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Rektorin fordert Schulauflösung wg. Gewalt

 
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geloescht



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BeitragVerfasst am: 30.03.2006, 08:05    Titel: Rektorin fordert Schulauflösung wg. Gewalt Antworten mit Zitat

http://www.netzeitung.de/deutschland/389712.html


Schule fordert eigene Auflösung wegen Gewalt
29. Mär 22:56

Gewalt auf dem Schulhof

Eine Rektorin aus Berlin-Neukölln hat Medien zufolge um die Auflösung ihrer Schule gebeten. Die Gewalt an der Schule sei nicht mehr kontrollierbar.

Zum ersten Mal hat eine Berliner Rektorin aus Sicherheitsgründen die zeitweise Auflösung ihrer Schule gefordert. In einem von der Gesamtkonferenz einstimmig beschlossenen Brief an die zuständigen Behörden habe sie von einer «nicht mehr kontrollierbaren Schülergewalt» an der Neuköllner Rütli-Schule gesprochen, berichtete der Berliner «Tagesspiegel» (Donnerstagsausgabe).

In der jetzigen Schule werde «der Intensivtäter zum Vorbild», heißt es in dem Brief an die Senatsverwaltung für Bildung. Die Stimmung an der Schule sei geprägt von Zerstörung, Gewalt und menschenverachtendem Verhalten ? auch gegenüber Lehrern.

Die Schüler sollten daher an andere Schulen verteilt werden. Die Rütli-Schule könnte später in neuer Zusammensetzung als neue Schulform wieder eröffnet werden, heißt es.


«So einen massiven Hilferuf hat es noch nie gegeben», sagte der Fachgruppenleiter für Hauptschulen der Bildungsgewerkschaft GEW, Norbert Gundacker.

Die Schulbehörde lehnt der Zeitung zufolge das Ansinnen der Rektorin ab. Die Schule werde jetzt einen Sozialarbeiter bekommen. An der Schule sind den Angaben zufolge weniger als 20 Prozent der Schüler deutscher Herkunft. (nz)


Ich hätte einen Gegenvorschlag:
Die Schulräte, die diese Minimallösung anbieten, könnten den Job doch selbst mal für 1 Jahr übernehmen - ein wenig Praxis schadet bekanntlich nie .


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Martian



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BeitragVerfasst am: 30.03.2006, 20:45    Titel: Antworten mit Zitat

Komisch - warum ist bisher eigentlich noch nie ein Rektor auf die Idee gekommen, seine Schule (vorübergehend) aufgrund eigener und lehrerseitiger Unfähigkeiten, Kompromisslosigkeiten, Systemverkrustungen, Engstirnigkeiten und Weiterbildungsboykott zu schließen?

Ob an einer Schule 20 % Deutsche und 80 % Ausländer unterrichtet werden oder umgekehrt, spielt doch wohl so überhaupt keine Rolle, wenn die Damen und Herren des Le(e/h)rkörpers ihre Hausaufgaben machen, Weiter- und Fortbildungsmöglichkeiten annehmen und statt Dienst nach Vorschrift Motivationsunterricht mit interessanten Praxiselementen, statt Kreidepseudopädagogik, anbieten und praktizieren würden?! Vielleicht würde das 1:1 Lesen und Akzeptieren vorhandener Erlasse und Vorschriften auch erst einmal schon helfen, um aus 'Raufbolden' wieder Youngster zu machen, die den Spaß am Lernen neu entdecken???

*leierkastenraushol*:

§ 1: Der Lehrer hat immer Recht
§ 2: Hat der Lehrer einmal nicht Recht, tritt automatisch § 1 in Kraft...

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Martian
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geloescht



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BeitragVerfasst am: 31.03.2006, 08:40    Titel: Maulkorb für Lehrer statt Aufklärung? Antworten mit Zitat

Hallo Martian!

Ich denke, dass dieser Fall nicht so leicht einzustufen ist. Nach den Bildern und Interviews zu urteilen, die nun durch die Nachrichten und Magazine geistern, liegt meines Erachtens die Verantwortung für die Eskalation der Lage mal wieder beim Schulamt.

Laut Lehrerbrief gab es schon häufiger Hilferufe der Schulleitung, die ignoriert wurden und erst das Einschalten der Presse nötigte das Schulamt und den Senat zu längst fälligen Reaktionen.

Die Lehrer haben angeblich sogar ?Redeverbot? ? so groß ist die Angst der Verantwortlichen?

Wie lange hätte man ohne die Reportagen gewartet, bis endlich Hilfe geleistet worden wäre? Ich sehe eine Menge Verzweiflung in der Weigerung der Schulleitung, wieder zum Dienst zu erscheinen und in diesem offenen Brief.

Die Frage muss doch lauten: Wie konnte es so weit kommen? Das passiert nicht von Heute auf Morgen ? da muss jahrelanges Schlafen, Mauern und Nichtstun vorangegangen sein. Allein die ?Unfall?statistik dieser Schule in den letzten Jahren müsste doch Bände sprechen und zusammen mit der ?Schadensbilanz? ein klares Bild zeichnen.


Schade, dass der UNO-SCHUL-SHERIFF Muñoz diese Schule nicht besichtigt hat, aber sein Bericht wird ersten Äußerungen zufolge auch so niederschmetternd genug ausfallen.

Die Eskalation an der Rütli-Schule bestärkt mich in meiner Forderung nach einer ?schnellen Eingreiftruppe?, denn so weit darf es nicht kommen! Die Rolle und die Verantwortung der Schulämter muss dringend neu überdacht werden.
http://www.emgs.de/forum-emgs/viewtopic.php?t=302



Viele Grüße

Angelika
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Martian



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BeitragVerfasst am: 31.03.2006, 09:13    Titel: Antworten mit Zitat

Eben drum, Angelika: WIE KONNTE ES SOWEIT KOMMEN??

Was muss in den Schülern vorgehen, bzw. was mussten sie ggf. jahrelang ertragen, dass diese Form der Gewalt auf breite Schülerakzeptanz fallen konnte?

Ablehnung? Langeweile? Mobbing? Ungerechtigkeiten? Desinteresse? .............

