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Andere Länder - Andere Schulsysteme
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Doris Carnap
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BeitragVerfasst am: 27.04.2006, 07:18    Titel: Andere Länder - Andere Schulsysteme Antworten mit Zitat

Edit Moderatorenhinweis: Dieser Thread wurde von diesem Thread abgeteilt.


Hallo

Georg schrieb:

Zitat:
"Das SYSTEM" ist die Summe aller persönlich selbst zu verantwortenden Einstellungen und Geisteshaltungen und Verhaltensweisen jeder Lehrerin und jedes Lehrers.

Da sehe ich schon eine sehr große Portion Eigenverantwortung!


Georg, da hast du vollkommen Recht. Aber zu dem System gehört doch auch, dass die Eigenverantwortung zwar eingefordert wird, aber von niemandem kontrolliert wird, wie und ob die eingehalten wird. Und nach meiner Einschätzung wird das von einigen Personen als Narrenfreiheit mißbraucht.

Menthelius, mein älterer Sohn hatte während eines Auslandaufenthaltes in den vier Grundschuljahren eine amerikanische Internationale Schule besucht. Wir waren nach unserer Rückkehr in die 'Heimat' alle sehr geschockt was an deutschen Schulen üblich und möglich ist. Ich habe in der Anfangszeit, aus dieser Fassungslosigkeit heraus, viele kritsche Fragen gestellt. Aber die Rechnung dafür musste mein Sohn zahlen! Die Lehrerin hatte zwar relativ gefasst auf meine Fragen reagiert, aber sie wußte sich zu rächen, denn sie kannte das System besser als ich damals.

Und nicht immer lässt sich Mobbing so einfach erfassen wie bei Schlägen! Und diese Gemeinheiten, die im System üblich sind, waren für mich ein Grund mich hier zu engagieren. Mittlerweile habe ich durch meine Beratung zur Schullaufbahn auch viele Eltern und Kinder kennengelernt, die das alles auch erleben mussten.

Gerade gestern habe ich mit einer Mutter telefoniert, die mir einen Fall beschrieb, da hatte ein Lehrer keine schriftliche Note unter einen Praktikumsbericht geschrieben, der im Fach Powi als Arbeit gewertet wurde. Vom Personalrat der Lehrer kam die Rückmeldung, dass der Lehrer keinen Fehler erkennen könne. Jetzt müßte die Kritik eigentlich an den Schulleiter weitergegeben werden, der mit Sicherheit einschreiten würde. Aber da hat der Sohn Einspruch erhoben, er weiß genau, dass er das dann ausbaden muss!
Solange wir Eltern eine Geisel in der Schule haben, sind wir nicht wirklich frei um unsere Rechte einzufordern.

Doris
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"Das Geheimnis der Erziehungskunst ist der Respekt vor dem Schüler." Ralph Waldo Emerson
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menthelius



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BeitragVerfasst am: 27.04.2006, 13:27    Titel: Antworten mit Zitat

Doris Carnap hat Folgendes geschrieben:
Hallo

Georg, da hast du vollkommen Recht. Aber zu dem System gehört doch auch, dass die Eigenverantwortung zwar eingefordert wird, aber von niemandem kontrolliert wird, wie und ob die eingehalten wird. Und nach meiner Einschätzung wird das von einigen Personen als Narrenfreiheit mißbraucht.


Logisch es lädt geradezu dazu ein. Nicht umsonst kannst Du von allen Seiten
hören, wie Lehrer in ihrem Verhaltenstypus beurteilt werden, nicht nur, wenn man im schulischen Bereich mit ihnen zu tun hat.

Doris Carnap hat Folgendes geschrieben:

..........was an deutschen Schulen üblich und möglich ist. Ich habe in der Anfangszeit, aus dieser Fassungslosigkeit heraus, viele kritsche Fragen gestellt. Aber die Rechnung dafür musste mein Sohn zahlen! Die Lehrerin hatte zwar relativ gefasst auf meine Fragen reagiert, aber sie wußte sich zu rächen, denn sie kannte das System besser als ich damals.


Du solltest mal das Staunen in den Gesichtern meiner schwedischen Kinder sehen, wenn ich ihnen von der Schule hir erzähle.
Die glauben mir das schlicht und einfach nicht.



@ Doris,

Auch mein Ältester war letztes Jahr für 1 Jahr in USA, Jackson Hole, Wyoming.
Er hatte mit seinem Freund zusammen, als er 17 war, eine IT-Firma gegründet und die lief von Anfang an recht erfolgreich.
Daraufhin hat er von einer Stiftung über die Schule das Angebot für Jahr Amerika bekommen und angenommen.
Mein Sohn ist ein "Fauler". Er macht nur, was ihn interressiert. Und das wird in Schweden gefördert. Er hat sich aus allen Kursen die ausgesucht, die ihn interressierten und darin war er gut. Ausserhalb der Schule hat der nie was gemacht.

Als er zurückkam, beschwerte er sich über das amerikanische College. Er kam sich vor, wie ein Kind. Er vermisste den Respekt, den er von seinen Lehrkräften i Schweden gewohnt war. Und er fand die Schule end-langweilig,
weil das Niveau wohl sehr niedrig war.

Du siehst, was für ein Unterschied hier zwischen Deutschland und Schweden besteht. Es sind Lichtjahre, die uns trennen.

lg FS
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Doris Carnap
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BeitragVerfasst am: 27.04.2006, 15:50    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo menthelius,

menthelius schrieb:
Zitat:
Du siehst, was für ein Unterschied hier zwischen Deutschland und Schweden besteht. Es sind Lichtjahre, die uns trennen.


Aber das interessante daran ist doch, dass die deutschen Reformpädagogen Anlass gaben für die Veränderung in Schweden.
Es gab also geschichtlich bedingt einen Rückfall in Deutschland für die Reform des Bildungswesen und auch innerhalb der Familien.
Die veränderte Einstellung zu Kindern ist aus der reformpädagogischen Bewegung heraus entstanden, deren Ursprungsgedanke war, nicht mehr so leben zu wollen wie es der Wilhelminische Obrigkeitstaat vorschrieb.
Zitat:
?Unsere Kinder sollen nicht so werden wie es die bisherige Gesellschaft uns aufzwingen will. Die neuen Ziele sind, dass Kinder nicht mehr einfach gehorchen sollen, sondern möglichst bald verstehen, worum es geht; dass man viel mit ihnen spricht und argumentiert, statt ihnen zu befehlen, dass sie ihre Erfahrungen machen müssen mit anderen Kindern, ohne dass sich immerzu Erwachsenen einschalten; dass sie keine Schläge bekommen und nicht angeherrscht werden sollen; dass man mit ihnen zusammenleben, -spielen und- arbeiten kann wie mit jüngeren Freunden, statt ihnen graviätisch vorzuleben und sich zu ihm herabzubeugen...das alles schien den jungen Erziehern und Eltern als Kennzeichen eines neuen Stils und wichtiger Teil ihrer Lebensreform. Jugend galt als Potiential der Erneuerung der Gesellschaft.? So beschreibt der Pädagoge Andreas Flitner in seinem im Jahr 1996 erschienen Buch ?Die Reform der Erziehung? diese Entwicklung.


