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Schule - undemokratisch strukturierte Parallelwelt
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Doris Carnap
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BeitragVerfasst am: 16.05.2006, 10:20    Titel: Schule - undemokratisch strukturierte Parallelwelt Antworten mit Zitat

Hallo,

diesen Satz aus dem Beitrag vom 15.5 von Optimistin aus diesem Thread "Andere Länder - Andere Schulsysteme" möchte ich noch mal herausstellen, um ihn zu diskutieren:
Zitat:
"einige wenige bildungs- und erziehungseinrichtungen machen eine vernünftige friedensarbeit. im staatlichen schulsystem aber halte ich das für nahezu unmöglich. in einer undemokratisch strukturierten parallelwelt unseres rechtsstaats kann kein friedenskeim für die zukunft desselben eingepflanzt werden."

Ich hatte am Samstag in einem Gespräch von Schule als "undemokratischer Parallelgesellschaft" gesprochen und in darüber diskutiert, wie das eigenttlich in einer Demokratie möglich sein kann.

Deutschland leistet sich für sein Schulsystem, vor allen in den alten Bundesländern, Beamte auf Lebenszeit. Die Begründung warum Lehrer Beamte sein sollten, findet man beim Verband Bildung und Erziehung (VBE) http://www.vbe-bw.de/der_vbe/beamtenstatus.htm

Zitat:
Zum Beamtenstatus der Lehrerinnen und Lehrer Das gesamte Schulwesen steht unter der Aufsicht des Staates. Dem Staat ist durch Artikel 7 GG und durch die Landesverfassung die Verantwortung für das Schulwesen übertragen worden. Daraus folgt die staatliche Verantwortung für Bildung und Erziehung, die vor allem über die Schule wahrgenommen wird.

Lehrerinnen und Lehrer nehmen Hoheitsaufgaben wahr
!Lehrerinnen und Lehrer erfüllen den staatlichen Erziehungsauftrag. Darüber hinaus erteilen sie Noten, vergeben Schulabschlüsse, sprechen Versetzungen aus, vergeben Berechtigungen Für weiterführende Schulen, nehmen Prüfungen ab und entscheiden über Ord­nungsmaßnahmen.

Der Beamtenstatus der Lehrerinnen und Lehrer schützt den öffentlichen Erziehungsauftrag
!Neutralität und Gerechtigkeit bei der Ausübung des Lehrerberufes werden gerade durch den Beam­tenstatus gesichert: Er gewährleistet den öffentlichen Erziehungsauftrag gegen unzulässige Einflüsse aus dem gesellschaftlichen, weltanschaulichen und politischen Bereich. Seine be­sonderen Bindungen stellen sicher, dass die Schulen nicht zum Austragungsort gesellschaftlicher und politischer Konflikte werden.

Der Beamtenstatus sichert die pädagogische Freiheit der Lehrerinnen und Lehrer!Eine durch den Beamtenstatus unabhängige Lehrerschaft, nur der Verfassung, den Gesetzen, insbesondere dem Schulge­setz und den Lehrplänen, verpflichtet, bietet Sicherheit für Schüler, Eltern und für die Leh­rer selbst. Der beamtete Lehrer ist geschützt vor partei- und interessenpolitischer Bevormun­dung in jeder Form.


Der Mangel in Deutschland:

    - Es existiert keine Aufsicht des Staates

    - Die Lehrer sind von ihrer Ausbildung und ihrer Persönlichkeit her, häufig gar nicht in der Lage den staatlichen Erziehungsauftrag zu erfüllen

    - Das besondere Merkmal von deutschen Lehrern ist nun aber die Ungerechtigkeit

    - Die pädagogische Freiheit bietet Sicherheit nur für eine Personengruppe des Systems - den Lehrer selbt

Wie ist es also möglich, dass bei dieser hoheitlichen Aufgabe, überhaupt kein funktionierendes Kontrollsystem existiert? Sondern es nach dem Motto geht:
Zitat:
"Wir tun so, als ob die hierarchischen Strukturen noch funktionieren und Sie tun bitte so, als ob Sie daran glauben." Günter Dresselhaus "Schulentwicklung und Konfliktmanagement" http://schulleitung.de/public1/schu.....nsf/startwo?OpenFrameset

Doris
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kinderhaus



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BeitragVerfasst am: 16.05.2006, 10:43    Titel: Antworten mit Zitat

guten morgen, doris!

da bin ich ja doch überrascht:

Zitat: "Lehrerinnen und Lehrer erfüllen den staatlichen Erziehungsauftrag."

