Elterninitiative gegen Mobbing und Gewalt an Schulen (EMGS) e.V. Foren-Übersicht Elterninitiative gegen Mobbing und Gewalt an Schulen (EMGS) e.V.
www.emgs.de
 

Der Verein von Eltern für Eltern

Das Schreiben von Beiträgen ist nur registrierten Usern gestattet

Elterninitiative-Startseite

 FAQFAQ   SuchenSuchen   MitgliederlisteMitgliederliste   BenutzergruppenBenutzergruppen   RegistrierenRegistrieren 
 ProfilProfil   Einloggen, um private Nachrichten zu lesenEinloggen, um private Nachrichten zu lesen   LoginLogin 

Mathematikunterricht

 
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Elterninitiative gegen Mobbing und Gewalt an Schulen (EMGS) e.V. Foren-Übersicht -> Allgemeine Diskussionen über Schulprobleme
Vorheriges Thema anzeigen :: Nächstes Thema anzeigen  
Autor Nachricht
Doris Carnap
Moderatorin


Anmeldedatum: 18.01.2006
Beiträge: 803
Bundesland: Hessen

BeitragVerfasst am: 24.10.2006, 13:32    Titel: Mathematikunterricht Antworten mit Zitat

Hallo,

ein Freund meines älteren Sohnes hat gerade mit seinem Studium begonnen. In der ersten Mathematikvorlesung hat er folgendes erfahren: Er solle zuerst mal vergessen was er in der Schule über Mathematik gelernt habe, Mathematik sei weniger das regelhafte Lösen von Aufgaben sondern sei eher kreatives Problemlösen.

Und das steht aktuell in MUED Rundbrief zur Jahrestagung 2006 "Wege zu mehr Selbstständigkeit im Mathematikunterricht" www.mued.de :
Zitat:
Wir wollen Schülerinnen und Schülern helfen auf einen Weg, kritische und aktive Subjekte der Gesellschaft zu werden.Nun könnte man auf den ersten Blick meinen, dies sei vorrangig ein Ziel der gesellschaftswissenschaftlichen Fächer, vielleicht noch der Klassenlerherinnen und Klassenlehrer oder des Sprachenunterrichts. Aber auch für den mathematuikunterrcht spielt dieses Ziel in zweierlei Hinsicht eine wichtige Rolle: Erstens sind die relevanten mathematischen Probleme nicht mehr durch bloßes Rechenen nach vorgegebenen Formeln zu lösen, sie erfordern Probremlösekompetenzen der Schülerinnen und schüler und zweitens können auch im Mathematikunterricht Arbeitsformen sinden und fördern, die die Lernenden dazu befähigt, ihren eigenen Lernprozess selbstständiger zu gestalten.[...] Die Urrsprünge der Forderung nach selbstgesteuertem lernen liegen in der Reförmpädagogik, die ihren Höhepunkt in den 1920er Jahren fand [...] Die Reformpädagogische Bewegung endetet mit Beginn des zweiten Weltkriegs.

Besonders seit den alarmierenden Ergebnsisen der TIMS Studie, ist der Lernprozess wieder Thema und dass man etwas verstanden haben muss, damit man es auf andere Bereiche übertragen kann! Als Reaktion auf TIMSS http://www.gew.de/Binaries/Binary4504/timss.pdf gibt es eine Lehrerfortbildung - "Das erfolgreichste
BLK-Programm hieß Sinus und verbesserte den Mathematikunterricht Tausender Lehrer "- die jetzt SINUS Transfer heißt.
Zitat:
Lehrkräfte als Schlüssel zur Qualitätsverbesserung

Eine herausragende Rolle im Projekt SINUS spielte die Kooperation zwischen den Lehrkräften. In Schulverbünden, den Sets, entwickelten Lehrerinnen und Lehrer unter wissenschaftlicher Begleitung ihre Unterrichtsmethodik weiter. Reflexion und Evaluation des eigenen Unterrichts waren zentrale Elemente. Die Schulsets wurden von Koordinatorinnen und Koordinatoren betreut, die eng auf Länder- und Bundesebene zusammenarbeiteten. http://www.sinus-transfer.de/

In der Zeit gab es vor kurzem einen Artikel darüber, wie die Sinus Fortbildung für Lehrer den Mathematikunterricht an unseren Schulen verändere. http://www.zeit.de/2006/41/C-Mathelehrerin?page=all

Nun meine Frage, wie sieht es eigentlich in der Praxis aus? Gibt es bereits eine bemerkbare Veränderung des Mathamtikunterricht in den Schulen, die eure Kinder besuchen?