Natürlich lässt sich ein sozialer Brennpunkt nicht mit einer relativ kleinen Schule in der Pampa vergleichen. Gewaltpotential durch verquere Familienverhältnisse, Alkohol, Drogen, Perspektivlosigkeit, u.s.w. incl. Gruppenzwang und 'cool sein' ist sicher da.

Trotzdem bleibe ich bei meiner Ansicht: Motivierte und akzeptierte Schüler haben keinen Grund zur Gewalt.

Allerdings gebe ich Dir vollkommen recht: die Funktionen der übergeordneten Institutionen (Schulbehörden, KM, etc.) sind mehr als reformbedürftig und haben meiner Meinung nach nur eine Alibifunktion mit hochdotierten Wasserköpfen. In dem Zusammenhang sollten aber auch die Handlungs- und Verhaltensweisen viel zu vieler Lehrer und Schulleiter umfassend und zeitgleich nicht nur überdacht werden...

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geloescht



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BeitragVerfasst am: 31.03.2006, 21:45    Titel: Meisten Lehrer unfähig - die Schulamtsleute am unfähigsten Antworten mit Zitat

Meisten Lehrer unfähig - die Schulamtsleute am unfähigsten

Zitat:

«So einen massiven Hilferuf hat es noch nie gegeben»,

sagte der Fachgruppenleiter für Hauptschulen der Bildungsgewerkschaft GEW, Norbert Gundacker.


Zu den Unfähigen gehören auch die meisten linken (von 'link' = 'unehrlich', 'unaufrichtig') GEW-Funktionäre und GEW-Propagandisten .


Vor genau einem Jahr stand in einer Berliner Zeitung, dass an einer Schule etwa 85 % Hauptschüler die Schule schwänzen.

Man setzte zusätzlich zwei Sozialarbeiter ein, die sich überlegten, wie man diese Schüler für Unterricht motivieren kann. Sie setzten ihre Ideen um, unterrichteten anstatt des Lehrers/der Lehrerin, die/der nur zusah, und hatten Erfolg. Nach und nach kamen 90 % der Schwänzer wieder regelmäßig zur Schule. Es hatte sich rumgesprochen, dass sich da was geändert hatte.

Der Lehrer/die Lehrerin brauchte nichts zu tun und erhielt ihr/sein Gehalt weiter - etwa die Hälfte mehr als einer der beiden Sozialarbeiter.

Ich schrieb damals einen Leserbrief und schlug vor, dass die bankrotte Stadt Berlin alle Lehrer entlässt, an deren Stelle Sozialarbeiter weitaus billiger einstellt und so ihre Finanzen saniert. Wahrscheinlich könnte sie dann auch noch etliche Polizisten einsparen, weil es für diese weniger Arbeit gäbe.

@Herrn Weimar, hessischer Finanzminister

Dann bräuchte Hessen nicht mehr über 200 Milliarden in den Länderfinanzausgleich zu zahlen und könnte auch mehr Sozialarbeiter einstellen.
(Fehlt da noch was Logisches?)

Warum schlagen die G(eht)-E(infach)-W(eg) - Leute nicht so was vor?

GEORG MOHR, EMGS-Moderator
Unabhängiger schulpädagogischer Berater - Gutachter - Lehrer





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Doris Carnap
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BeitragVerfasst am: 01.04.2006, 11:12    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

sicher ist an dieser Schule einiges falsch gelaufen, aber immerhin geben die Lehrer ihre Hilflosigkeit zu und gestehen ein, dass sie Unterstützung brauchen. Das ist doch der erste Schritt, um etwas zu verbessern, das sehe ich durchaus positv.

Hier der Brief der Lehrer:

"Wie in der Schulleitersitzung am 21.2.06 geschildert, hat sich die Zusammensetzung unserer Schülerschaft in den letzten Jahren dahingehend verändert, dass der Anteil der Schüler/innen mit arabischem Migrationshintergrund inzwischen am höchsten ist. Er beträgt zurzeit 34,9 %, gefolgt von 26,1 % mit türkischem Migrationshintergrund. Der Gesamtanteil der Jugendlichen n.d.H. (nicht deutscher Herkunft) beträgt 83,2 %. Die Statistik zeigt, dass an unserer Schule der Anteil der Schüler/innen mit arabischem Migrationshintergrund in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen ist. ....
In unserer Schule gibt es keine/n Mitarbeiter/in aus anderen Kulturkreisen. Wir müssen feststellen, dass die Stimmung in einigen Klassen zurzeit geprägt ist von Aggressivität, Respektlosigkeit und Ignoranz uns Erwachsenen gegenüber.

Notwendiges Unterrichtsmaterial wird nur von wenigen Schüler/innen mitgebracht. Die Gewaltbereitschaft gegen Sachen wächst: Türen werden eingetreten, Papierkörbe als Fußbälle missbraucht, Knallkörper gezündet und Bilderrahmen von den Flurwänden gerissen.

Werden Schüler/innen zur Rede gestellt, schützen sie sich gegenseitig. Täter können in den wenigsten Fällen ermittelt werden. Laut Aussage eines Schülers gilt es als besondere Anerkennung im Kiez, wenn aus einer Schule möglichst viele negative Schlagzeilen in der Presse erscheinen....

Unsere Bemühungen die Einhaltung der Regeln durchzusetzen, treffen auf starken Widerstand der Schüler/innen. Diesen Widerstand zu überwinden wird immer schwieriger. In vielen Klassen ist das Verhalten im Unterricht geprägt durch totale Ablehnung des Unterrichtsstoffes und menschenverachtendes Auftreten. Lehrkräfte werden gar nicht wahrgenommen, Gegenstände fliegen zielgerichtet gegen Lehrkräfte durch die Klassen, Anweisungen werden ignoriert. Einige Kollegen/innen gehen nur noch mit dem Handy in bestimmte Klassen, damit sie über Funk Hilfe holen können.

Die Folge ist, dass Kollegen/innen am Rande ihrer Kräfte sind. Entsprechend hoch ist auch der Krankenstand, der im 1. Halbjahr 05/06 höher war als der der Schüler/innen.... Einige Kollegen/innen stellen seit Jahren Umsetzungsanträge, denen nicht entsprochen wird, da keine Ersatzkräfte gefunden werden.