und ich hörte doch immer wieder, lehrer wollen nicht erziehen, sondern bitteschön fertig erzogene kinder (wie immer das auch aussehen soll...) in die schule geliefert bekommen, denen sie dann am vormittag etwas servieren, was allgemein als "wissen" bezeichnet wird, welches wir eltern (wohl hauptsächlich mütter!) am nachmittag kostenlos und nach weisung der lehrer aufbereiten und vertiefen sollen??? Twisted Evil

na gut, das war nicht deine frage.

du fragst: "Wie ist es also möglich, dass bei dieser hoheitlichen Aufgabe, überhaupt kein funktionierendes Kontrollsystem existiert?"

meine schnelle antwort (eine langsame folgt vermutlich aus der hoffentlich entstehenden diskussion):
es ist möglich, weil wir eltern unsere kontrollaufgaben nur unzureichend wahrnehmen.
wir jaulen zu schnell auf - wenn wir uns auf den fuß getreten fühlen - ohne die möglichkeiten des rechtsstaates wirklich voll auszuschöpfen.
als da auch wären: öffentlichkeit, demonstrationen, präsenz.
zugegeben: man kriegt schon zimelich schläge - auch unter die gürtellinie. aber mit schlägen und tritten reagieren ALLE totalitären systeme auf demokratische - und kontrollbestrebungen.

es ist an der zeit, uns zu überlegen, wie wir, die wir die schule und die lehrer ja schließlich finanzieren, die scchule und die lahrer haben wollen, und dann dafür einzutreten.
dafür brachts eltern, die an der sache dranbleiben, auch wenn ihre kinder bereits aus der schule sind. zu viele eltern - und ich weiß noch nicht, wie ich mich dereinst verhalten werde - sind so ausgebrannt, frustirert und auch desinteressiert nach der beendigung der schulzeit der eigenen kinder, dass sie nicht weiter tätig werden.
daraus folgt: jede nachwachsende elterngeneration schulpflichtiger kinder muss erst wieder eigene erfahrungen mit schule machen, anstatt auf die erfahrungen "alter" eltern zurückgreifen und von und mit diesen eltern profitieren zu können.
stichwort dazu wäre vielleicht: wir müssen generativer denken.

also: wo wollen wir hin und wie ist der weg?

ich will z. B., dass lehrer auf ihre qualität in der arbeit (und dazu gehört auch das SOZIALVERHALTEN und das ARBEITSVERHALTEN von lehrern) regelmäßig überprüft werden.
ich will, dass lehrer die pädagogische konzeption ihrer arbeit mindestens alle 5 jahre den eltern und kollegen darlegen müssen und bereit sein müssen, diese zu diskutieren.

was sagst du dazu?

es existiert keine aufsicht des staates? WIR sind der staat!

gruß,
martina
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Doris Carnap
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BeitragVerfasst am: 16.05.2006, 11:14    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Martina,
Zitat:
es existiert keine aufsicht des staates? WIR sind der staat!
so habe ich auch gedacht. Ich dachte, wenn ich es wage den Mund aufzumachen, werden sich die anderen, die sich bis jetzt nur hinter dem Rücken aufgeregt haben, meiner Kritik anschließen. Das stellte sich als Irrtum heraus.

Hier passend dazu meine Erklärung in der Antwort an Martian im Thread "Kopie: Ich verstehe es nicht!" http://emgs.de/forum-emgs/viewtopic.php?t=202 :
Zitat:
"vor Jahren sagte ein Vetreter des hessischen Kultusministeriums zu mir: Eltern haben viel Macht, sie könnten unheimlich viel bewegen, wenn sie sich zusammentun. Bei dem Gespräch ging es mir darum, herauszufinden warum man Lehrer in ihrer Unprofessionalität gewähren lässt und es keinerlei Kontrolle über ihre Leistung gibt. Mittlerweile hat sich in dieser Hinsicht in Hessen einiges getan.

Eltern haben tatsächlich den besten Einblick was im Unterricht geschieht und sie müßten lauthals protestieren, bei der Unprofessionalität die vorherrscht. Nach vier Jahren Privatschulerfahrungen war ich fassungslos darüber, was sich in den Schulen abspielt, in die ich Einblick hatte.

Ich war anfänglich der Meinung, dass Eltern, die ja als Steuerzahler das Schulsystem finanzieren, das Recht und auch die Verpflichtung haben, sich einzumischen und Qualität einzufordern. Aber schnell wurde ich eines besseren belehrt, solange Eltern eine Geisel in der Schule haben, sind sie sehr vorsichtig, es sei denn, sie können sich eine Privatschule leisten. Solange Eltern noch eine Geisel in der Schule haben, bleibt den Meisten nur eins: Die Klappe zu halten! Eltern und ihre Kinder sind sie die schwächsten Glieder dieser Kette.