Zitat:
?Wäre der 2. Weltkrieg nicht ausgebrochen, der noch aus Vorraussetzungen stammte, gegen welche sich diese neue Erziehung leidenschaftlich wandte ? wäre also der Frieden erhalten geblieben, so hätte erwartet werden können, dass das gesamte öffentliche Bildungswesen von der neuen Generation im Sinne dieser Reformbewegung umgeformt worden wäre?, schrieb der Erziehungswissenschafler Wilhelm Flitner ( der Vater von Andreas Flitner) schon 1954. Im Buch ?Grund- und Zeitfragen der Erziehung und Bildung? steht folgendes: ?Dass Deutschland in seiner Zerrissenheit und Verwirrung nicht imstande sein konnte, nach 1945 sein Bildungswesen den Anforderungen entsprechend zu modernisieren, ist nicht verwunderlich. Die Vereinigten Staaten, England und Schweden haben solche durchgreifenden Umgestaltungen in den letzten Jahrzehnten vollbracht. Deutschland, eines der wichtigsten Ursprungsfelder für die neue Pädagogik, muß froh sein, wenn es sein Bildungswesen wieder ordnen und Schritt für Schritt verbessern kann."


Uns ist es bis heute nicht gelungen das nachzuholen! Allerdings hat sich in den letzten Jahren, bedingt durch die PISA Studie, auch viel verändert.

Ein Grundhemmnis ist nach meiner Einschätzung, dass der Fortschritt im Bildungsbereich immer noch von der Parteipolitik abhängt, also davon was CDU und SPD z.B. aus ihrer Sicht für richtig halten. Was die Fachleute dazu sagen, interessiert da nicht so sehr. Auch wenn wir mit unseren Instituten für Qualitätsentwicklung in die richtige Richtung gehen, verglichen mit Skolverket in Schweden fehlt es dort an Kompetenz, Unabhängigkeit und entsprechender Finanzierung, weil der gemeinsame politische Wille, dass das System verbessert werden muss, noch nicht vorhanden ist, der für Schweden eine Veränderung gesorgt hat.

Doris
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menthelius



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BeitragVerfasst am: 27.04.2006, 19:30    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:


Aber das interessante daran ist doch, dass die deutschen Reformpädagogen Anlass gaben für die Veränderung in Schweden.


Hochinterressant, das wusste ich noch nicht, wo kann ich denn darüber mehr erfahren, gibt es einer Web-site mit Informationen?


Zitat:
?Wäre der 2. Weltkrieg nicht ausgebrochen, der noch aus Vorraussetzungen stammte, gegen welche sich diese neue Erziehung leidenschaftlich wandte ? wäre also der Frieden erhalten geblieben, so hätte erwartet werden können, dass .........


......eine Überlebensstrategie, die durch Ignoranz und Wegschauen gekennzeichnet war, nicht notwendig geworden wäre. Die Grauen des Krieges forderten diese Strategie und sind vielleicht ein Erbe, das uns heute davon abhält, Ursachen zu erkennen.
Der Philosophie der Aufklärung lag Spinoza`s Ethik zugrunde im Erkennen von Ursache und Wirkung, der hätte die Lösung schnell bei der Hand!
Idea
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Doris Carnap
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BeitragVerfasst am: 28.04.2006, 06:56    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Menthtlius,

das wird von Schweden häufig besonders betont, wenn sie von deutschen Journalisten interviewt werden, in dem Sinne von "was wollt ihr eigentlich von uns wissen, die Wiege der Reformpädagogik stand doch in Deutschland". Von den drei deutschen Reformpädagogen Dörpfeld, Rein und Diesterweg ging letztendlich ab 1850 die Reformwelle aus, die Europa und Amerika beeinflusste. Ich habe mich mit Friedrich Wilhelm Dörpfeld besonders beschäftigt. Und dann habe ich mich vor allem gefragt, warum gibt es in Deutschland diese Probleme, auf der einen Seite ja die überwiegend privaten Schulen mit reformpädagogischen Konzepten, auf der anderen Seite die staatlichen Schulen mit Lehrern, die auf Nachfrage sagen: "Von Reformpädagogik halte ich nichts!" Sie halten aus einem einfachen Grund "nichts davon", weil sie häufig keine Ahnung haben, um was es eigentlich geht. Und was mich besonders erschreckt, dass häufig gar kein Bedürfniss vorhanden zu sein scheint, etwas Hintergrundwissen zu erlangen!

Ich habe nur dieses eine Beispiel auf die Schnelle finden können, einen Beitrag von dem Erziehungswissenschftler Ernst Schaak 'Bemerkungen zur Bildungsdiskussion in Schweden":

Zitat:
"Auf die Frage, wieso die Ausstattung schwedischer Schulen ungleich komfortabler als die deutscher Schulen sei, antwortete der Schulleiter: "Wir meinen, was wir für unsere Kinder tun, das tun wir für unsere Zukunft, hierin sind sich Lehrer, Eltern und politisch Verantwortliche einig." Als weiterer Gesichtspunkt wurde folgendes genannt: "Die Kinder sollen sich in der Schule wohl fühlen. Die Schule ist ein Ort, wo Kinder leben und nicht nur lernen sollen." Bei dem Gang durch die Schule war noch aufgefallen, daß die Kinder an manchen Stellen an der Ausgestaltung der Räumlichkeiten beteiligt gewesen waren. Es gab z.B. Hinweise darauf, daß bestimmte Wände von Schülerinnen und Schülern gestrichen worden waren. Es war auch nicht zu übersehen, daß in der mehr als 20 Jahre alten Schule noch alle Kleiderhaken unbeschädigt waren und daß es in dem Umkleideraum der Turnhalle keinen beschädigten Garderobenschrank gab. "Wir nehmen in Schweden das Prinzip 'Demokratie' sehr ernst, sagte eine Lehrerin, die Kinder müssen frühzeitig lernen, in wichtigen Fragen mitzuentscheiden und Verantwortung zu tragen. Wenn wir eine demokratische Gesellschaft wollen, so muß auch die Schule im Kleinen eine demokratische Gesellschaft sein." Angesprochen auf das umfangreiche Betreuungsangebot der Schule meinte ein Lehrer: "Eine Schule, welche die Kinder den ganzen Tag in ihrer Obhut hat, ist auch für ihre psychische und physische Gesundheit verantwortlich, und deshalb brauchen wir auch dieses Angebot. Wir streben mit Nachdruck eine allseitige Förderung der Kinder an, das heißt kognitiv, affektiv, sozial und in manuellen Fertigkeiten."