Auch von den Eltern bekamen wir bisher wenig Unterstützung in unserem Bemühen, Normen und Regeln durchzusetzen. Termine werden nicht wahrgenommen, Telefonate scheitern am mangelnden Sprachverständnis.

Wir sind ratlos.

Über das QM (Quartiersmanagement) haben wir zwei Sozialarbeiter/innen mit türkischem und arabischem Migrationshintergrund beantragt, um vor allem mit den Eltern ins Gespräch zu kommen. Aber diese Maßnahme allein wird die Situation nicht deeskalieren.

Seit Anfang dieses Schuljahres (05/06) ist die Schulleiterin erkrankt und wird in den vorzeitigen Ruhestand gehen. Die erweiterte Schulleitung, bestehend aus vier Lehrer/innen, hat bis Dezember 05 die Schule geleitet, dann wurde eine kommissarische Schulleiterin aus diesem Kreise ernannt.

Wenn wir uns die Entwicklung unserer Schule in den letzten Jahren ansehen, so müssen wir feststellen, dass die Hauptschule am Ende der Sackgasse angekommen ist und es keine Wendemöglichkeit mehr gibt. Welchen Sinn macht es, dass in einer Schule alle Schüler/innen gesammelt werden, die weder von den Eltern noch von der Wirtschaft Perspektiven aufgezeigt bekommen, um ihr Leben sinnvoll gestalten zu können.

In den meisten Familien sind unsere Schüler/innen die einzigen, die morgens aufstehen. Wie sollen wir ihnen erklären, dass es trotzdem wichtig ist, in der Schule zu sein und einen Abschluss anzustreben? Die Schüler/innen sind vor allem damit beschäftigt, sich das neueste Handy zu organisieren, ihr Outfit so zu gestalten, dass sie nicht verlacht werden, damit sie dazugehören. Schule ist für sie auch Schauplatz und Machtkampf um Anerkennung.

Der Intensivtäter wird zum Vorbild. Es gibt für sie in der Schule keine positiven Vorbilder. Sie sind unter sich und lernen Jugendliche, die anders leben, gar nicht kennen. Hauptschule isoliert sie, sie fühlen sich ausgesondert und benehmen sich entsprechend. Deshalb kann jede Hilfe für unsere Schule nur bedeuten, die aktuelle Situation erträglicher zu machen. Perspektivisch muss die Hauptschule in dieser Zusammensetzung aufgelöst werden zu Gunsten einer neuen Schulform mit gänzlich neuer Zusammensetzung.

Kurzfristig brauchen wir eine Erhöhung der Lehrer/innenausstattung, um Ruhe in den Schulalltag zu bringen, der, wie oben erwähnt, geprägt ist durch Unterrichtsausfall und Vertretungsunterricht...

Wir brauchen die tägliche Präsenz einer Fachkraft, die uns bei Deeskalation und Krisenintervention hilft...

2009 wird unser Schulgebäude 100 Jahre alt und wir hoffen, dass bis dahin eine Schule geschaffen werden kann, in der Schüler/innen und Lehrer/innen Freude am Lernen bzw. Lehren haben."

Quelle: dpa

http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/289931

Doris
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"Das Geheimnis der Erziehungskunst ist der Respekt vor dem Schüler." Ralph Waldo Emerson
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Braunauge



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BeitragVerfasst am: 01.04.2006, 12:08    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

ich sehe das ähnlich wie Doris. Ich finde es sehr gut , das die Lehrer u. die Schulleitung diesen Schritt gewagt haben. Es bekommt viel mehr Aufmerksamkeit , wie die "kleinen täglichen Schulkämpfe" die Eltern täglich austragen. Andere Schulen trauen sich vielleicht nachzuziehen, denn ich denke Rütli ist kein Einzefall . Das die "Schuldzuweisungen" etwas einseitig ausfallen , finde ich nicht ungewöhnlich . Hier muss ich auch Martian recht geben. Zu oft werden hier auch Gesetze missachtet , was auch ziemlich leicht ist , wenn man nur Eltern aus sozial schwacher Struktur vor sich hat . Unwissenheit wird hier zum Nachteil des Schülers genutzt. Dennoch ordne ich den Schritt der Schule erstmal positiv ein. Gespannt bin ich , was passieren wird. Welche Lösungen werden da kommen ?

Zitat:
eshalb kann jede Hilfe für unsere Schule nur bedeuten, die aktuelle Situation erträglicher zu machen. Perspektivisch muss die Hauptschule in dieser Zusammensetzung aufgelöst werden zu Gunsten einer neuen Schulform mit gänzlich neuer Zusammensetzung.
Das klingt doch nicht unvernünftig. Nur eine Schulform die nicht weiter ausondert, ausgrenzt u. durchlässig nach oben ist kann aus meiner Sicht in Frage kommen. Eine Schulform die "JEDEN" Schüler fördert und fordert u. Lehrer, die die Schwächen ihrer Schüler , als Herausforderung sehen . Das Lehrer die Möglichkeit bekommen den schwachen Schülern auch ihre Stärken zu zeigen u. wie sie diese für ihre Zukunft nutzen können.

Nur kostet das auch Geld u. ist einzig allein von Lehrern nicht umsetzbar. Ich glaube nicht , das unsere Regierung das schon begriffen hat. Bildung kostet viel Geld ! Das "muss" eingesetzt werden ! Nur so werden wir in absehbarer Zeit den Anschluss an die Pisa-Sieger finden !

Allerdings traue ich unseren "Oberen" eher zu, das sie sich an Ländern orientieren , die ihren Unterricht noch mit dem Rohrstock gestalten. Ist billiger !

LG Braunauge
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Martian



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BeitragVerfasst am: 01.04.2006, 13:36    Titel: Antworten mit Zitat

Der bisher einzige Kommentar unserer Bundeskanzlerin Merkel lautete sinngemäß: 'Es muss mehr Wert darauf gelegt werden, dass Migranten die deutsche Sprache erlernen....'

