Note zu verbessern. Zu einem Schüler hat er gesagt, er würde ihm abraten an der Arbeit teilzunehmen; er schaffe ohnehin nichts Besseres als eine 6. Toll! Wenn ein Lehrer schon vor der Arbeit weiss, was heraus kommt!

Aber beruhigend zu wissen, dass alles nur Einzelfälle sind, und dass wir getrost Vertrauen haben können, dass unsere Kinder gut gebildet werden.


lg,

Tess
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Silke
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BeitragVerfasst am: 25.06.2006, 18:23    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Doris,

sorry, dass ich mich erst heute für die Antworten bedanken kann, aber unser Computer hatte einen Totalabsturz.

Die Schule geht mit der Legasthenie meines Sohnes in der Form um, dass es einen Nachteilsausgleich praktisch überhaupt nicht gibt.
Er hat nach dreijähriger Förderung die Legasthenie, was die Rechtschreibung in Deutsch angeht, relativ gut im Griff. Allerdings ist er noch relativ unbeholfen im Formulieren, von daher kommt er bei den Noten in Deutsch nicht über eine 4 hinaus.
Die Fremdsprachen waren von Anfang an ein großes Problem für ihn; er hat mit der ersten Fremdsprache Englisch angefangen und hatte sofort eine Lehrerin, die sich auf den Standpunkt stellte ?ein Gymnasium ist eine selektierende Schulform, und wenn er seine Probleme nicht in den Griff bekommt, gehört er nicht auf diese Schule.?
Nebenbei bemerkt wurde die Legasthenie erst in der 5. Klasse festgestellt.
Es kam dann soweit, dass er die 6. Klasse wiederholte und in der 7. Klasse Latein als 2. Fremdsprache wählte, aber auch diese Sprache fällt ihm sehr schwer.
Es ist momentan leider nicht einfach mit unserem Sohn zu lernen, da er sehr emotional auf unsere diesbezüglichen Versuche ihm zu helfen reagiert.
Ich glaube allerdings mit der richtigen Unterstützung von Seiten der Lehrer könnte ihm geholfen werden, nur leider fühlen sich diese nicht zuständig dafür.
Die einzige Maßnahme, die uns empfohlen wird ist Nachhilfe, dafür fehlen uns aber leider die finanziellen Mittel.
Unser Sohn selbst hat das Gefühl, dass die Lehrer ihn
?abschießen? wollen, vor allem die
Latein-Lehrerin.

LG

Silke
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Doris Carnap
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BeitragVerfasst am: 27.06.2006, 10:27    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Silke,

leider gehen zu viele Lehrer davon aus, dass die Schüler in der Grundschule die Rechtschreibung gelernt haben und perfekt beherrschen, wenn sie auf die weiterführenden Schulen kommen. Bei vielen Schülern funktioniert das auch ganz gut, das sind dann häufig die, denen man einen Besuch der Oberstufe schon früh zutraut. Dabei ist das Festigen der Rechtschreibung eine Aufgabe der Schule, die bis zum Ende der Sekundarstufe I gilt.

Das erlebe ich auch immer wieder:
Zitat:
"eine Lehrerin, die sich auf den Standpunkt stellte ?ein Gymnasium ist eine selektierende Schulform, und wenn er seine Probleme nicht in den Griff bekommt, gehört er nicht auf diese Schule.?

Und da interessiert es häufig auch gar nicht, dass ein Schüler sich innerhalb nur eines Schuljahres wesentlich verbessert hat. Selbst wenn die Fehleranzahl innerhalb von einem Schuljahr von 70 Fehler auf 30 Fehler gesunken ist, heißt es häufig weiterhin, dass mit dieser hohen Fehlerzahl kein Abitur zu machen sei. Legastheniker brauchen einfach länger, um die Rechtschreibung einigermaßen zu beherrschen, dabei ist doch typisch, dass es im Fach Deutsch nach einer Weile einigermaßen gelingt, während die Fremdsprachen noch große Probleme bereiten.