Mit diesen wenigen Zitaten sind bereits die wichtigsten Aspekte der skandinavischen Pädagogik angedeutet. Auf die für deutsche Wissenschaftler unverzichtbare - und selbstverständlich legitime - Frage nach den theoretischen Grundlagen des "demokratischen Paradigmas" wurden bekannte Namen genannt: Wilhelm von Humboldt (humanistisches Bildungsideal), Georg Kerschensteiner (Arbeitsschule), Berthold Otto (fächerübergreifender Gesamtunterricht), Rudolf Steiner (Epochenunterricht), John Dewey (learning by doing) und schließlich Ellen Key, die recht radikale schwedische Reformerin, welche um die Jahrhundertwende mit ihrer Publikation "Das Jahrhundert des Kindes" weltberühmt wurde, aber in Skandinavien heute fast vergessen ist.
http://www.erzwiss.uni-hamburg.de/ewi-Report/EWI14/26-schaa.htm


Du hast den besonderen Respekt der schwedischen Lehrer ihren Schülern gegenüber erwähnt, genau das ist der Punkt, der uns in der privaten internationalen Schule so beeindruckt hat. Den Spruch von Ralph Waldo Emerson finde ich sehr passend:
Zitat:
"Das Geheimnis der Erziehungskunst ist der Respekt vor dem Schüler."

Doris Carnap
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Doris Carnap
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BeitragVerfasst am: 09.05.2006, 08:09    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

ich kopiere hier einen Beitrag von menthelius aus dem abgetrennten Thread zu einem Vergleich der Kosten: Verschiedene Einschätzung des Lehrerverhaltens

Zitat:
schwedisches Schulsystem:

Kosten pro Schüler/ pro Jahr (50 000Skr ~ ? 5000.-)

Grundskola
? år 1-3 47 200 Skr
? år 4-5 50 150 "
? år 6 53 100 "
? år 7-9 66 750 "

Leistungen:
Hochschulreife über 80% aller Schüler
Ganztagsschule
zusätzliche Förderung in sogenannten "Växthus" (im Angebot enthalten)
Mittagsessen für alle Schüler (im Angebot enthalten)
private Nachhilfe entfällt, braucht es nicht, gibt es auch nicht !!

deutsches Schulsystem:

Kosten pro Schüler/ pro Jahr ca. ? 4600.-

Leistungen:
Hochschulreife ca. 30 %
Vormittagsschule
zusätzliche Förderung (einklagbar)
kein Mittagessen (oder wenn, gegen Aufpreis)
private Nachhilfe (gegen Aufpreis ca. 2 Milliarden pro Jahr)


In Deutschland werden durchschnittlich 4600.-? pro Schüler und Schuljahr ausgegeben, auf die einzelnen Schularten verteilt sieht das so aus, laut Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes vom 18.4.2006:

Zitat:
Bei allgemein bildenden Schulen waren es 5 000 Euro je Schüler/-in, bei beruflichen Schulen 3 200 Euro. Innerhalb der allgemein bildenden Schulen variierten die Ausgaben je Schüler/-in von 3 900 Euro an Grundschulen über 5 400 Euro an Gymnasien bis zu 11 700 Euro an Sonderschulen. Die verhältnismäßig hohen Ausgaben bei Sonderschulen resultieren vor allem aus einer niedrigeren Schüler-Lehrer-Relation. Die vergleichsweise niedrigen Aufwendungen von 2 200 Euro je Schüler/-in an Berufsschulen im Dualen System sind vor allem durch den Teilzeitunterricht bedingt.

Je Schüler/-in wurden im Bundesdurchschnitt 3 800 Euro für Personal einschließlich unterstellter Sozialbeiträge für verbeamtete Lehrer und Beihilfeaufwendungen, 500 Euro für den laufenden Sachaufwand und 300 Euro für Investitionen ausgegeben. Bei einem tiefer gehenden Ausgabenvergleich auf Ebene der einzelnen Bundesländer ist zu beachten, dass die Schulstruktur und das Unterrichtsangebot zwischen den Ländern differieren (zum Beispiel Unterschiede in der Ganztagsbetreuung, den Betreuungsrelationen, der Besoldungsstruktur). In allen Ländern sind die Personalausgaben die dominierende Ausgabenkomponente. In den neuen Ländern betrugen die Personalausgaben durchschnittlich 3 900 Euro und in den Flächenländern des früheren Bundesgebietes 3 700 Euro je Schüler/- in. Die Personalausgaben der Stadtstaaten waren mit 4 600 Euro je Schüler/-in am höchsten.

Weitergehende Informationen, insbesondere detaillierte Länderkennzahlen, finden Sie unter http://www.destatis.de/themen/d/thm_bildung6.php


Es gibt außer den Kosten für den Nachhilfeunterricht, den Eltern aus eigener Tasche zahlen müssen, noch andere Kosten, die der "Steuerzahler"(wir) zu tragen hat (zu tragen haben):
Zitat:
Pressemitteilung des Intitus für deutsche Wirtschaft vom 11.Januar 2006

Versäumnisse kosten Milliarden

Spätestens die PISA-Studie hat die Versäumnisse des deutschen Bildungssystems offen gelegt. Diese sind aber nicht nur ärgerlich, sondern kommen Staat und Gesellschaft teuer zu stehen. Nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) zielten im Jahr 2004 knapp 3,7 Milliarden Euro oder 7 Prozent des Schul- und Berufsschulbudgets ins Leere, weil die Jugendlichen die Ziele des Bildungssystems nicht erreichten. Legt man die jeweiligen jährlichen Ausgaben je Schüler in den einzelnen Schularten
zugrunde, dann kosteten allein die 82.000 Jungen und Mädchen, die ohne Hauptschulabschluss die Schule verließen, sowie die 246.000 Berufsschulabgänger ohne Abschluss den Staat fast 1,5 Milliarden Euro. Weitere gut 1,2 Milliarden Euro wurden dadurch vergeudet, dass mehr als 250.000 Schüler eine Klasse wiederholen mussten. Und 815 Millionen Euro erfüllten nicht ihren Zweck, weil 154.000 Schüler am Ende der Sekundarstufe I nicht die
erforderlichen Grundfähigkeiten hatten, um eine Ausbildung erfolgreich absolvieren zu können. Doch statt diesen Problemen vorzubeugen, wird hierzulande lieber repariert:
Schätzungsweise 3,4 Milliarden Euro dürfte es im Jahr 2004 zusätzlich gekostet haben, jungen Menschen über nachschulische Qualifizierungsmaßnahmen überhaupt ansatzweise eine Chance am Arbeitsmarkt zu verschaffen.


Doris
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Doris Carnap
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BeitragVerfasst am: 10.05.2006, 07:08    Titel: Antworten mit Zitat

Der Bildungsforscher Klaus Klemm von der Uni Duisburg- Essen schrieb gestern ( 9.5. 2006) in der Frankfurter Rundschau in der Beilage "Wissen& Bildung" folgenden Beitrag:

Zitat:
"Magerkur für die Bildung

Die öffentlichen Bildungausgaben sinken. Das steht in krassem Widerspruch zu den Beteuerungen der Politker, dass Geld für Schulen, Berufsbildung und Hochschulen eine Investition für die Zukunft sei.

Unstrittig ist: Eine Steigerung der Bildungsausgaben allein würde nicht ausreichen, das deutsche Bildungsystem zu verbessern. Ebenso unstrttig aber ist: Eine Verbesserung der Leistungen unseres Bildungssystems bei gleichzeitiger Reduzierung der Mittel ist schwer vorstellbar.