Ähnliche Aussagen habe ich auch von anderen Politikern gehört. Das zeigt doch ganz klar und deutlich, dass sich unser Staat zwar die Alleinherrschaft über die Schulpflicht vorbehält, letztlich aber noch nicht einmal im Ansatz eine Ahnung davon hat, wie verkrustet, antiquiert, langweilig, hinterwäldlerisch und starr Schule ist und dass deutsche Schule immer noch nach den Vorgaben von anno P.Ranschburg aggiert und nichts, aber überhaupt nichts dazugelernt hat.

Wenn wir als Deutsche ins Ausland abwandern, sind auch wir Migranten. Und ich gehe jede Wette mit jedem Skeptiker ein: die Mehrzahl der Auswanderer ist mehr als bemüht, sich der Kultur, der Sprache und auch der Lebensformen anzunähern und sich zu integrieren, vorausgesetzt man läßt ihn/uns auch.

Wenn aber Migranten vorsätzlich ghettoisiert 'gehalten' werden, wundert es mich überhaupt nicht, wenn sie irgendwann den Ausnahmezustand proben.

Dass gerade der hohe Anteil an Auslandern nun Schuld an der Situation sein soll/ist, halte ich als Begründung nicht nur für frech, sondern auch für äußerst borniert und typisch deutsch: Immer sind die anderen Schuld!

Vielleicht proben deshalb die Ausländer/Migranten eher den Aufstand, weil die Deutschen dafür zu feige sind und längst zum Volk von Duckmäusern, Schisshasen und Jasagern mutiert ist?

Apropos "Schulpflicht": Für mich bedeutet diese Formulierung, dass Schulen den Schülern, den Eltern und der Bildung gegenüber in der Pflicht stehen (sie werden ja auch von uns nicht zu knapp bezahlt!!) Wenn ich aber Schule und Le(e/h)rkörper reden höre, bzw. lese, dann fordern diese fast immer nur ihre Rechte ein. Das Wort "Schulpflicht" sollte also umgehend mit dem Wort "Schulrecht" getauscht werden und das Wort "Schulpflicht" zum Unwort des Jahres gekürt werden!


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Martian
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Doris Carnap
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BeitragVerfasst am: 02.04.2006, 11:21    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

es liegt natürlich nicht nur an der Sprache, bei den Interviews mit den Schülern hat mich beeindruckt, wie gut zumindest die befragten Schüler deutsch gesprochen haben und auch ihre Sicht der Dinge fand ich wesentlich fundierter, als die von einigen CDU/CSU Hardlinern. Die haben ein einfaches Rezept: Was Probleme macht, wird aus der Schule / dem Land verbannt. Im Herbst sind Wahlen und Friedbert Pflüger versucht sich durch besonders markige Sprüche zu profilieren.

Auch die Frankfurter Rundschau (FR) vom Samstag beschäftigt sich ausführlich damit als "Thema des Tages": http://www.fr-aktuell.de/ressorts/n...._politik/thema_des_tages/

"Notstand in der Rütli - Schule"

Zitat:
Andre Schindler vom Berliner Elternausschuss hält eh dafür, dass die Politik die Hauptschuld an den gegenwärtigen Exzessen trägt: "Seit Wochen und Monaten ist man alarmiert gewesen. Aber die Verwaltung hat schlicht geschlafen." Man habe nicht rechtzeitig darauf reagiert, dass "Verweigerung, Gewalt und mangelnder Respekt" die Rütli-Schule in diese Krise gestürzt hätten, und komme nun mit Polizei und "naiven Auflösungs-Vorstellungen", um der außer Kontrolle geratenen Lage Herr zu werden. "Mindestens dreißig" andere Schulen in der Hauptstadt, warnt Schindler, hätten doch dasselbe Problem wie die Rütli-Schule: "Natürlich hat das auch mit der drastischen Sparpolitik in Berlin zu tun."


Zitat:
"Dass mangelnde Autorität des Lehrkörpers und soziale Hoffnungslosigkeit der Schüler durch den starken Arm des Gesetzes ausgeglichen werden können, mag auch die Polizei nicht glauben." (Polizeisprecher Merkle)


Zitat:
"Kein Wunder, meint auch Neuköllns (SPD-)Bürgermeister Heinz Buschkowsky, dass der Groll in einer so wenig hoffnungsfrohen Schule überbrodele - zumal wenn die betreffende Schule nun noch von aller Welt "zum kriminellen Ort", zur Hölle auf Erden erklärt werde. Gewiss, erklärt Buschkowsky, müsse in Bezirken wie Neukölln Schule ein Ort sein, an dem "mehr als nur Rechnen und Schreiben" gelehrt würde. Schule müsse sich "zur Integrationsinstanz machen" - und sich einiges einfallen lassen, um den sozialen Frieden in den Zuwanderungsgebieten zu wahren: "Mit traditionellen Mitteln kommen wir hier nicht mehr weiter.""


Zwei andere Hauptschulen aus Berlin haben sich etwas einfallen lassen, sie sind durch ein Tanzprojekt bekannt geworden, aus dem der Film 'Rhythm is it" entstanden ist http://www.rhythmisit.com/

In der Fr wird auch die Frankfurter Situation beschrieben, Frankfurt ist die Stadt mit dem höchsten Ausländeranteil:
http://www.fr-aktuell.de/ressorts/f....rt_und_hessen/?cnt=838294

Zitat:
"Schon vor Jahren haben die Lehrer der 22 Frankfurter Hauptschulen auf die geänderte Schülerschaft reagiert und neue Unterrichtskonzepte eingeübt. "Ganze Kollegien haben Mediationsfortbildungen gemacht, um den Umgang mit Konfliktsituationen zu erlernen", sagt Bildungsdezernentin Jutta Ebeling (Grüne). Mit Erfolg: Auf den Schulhöfen, zuvor ebenfalls Schauplatz von Schlägereien, ist weitgehend Ruhe eingekehrt."