Die langjährige Landeselternvertreterin Renate Hendricks, selbst Mutter von fünf Kindern stellt aber in einem ZEIT Interview fest: ?Das Schulsystem sieht Eltern als Partner gar nicht vor. Elternarbeit ist größtenteils eine Alibiveranstaltung, die Eltern ruhig stellen soll. Es gibt in unserer Schule keine Kultur des Miteinanders, der gegenseitigen Beratung, des Vertrauens.? Solange Eltern Kuchen backen und auf diese Weise Geld in die Kassen kommt, ist ihre Schuldigkeit getan.

Etwas später wird in einem anderen ZEIT Artikel die mangelnde Solidarität der Eltern beklagt, die es vorziehen ihre Kinder auf eine Prtivatschule zu schicken, anstatt sich für eine Verbesserung des Schulsystems einzusetzen.

Man merkt schnell, wie hilflos Eltern sind, denn in vielen Schulen geht es undemokratisch zu. Lehrer wissen sich geschickt für die kleinste Kritik zu rächen und je laienhafter ihr Wissen ist, umso heftiger die Reaktion. Ob alleinerziehende Mutter oder Eltern in sogenannten gehobenen Positionen, es kann alle treffen. Ein Teil derer, die es sich aufgrund ihrer gesellschaftlichen Stellung leisten könnten, kritisch zu sein, haben häufig Kinder mit Schulproblemen, nicht selten ist eine Hochbegabung kombiniert mit einer Teilleistungsschwäche die Ursache. Überdurchschnittliche Begabung zeigt sich nicht immer durch gute Noten. Kinder haben schwache Leistungen entweder in Mathematik oder den Sprachen. Auf die einseitigen Begabungsstrukturen von Menschen nimmt unser Schulsystem kaum Rücksicht. Heller hat in einer Untersuchung zur Hochbegabung festgestellt, dass nur 10% der Schüler Begabungen auf mehr als einem Gebiet hatten. Aber in der Schulpraxis ist das kein Thema. Die Kinder haben dann halt keine gymnasialen Reife oder sind für die Realschule ungeeignet oder für die Hauptschule, das sieht man doch klar an den schlechten Noten.

Eine Gruppe der Eltern, die selber Schulprobleme hatten, mittlerweile erfolgreich sind und die eigene Schlappe eigentlich verdrängt haben, ist wie gelähmt. Diese Eltern müssen nun zusehen, dass ihren Kinder 20/30 Jahre später das Gleiche wiederfährt wie ihnen! Und was machen Eltern, mit guten Gehalt? Wenn sie merken, dass mit der Lehrerin nicht zu sprechen ist, weil ihr Vorurteil fest steht, werden sie noch mit dem Schulleiter reden. Und wenn es von dort keine Unterstützung gibt, steht der Entschluss schnell fest: Sie werden nach einer guten Privatschule suchen und das Kind von der Schule nehmen.

Eine andere Gruppe der Eltern, die das Gymnasium problemlos durchlaufen haben, sagen: ?Ich hatte keine Probleme, mein Kind hat keine Probleme, Schule ist doch gut so wie sie ist, und immer schon war.? Diese Personengruppe wagt es gelegentlich Probleme anzusprechen, aber nur wenn es die eigenen Kinder betrifft. Diese Mütter, es sind vor allen Dingen Mütter ( die Väter sind meist eher zurückhaltend, ihre Schulleistungen waren nie richtig gut) haben studiert, sind erfoglreich angepasst an das System, aber schaffen es nicht über den Tellerrand zu blicken.

Dann gibt es Eltern, bei denen gilt ein Lehrer nach wie vor als Autoritätsperson, an die man sich bedingungslos anzupassen hat und kritische Eltern werden als Nestbeschmutzer angesehen.

Ich arbeite seit sieben Jahren in verschiedenen Elterngruppen, am Schulprogramm, im Schulelternbeirat, auch schulübergreifend. Es ist nur schwer möglich, ein gemeinsames Ziel zu formulieren und das zu verfolgen. Der Grund sind die eigenen, meist unreflektierten Schulerfahrungen, gemischt mit politischer Einstellung und laienhaften Vorurteilen, darüber wie guter Unterricht und gute Lehrer sein sollten.

In Schweden waren sich Vertreter aller politischen Parteien darüber einig, dass Schule besser werden muss. Die Entscheidung was gute Schule, gute Lehrer und guten Unterricht ausmacht, haben sie dort den Fachleuten (Skolverket) überlassen. Die konnten Entscheidungen treffen, ohne vom Wahlvolk dafür abgestraft zu werden!