Die jüngst vorgestellten Daten des Statistischen Bundesamtes belegen jedoch: Die öffentlich und privat für Bildung eingesetzten Kosten sinken seit 2002 - nominal und erst recht real, also bei Berücksichtigung der Geldentwertung. 2004 war das Budget für Bildung, Forschung und Wissenschaft bei einem Volumen von 193 Milliarden um (inflationsbereinigt) 5,2 Milliarden Euro geringer als 2002. Für diese Entwicklung sind die öffentlichen Haushalte des Bundes, der Länder und der Kommunen verantwortlich.

(...)

Ein Blick in die Feinstruktur der Bildungsausgaben zeigt, wen das trifft: Während allenthalben beklagt wird, dass das deutsche Schulsystem zu viel "Risikoschüler" entlasse, dass das Angebot an Ausbildungsplätzen bei weitem nicht ausreiche und dass schon unter den jungen Erwerbtätigen viele der Weiterbildung bedürfen, um auf dem Arbeitsmarkt vermittelbar zu sein, werden die Ausgaben für die hier betroffenen Jugendlichen gekürzt.

[...]

Von der Tendenz der Ausgabensenkung setzt sich ein Bereich ab: Die privat getragenen Ausgaben für Nachhilfe, Lernmittel und dergleichen sind in diesem Zeitraum um real 300 Millionen Euro gestiegen.

[...]

Würde Deutschland mit seiner Ausgabenpolitik im Bildungsbereich seinen deklamatorischen Konsens umsetzen, würde die Politik sich wenigstens in diesem Feld ernst nehmen, so wäre eine Umkehr der Ausgabenentwicklung überfällig.

Die Wegweisung dafür liefern die OECD - Länder: Käme Deutschland mit seinen Bildungsausgaben wenigstens auf deren Durchschnitt, so müsste das Land an öffentlichen und privaten Ausgaben elf Milliarden Euro mehr aufbringen. Orientierte sich Deutschland gar an der international führenden Ländergruppe, zum Beispiel an Schweden, so müssten seine Bildungsausgaben sogar um 35 Milliarden Euro steigen - nicht aber um fünf Milliarden sinken."

Doris
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BeitragVerfasst am: 10.05.2006, 08:40    Titel: Antworten mit Zitat

Hier ein Beispiel, wie man in Schweden gegen Mobbing vorgeht:


Zitat:

2006-05-10 09:18:00
Prisas för insatser mot mobbning
Vilbokskolan i Olofström är bäst i landet på att vara schyssta kamrater.

På Skansen i Stockholm fick eleverna i går ta emot priset, ett stipendium på 25 000 kronor.

Enligt motiveringen fick de priset för sitt framgångsrika sätt att arbeta mot mobbning och utanförskap, skriver lokaltidningarna

Det är stiftelsen Friends och Föreningssparbanken som efter en tävling delat ut priset.



Man startet einen Wettbewerb für die beste Kameradschaft. Dafür gibt es Geld und Ehre in Skansen, dem grössten Freilichtmuseum in Stockholm.
Eine Stiftung der "Vereinsbank" hat die Skr 25 000 an die Schüler der Vilbokschule in Olofström überreicht, für erfolgreichen Einsatz gegen Mobbing und Ausgrenzung.

In Schweden ist das nämlich "uncool".

Gab es bei uns soetwas auch schon mal?
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BeitragVerfasst am: 10.05.2006, 11:33    Titel: Antworten mit Zitat

Dann wollte ich dieses nochmals in Erinnerung rufen:

Migrantenkinder erhalten schon in der Vorschule Schwedisch-Unterricht, und dieser Unterricht wird in der Pflichtschule so lange fortgesetzt, bis sie einen bestimmten Sprachtest bestehen. Gleichzeitig haben Migrantenkinder in ihrer gesamten Schulzeit das Recht, Unterricht in ihrer Muttersprache zu bekommen, solange sie selber es wollen. In den unteren Klassen wird der Unterricht oft von zwei Lehrkräften erteilt, damit Migrantenkinder auch in den Sachfächern Unterstützung bekommen. Oft arbeiten die Kinder individualisiert.

Die Basis für das individuelle Lernen ist die gemeinsame Schule, die Grundschule von 1 bis 9. In dieser Schule gibt es kein Sitzenbleiben, keine Sonderschule, keine Fachleistungsdifferenzierung, keine Noten bis Klasse 8. Langsam Lernende werden nicht zu Lernbehinderten, sondern erhalten individuelle Hilfe. Zentrale Tests werden zur Diagnose eingesetzt. Zweimal im Jahr treffen sich Lehrkräfte, Schüler und Eltern zu einer intensiven Beratung über die Lernfortschritte. Oft werden Klassen altersgemischt unterrichtet, wobei Ältere die Jüngeren anleiten können. Lehrer und Lehrerinnen arbeiten meist in vertikalen Teams, z. B. von Klasse 1 bis 6, wo sie sich über ihrer SchülerInnen austauschen. Bei großen Schwächen in Mathematik können zeitweise kleine Gruppen gebildet werden, die besonders intensiv gefördert werden. Psychologen und Sozialpädagogen kümmern sich in Lernzentren, die den Schulen angeschlossen sind, um verhaltensauffällige Kinder, die in den Klassen nicht mehr tragbar sind: Sie besuchen die Eltern, um Gründe für die Störung herauszufinden und die Eltern einzubinden, und unterrichten diese Kinder parallel, immer mit dem Ziel, sie bald wieder in ihre Klasse zu integrieren.

Auf der Basis der gemeinsamen Schule ist das schwedische System ungemein flexibel und kennt kaum Verordnungen, außer dem Verbot von Fachleistungsdifferenzierung. So ist es möglich, auf die Bedürfnisse aller Kinder individuell einzugehen, statt wie in Deutschland Kindern mit Lernproblemen ständig zu signalisieren, dass sie versagen. Das schwedische Schulsystem zeichnet die Achtung vor dem lernenden Menschen aus, der unterstützt und gefördert wird. Auch die entspannte, ruhige Atmosphäre in den Schulen mach t diese positive Einstellung zum Lernenden deutlich.
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Doris Carnap
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BeitragVerfasst am: 11.05.2006, 09:52    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Menthelius,

und so sieht Differenzierung in Deutschland aus:

Ein Beispiel aus dem Lehrerforum unter Allgemein, im Thread "Differenzierungsproblem" die Antwort von Heike/Meike. vom
10.5.2006:

Zitat:
"Ich lasse die binnendiff. Arbeiten nur freiwillig zuhause erledigen, da es ja gerade die stärkeren und schnelleren Schüler sind, die damit überhaupt anfangen und die brauchen oft nicht so viel Übung. Ich verteile außerdem an die Langsamen die binnendiff. Aufgaben als Übungsmaterial, damit alle alles haben. Lustigerweise machen aber gerade die Stärkeren die freiwilligen Hausaufgaben fast immer - sie mögen keine halbfertigen Sachen und sie sind eben fix. Dann freu ich mich und hab einen weiteren Grund für eine gute Note im Mündlichen."