Beispiele:

Zitat:
""Die Berliner Probleme haben wir nicht." Von allein ist dieser pädagogische Erfolg allerdings nicht eingetreten. Auch an der Salzmannschule haben 67 Prozent der Schüler kein deutschsprachiges Elternhaus. Und dennoch gibt es keine Berichte über Mülleimer, die aus dem Fenster fliegen, oder Lehrer, die angepöbelt werden. Das hat auch damit zu tun, dass die 250 Schüler bisweilen in den Altenheimen im Stadtteil Dienst tun. "Soziales Lernen" nennt sich das. Außerdem veranstalten sie jährlich einen eigenen Weihnachtsmarkt. "Man muss übers Konzept was bringen", sagt Röhrig. Wichtig sei, "dass man die Schüler mit Namen kennt und die Eltern einbindet"."

Zitat:

"Mit ungewöhnlichen Ideen hat das die Sophienschule hingekriegt. In der Bockenheimer Hauptschule halten sich Klassen regelrechte Kleintierzoos mit Chamäleons, Fröschen und Stabheuschrecken. Mehr als 90 Prozent der Schüler sind Migranten. "Denen braucht man mit traditionellem Unterricht gar nicht erst zu kommen", sagt Leiter Hans Werner Jorda. Seit die Schule andere Wege geht, machen mehr Schüler Mittlere Reife oder kommen in Betrieben unter. Probleme mit Gewalt: Fehlanzeige."

Zitat:
"Auch Birgid Frenkel-Brandt von der Konrad-Haenisch-Schule weiß nichts von Prügeleien oder Pöbeleien. "Wir haben eher weniger Gewalt als anderswo", sagt die Leiterin der Fechenheimer Hauptschule. Dazu trügen unter anderem Schulsozialarbeit und lange Betriebspraktika bei. "Unsere Schüler haben eine Perspektive", sagt die Leiterin."

Zitat:

"Alle Hauptschulen sind in ihren Stadtteilen mit den Gewaltpräventionsräten eng verbunden. Die Sozialarbeit, Jugendhäuser, Ämter und die Polizei arbeiten dort zusammen. Betroffen reagieren aber viele auf die Nachrichten aus Berlin-Neukölln. Kamerateams kommen - wie beispielsweise gestern in der Hostatoschule in Höchst - vorbei, um die Situation in der Stadt mit dem höchsten Ausländeranteil in Deutschland abzufragen. Lothar Hennig, Leiter der Eduard-Spranger-Schule, einer Haupt- und Realschule in Sossenheim, stellt klar: "Das unangemessene Verhalten von Schülern, um es mal vorsichtig auszudrücken, hat nicht mit der Herkunft, sondern mit Armut zu tun."

Zitat:

" Von den Elternhäusern werde nichts, oder aber große Strenge mitgegeben. Das betrifft auch, aber nicht nur ausländische Familien. Mit der relativen Freiheit, die die Schule bietet, können die Schüler dann nicht umgehen. Deshalb gehört zum Unterricht von der 5. Klasse an quasi ein Benimmunterricht: "Höflichkeit und Freundlichkeit" werden vermittelt. An dieser Stelle beginnt bereits Gewaltprävention. Aus Mitteln ihres Fördervereins finanziert die Schule sich selbst einen Sozialarbeiter. Stetig wird auch mit den Eltern am sozialen Miteinander gearbeitet. "Unser Alltag ist harte Knochenarbeit", sagt Hennig."

Zitat:
"An der Glauburgschule im Nordend, haben sich Lehrer und Schüler mit einer gemeinsam erarbeiteten Schulordnung strenge Regeln gesetzt. Wer nachhaltig stört, wird nach vorherigem Telefonat zu den Eltern nach Hause geschickt. Bei gravierenden Verstößen, berichtet Schulleiterin Ruth Schrader-Bauer, wird ein Schulordnungsverfahren eingeleitet. Gewalttätigkeit wird sofort geahndet."


Da haben Lehrer und Schüler der Rütli - Schule gemeinsam noch einiges nachzuholen.

Doris
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Doris Carnap
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BeitragVerfasst am: 07.04.2006, 08:46    Titel: Die ZEIT zum Thema Gewalt und Rütli-Schule Antworten mit Zitat

Hallo,
ich denke auch ihr habt die Diskussion um die Rütli Schule weiter verfolgt. Die ZEIT von dieser Woche beschäftigt sich ausführlich mit diesem Thema:
Zitat:

"Null Toleranz und Sprachferien: Es braucht Härte und Hilfe, um die Probleme der Schulen zu lösen. " Lehrplan fürs Leben" von Martin Spiewak
In Berlin brennen keine Barrikaden wie kürzlich in den Pariser Vorstädten. Anders als in den USA sind Gewaltverbrechen an deutschen Schulen die absolute Ausnahme. Nach den Alarmrufen Berliner Hauptschulen nun Bürgerkriegsszenarien zu beschwören, wie es mancher tut, hilft nicht weiter. Es ist ja schlimm genug: Lehrer haben Angst, von ihren Schülern die minimalen Regeln des Zusammenlebens einzufordern; Jugendliche erwarten nichts mehr von ihrer Zukunft in diesem Land und kultivieren ihr eigenes Scheitern. Die Reaktionen der Politiker machen die Sache nicht besser. Sie verlangen Hilfen, die es bereits gibt (Sprachkurse vor der Einschulung), oder Härte, die es nicht geben sollte. Jugendliche abzuschieben, die neun Jahre lang in Deutschland zur Schule gegangen und womöglich hier geboren sind, ist eine ebenso große Kapitulation wie die Bitte Berliner Lehrer, ihre Schulen aufzulösen.