Doris
_________________
"Das Geheimnis der Erziehungskunst ist der Respekt vor dem Schüler." Ralph Waldo Emerson
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden Website dieses Benutzers besuchen
Tess



Anmeldedatum: 16.03.2006
Beiträge: 50

BeitragVerfasst am: 24.10.2006, 17:58    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Doris,

bei uns hängt das ganz vom Lehrer ab. Und dazu muss man wahrscheinlich sagen, die diejenigen mit einem zeitgemässen interessanten Unterricht, den schon vor den Studien im Griff hatten.

Seit es diese Studien gibt, ist mir nichts aufgefallen am Matheunterricht.

Im Gesamten war ich und bin ich immer noch etwas schockiert, wie trocken Mathe hier unterrichtet wird und auch über das teilweise niedrige Niveau.
Ich habe es so in Erinnerung, dass der Lehrer (nach dem Besprechen der Hausaufgaben und dem Beantworten von Fragen) ein Problem an der Tafel skizziert hat. Darüber hat man sich alleine oder in spontanen Gruppen den Kopf zerbrochen, der Lehrer ging durch die Reihen, hat vielleicht mal einen Schüler gebeten, seinen Einstieg an der Tafel darzustellen. Danach hat er dann noch seine Möglichkeit, dad Problem zu lösen, aufgezeichnet und schon war man mitten im neuen Thema.

Natürlich ist man dann auch über Formeln gestolpert, aber eigentlich immer vom Verständnis her. Sie wurden (mit sehr wenigen Ausnahmen) logisch hergeleitet und beim Verwenden, also beim Übungen lösen, durfte natürlich eine Formelsammlung verwendet werden.

Ich habe immer wieder den Kopf geschüttelt, wenn mein Sohn listenweise Regeln zum Potenzieren oder mit Logarhythmen Rechnen auswendig gelernt hat, und das ohne, dass ihm anschaulich klar, war weshalb diese Regeln gelten.as so ist. Aber das war bei allen Schülern der Klasse so. Sie lernen von der fertigen Formel her.

Dass das natürlich schnell wieder vergessen ist, ist klar. Daher wahrscheinlich das schwächere Niveau. Was Studierende in den ersten Semestern (in den Naturwissenschaften) für Nachholbedarf haben, ist teilweise sehr beträchtlich.


lg,

Tess
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Thomas Logemann



Anmeldedatum: 11.10.2006
Beiträge: 39
Bundesland: Berlin

BeitragVerfasst am: 25.10.2006, 04:30    Titel: Antworten mit Zitat

Um Mathematik, Physik, Chemie einem Schüler/einer Schülerin vermitteln zu können, braucht der Lehrer/die Lehrerin Talent wie ein Showmaster. Der Unterricht muss spannend und beispielhaft, möglichst pragmatisch gestaltet werden - und Langeweile darf garnicht erst aufkommen... Und diese Begabung, die man wahrscheinlich noch nichtmal im Studium erlernen kann, hat eben nicht jeder Lehrer.... leider.... Beispiel Physik: Man braucht eine Spannung von 10.000 Volt um eine Glimmröhre (Kathodenröhre) zum Leuchten zu bringen. Die SchülerInnen haben schon mal gehört, das man dafür einen Kondensator benötigt, und das dieser wie eine Batterie funktioniert. Aufgeweckte Schüler/innen fragen dann gelgentlich, warum man da keine Batterie nimmt - aufgeweckte Lehrer schleppen eine Straterbatterie vom LKW in den Unterricht, stellen einen Kondensator und eine Taschenlampenbatterie daneben... Mit der LKW-Batterie lässt sich die Kathode auch kurz zum Leuchten bringen, allerdings zerspringt sie dabei... Mit der Tachenlampenbatterie passiert garnix - und den Beweis, das der Kondensator tatsächlich 10.000 Volt Spannung enthält, fürhr man einmal dadurch vor, das man den Kondensator anschliesst, und - das man in kurz schliesst ( ein blauer Blitz... einen Riesen-Rumms... die Einzelteile des Kondensators sind verstreut - aber jeder Schüler, jede Schülerin konnte sich davon überzeugen, das da `ne Menge Spannung in dem kleinen Ding steckt...) Positiver Nebeneffekt eines solchen, schul-untypischen Experimentes: Wenn Papa an der freigelegten Waschmaschine `rumschraubt, wirde der 12-jährige Sohnemann oder die 12-jährige Tochter bestimmt nicht deie "Röhre am Motor" (Anlaufkondensator) anfassen und den Papa auch eindringlich davor warenen... Laughing

Bringt man den Kinderchen aber nur auf der Ebene der Formeln die Funktion und den Verwendungszweck eines Kondensators bei - haben die das schon vergessen, wenn die Klingel zur grossen Pause bimmelt...
_________________
Nichts auf der Welt wird geschehen, wenn wir träge darauf warten, das Gott alleine sich darum kümmert -Martin Luther King-
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
Doris Carnap
Moderatorin


Anmeldedatum: 18.01.2006
Beiträge: 803
Bundesland: Hessen

BeitragVerfasst am: 25.10.2006, 10:18    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Thomas,
Zitat:
Thomas schrieb: Und diese Begabung, die man wahrscheinlich noch nicht mal im Studium erlernen kann, hat eben nicht jeder Lehrer.