Zwei Sachen fallen ins Auge: Differenzieren und alle bekommen das gleiche Material, das aber nur freiwillig zu Hause erledigt werden muss. Und die guten und schnellen Schüler, bekommen für die schriftlich erledigte Hausaufgaben, die ihnen leicht fallen, auch noch eine bessere mündliche Note!

Ein fachlich fundierter Beitrag zum Thema Dfferenzierung einer lange und teuer ausgebildeten Lehrerin?
Zitat:
"Lustigerweise machen aber gerade die Stärkeren die freiwilligen Hausaufgaben fast immer..."

Was ist dennn daran lustig? Wer den "Stoff" verstanden hat, hat die Aufgaben schnell erledigt. Aber wie wird dafür gesorgt, dass die, die einen anderen Zugang brauchen, den auch bekommen?

Zitat:
"Differenzierung
Maßnahmen der inneren und äußeren Differenzierung stehen in Zusammenhang mit der Arbeit der Lehrperson, die als Folge einer individualisierenden Haltung und/oder als Reaktion auf unterschiedliche Voraussetzungen für curriculare Ziele zu sehen sind, damit nicht an den Schülern vorbei unterrichtet wird. Im Sinne einer innereren Differenzierung innerhalb einer Lerngruppe geht es um Unterrichtsarrangements wie Gruppenarbeit, Projektarbeit, Methoden selbstständigen Arbeitens, um unterschiedliche Zugänge und Materialien, aber auch um gruppenbezogene Rahmen, Regeln und Rituale, die den Zusammenhalt und eine stabile Arbeitssituation unterstützen. (Brömer)." http://buf.bildung.hessen.de/glossar/


Ein Grund für mangelnde Chancengleichheit in Deutschland ist die Fehlvorstellung: Alle die gleiche Chance, wenn man allen das Gleiche anbietet.

Solange Lehrer nicht den Mut haben ihre Schüler ungleich zu behandeln, also Stärken und Schwächen der Schüler überhaupt wahrzunehmen und die Schüler entsprechend zu untersützen, gehört das Wort "Binnendifferenzieren" weiter zu den Begriffen, die eine deutsche Lehrerin anscheinend intellektuell überfordern. An allen Schulen, die meine Kinder außerhalb von Deutschland besucht haben, gehörte die innere Differenzierung selbtverständlich zum Repertoire der Lehrer.

Doris
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BeitragVerfasst am: 11.05.2006, 10:54    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Doris,

Sehr schön Deine Ausführung.
Das LF ist eine wahre Fundgrube, es ist voll von Demonstrationen pädagogischen Schulalltags.
Schade, dass sie dort dann auch noch "Kompetenz" kategorisch
ausschliessen, bzw. sperren.
Vermutlich haben sie Angst davor, Pädagogik und Psychologie lernen zu müssen, die Seite zu wechseln und wieder die Schulbank drücken zu
müssen, wo es doch so schön ist, "auf der sicheren Seite".

Dieser Paradigmenwechsel kann nur von "oben" kommen.
Ich bin mal gespannt, ob das meine Tochter noch erleben darf.
Noch sind es zu viele Eltern, für die Bildungschancengleichheit kein Begriff ist, die den Zusammenhang von Bildung, Perspektive, Arbeitslosigkeit und globaler Konkurrenzfähigkeit nicht wahrhaben wollen.
Unsere Lehrer wollen es offensichtlich nicht.

lg menthelius
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Doris Carnap
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BeitragVerfasst am: 13.05.2006, 09:11    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo menthelius,

menthelius:
Zitat:
Dieser Paradigmenwechsel kann nur von "oben" kommen.

Diesen Paradigmenwechsel von 'oben' gibt es schon seit Anfang der 90er Jahre - http://www.bildungsserver.de/zeigen.html?seite=1276 - aber was wissen die einzelnen Lehrer zum Thema "Qualitätsverbesserung in Schulen"?

Hier können wir mal wieder die hessische Lehrerin Heike/ Meike. aus dem Lehrerforum nehmen. Auf die Frage von Jane:
Zitat:
"Hast Du denn diesen pädagogischen Freiraum, von der Sozial-Norm Notengebung abzuweichen, diese diagnoseorientiert einzusetzen und dementsprechend zielorientiert der Motivation und den Fähigkeiten des Kindes gemäss anzuwenden?"

antwortet Heike/Meike ausschweifend:
Zitat:
"Die gewählten Vertreter der Regierung in der Bildungspolitik wollen Vergleichstests...Zentralabitur... Standards...Übergangsprofile... ICH ganz privat (!) hätte nix dagegen Noten ganz abzuschaffen und durch Eingangstests von Firmen und Universitäten zu ersetzen ... ich hätte aber auch nix gegen den Weltfrieden... oder die weltweite Abschaffung des Hungers.
Und ich bin nunmal nicht König von Deutschland.

Wenn man also ein anderes Schulsystem will, wähle man andere Regierungen. Obwohl sich derzeit leider keine anbietet, die das im Programm hat.

Bis dahin bleibt Lehrern, die Bedienstete des Staates sind, nur die Befolgung der Dienstvorschriften (Vergleichstests...Zentralabitur... Standards...Übergangsprofile... ). Oder man umschleicht die Vorgaben, weil man meint, das individuell für ein Kind tun zu müssen und bewegt sich auf rechtlich dünnem Eis ... aber dann ist es ja auch wieder nicht recht, denn wenn man das täte, stehen auch immer wieder X Eltern parat, die einem empfehlen, die Vorschriften genauestens einzuhalten, da man sie sonst einklagen müsse. Ja, was denn nun? Und wo ist denn der persönliche Spielraum der Lehrer genau?

Ich sehe ihn höchstens in der persönlichen Begegnung mit dem einzelnen Kind, auf zwischenmenschlicher Ebene (zum Beispiel bedeutet für mich eine schlechte Note nicht "Versagen des Kindes" und ich vermittele das auch nicht so. Sie bedeutet allenfalls: "Derzeit (!) im Vergleich zu anderen und im Vergleich zu den gesetzten Standards des Lehrplans im Fach X etwas schwächer". Das kann alle möglichen Gründe haben und morgen ganz anders sein. Dass man sein Bestes tut um die Kinder über diese Grenzen zu hieven, halte ich für selbstverständlich. Wenn es irgend geht. ) Da kann man vieles abfangen und mildern, aber das derzeitige System bei Lehrern an- / ein anderes einzuklagen, halte ich für sinnfrei. Falsche Adresse. Siehe oben.

Die meisten meiner Kollegen sind von der endlosen Vergleicherei und den daraus eh nicht zu ziehenden Schlüssen eher unglücklich. Die meisten Kollegen, die ich kenne, mögen die Notengeberei auch nicht besonders und würden lieber ohne sie unterrichten.

und etwas später dann die dümmliche Gegenfrage von Heike/Meike:
Zitat:
"Würdest du als Elternteil es denn gut finden, wenn sich Lehrer nicht an vorgegebene Normen hielten? Wie würdest du mit einem Lehrer umgehen, der sich nicht an die vorgegebenen Normen hielte?"
Nein Heike/Meike. Eltern wünschen sich nur, dass du deine Verordnungen kennst!