Die Integrationskonzepte seien gescheitert, heißt es nun. Welche Konzepte? Etwa die Verbohrtheit, mit der viele leugnen, dass Deutschland eine Einwanderungsgesellschaft ist? Oder die Laisser-faire-Haltung, die hinnimmt, dass jeder zweite Schulabgänger aus einer Migrantenfamilie beim Lesen nicht über Grundschulniveau hinauskommt? Die Zahl der Ausländerkinder ist in manchen Klassen auf hundert Prozent gestiegen, sodass ein Unterricht kaum möglich ist. Warum hat dies niemand verhindert? http://www.zeit.de/2006/15/01-leit-2_Text15


Der Beitrag "Ist die Rütli - Schule noch zu retten" hier einige Ausschnitte aus dem langen Beitrag::

Zitat:
"An einem dieser seltsamen Tage vor der Berliner »Terrorschule«, an denen Dutzende Kameraleute und Fotografen hinter arabischen und türkischen Halbwüchsigen herhetzen und manche Reporter 120 Euro für gestellte Gangster-Gesten zahlen, an diesem Tag tritt ein schmaler, älterer Herr aus dem Schultor..Der Mann heißt Siegfried Arnz. Er ist 55 Jahre alt und seit einem Jahr in der Berliner Senatsverwaltung zuständig für die Hauptschulen. Ein Mann der Bürokratie also, obwohl er nicht so aussieht mit seinen Lachfalten um die Augen, dem silbernen Ring im Ohr und dem ulkigen Seidenschlips, auf dem drei Bergsteiger eine blaue Felszinne erklimmen.
Vor allem aber ist er der Mann, der zu wissen glaubt, wie man aus einem Ort für Gescheiterte und Übriggebliebene wieder eine Schule machen kann. Wie ein paar hundert Schläger und Geschlagene wieder zu dem werden können, was sie eigentlich sein sollten: 14-, 15-, 16-jährige Jungen und Mädchen, die etwas lernen wollen. Und wie einige Dutzend verzweifelte Männer und Frauen wieder zu Lehrern werden können, die Lust darauf haben, ihren Schülern etwas beizubringen...

Er hat ja selbst erlebt, dass es geht. Arnz war zehn Jahre lang Rektor einer Hauptschule, die heute als Vorbild für ganz Berlin gilt. Am Ende war er einer der bekanntesten Schulleiter der Stadt..
An der Tafel klebt Butter. Von Butterbroten. Erst aufgeklappt, dann auf der Tafel verschmiert. An der Decke hängen Watteklumpen. Von Tampons. Erst mit Spucke aufgeweicht und dann an die Decke geschleudert. Auf den Stühlen sitzen junge Männer und Frauen, 16, 17 Jahre alt. Fast volljährig. Aber sie gehen noch in die 7. Klasse. Weiter sind sie nicht gekommen. Nach der Schule dealen sie mit Drogen, einige gehen auf den Strich. Das ist die Wirklichkeit an einer deutschen Hauptschule ? aber nicht im Frühjahr 2006.

Es war die Wirklichkeit des Jahres 1978 an der Werner-Stephan-Schule im Bezirk Tempelhof. Damals galt sie als »Berlins schlimmste Schule«....

Auf die Werner-Stephan-Schule gehen 300 Schüler. Wer neu von der Grundschule kommt, kann sich unter den Vertrauensschülern einen aussuchen. Einen Paten. An den kann er sich wenden, wann immer er Probleme hat, mit Eltern, Mitschülern, Lehrern. Zu Beginn jedes Schuljahrs kommen die Klassensprecher zusammen und formulieren das Schulversprechen. Im vorigen August schrieben sie Sätze wie: »Ich respektiere meine Mitschüler/innen«. Oder: »Ich werde mein Handy vor Unterrichtsbeginn ausschalten.« Oder: »Ich bestehle meine Lehrer und Mitschüler/innen nicht.« Dieses Versprechen bekam jeder Schüler vorgelegt, wer wollte, konnte unterschreiben. Praktisch alle haben unterschrieben.

Vetrauensschüler. Patenschaften. Schulversprechen. Solche Dinge sind es, über die Siegfried Arnz redet, als er nach seinem stillen Besuch in der Rütli-Schule im Büro sitzt, an einem Tag, an dem halb Deutschland über die Brutalität an den Hauptschulen diskutiert. »Meistens«, sagt er, »sind es die Schüler selbst, die am stärksten unter der Gewalt leiden. Meistens wollen sie auf eine Schule gehen, auf der sie sich wohlfühlen, und dafür auch Mitverantwortung übernehmen ? wenn die Lehrkräfte sie ihnen zugestehen.«

Mitte der neunziger Jahre wurde Siegfried Arnz zum Schulleiter der Werner-Stephan-Schule gewählt. Gemeinsam mit seinen Kollegen hat er dort weitere Veränderungen auf den Weg gebracht. Veränderungen, die dafür sorgten, dass sich auch die Lehrer wieder wohlfühlen.

Sie haben das Sitzenbleiben abgeschafft. »Weil es fatal ist für den Unterricht, wenn 14- und 17-Jährige in einer Klasse sitzen.«

Sie haben eingeführt, dass jeder Lehrer nur noch in Klassen Vertretungsstunden übernimmt, die er kennt. »Weil Lehrer meist mit Schülern Probleme haben, mit denen sie nicht vertraut sind.«

Sie haben die Unterrichtsstunde von 45 auf 40 Minuten verkürzt. »Weil dadurch jeder Lehrer pro Woche drei Stunden mehr Zeit hat ? und auf diese Weise auch zusätzliche Nachmittagsangebote übernehmen kann.«

Gewalt gibt es an der Werner-Stephan-Schule heute praktisch nicht mehr. Und während in fast allen anderen Hauptschulen von Tempelhof die Schülerzahlen rasant sinken, ist die Werner-Stephan-Schule auch für das nächste Jahr fast ausgebucht. Manchmal kommen jede Woche Besucher, um sich diese Musterschule anzusehen.

Das Problem sei, sagt Arnz, dass die Hauptschule als eigenständige Schulform nicht sinnvoll sei. Aber auf absehbare Zeit müsse man mit ihr leben. Man müsse nun das Beste aus der Situation machen. Das sei an der Werner-Stephan-Schule gelungen.

Allerdings werde es auch dort immer schwerer, den Kindern eine Zukunft zu geben. Die entscheidende Frage sei heute: »Gibt es für die Schüler eine Chance nach der Schule? http://www.zeit.de/2006/15/Schule


Der dritte Beitrag stammt von Christian Pfeiffer, er schließt aus seinen Untersuchungen "Gegen Gewalt helfen mehr Gantagsschulen" und gibt einige Anregungen:

Zitat:
"Was ist zu tun?