Das wünsche ich mir auch für Deutschland.


Doris
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geloescht



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BeitragVerfasst am: 16.05.2006, 17:45    Titel: Antworten mit Zitat

Doris Carnap hat Folgendes geschrieben:
Hallo Martina,
Zitat:
es existiert keine aufsicht des staates? WIR sind der staat!
so habe ich auch gedacht. Ich dachte, wenn ich es wage den Mund aufzumachen, werden sich die anderen, die sich bis jetzt nur hinter dem Rücken aufgeregt haben, meiner Kritik anschließen. Das stellte sich als Irrtum heraus.

Doris



Doris, das ist doch genau der Punkt, an dem viele gute Ansätze scheitern. Ich kenne sooooooo viele Maulhelden, die vorm Schulgebäude in vertraulichen Gesprächen große Töne spucken. Sitzen sie beim Elternabend auf den kleinen Stühlchen, schwindet ihr Mut proportional und sie schrumpfen auf ihre natürlich Größe zurück Wink

Aber WIE um alles in der Welt soll sich je etwas ändern wenn es immerzu so weiter geht?

Elternschulungen werden immer wieder gefordert.
Leider geht es wohl meist darum: Wie dressiere ich mein Kind schulgerecht?

Wie wäre es, wenn Eltern lernen, die Rechte der Kinder und der Familie (denn unter einer "kaputten" Schule leiden alle) einzufordern und durchzusetzen?

Ich hab´es schon mal gesagt, und ich sage es gern wieder: Es wird Zeit für Auflagen, die den Kuchenbäckern unter den Elternvertretern die Freude am Amt nehmen, damit sie Platz machen für ernstzunehmende Elternarbeit.

Wie kommst du denn persönlich mit der entstandenen Situation zurecht?

Gruß

Angelika
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BeitragVerfasst am: 17.05.2006, 08:34    Titel: Antworten mit Zitat

jaaja, die kuchenbäcker-eltern....

die gibt es wohl überall, ich habe den starken verdacht, dass dies eine bewusst eingesetzte methode ist.

wenn meine kinder nörgelig und unleidlich sind, dummes zeug veanstalten und nicht so richtig was mit sich anzufangen wissen, gebe ich ihnen meist etwas zu tun.
kleine aufgaben im haushalt oder im garten.
danach ist ihre laune besser und sie sind richtig froh, nun wieder spielen gehen zu können.

letztes jahr haben sich die mütter (!!) unserer dorfgrundschule einen ganzen nachmittag ans erdbeerpflücken gemacht, m abend dann haben sie einen ganzen abend lang diese erdbeeren zu marmelade eingekocht, die dann auf dem basar für ein paar groschen verkauft wurde.
als die klassenelternsprecherin mich anrief, um mich zu bitten, bei diesem "projekt" (!!) mitzumachen, war sie doch sehr pikiert, als cih am telefon in lachen ausbrach. sie konnte nicht nachvollziehen, als ich ihr sagte, wenn geld in die klassenkasse kommen solle, wäre ich bereit, 20 euro zu spenden, aber nicht, 5-6 stunden meiner zeit, die normalerweise 40 euro die stunde kostet, für eine so sinnlose und geisttötende beschäftigung herzugeben.

jedenfalls glaube ich, dass eltern auf diese weise einfach nur beschäftigt werden sollen, damit sie den mund halten und die lehrer nicht nerven.
lehrer, die eine respektvolle haltung den eltern ihrer schüler gegenüber haben, kommen nicht auf so eine dumme idee.

ich habe aber noch angeboten, die eltern unserer grundschule einen abend lang fortzubilden (kostenlos) und sie über den grundgedanken der elternmitarbeit in der schule aufzuklären.
leider konnte sie mir irgendwie nicht folgen...


an einem anderen abend hatten wir eltern einen informationsabend für die einführung der "vereinfachten ausgangsschrift". stellt euch vor, wir sollten diese schrift unter anleitung der kl in der klasse üben - alle eltern saßen auf den stühlchen ihrer kinder, die lehrerin ging durch die reihen und sah sich die auf eisenbahnlinien geschriebenen sätze der ELTERN!!!!! an....
deutlicher konnte es nicht mehr werden, wie man an dieser schule über eltern denkt.
kleines schmankerl: eine mutter (eine berüchtigte bastel-mutti Twisted Evil ) fragte dann





ob die lehrerin die von den eltern geschriebenen zettel einsammeln würde ...... Shocked

ohne weiteren kommentar. to be continued....