Wer ist denn Heike/Meikes. Dienstherr, wie sehen Heike/Meikes Dienstvorschriften aus und für wen ist eigentlich der hessische Bildungsserver eingerichtet? Fangen wir mal mit der Dienstordnung für Lehrkräft an:
Zitat:
"§ 4 (1) Die Lehrkräfte erziehen, unterrichten, beraten und betreuen die Schülerinnen und Schüler in eigener Verantwortung und pädagogischer Freiheit (§ 86 Abs. 2 des Hessischen Schulgesetzes). Dabei sind der Bildungs- und Erziehungsauftrag und die Grundsätze für dessen Verwirklichung nach den §§ 2 und 3 des Hessischen Schulgesetzes zu beachten. Der Unterricht ist auf der Grundlage der geltenden Rahmenpläne und unter Berücksichtigung pädagogischer Erkenntnisse, über deren jeweils neuesten Stand die Lehrkräfte sich zu informieren haben, zu erteilen. Eine längerfristige Unterrichtsplanung, in der Regel für ein Schuljahr, und eine gründliche Unterrichtsvorbereitung sind unerläßlich. Im Unterricht sollen die unterschiedlichen Auffassungen, die für den jeweiligen Unterrichtsgegenstand erheblich sind, angemessen zur Geltung kommen; das Recht der Lehrkraft, im Unterricht auch die eigene Meinung zu äußern, bleibt unberührt. (2) Die Lehrkräfte sind verpflichtet, an der Entwicklung, Umsetzung und Überprüfung des Schulprogramms mitzuwirken und ihre Unterrichts- und Erziehungsarbeit zu koordinieren. (3) Lehrkräfte haben die geltenden Rechts- und Verwaltungsvorschriften und Anordnungen der Schulaufsichtsbehörden, Weisungen der Schulleiterin oder des Schulleiters und die Beschlüsse der Schulkonferenz und der Lehrerkonferenzen zu beachten. Sie sind verpflichtet, sich über die geltenden Vorschriften, Weisungen und Konferenzbeschlüsse zu informieren. (4) Lehrkräfte haben für einen pünktlichen Unterrichtsbeginn und Unterrichtsschluß Sorge zu tragen. Sie sind verpflichtet, die angeordneten schriftlichen Nachweise auf dem laufenden zu halten.[...] 6) Lehrkräfte haben die Pflicht und das Recht zur ständigen Fort- und Weiterbildung. Die Teilnahmemöglichkeiten an Fortbildungsveranstaltungen werden durch besondere Vorschriften geregelt."


Die §§ 2 und 3 des hessischen Schulgesetzes lauten folgendermaßen:
Zitat:
" § 2 Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schule
(1) Die Schulen im Lande Hessen erfüllen in ihren verschiedenen Schulstufen und Schulformen den ihnen in Art. 56 der Verfassung des Landes Hessen erteilten gemeinsamen Bildungsauftrag, der auf humanistischer und christlicher Tradition beruht. Sie tragen dazu bei, dass die Schülerinnen und Schüler ihre Persönlichkeit in der Gemeinschaft entfalten können.
(2) Die Schulen sollen die Schülerinnen und Schüler befähigen, in Anerkennung der Wertordnung des Grundgesetzes und der Verfassung des Landes Hessen die Grundrechte für sich und andere wirksam werden zu lassen, eigene Rechte zu wahren und die Rechte anderer auch gegen sich selbst gelten zu lassen, staatsbürgerliche Verantwortung zu übernehmen und sowohl durch individuelles Handeln als auch durch die Wahrnehmung gemeinsamer Interessen mit anderen zur demokratischen Gestaltung des Staates und einer gerechten und freien Gesellschaft beizutragen, die christlichen und humanistischen Traditionen zu erfahren, nach ethischen Grundsätzen zu handeln und religiöse und kulturelle Werte zu achten, die Beziehungen zu anderen Menschen nach den Grundsätzen der Achtung und Toleranz, der Gerechtigkeit und der Solidarität zu gestalten, die Gleichberechtigung von Mann und Frau auch über die Anerkennung der Leistungen der Frauen in Geschichte, Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft zu erfahren, andere Kulturen in ihren Leistungen kennen zu lernen und zu verstehen, Menschen anderer Herkunft, Religion und Weltanschauung vorurteilsfrei zu begegnen und somit zum friedlichen Zusammenleben verschiedener Kulturen beizutragen sowie für die Gleichheit und das Lebensrecht aller Menschen einzutreten, die Auswirkungen des eigenen und gesellschaftlichen Handelns auf die natürlichen Lebensgrundlagen zu erkennen und die Notwendigkeit einzusehen, diese Lebensgrundlagen für die folgenden Generationen zu erhalten, um der gemeinsamen Verantwortung dafür gerecht werden zu können, ihr zukünftiges privates, berufliches und öffentliches Leben auszufüllen, bei fortschreitender Veränderung wachsende Anforderungen zu bewältigen und die Freizeit sinnvoll zu nutzen.
(3) Die Schule soll den Schülerinnen und Schülern die dem Bildungs- und Erziehungsauftrag entsprechenden Kenntnisse, Fähigkeiten und Werthaltungen vermitteln. Die Schülerinnen und Schüler sollen insbesondere lernen, sowohl den Willen, für sich und andere zu lernen und Leistungen zu erbringen, als auch die Fähigkeit zur Zusammenarbeit und zum sozialen Handeln zu entwickeln, eine gleichberechtigte Beziehung zwischen den Geschlechtern zu entwickeln, Konflikte vernünftig und friedlich zu lösen, aber auch Konflikte zu ertragen, sich Informationen zu verschaffen, sich ihrer kritisch zu bedienen, um sich eine eigenständige Meinung zu bilden und sich mit den Auffassungen anderer unvoreingenommen auseinander setzen zu können, ihre Wahrnehmungs-, Empfindungs- und Ausdrucksfähigkeiten zu entfalten und Kreativität und Eigeninitiative zu entwickeln.
(4) Die Schulen sollen die Schülerinnen und Schüler darauf vorbereiten, ihre Aufgaben als Bürgerinnen und Bürger in der Europäischen Gemeinschaft wahrzunehmen.
§ 3 Grundsätze für die Verwirklichung
(1) Die Schule achtet die Freiheit der Religion, der Weltanschauung, des Glaubens und des Gewissens sowie das verfassungsmäßige Recht der Eltern auf die Erziehung ihrer Kinder und nimmt Rücksicht auf die Empfindungen und Überzeugungen Andersdenkender.
(2) Um dem Grundsatz der Gleichberechtigung von Frauen und Männern Rechnung zu tragen, ist darauf hinzuwirken, dass Ausschüsse, Beiräte, Kommissionen, sonstige Gremien und Kollegialorgane, die auf Grund dieses Gesetzes zu bilden sind, paritätisch besetzt werden. Das Nähere wird in den jeweiligen Verfahrensordnungen geregelt.
(3) Die Schule darf keine Schülerin und keinen Schüler wegen des Geschlechts, der Abstammung, der Rasse, der Sprache, der Heimat und Herkunft, des Glaubens und der religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligen oder bevorzugen.
(4) Die Schule soll Voraussetzungen zur Förderung der Gleichberechtigung von Jungen und Mädchen schaffen. Schülerinnen und Schüler werden grundsätzlich gemeinsam unterrichtet. Sofern es pädagogisch sinnvoll ist, können sie zeitweise auch getrennt unterrichtet werden.
(5) In Verwirklichung ihres Bildungs- und Erziehungsauftrags entwickeln die Schulen ihr eigenes pädagogisches Konzept und planen und gestalten den Unterricht und seine Organisation selbstständig. Die einzelne Schule legt die besonderen Ziele und Schwerpunkte ihrer Arbeit in einem Schulprogramm fest. Sie ist für die Erfüllung des Bildungs- und Erziehungsauftrags verantwortlich. (6) Die Schule ist so zu gestalten, dass die gemeinsame Erziehung und das gemeinsame Lernen aller Schülerinnen und Schüler in einem möglichst hohen Maße verwirklicht wird und jede Schülerin und jeder Schüler unter Berücksichtigung der individuellen Ausgangslage in der körperlichen, sozialen und emotionalen sowie kognitiven Entwicklung angemessen gefördert wird. Es ist Aufgabe der Schule, drohendem Leistungsversagen und anderen Beeinträchtigungen des Lernens, der Sprache sowie der körperlichen, sozialen und emotionalen Entwicklung mit vorbeugenden Maßnahmen entgegenzuwirken.
(7) Hochbegabte Schülerinnen und Schüler sollen durch Beratung und ergänzende Bildungsangebote in ihrer Entwicklung gefördert werden.
(8 Die Gliederung des Schulwesens wird durch die Besonderheiten der Altersstufen, die Vielfalt der Anlagen und Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler und die Mannigfaltigkeit der Lebens- und Berufsaufgaben bestimmt. Die Schulstufen und Schulformen wirken zusammen, um den Übergang zwischen diesen zu erleichtern.
(9) Die Schule ist zur Wohlfahrt der Schülerinnen und Schüler und zum Schutz ihrer seelischen und körperlichen Unversehrtheit, geistigen Freiheit und Entfaltungsmöglichkeit verpflichtet. Darauf ist bei der Gestaltung des Schul- und Unterrichtswesens Rücksicht zu nehmen. Rauchen ist im Schulgebäude und auf dem Schulgelände nicht gestattet. Die Anforderungen und die Belastungen der Schülerinnen und Schüler durch Unterricht, Hausaufgaben und sonstige Schulveranstaltungen müssen altersgemäß und zumutbar sein und ihnen ausreichend Zeit für eigene Aktivitäten lassen.
(10) Der Unterricht ist unentgeltlich (Unterrichtsgeldfreiheit). Den Schülerinnen und Schülern werden die an der besuchten Schule eingeführten Lernmittel unentgeltlich zum Gebrauch überlassen (Lernmittelfreiheit).
(11) Die Schule muss in ihren Unterrichtsformen und Methoden dem Ziel gerecht werden, Schülerinnen und Schüler zur Selbsttätigkeit zu erziehen. Zur Erfüllung des Bildungs- und Erziehungsauftrags der Schule wirken die Beteiligten, insbesondere Eltern, Lehrerinnen und Lehrer sowie Schülerinnen und Schüler, zusammen. Alle Beteiligten müssen schulische Angebote und das Schulleben so gestalten können, dass die Schule in die Lage versetzt wird, ihrem Auftrag je nach örtlichen Gegebenheiten gerecht zu werden.
(12) Die Schule trägt in Zusammenarbeit mit den anderen Stellen zur Vorbereitung der Schülerinnen und Schüler auf Berufswahl und Berufsausübung sowie auf die Arbeit in der Familie und in anderen sozialen Zusammenhängen bei. 16
(13) Schülerinnen und Schüler, deren Sprache nicht Deutsch ist, sollen unabhängig von der eigenen Pflicht, sich um den Erwerb hinreichender Sprachkenntnisse zu bemühen, durch besondere Angebote so gefördert werden, dass sie ihrer Eignung entsprechend zusammen mit Schülerinnen und Schülern deutscher Sprache unterrichtet und zu den gleichen Abschlüssen geführt werden können.
(14) Auf die Einheit des deutschen Schulwesens ist Bedacht zu nehmen."