Anfang 2005 hat das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) 6000 Kinder aus vierten und 17000 Kinder aus neunten Klassen zu ihren Gewalterfahrungen befragt. Welche Antworten lassen sich aus den Resultaten dieser Untersuchung für die Krise der Hauptschule in Berlin-Neukölln ableiten?

Schon der Begriff »Hauptschule« ist zumindest im Hinblick auf deutsche Kinder und Jugendliche irreführend. Von ihnen landen dort nur noch etwa 15 Prozent. Völlig anders ist die Situation dagegen bei Migrantenfamilien. Von 100 männlichen Neuntklässlern türkischer Herkunft, die wir voriges Jahr im Rahmen unserer Befragung erfasst haben, besuchte fast jeder zweite die Hauptschule. Es zeigte sich, dass in den sechs westdeutschen Städten unserer Untersuchung an Hauptschulen inzwischen die Migranten mit 51,9 Prozent dominieren

Hinzu kommt als weitere Belastung eine sehr hohe Rate von Schülerinnen und Schülern, die zu Hause unter innerfamiliärer Gewalt zu leiden hatten. Im Jahr vor unserer Befragung hat jeder fünfte Hauptschüler erlebt, dass die Eltern sich geschlagen haben (von den Migranten sogar 27 Prozent), und jeder dritte ist selbst Opfer von körperlicher Züchtigung oder Misshandlung durch die Eltern geworden (Migranten 38 Prozent).

Da kann es nicht überraschen, dass von den männlichen Hauptschülern nach eigenen Angaben 34 Prozent im Jahr vor der Befragung selbst Gewalttaten begangen haben. Und noch etwas charakterisiert die Hauptschüler: Gut jeder zweite schwänzt gelegentlich die Schule, jeder fünfte sogar zehn und mehr Tage pro Jahr. Die nach der Pisa-Studie sehr ausgeprägten Leistungsdefizite der Hauptschüler finden eine weitere Erklärung in ihrem extremen Medienkonsum.

Den Eltern sind diese Probleme nicht verborgen geblieben. Da sie in den meisten Bundesländern nicht mehr an die Schullaufbahn-Empfehlung der Grundschule gebunden sind, schicken zunehmend auch solche Familien ihre Kinder in die Realschule, für die die Hauptschule vorgesehen war. Das wiederum verstärkt die Konzentration von sozialen Randgruppen in der Hauptschule.

Die erste Folgerung aus dem Dilemma liegt damit auf der Hand: Die für Hauptschulen typische Eigendynamik in Richtung auf Schulverweigerung, Gewalt, Null-Bock-Mentalität und ein aggressives Männlichkeitsgehabe spricht für die Auflösung dieser Schulform und eine Zusammenlegung mit den zahlenmäßig weit stärker besetzten Realschulen. In einer solchen »Regelschule«, wie sie etwa Thüringen eingerichtet hat, wäre die Mehrheit der Schülerinnen und Schüler leistungsorientiert. Die Klassenzusammensetzung erleichterte es den Lehrern, einen konstruktiven Unterricht zu gestalten.

Aber das kann nur ein Beitrag zur Lösung der Probleme sein, die an der Rütli-Schule in Neukölln deutlich geworden sind. Ein Punkt, an dem anzusetzen wäre, ist der Kindergarten. Wenn der kleine Mehmet die Chance erhält, dort drei Jahre lang mit Max und Moritz zu spielen, lernt er buchstäblich spielend Deutsch und findet deutsche Freunde. Beides erhöht seine Chancen beträchtlich, später in der Schule erfolgreich zu sein und sich sozial zu integrieren. Wir sollten also auf eine möglichst gleichmäßige Verteilung der ethnischen Minderheiten in Kindergärten hinwirken.

Ein zweiter Ansatzpunkt ist die Orientierung vieler Hauptschüler an den Normen einer aggressiven Machokultur...

Unsere Untersuchung zeigt ferner, dass es die zehnjährigen türkischen Jungen pro Schultag auf 3,5 Stunden Medienkonsum bringen, dabei bevorzugt jeder zweite verbotene Filme, und 28 Prozent sehen entsprechende Computerspiele, die wegen ihrer Gewaltexzesse von der FSK erst ab 16 beziehungsweise 18 Jahren freigegeben sind. Angesichts der negativen Folgen für die Schulleistungen und für die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder und Jugendlichen reicht es nicht aus, auf diese Probleme bei Elternabenden hinzuweisen und an die Familien zu appellieren, die Kinderzimmer von Bildschirmgeräten frei zu halten.

Bund, Länder und Gemeinden sind aufgefordert, flächendeckend für alle Kinder und Jugendlichen Ganztagsschulen einzurichten ? freilich nicht nur Kinderbewahranstalten mit Fertiggerichten in der Mittagspause. Für die Nachmittage muss gelten: Lust auf Leben wecken durch ein breites Angebot an sportlichen, musischen und sozialen Aktivitäten, die den Kindern Chancen des gemeinsamen Lernens in solchen Bereichen eröffnen, die in der Schule zu kurz kommen. Insbesondere die jungen Migranten würden davon profitieren, weil sie am meisten unter einer sozialen Randlage leiden.

Die bisherigen Vorschläge kranken freilich noch an einem Defizit. Sie orientieren sich an Erkenntnissen, die wir anhand der Biografien von Problemkindern gefunden haben. Wir sollten aber nicht nur fragen, wie wir das Negative vermeiden, sondern auch, wie wir das Positive fördern können. Dazu benötigen wir Erkenntnisse zu den Erfolgswegen solcher jungen Migranten, die es trotz schwieriger Startbedingungen geschafft haben, bei uns richtig Fuß zu fassen. Wenn wir solche Erfolgsbiografien dann noch in eine Kultur der Anerkennung einbinden, wäre viel gewonnen." http://www.zeit.de/2006/15/Beistck-Kriminologe

Im vierten Beitrag "Dynamik der Gewalt" beschäftigt sich Ferdinand Sutterly mit der Entstehung von Gewalt und kommt zu diesem Schluss:

Zitat:
"Weite Teile der deutschen Bewohner dieser Stadtteile kritisieren den mangelnden Integrationswillen ihrer meist bereits vor Jahrzehnten zugewanderten Nachbarn. Gleichzeitig aber diffamieren sie gerade die Aufsteiger unter ihnen ? etwa türkischstämmige Geschäftsinhaber, Immobilienbesitzer und politisch aktive Migrantenvertreter ? als halbseidene Kriminelle, übernahmewillige Eindringlinge oder findige Schmarotzer. Ausgerechnet Migranten, die bereits Integrationserfolge erringen konnten, werden zur Zielscheibe negativer Klassifizierungen. Ihre materielle Teilhabe und politische Partizipation kommt bei der autochthonen Bevölkerung ? und keineswegs nur bei den unteren sozialen Schichten ? meist nicht gut an. Solange wir solche Sachverhalte zu konstatieren haben, liegen kaum Gründe vor, die Probleme der Integration einseitig den Migranten anzulasten, wie die neuerdings wiederkehrenden, abschiebewütigen und strafwilligen Reflexe es tun.