Doch das kann man lernen! Wenn nur die Naturtalente Lehrer werden dürften, wären wir extrem unterversorgt! Das interessante ist, dass es in vielen anderen Ländern in wesentlich höherem Maße gelingt, Schülern die Mathematik und Naturwissenschaften näher zu bringen.

In Deutschland wurden Lehrer nicht entsprechedn ausgebildet und auch die Weiterbildung fand nicht systematisch statt. Was im Klassenzimmer passierte kontrollierte niemand. Die Studien TIMMS und PISA haben für einen Einblick gesorgt und einige Schwächen ans Licht gebracht.

Viele Lehrer entwickeln einfache Erklärungen, wenn ihr Unterricht nicht erfolgreich ist. Ein Lehrer beklagte sich in jeder seiner Klasse, die er unterrichtete am Elternabend, die Schüler könnten heutzutage nicht mehr abstakt denken. Er war fest davon überzeugt, dass diese Kinder auf dem Gymnasium nichts zu suchen haben! Selbstverständlich also, dass diese Schüler die Note fünf in Mathe hatten. Niemand, außer mir, fand es daraufhin erschreckend, dass neun Schüler (die meisten davon Jungen) von dreißig eine fünf in Mathematik im Halbjahreszeugnis hatten.

Mein älterer Sohn gibt einem Schüler Nachhilfe, da war die Lehrein auch der Meinung, der Schüler sei an seine Grenze gestoßen, sie wußte nicht weiter. Mein Sohn sagt, der Schüler versteht alles und kann es anwenden und umsetzen - in einer entspannten Atmosphäre. Aber der Schüler hat mittlerweile derartige Versagensängste entwickelt, dass er sein Wissen in den Klassenarbeiten nicht anwenden kann - er hat eine Blockade. Obwohl er den Stoff gut beherrrscht hatte, hat er in der Arbeit 'nur' die Note vier geschrieben. Die meisten Lehrer reagieren auf den Hinweis, dass ein Schüler Angst entwickelt hat, gnadenlos: Wer den Stress nicht aushält - klar wir kennen die Antwort schon- hat auf der Schulform nichts verloren!

Und gleichzeitig wird geklagt, dass wir zu wenig Mathematiker und Naturwissenschaftler in Deutschland haben.

Doris
_________________
"Das Geheimnis der Erziehungskunst ist der Respekt vor dem Schüler." Ralph Waldo Emerson
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden Website dieses Benutzers besuchen
Doris Schmitt



Anmeldedatum: 16.09.2006
Beiträge: 20

BeitragVerfasst am: 04.11.2006, 10:02    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Doris,

bei Mathe kommt es sehr darauf an, wie man wirklich gut erklären kann.

Also die Mathelehrerin meiner Tochter ist bestimmt sehr nett, aber erklären und erläutern kann sie nicht.

Sie beklagt sich zwar, wenn eine Hausaufgabe nur von 5 Kindern (bei 30 Schülern) richtig gelöst wurde, rechnet aber diese Aufgabe nicht mit den Schülern an der Tafel.

(ich bin an dieser Aufgabe fast verzweifelt - aber ich habe sie gelöst).

Auch in Geometrie wird da mal Zack-Zack etwas an die Tafel gemalt.

Dabei sollte die Lehrerin wenigstens ab und an mal "kontrollieren", wie die Zeichnungen der Schüler aussehen und ggf. korrigieren.

Denn es liegt oft an Kleinigkeiten, dass es nicht so aussieht wie beim Lehrer.

Nun müssen wir uns damit beschäftigen, unserer Tochter den richtigen Umgang mit den Materialien (Zirkel ect...) bei zubringen.

Dabei sorgen wir schon für gutes Material. Der Stift (ein Druckbleistift) ist sehr gut, ein guter Zirkel ect...

Aber da meine Tochter graphomotorische Schwierigkeiten hat, fällt ihr so etwas schwer und sie braucht eine Extraanleitung.

Sie geht auch freiwillig in die von der Schule angebotene Matheförderung. Dort werden auch nur Aufgaben gegeben und nicht bei den Schwachpunkten geholfen.