Auf der Startseite des hessischen Kultusministeriums führt eine Seite zum hessischen Bildungsserver - dort ist eine extra Seite eingerichtet http://buf.bildung.hessen.de/ zum Thema "Beurteilen und Fördern", dort kann jeder folgendes lesen:

Zitat:
"Ziele und Inhalte des Projekts
Nicht nur die PISA- und IGLU-Befunde, sondern auch viele andere Ergebnisse einzelner Schulstudien sowie das Alltagswissen von Lehrkräften deuten darauf eindeutig hin: Mit unserer schulischen Beurteilungs- und Diagnosepraxis und der Förderorientierung steht es nicht zum Besten. Das Arbeitsvorhaben "Beurteilen und Fördern" will die förderdiagnostische Kompetenz der Lehrerinnen und Lehrer unterstützen und erweitern. Im Einzelnen ist damit gemeint:

-ein Verstehen von individuellen Schülerlernprozessen,
-Wahrnehmung und Umgang mit individuellen Stärken und Schwächen,
-Verfahren zur stärkeren Schülerverantwortung für den Lernprozess und -ergebnisse (z.B. durch Portfolios),
-Förderung von Reflexion und Metakognition,
-Unterstützung zielbezogener Lernprozesse (z.B. duch "Kompetenzraster"),
-Trennen von Lern- und Bewertungssituationen;
Berücksichtigung des Zusammenhangs von Beurteilungs- und Förderprozessen
-förderorientierte Gespräche, Rückmeldungen und Vereinbarungen (z.B. durch "Förderpläne")."

Im Glossar der Seite "Beurteilen und Fördern" findet man im Glossar zum Begriff "Sozialnorm" diesen Text:
Zitat:
Sozialnorm ( Gruppennorm)
Die Leistung der Lernenden wird an jener der Klasse gemessen. Entscheidend ist der Mittelwert. Da die Klasse oder Gruppe als Bezugsnorm eingesetzt ist, wird die Leistung des Einzelnen eingeordnet als -überdurchschnittlich, -durchschnittlich oder -unterdurchschnittlich. Das Denken in Klassendurchschnitten ist weit verbreitet, widerspricht jedoch dem Bildungsauftrag und dem Gedanken einer erweiterten (individualisierenden) Beurteilung. (Brömer nach Zaugg)


Und im Glossar steht auch das:
Zitat:
Individualisierung
Im Gegensatz zum (meistens organsatorisch und didaktisch gemeinten) Begriff der "Differenzierung" meint Individualisierung vor allem eine grundlegende Haltung der Lehrperson. Diese ist geprägt von dem Bemühen, jedes Kind ganzheitlich und in seiner Einzigartigkeit wahrzunehmen, sein Fühlen und Denken und seine Stärken und Schwächen zu entdecken und zu verstehen und ihm bei der "Entfaltung seiner Persönlichkeit" zu unterstützen. Individualisierung bedeutet im Unterrichtsalltag, Heterogenität in Schulklassen wahrzunehmen und zu nutzen. Dazu gehört, eigenständiges Lernen zu fördern, kooperatives Lernen aufzubauen, Dialogstrukturen anzulegen und fördernde Rahmenbedingungen einzurichten und einzufordern. (Brömer) 28.07.2004 / 10:46


Das zeigt doch, dass die Diskussion, die seit der TIMS - Studie (1997) nun öffentlich in Deutschland geführt wird , die Schulen und Lehrer noch gar nicht erreicht hat!