Die Nichtbeachtung der Legasthenie ist als Mobbing zu sehen
. Viele Punkte die auf der Seite unter Mobbing am Arbeitsplatz aufgeführt sind lassen sich auch auf die Schulsituation übertragen: http://www.arbeitsmedizin.ch/downlo....ing_Swiss_Engineering.pdf
Für die Schule könnte man das so ausdrücken ?Mobbing ist eine konfliktbelastete Kommunikation in der Klasse zwischen einem Lehrer und seinem Schüler, bei der die angegriffene Person unterlegen ist und von einer Personen systematisch und während längerer Zeit direkt oder indirekt angegriffen wird mit dem Ziel und/oder dem Effekt des Ausstoßes und die angegriffene Person dies als Diskriminierung erlebt.? Auch dein Sohn empfindet sich als Opfer das 'abgeschossen' werden soll.

Nach Leymann beginnt der Verlauf des Mobbings mit "Koflikten, einzelne Unverschämtheiten und Gemeinheiten" und endet mit dem Ausschluss aus der Arbeitswelt ( für die Schüler Ausschluss aus der Klasse - also mit Sitzenbleiben und Abstufen)

Was Schüler als Diskriminierung erleben, ist
- ständige Kritik an der Arbeit (nur negative Rückmeldung)
- der Schüler wird wegen seiner schlechten Rechtschreibung vor der Klasse lächerlich gemacht
- ihm wird unterstellt, er habe nicht genug gelernt und sich nicht genügend bemüht
- er wird gezwungen Aufgaben zu erledigen, die er (noch) nicht kann und die sein Selbstbewußtsein verletzen
- der unprofessionelle Umgang mit dem Schüler verursacht hohe Kosten für die Eltern (private LRS Förderung, psychologische Betreuung im Falle von Entmutigung, eventuell Motivationtraining, ein Schuljahr oder mehr müssen zusätzlich finanziert werden...)
- dabei werden Verordnungen und Erlasse nicht berücksichtigt.

m hessischen Erlass vom 18.5.2006 " Nachteilsausgleich für Schülerinnen und Schüler mit Funktionsbeeinträchtigungen, Behinderungen oder für Schülerinnen und Schüler mit besonderen Schwierigkeiten beim Lesen, Rechtschreiben oder Rechnen" ist für den Nachteilsausgleich folgendes geregelt:
Zitat:
§ 3
Antrag und Zuständigkeit

Die Entscheidung über die Gewährung und die Dauer eines Nachteilsausgleichs nach § 2 trifft die Schulleiterin oder der Schulleiter nach Anhörung der Klassenkonferenz auf Antrag der Eltern, bei volljährigen Schülerinnen und Schülern auf deren Antrag oder auf Antrag der Klassenkonferenz nach Beteiligung der Eltern. Besteht für die Schülerin oder den Schüler ein Förderplan, sind Hinweise auf die Gewährung eines Nachteilsausgleichs in diesen aufzunehmen.

Die Eltern sind über die jeweiligen Formen des vorgesehenen Nachteilsausgleichs zu informieren.

Ein Vermerk über den gewährten Nachteilsausgleich darf nicht in Arbeiten und Zeugnissen erscheinen. http://www.kultusministerium.hessen....714f3902815124b867c6748ba

Es empfieht sich diesen Antrag schriftlich zu stellen.

Folgendes ist möglich, was davon für den einzelnen Schüler sinnvoll und hilfreich ist, ist gemeinsam vor Ort zu überlegen:
Zitat:
? verlängerte Arbeitszeiten ? etwa bei Klassenarbeiten,
? Bereitstellen oder Zulassen spezieller technischer und didaktischer Hilfs- oder Arbeitsmittel (Wörterbuch, Computer, Kassettenrecorder, größere bzw. spezifisch gestaltete Arbeitsblätter, größere Linien, spezielle Stifte u. Ä.),differenzierte Aufgabenstellung, z. B. Reduzierung des Aufgabenbereichs, insbesondere bei entsprechenden Schwierigkeiten in den Fächern Deutsch, Fremdsprachen oder ? in der Grundschule ? beim Rechnen,
? mündliche statt schriftliche Prüfung, z. B. einen Aufsatz auf Band sprechen,
? unterrichtsorganisatorische Veränderungen, z. B. individuell gestaltete Pausenregelungen, individuelle Arbeitsplatzorganisation, individuelle personelle Unterstützung, Verzicht auf Mitschrift von Tafeltexten,
? differenzierte Hausaufgabenstellung,

Grundsätzlich gibt es auf besonderen Antrag auch noch die Möglichkeit in der Sek II die Legasthenie zu berücksichtigen. Das ist sicher bei den Schülern sinnvoll, deren Legasthenie erst sehr spät festgestellt wurde und deren Förderung viel zu spät begann.