martina
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optimistin



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BeitragVerfasst am: 17.05.2006, 09:33    Titel: keine gewaltenteilung Antworten mit Zitat

unsere kinder werden in einer nebenwelt auf ihr selbständiges leben als wertvolle mitglieder unseres freiheitlich demokratischen rechtsstaats vorbereitet:

der gesetzgeber in der klasse ist der lehrer

der richter ist der lehrer

der kläger ist der lehrer

der vollstrecker ist der lehrer

der schülermitverwaltung stehen Lehrer "zur Seite".

mit kummer kann man zum vertrauensLEHRER gehen.

all dies ist unseres landes einfach unwürdig.
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Doris Carnap
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BeitragVerfasst am: 17.05.2006, 10:42    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

Angelika:
Zitat:
Wie kommst du denn persönlich mit der entstandenen Situation zurecht?

Ich hatte ja nun genügend Zeit, mich damit auseinanderzusetzten. Ich habe die Situation analysiert und festgestellt, dass die meisten Eltern (noch) nicht in der Lage sind, Stellung zu beziehen. Vor allen Dingen solange sie eine Geisel in der Schule haben - so einfach ist das in einem undemokratischen System. Dazu gehört in Deutschland Zivilcourage, wie wir an anderer Stelle ja festgestellt haben, denn "Einigkeit" steht bei uns vor "Recht und Freiheit", wer diese Einigkeit stört, ist ein Nestbeschmutzer, da sind sich alle schnell einig, da herrscht schnell wieder Einigkeit, das Recht bleibt auf der Strecke. Die Massen zu mobilisieren, das kann man abhaken.

Also von der Idee, 'wir Eltern sind in der Lage schnell etwas zu ändern', habe ich mich schon lange verabschiedet. Wie ich oben beschrieben habe, sind Eltern keine homogene Gruppe, sondern Menschen mit eigenen Erfahrungen, politischen Meinungen und wiederum ganz unterschiedlichen Kindern. Eltern sind in Deutschland doch ähnlich reformresistent wie Lehrer - sie haben ja auch das gleiche Schulsystem hinter sich.

Die wenigsten haben die Erfahrung machen dürfen, dass Kinder ohne Noten und Druck wunderbar lernen und das auf einem wesentlich höheren Niveau als hier in Deutschland üblich. Und dass das Ganze auch noch in einer für Kinder; Lehrer und Eltern sehr angenehmen Atmosphäre stattfindet, können viele nicht nachvollziehen. Und die, die das wollen und können schicken ihre Kids auf eine Privatschule.

Worüber könnten wir uns bei EMGS denn einigen?


-Abschaffung der Schulpflicht und Einführung einer Bildungspflicht? Damit wenigstens für die Schüler und Eltern, die unter diesem System am meisten leiden, eine humane Lösung gefunden werden kann. Und damit alle, die mit diesem System nicht zufrieden sind, die Möglichkeit haben, das auch zu zeigen.

-Zu jedem Schüler gehört eine Geldsumme, die auch für den Besuch einer Privatschule genutzt werden kann? Damit es die Eltern, die wollen, aber finanziell leider nicht können, in Zukunft nicht mehr benachteiligt sind.

-Abschaffung der Selektion? Der Möglichkeit, Kinder bevor die Entwicklung überhaupt nur ansatzweise abgeschlossen ist, auf Grundlage ihrer Herkunft und /oder Sympathie zu den Eltern, aufzuteilen. Und der einfachen Möglichkeit, wenn etwas falsch läuft, weil Lehrer nicht in der Lage sind zu erklären, die Schüler einfach nach unten abzuschieben.

Hier ein Zitat von Sir Christopher Ball (OECD Forum 'Learning Sciences and Brain Research- Brain Mechanism and Youth Learning'):

Zitat:
"... wir müssen von dem Lehrplan geleiteten Lernen zu einem System kommen, das von der Pädagogik geleitet ist?als Lehrer weiß ich, dass das ?wie? des Lernens über das ?was? des Lernens regiert. Die Pädagogik ist wichtiger als der Lehrplan. Und immer noch gibt es auf der Welt ( aber nicht überall) lehrplangeleiteten Unterricht: Das ist aber nicht der Weg, um einen gehirn-freundlichen Unterricht zu bieten. Ein zweiter Punkt, es ist höchst Zeit darüber nachzudenken, dass es sich beim aussortieren und qualifizieren um zwei unterschiedliche Aufgaben handelt! Es gibt einen auffälligen Widerspruch in der Geschichte des Lernens in der entwickelten Welt, der uns glauben lässt, Lehrer können zwei Sachen zur gleichen Zeit machen. Dabei ist es offensichtlich, dass sich diese beiden Aktivitäten gegenseitig behindern: Junge Menschen nach Befähigung und Begabung zu sortieren und sie zu qualifizieren und sozialisieren, damit sie eine vollwertiges Mitgleid in unserer Gesellschaft sein können. Ich bin ein Lehrer und kein Aussortierer und hier fordere ich die für das Unterrichten Verantwortlichen auf, diese zwei Aktivitäten zu trennen....? (Übrsetzung D.C.)