Heike/Meike. hat die pädagogische Freiheit selbstverantwortlich, die ihr günstig erscheinde Beurteilungsform zu wählen und ihre Beurteilung durch gelegentliche Vergleichsarbeiten kontrollieren zu lassen, aber sie sieht sich als Opfer irgendeiner mysteriösen Verordnung, die ihr diese Freiheit angeblich nicht lässt! Diese Unkenntnis ist nach meiner Einschätzung die Hauptursache für das schlechte Ansehen deutscher Lehrkräfte, auch da sind sie nicht hilflose Opfer, daran könnten sie selbst etwas ändern!

Für mich lautet die Frage: "Wie kann man erreichen, dass der von oben verordnete Paradigmenwechsel, auch unsere Lehrer erreicht?"

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BeitragVerfasst am: 15.05.2006, 08:02    Titel: Antworten mit Zitat

"...der Generalinspekteur der niederländischen Schulaufsicht, Theo Liket, auf dem III. Bamberger Schulleitersymposion 1992 zu dem Resümee seiner Erfahrungen im Umgang mit europäischen Schulverwaltungen:
Zitat:
"In England ist alles gestattet, außer was verboten ist, in Holland ist alles verboten, außer was gestattet ist, in Frankreich ist alles gestattet, auch was verboten ist - in Deutschland ist alles verboten, auch was gestattet ist."

Eine treffende Beobachtung - gefunden in einem Beitrag von Günter Dresselhaus zum Thema "Schulentwicklung und Konfliktmanagement" unter Management: http://schulleitung.de/public1/schu.....nsf/startwo?OpenFrameset

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BeitragVerfasst am: 15.05.2006, 08:20    Titel: Antworten mit Zitat

Noch ein Beispiel aus Schweden zum Thema Mobbing:

Zitat:
"Alle haben das Recht auf einen Freund

Obwohl das Problem in Schulen nicht neu ist, gibt es im deutschsprachigen Raum nur wenige empirische Arbeiten, die sich mit Mobbing unter Kindern und Jugendlichen in der Schule befassen. Nach der im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation erstellten Jugendgesundheitsstudie gaben 41 Prozent der 2002 in Berlin befragten Kinder an, sich selbst am Schikanieren von Mitschülern beteiligt zu haben. Gleichzeitig fühlte sich ein Drittel der Mädchen und Jungen aller Schularten und aller Regionszugehörigkeit als Opfer. Auch angesichts solcher Zahlen bemängelt der schwedische Mobbinexperte Krister Thun, dass es nicht nur in der Hauptstadt, sondern im Grunde überall in Deutschland an gebündelten Maßnahmen mangele - trotz anonymer Kummertelefone oder Projektwochen in eineigen engagierten Schulen. Die Stiftung ?Friends?, die größte Organisation in Schweden zur Bekämpfung von Mobbing und kränkender Behandlung in Schulen, für die er arbeitet, hat seit 1997 nach dem Motto ?Alle haben das Recht auf einen Freund!? bis jetzt 16 000 so genannte ?Kameradenhelfer? an ca. 700 Schulen ausgebildet. Ganz bewusst würde man in seiner Heimat die ?Seite der Opfer? ergreifen und ihnen das Gefühl geben, nicht allein gelassen zu sein. Und weil dem Staat dort die angenehme Atmosphäre an Schulen, wo die Heranwachsenden einige prägende Jahre ihres Lebens verbringen, nicht nur auf dem Papier wichtig ist, agiert seit 1993 auch ein Kinderombudsmann, mit der wichtigsten Funktion, die UN-Konvention über die Rechte und Interessen von Kindern und Jugendlichen zu wahren. Man orientiere sich dabei in Schweden am Nachbarland Norwegen, wo der weltweit erste gesetzlich vorgeschriebene Ombudsmann für Kinder 1981 ernannt wurde. Mittlerweile gibt es diese Einrichtung unter anderem auch in Belgien, Frankreich, Island, Litauen, Mazedonien, Spanien und in Wales - in Deutschland hingegen wird darüber nicht einmal ernsthaft diskutiert.

Als in Schweden vor vier Jahren Lena Nyberg als Nachfolgerin des ersten Kinderombudsmanns gewählt werden sollte, gab es eine Umfrage bei Kindern und Jugendlichen. Das wichtigste, worum sich die Politiker ihrer Meinung nach zu kümmern hätten, war das Problem ?Mobbing?. Für die Juristin und dreifache Mutter steht seither fest, wie wichtig die Haltung und Reaktion von Erwachsenen ist: ?Wir geben unsere Werte an Kinder weiter und wenn diese Werte nicht richtig sind, beginnt Mobbing. Sie nehmen unsere Vorurteile auf und projizieren sie auf andere Kinder. Wir sollen uns bewusst sein, was wir sagen, was wir tun.? Auch wenn im Lehrerzimmer keine gute Stimmung herrscht, seien Diskriminierungen in Schulen an der Tagesordnung, erzählt sie bewusst etwas überspitzt." http://www.kulturkueche.de/inhalt/mixer/mixer99.htm


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BeitragVerfasst am: 15.05.2006, 16:38    Titel: sehr interessant, frau carnap! Antworten mit Zitat

mein eindruck ist, dass "mobbing" in der deutschen alltagskultur eher als eine art modewort verstanden wird, nach dem motto...diese strömung sitzen wir aus, das vergeht wieder..

mobbing zwischen schülern kennt ein jeder deutsche wohl aus der eigenen schulzeit und hält derartiges vermutlich deshalb für "natürlich" und "unvermeidbar". "So sind kinder eben", sagte mir einmal ein vater, als ich mit ihm über einen mobbing-fall sprach. er schien keinerlei handlungsbedarf zu sehen.

einige wenige bildungs- und erziehungseinrichtungen machen eine vernünftige friedensarbeit. im staatlichen schulsystem aber halte ich das für nahezu unmöglich. in einer undemokratisch strukturierten parallelwelt unseres rechtsstaats kann kein friedenskeim für die zukunft desselben eingepflanzt werden.

das ziel der deutschen schule ist noch immer die ausbildung garstiger oberlehrer-einzelkämpfer. alles gerede von teamarbeit und projektarbeit etc... sind bloße lippenbekenntnisse, so meine traurige realerfahrung. es fehlt an know-how, an fleisch und blut. kinder- und zukunftsfeindliche technokraten, selbstgefällige, autoritäre götterschulmeister und co. können die entwicklung eines besseren morgen nicht stemmen.
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