Doris
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Silke
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BeitragVerfasst am: 30.06.2006, 15:20    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Doris,

seit heute steht es fest, unser Sohn wird nicht versetzt und muss das Schuljahr wiederholen.
Er bekommt in Latein eine 5, in Englisch eine 4, in Deutsch eine 4 und in Mathematik ebenfalls eine 4, wobei die Art und Weise wie die Zeugnisnote in Mathematik zustandegekommen ist sehr
merkwürdig ist, nämlich mündlich steht er 2, geschrieben hat er eine 3 und eine 4, laut Lehrer macht er überwiegend Leichtsinnsfehler und beherrscht den Stoff, trotzdem gibt er ihm im Zeugnis eine 4.
Dazu wäre anzumerken, dass der Lehrer bis Anfang des zweiten Halbjahres nicht einmal wusste, dass unser Sohn Legastheniker ist.
Weiterhin hätte er laut Aussage seiner Deutsch-Lehrerin in Deutsch eine 3 bekommen, wenn er in Mathematik auch eine 3 bekommen hätte, sprich wenn er sie zum Ausgleich gebraucht hätte.

Wir haben natürlich überlegt, ob der Wechsel auf eine Realschule nicht besser für unseren Sohn wäre, aber er möchte das auf gar keinen Fall.
Daher werden wir als erstes im neuen Schuljahr den Antrag auf Nachteilsausgleich stellen, mal sehen was dann passiert. Ich fürchte der Schulleiter geht an die Decke, und unser Sohn muss es eventuell ausbaden.

Aber wie heißt es so schön, wer kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft hat schon verloren.

In diesem Sinne ein schönes Wochenende und viel Spaß beim Fußball. Laughing

Silke
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Petra Litzenburger



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BeitragVerfasst am: 30.06.2006, 15:36    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe Silke,

bei dieser Notenkonstellation (2 mündlich und schriftlich 3 und 4) wäre dies eine glatte 3!

Die Nichtversetzung ist ein Verwaltungsakt welcher beim Verwaltungsgericht angefochten werden kann.

Bei Dringlichkeit, auch per einstweiliger Anordung.

Liebe Grüsse

Petra Litzenburger
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Doris Carnap
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BeitragVerfasst am: 05.07.2006, 09:25    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Silke,

von dieser merkwürdigen Art Noten zu geben, höre ich momentan häufig - Noten werden eher aus dem hohlen Bauch heraus gegeben, als dass sie eine wirkliche Leistung widerspiegeln. Das einzige Interesse scheint von Lehrerseite darin zu bestehen, bestimmte Kinder sitzenbleiben zu lassen, ohne den Schüler auch nur im Geringsten gefördert und unterstützt zu haben.

Ich höre immer wieder von Schulseite, Lehrer hätten doch genau diesen Auftrag! Dass auch in Hessen durch die Verpflichtung Förderpläne zu schreiben, die hohen Sitzenbleiberraten verringert werden sollen, haben viele Lehrer noch gar nicht wahrgenommen! Nur solange Sitzenbleiben lassen so einfach möglich ist wie bei uns, wird sich in der Schulpraxis nicht viel ändern. In keinem Land gibt es eine vergleichbare Praxis wie in Deutschland, dass Lehrer nicht auch für das Können ihrer Schüler verantwortlich gemacht werden, sondern sie einfach die ihnen nicht geeignet erscheinenden Kinder nach unten weiterreichen können! Das kann für Schüler häufig eine große Verletzung bedeuten, wenn sie aus ihrer Lerngruppe und ihrem Freundeskreis rausgerissen werden.

Ich sehe das wie Martin Spiwak im Zeitartikel "Nie wieder Sitzenbleiben":
Zitat:
Hinter der deutschen Leidenschaft für das Aussortieren in der Schule steckt ein besonderes Verständnis von Lernen und Unterrichten ? bei Pädagogen, Eltern, ja bei den Schülern selbst. Nicht aus Neugier lernt man, sondern allein für die Klassenarbeit, die Note im Zeugnis. Warum sollte der Schüler sich anstrengen, so die Logik, wenn kein Sitzenbleiben mehr droht? Nimmt man zur Wiederholerquote noch die Zehntausende von Schulabsteigern hinzu, die nach den Ferien in eine niedrigere Schulform wechseln müssen ? der umgekehrte Weg kommt kaum vor ?, vervollständigt sich das Bild einer Schule, die auf das Scheitern setzt.
http://www.zeit.de/2004/30/01__leit_2_30?page=2


Ich wiederhole noch mal was Petra schon schrieb:
Zitat:
Die Nichtversetzung ist ein Verwaltungsakt welcher beim Verwaltungsgericht angefochten werden kann. Bei Dringlichkeit, auch per einstweiliger Anordung.