Mein letzter Satz aus dem obigen Beitrag:
Zitat:
In Schweden waren sich Vertreter aller politischen Parteien darüber einig, dass Schule besser werden muss. Die Entscheidung was gute Schule, gute Lehrer und guten Unterricht ausmacht, haben sie dort den Fachleuten (Skolverket) überlassen. Die konnten Entscheidungen treffen, ohne vom Wahlvolk dafür abgestraft zu werden! Das wünsche ich mir auch für Deutschland.
Ich wiederhole noch mal: Eltern sind in Deutschland doch ähnlich reformresistent wie Lehrer - sie haben ja auch das gleiche Schulsystem hinter sich.

Auf welche Forderungen könnten wir uns bei EMGS einigen? Um für diese dann in Zukunft kräftig die Werbetrommel rühren.

Doris
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menthelius



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BeitragVerfasst am: 17.05.2006, 12:13    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

Einigkeit?
Ich würde es als Lobbyismus bezeichnen, Einigkeit ist mir zu positiv besetzt.
Lobbyismus ist eine Abart von Einigkeit, es ist die Organisation einer Interessenlage zur Durchsetzung dieser, abseits eines demokratischen Mehrheitwillens.
"Maischberger" war gestern aufschlussreich.

Doris Carnap hat Folgendes geschrieben:

Worüber könnten wir uns bei EMGS denn einigen?

Doris


Das kommt einer Ursachenforschung gleich. Was ist Wirkung und was ist Ursache. Ich meine:

1. Abschaffung der Selection.
Es würde zunächst schon ausreichen, dass Eltern das alleinige Recht haben, die Schulart zu bestimmen. Beratende Funktion der Schule lediglich als Entscheidungshilfe, jedoch ohne irgendwelche Konsequenzen, ohne Eintragung in die Schülerakte, usw....

2. Forderung nach mehr "Bildungsleistung".
Das würde heissen, 80% aller Schüler müssen Hochschulreife erlangen, würden wir uns an Skandinavien orientieren. Um dieses Ziel zu erreichen,
müssen sich Fachleute Gedanken machen, wir können das nicht. Wie Lernen
wirklich funktioniert, wissen die längst.

3. Kontrolle

Ich denke, dass allein diese 3 Ziele alle Massnahmen definieren würde, die wir uns für eine bessere Schule wünschen würden.

lg menthelius
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Doris Carnap
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BeitragVerfasst am: 17.05.2006, 13:23    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Menthelius,

ich meinte 'Eingikeit' im Zusammenhang mit Konfliktvermeidung, also im Umgang mit abweichenden Meinungen.

Zu 1 und 2 Es langt meiner Erfahrung nach keineswegs, nur die Schulform wählen zu lassen! Auf den weiterführenden Schulen kommt der deutschen Selektionsbeamte erst so richtig zum Zuge - dort arbeitet er vollkommen ungestört. In den Zeitungen steht, wir brauchen mehr Akademiker? Davon hat er noch nie etwas gehört! Er schwärmt von den besseren Zeiten, die er zwar nie erlebt hat, als nur die Kinder das Gymnasium/die Realschule/die Hauptschuile besucht haben, die wirklich dafür geeignet waren.

Dass das Kultusministerium ihn jetzt auffordert, vor dem Sitzenbleiben Schüler gezielt zu fördern, davon hat er auch schon gehört. Er verschickt keine "blauen Briefe" mehr, die heißen 'Individueller Lern- und Förderplan', aber der Inhalt beschränkt sich auf den Hinweis, dass 'deutliche Lücken im Fachwissen vorhanden sind' und die Eltern eine "fachlich versierte Person" einschalten sollen. Dass er als Lehrer eigentlich die fachlich versierte Person ist, die mit binnendifferenzierenden Maßnahmen den Schüler unterstützen und fördern soll, entzieht sich seiner Vorstellungskraft. Er kennt alle Verordnungen nur vom Hörensagen, in x-fach abgewandelter Form, aus mehreren Seiten Aussagen, bleibt ein gängiger Halbsatz im Bewusstsein, der zum Nachteil des Schülers ist. Derartige Texte selbst zu lesen und zu verstehen, überfordert ihn bei Weitem. Er versteht sich nicht als Fachperson für's Lernen sondern für das Lehren, die Forderung, er sei auch für das Lernen zuständig weist er empört zurück.