Ferdinand Sutterlüty ist Wissenschaftlicher Assistent an der Justus-Liebig-Universität Gießen und Mitglied des Instituts für Sozialforschung in Frankfurt am Main. Im Jahr 2002 erschien von ihm: »Gewaltkarrieren. Jugendliche im Kreislauf von Gewalt und Missachtung« (Campus Verlag) http://zeus.zeit.de/text/2006/15/Gewalt


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BeitragVerfasst am: 27.04.2006, 11:28    Titel: Gegen Gewalt an Schulen kann man etwas tun Antworten mit Zitat


"Gegen Gewalt an Schulen kann man etwas tun
Interview mit dem Erziehungswissenschaftler Peter Struck


Wie kann man die Gewalt an den Schulen eindämmen? Es gibt eine Reihe von erfolgversprechenden Methoden, sagt der Hamburger Erziehungswissenschaftler Peter Struck im ZDFonline-Interview. Wichtig sei vor allem das Lehrpersonal. Eine entscheidende Rolle sieht Struck aber auch bei den Eltern und dem Schulsystem: Die Schulen müssten sich von Belehrungsanstalten zu Lernwerkstätten wandeln. Die Zukunft der Schule sieht er insgesamt positiv: "Wir kommen schneller voran als gedacht.

ZDFonline: Waren die Vorgänge an der Berliner Rütli-Schule nur ein Einzelfall oder sind solche Begebenheiten Alltag an deutschen Schulen?

Peter Struck: Gewalt unter Schülern gibt es ziemlich oft in Problemgebieten - das betrifft übrigens keineswegs nur Schüler mit Migrations-Hintergrund. Auf der anderen Seite steht die Lehrerschaft. Es gibt Lehrerinnen und Lehrer, die die Situation hervorragend in den Griff bekommen. Das liegt an den Persönlichkeiten von Schulleitern und Lehrern.

ZDFonline: Was machen die anders und besser?

Struck: Diese Lehrer setzen die Maßnahmen um, deren Erfolge wir kennen. Erfolgreich ist immer, dass man Schüler, die von anderen Schülern als hochrangig anerkannt werden, zu Streitschlichtern oder Konfliktlotsen macht. Erfolgversprechend ist auch das Anti-Aggressionstraining mit dem heißen Stuhl. Dabei sitzt ein Täter in der Mitte, die anderen Schüler sitzen um ihn herum.

Wir wissen, dass Jugendlich ab 14 Jahren keine Lust mehr dazu, sich erziehen zu lassen. Wir Erwachsene glauben immer, wir können Jugendliche direkt erziehen. Das ist aber ein pädagogisches Missverständnis. Wir können sie nur indirekt erziehen. Jugendliche lassen sich vor allem von den Werturteilen anderer Jugendlicher beeinflussen. Insofern müssen die Lehrer Moderatoren werden. Sie müssen es schaffen, dass das unerwünschte Verhalten von hochrangigen Jugendlichen ebenfalls verpönt wird. Erwünschtes Verhalten muss gleichzeitig vom Mund des Hochrangigen zum Ohr des Mitschülers gelangen. Das funktioniert.

Erfolge haben wir auch mit der Werteerziehung durch Dilemmata. Es handelt sich dabei um Rollenspiele, bei denen bestimmte Gewaltereignisse von nicht beteiligten Schülern nachgespielt werden. Anschließend werden die Anwesenden gefragt, was die Täter und Opfer anderes machen hätten können, um die Gewalt zu vermeiden. Die Schüler schlagen vieles vor, das wird bewertet, und was als ausgezeichnet betrachtet wird, wird dann wieder nachgespielt. Wenn man das jeden Tag eine Viertelstunde macht, trainieren die jungen Menschen Verhaltensalternativen, die aufgezeigt und vorgelebt werden - Gewalt nimmt dann deutlich ab. Natürlich gibt es noch weitere Möglichkeiten, wie eine enge Zusammenarbeit zwischen Lehrern und Eltern, oder Verträgen zwischen Lehrern und einzelnen Schülern.

ZDFonline: Es wird auch viel über Waffenkontrollen und schuleigene Polizisten diskutiert. Halten Sie das für sinnvoll?

"Waffendetektoren oder Schulpolizisten - wie die Cops4U in Hamburg - und Schuluniformen sind nur Äußerlichkeiten, die nicht zu inneren Überzeugungen führen.«

Struck: Das bringt nie etwas. Waffendetektoren oder Schulpolizisten - wie die Cops4U in Hamburg - und Schuluniformen sind nur Äußerlichkeiten, die nicht zu inneren Überzeugungen führen. Das Entscheidende sind immer die Persönlichkeiten des Klassenlehrers und des Schulleiters. Die Lehrer haben nur Erfolg, wenn sie zusammenarbeiten und sofort reagieren - direkt und konfrontierend, und nicht erst auf den nächsten Tag warten. An der Rütli-Hauptschule waren die geschwächten Lehrer ein Problem, die konnten aber nichts dafür, denn sie waren erschöpft. Die Jugendlichen wollten dann auf sich aufmerksam machen - mit dem Reiz des Prickelnden und der Abenteuerlust. Sie wollten bewusst Grenzen überschreiten..."

http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/11/0,1872,3926827,00.html
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