Zum Antrag auf Nachteilsausgleich hast du geschrieben:
Zitat:
Daher werden wir als erstes im neuen Schuljahr den Antrag auf Nachteilsausgleich stellen, mal sehen was dann passiert. Ich fürchte der Schulleiter geht an die Decke, und unser Sohn muss es eventuell ausbaden.
Wenn der Schulleiter darauf unangemessen reagiert, sollte man auch das nicht auf sich beruhen lassen, das wäre ein absolut inakzeptables Verhalten!

Doris
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BeitragVerfasst am: 11.07.2006, 09:49    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Doris,

wir haben mit unserem Sohn gesprochen, und das Letzte, was er möchte ist eine erzwungene Versetzung; er hofft, dass er durch eine Wiederholung seine Lücken in Latein auffüllen kann und, noch wichtiger, dass er andere, hoffentlich bessere Lehrer, bekommt.
Wenn es nach mir ginge, würde ich alle Hebel in Bewegung setzen, um die Versetzung zu erreichen, aber ich kann mich da schlecht gegen meinen Sohn entscheiden.

Trotzdem vielen Dank für eure hilfreichen Ratschläge.

Liebe Grüße

Silke
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Doris Carnap
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BeitragVerfasst am: 11.07.2006, 10:16    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Silke,

in diesem Alter kann man nichts gegen den Willen der Kinder machen, das muss man akzeptieren.

Allerdings kann eine Wiederholung auch für negative Überraschungen sorgen, nämlich dann, wenn der Schüler in einem vorher unbelasteten Fach einen Lehrer bekommt, mit dem er nicht zurecht kommt. Das wiederholte Jahr kann dann eine wahre Zitterpartie werden, denn es droht der Schulformwechsel.

Mir schiene es viel sinnvoller, sich einen guten Nachhilfelehrer in dem schwachen Fach zu besorgen und gezielt zu wiederholen.

Wie stehen die Chancen für eine Nachprüfung?

Doris
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BeitragVerfasst am: 13.07.2006, 16:48    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Doris,

nun sieht es doch so aus, als ob unser Sohn versetzt wäre, denn wir haben bis heute keine Benachrichtigung über eine Nichtversetzung erhalten.
Sollte man doch zur Einsicht gekommen sein und eine pädagogische Versetzung befürwortet haben? Ich bin jedenfalls mehr als überrascht, allerdings hat unser Sohn jetzt mächtig Bammel vor dem neuen Schuljahr, denn mit ihm hat keiner gesprochen, und er war sicher, dass er nicht versetzt würde.
Ich hoffe, dass die Klassenlehrerin morgen noch einmal mit ihm spricht und ihm die Angst etwas nehmen kann.

Mal schauen, wie es weitergeht.

Liebe Grüße und einen schönen Abend

Silke
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BeitragVerfasst am: 14.07.2006, 16:38    Titel: Antworten mit Zitat

April, April unser Sohn ist doch nicht versetzt. Auf die Benachrichtigung warten wir allerdings immer noch,
laut Schule ist sie aber rausgegangen.
Man stelle sich einmal vor, unser Sohn geht heute morgen in die Schule mit der vagen Hoffnung doch versetzt zu sein, denn richtig glauben konnten wir das auch nicht, und dann so etwas Sad .
Mein Mann hat daraufhin sofort beim Schulamt angerufen; man riet ihm das mit der Schulleitung zu klären.
Nun haben wir am Mittwoch ein Gespräch, mal sehen wie das läuft.

LG

Silke
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Doris Carnap
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BeitragVerfasst am: 15.07.2006, 13:54    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Silke,

ich finde dem Umgang mit den Schülern, die sitzenbleiben sowieso äußerst dilettantisch! Aber was dein Sohn erleben musste, klingt nach Albtraum! Ich denke alle Beteiligten hoffen bis zum letzten Moment, dass es doch noch gut ausgeht und dann das!

Wie sieht es mit einer Nachprüfung aus?