Zu 3 Ja, Kontrolle ist mehr als wichtig!

Ein wichtiger Punkt wäre noch die Personalauswahl. Zugang zum Studium nur für Menschen, die auch in der Lage sind, in einen dermaßen anspruchsvollen Beruf zu arbeiten.

Doris
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menthelius



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BeitragVerfasst am: 17.05.2006, 13:55    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:


Dass Lehrer dabei nicht mitspielen wollen, sieht man ja. Ich denke, mit denen darf gar kein Diskurs sattfinden.
lg menthelius


Zur Entlastung der Lehrer muss man fairnesshalber auch sagen, dass ihnen
ihr Dienstherr einen Lehrplan vorlegt, an den sie sich halten und den sie erfüllen müssen. Das ist m.E. nach kein unwesentlicher Punkt, mit dem ihnen enge Grenzen auferlegt sind.
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Doris Carnap
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BeitragVerfasst am: 17.05.2006, 15:55    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Menthelius,

nach meiner Erfahrung sind DIE Lehrpläne besonders für Ausreden geeignet. Lehrpläne gibt es in Hessen nur für die weiterführenden Schulen.

Zitat:
"Die Lehrpläne der drei Bildungsgänge beantworten schließlich die Frage, was in den jeweiligen Fächern unterrichtet wird, vom unterrichtspraktischen Ansatz her. Auswahl und Abfolge der Unterrichtsinhalte stehen somit im Vordergrund. Des Weiteren legen die Lehrpläne einen verbindlichen Kern für jedes Unterrichtsfach fest. Ausgehend von durchschnittlich 40 Unterrichtswochen im Schuljahr wird ein Minimum beschrieben, das in zwei Dritteln der verfügbaren Unterrichtszeit vermittelt werden kann. Für ein Fach mit 2 Wochenstunden stehen demnach ca. 53 Unterrichtsstunden, für ein Hauptfach mit 5 Wochenstunden ca. 132 Unterrichtsstunden dafür zur Verfügung. Das verbleibende Drittel soll für fakultative Inhalte, Vertiefung, Übung oder Ergänzung und im Übrigen dazu genutzt werden können, den Lehrplan weiterentwickeln zu helfen"
http://www.kultusministerium.hessen....0e47461f484ebae50791b531.


Ob Lehrer den Lehrplan einhalten oder nicht, wer überprüft das?

Als mein ältester Sohn 1999 auf das Gymnasium wechselte, waren die viel zu vollen Lehrpläne Grund für ständiges Klagen. Als ich online nach den Lehrplänen suchte, musste ich feststellen, dass es gar keine Lehrpläne gab, sondern Hessen Rahmenpläne hatte. Jede Schule sollte sich eigene Lehrpläne erarbeiten. Die gab es aber gar nicht. Auch nachdem die CDU Regierung wieder Lehrpläne eingeführt hatte, unterrichteten die meisten Lehrer unbeirrt weiter - nach Plänen, die nur in ihrer Fantasie existierten! In den Sprachfächern wird doch sowieso meist nur das Buch durchgearbeitet. Manche Lehrer schaffen es ganz, andere nur einen kleinen Teil. Manche arbeiten weinig mit dem Buch, machen aber ansonsten sehr interessanten Unterricht. Alles ist möglich!

Doris
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Doris Carnap
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BeitragVerfasst am: 21.05.2006, 13:09    Titel: Schulangst Antworten mit Zitat

Zitat:
Das Wort "Schulangst" gibt es vermutlich seit es Schulen gibt. Es steht im großen Wörterbuch der deutschen Sprache und ist jedem geläufig. So selbstverständlich macht Unterricht Angst? Der Begriff "Schulangst" hält in der Sprache fest, wie eng Schule mit Gefühlen der Beklemmung verbunden ist. Mit Bedroht- und Ausgeliefert sein. Da Angst mit körperlichen Raktionen einhergeht, kann Schulangst krank machen. Es kann den Kindern aus Angst "die Sprache verschlagen", "die Spucke wegbleiben" oder "den Magen abdrücken". Sie können vor Furcht bleich werden, vor Entsetzen zittern, Herzklopfen bekommen oder wie gelähmt sein; manchen sitzt die Angst "im Nacken" oder schnürt ihnen den Hals zu. Solche Körperreaktionen drücken die Gleichzeitigkeit von Erleben und Körperreaktion aus. Sie können zu Erkrankungen führen, wenn die Angst zur Erlebniskatastrophe wird. [...]