Doris
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Silke
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BeitragVerfasst am: 15.07.2006, 17:39    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Doris,

da wir das Schreiben über die Nicht-Versetzung nicht erhalten haben, fehlte uns natürlich auch das Angebot der Nachprüfung.
Das mußte ihm der stellv. Schulleiter dann gestern extra noch einmal ausdrucken.
Man hat ihm die Nachprüfung in Latein angeboten, aber unser Sohn ist sich nicht sicher, ob er es annehmen soll, denn es handelt sich ja um die Lehrerin, von der er sowieso glaubt, dass sie ihn "abschießen" will.
Es ist schon sehr unfair, wie er als Legastheniker behandelt wird, denn die 5 in Latein ist seine einzige 5, aber er hat keine Möglichkeit zum Ausgleich, da er in den anderen sprachlichen Fächern , bedingt durch die Legasthenie, nur jeweils eine 4 hat, und in Mathe auch nur eine 4 (merkwürdige Notengebung, hatte ich ja vorher bereits geschrieben), im letzten Versetzungs-Zeugnis hatte er in Mathe eine 2, das war aber bei einem anderen Lehrer.
Weißt du zufällig, wie die rechtliche Situation aussieht bei Fehlen der schriftlichen Benachrichtigung über die Nicht-Versetzung.
Auf jeden Fall werden wir am Mittwoch ein sehr intensives Gespräch mit dem stellv. Schulleiter haben.

LG

Silke
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Doris Carnap
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BeitragVerfasst am: 15.07.2006, 19:42    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Silke,

das steht zum Thema "Information der Eltern" in der "Verordnung zur Gestaltung des Schulverhältnisses:

Zitat:
§ 16 Information der Eltern und der volljährigen Schülerinnen und Schüler

(1) Die Informationsrechte der Eltern und der Schülerinnen und Schüler nach § 72 des Hessischen Schulgesetzes erfordern es, die Eltern, bei Volljährigen diese selbst, rechtzeitig über die Möglichkeiten der weiteren Schul- oder Berufsausbildung zu beraten, wenn die Klassenkonferenz zu der Überzeugung gelangt, dass eine Schülerin oder ein Schüler den Anforderungen der nachfolgenden Jahrgangsstufen auf Dauer nicht gewachsen sein wird und deshalb der Übergang auf eine andere Schulform oder in die Berufsausbildung in Erwägung gezogen werden sollte. Die Beratung erfolgt durch die Klassenlehrerin oder den Klassenlehrer und ist den Eltern, bei Volljährigen diesen selbst, schriftlich anzubieten. Der Vorgang ist in den Schulakten zu vermerken.

(2) Über die Gefährdung der Versetzung einer Schülerin oder eines Schülers sind Eltern, bei Volljährigen diese selbst, unter Angabe der Fächer oder Lernbereiche, in denen mangelhafte oder ungenügende Leistungen vorliegen, wie folgt in Kenntnis zu setzen: Eine Mitteilung erfolgt zunächst durch einen Vermerk in dem zum Ende des ersten Schulhalbjahres zu erteilenden Zeugnis. Unabhängig von dem Vermerk über die Versetzungsgefährdung in dem zum Ende des ersten Schulhalbjahres erteilten Zeugnis muss in allen Fällen einer Versetzungsgefährdung eine Benachrichtigung der Eltern, bei Volljährigen dieser selbst, darüber bis spätestens acht Wochen vor dem Termin der Zeugnisausgabe erfolgen; gleichzeitig ist ihnen eine Beratung anzubieten. Die Benachrichtigung bedarf der Schriftform; eine Durchschrift ist zu den Schulakten zu nehmen.

(3) Aus einer Nichtbeachtung der Vorschriften in Abs. 2 ergeben sich keine Rechtsfolgen für die Versetzungsentscheidung.

(5) Steht fest, dass eine Schülerin oder ein Schüler nicht versetzt wird, müssen die Eltern, bei Volljährigen diese selbst, bis spätestens drei Tage vor der Zeugnisausgabe hiervon durch eingeschriebenen Brief unterrichtet sein. Diese Schülerinnen oder Schüler können am Tage der Zeugniserteilung dem Unterricht fern bleiben.

So sollte es eigentlich sein - was da bei euch wohl schiefgelaufen ist, ich bin gespannt auf deinen Bericht. Im Gespräch mit dem Schulleiter würde ich ganz hoch pokern! Unter Umständen empfiehlt sich vorher noch ein Gespräch mit dem zuständigen Schuljuristen!

Doris
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