50% aller Schülerinnen und Schüler haben Angst vor Schule und Lehrern
63% haben Angst bei Prüfungen schlechte Noten zu bekommen
58% geben an, sie vergäßen bei Prüfungen, was sie vorher gelernt haben
50% äußern Angst, nach vorne an dei Tafel zu kommen und denken: Hoffentlich nimmt er mich nicht dran
54% der Gymnasiasten haben Angst, etwas Falsches zu sagen, wenn sie aufgerufen werden.
44% behaupten, die Lehrer drohen mit Noten
30% befragter Kinder des dritten und vierten Schuljahres können mehrmals in der woche nicht gut schlafen
60% berichten, es gäbe Lehrer, die sie vor der Klasse blamierten.

(Anmerkung: Das sind Mittelwerte aus verscheidieen psychologischen und pädagogischen Untersuchungen an Universitäten; Kliniken, von Ärzteverbänden, von Ministerien oder Lehrerverbänden in Auftrag gegeben, von Psychologenverbänden, aus der Kinder- und Jugendpsychiatrie.)

Kurt Singer - Wenn Schule krank macht. Weinheim 2000 (Beltz)

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BeitragVerfasst am: 21.05.2006, 13:21    Titel: Parallelgesellschaft Antworten mit Zitat

Der Erziehungswissenschaftler Reiner Lehberger im Interview mit der ZEIT:
Zitat:
ZEIT: Nehmen wir an, alle vorgeschlagenen Veränderungen würden ab morgen in den Hauptschulen greifen. Hätte die Schulform dann eine Zukunft?

Lehberger: Ich denke nicht. Die Leistungen könnten besser werden, vielleicht gelänge es, ein Abrutschen der Schüler ins soziale Abseits zu verhindern. Die Lösung wäre es aber nicht. Zumindest in den Großstädten, wo nur zehn Prozent eines Jahrgangs die Hauptschule besuchen und wo offensichtlich auch die Eltern diese Schulform nicht mehr akzeptieren, hat sie sicher keine Zukunft.

ZEIT: Warum nicht?

Lehberger: Wir versammeln in diesen Schulen all jene, die sozial, kulturell, leistungsmäßig am schlechtesten gestellt sind. Deren Benachteiligung beginnt schon vor der Schule. Einem Akademikerkind wird in den sechs Jahren vor Schuleintritt etwa 1700 Stunden vorgelesen. Wissen Sie, wie viele Vorlesestunden ein Kind am anderen Ende der Sozialskala genießt?

ZEIT: Sagen Sie es.

Lehberger: Gerade einmal 30 Stunden. Statt solche Startunterschiede abzumildern, verschärft unser gegliedertes Schulsystem diese noch. Überspitzt formuliert, fragen wir nach der vierten Klasse: Wer von euch ist arm ? Wer kann schlecht Deutsch? Wer hat miese Noten? Wer ist mal sitzen geblieben? Alle, die sich melden, stecken wir in eine Klasse. Damit schaffen auch wir in der Schule eine Parallelgesellschaft ? etwas, was wir Ausländern immer vorwerfen. http://www.zeit.de/2006/16/B-Lehberger-Interview.xml

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Doris Carnap
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BeitragVerfasst am: 28.05.2006, 09:01    Titel: Schule und Gerechtigkeit Antworten mit Zitat

Die Frankfurter Rundschau hat online einige interessante Beiträge zum Thema "Schule und Gerechtigkeit":

http://www.fr-aktuell.de/0bis992/
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nanni



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Beiträge: 36

BeitragVerfasst am: 29.10.2006, 18:22    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,
bin zwar etwas verspätet. Aber eines fällt mir zu der ganzen Diskussion schon ein - bitte nicht auslachen - aber das wie sich unser Schulsystem gegen nicht angepasste Schüler und Eltern benimmt, erinnert mich immer mehr daran, an das was wir mal in der Schule über Sekten oder auch Diktatur gelernt haben.

Machst du schön brav mit, passiert dir nichts - wenn du anders bis oder nicht dazugehören willst, bekommst du Schläge.

Mich erinnert das ganze immer mehr auch an Dresur und zwar vor allem der Eltern von schwierigeren Kindern (ich meine damit nicht die Fälle, wo wirklich eine Vernachlässigung da ist und Eingreifen erfordert) - und der Staat will, das die Leute wieder Kinder haben ?????

Gruß
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