Es gibt Fächer, da braucht es keine Begabung zum Erklären, da es reine Lernfächer sind. Anderseits gibt es Fächer, da braucht es eine Grundbegabung, sonst schafft man das Studium nicht (Kunst, Musik, Sprachen), aber es gibt Fächer, da muss man sehr gut erklären können (Natw., Mathe).

Es reicht also nie aus, selbst den Stoff zu kapieren. Ich kenne Menschen, die sind so super in Mathe, aber erklären - keine Chance).

Doris
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Landys



Anmeldedatum: 01.09.2006
Beiträge: 27
Bundesland: Sachsen

BeitragVerfasst am: 04.11.2006, 15:32    Titel: Antworten mit Zitat

Mein Sohn geht in die 7.Klasse Gymn. und was diese Klasse im vorigen Schuljahr in bezug auf Mathematik getan hat, ist eigentlich bewundernswert. Nur die Klasse beschäftigte sich in einem Wochenprojekt nur mit Mathematik im Umfeld.So wurde der Park "vermessen", jeder schätzte und berechnete seinen Schulweg, mein Sohn riss mir förmlich die Tageszeitung aus den Händen, um anhand von Zahlen Aufgaben zu erstellen.Auch haben wir hier im Ort eine sehr gute Mathematikerin, welche die "Mathematik in Bildern" darstellte. Zugegeben, das war gar nicht so leicht zu verstehen,aber der Spass an der mathematischen Darstellung war da.Die ganze Schule opferte einen offenen Tag für eine "mathematische Vorstellung".
Ganz im Ernst, alles habe ich auch nicht verstanden,aber hier zählt schon die Freude.Und ich glaube,dass diese Arbeiten nicht nur dem besseren Verständnis der Schüler gedient hat, sondern sich ganz bestimmt auch auf die Noten der Schüler.
Solche Projektarbeiten (mehrere im Jahr an dieser Schule) finde ich selbst erstrebenswert und interessant und mein Sohn war bis jetzt immer mit vielEifer dabei.Seine Mathe-Lehrerin, gleichzeitig KL:lehrerin, ist mehr als toll und tollerant.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Doris Carnap
Moderatorin


Anmeldedatum: 18.01.2006
Beiträge: 803
Bundesland: Hessen

BeitragVerfasst am: 05.11.2006, 11:06    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Doris, hallo Landys,
Zitat:
Doris Schmitt: Es reicht also nie aus, selbst den Stoff zu kapieren. Ich kenne Menschen, die sind so super in Mathe, aber erklären - keine Chance).

Einer meiner Söhne kritisierte mal, dass manche Mathelehrer, auf eine Verständnisfrage nicht eingehen, sondern einfach ihr vorher gesagtes wiederholen. Bei ihm kam der Verdacht auf, dass diese Lehrer überhaupt nicht verstanden haben, was sie da unterrichten, sondern nur Auswendiggelerntes abspulen.

Scheinbar liegen die Erfolge daran, ob ein Lehrer gut erklären kann oder nicht, es spielen aber noch einige andere Dinge mit rein. Schon im Jahr 2001 wurde ein Bericht vom Bundesministerium für Bildung und Forschung veröffentlicht "Timss - Impulse für Schule und Unterricht", den man auch online lesen kann: http://www.bmbf.de/pub/timss.pdf In der Druckversion liegt eine CD mit Videoaufnahmen des Matheunterrichts aus verschiedenen Ländern bei - hochinteressant. Ich war beim ersten ansehen sehr überrascht welcher Art die Unterschiede sind - eigentlich eher unspektakulär. Auf Seite 51/pdf S.53 sind die Grundimensionen für Unterrichtsqualität aufgelistet. Vorher werden die Unterschiede des japanischen und deutschen Unterrichts verglichen. Es ist interessant was "nebenher" noch alles mitreinspielt, wie Konsequenz, klare Regeln, anspruchsvolles Üben, Interesse am Verstehen des einzelnen Schülers. Nichts davon kostet eigentlich etwas und viele Lehrer setzen das auch um, andere wieder scheitern schon an der Beziehung zu den Schülern. Oft wird mir berichtet, dass ein Lehrer beleidigt reagiert, wenn ein Schüler den Lehrer darum bittet etwas nochmal zu erklären, weil er es nicht verstanden habe. Häufig wird dem Schüler vorgeworfen, er habe nicht richtig aufgepasst und damit hat sich das Problem für den Lehrer auf einfache Weise erledigt - das Versagen liegt beim Schüler und der hat nun das Problem! Für den Schüler bleibt dann zu hoffen, dass ein Mitschüler bereit ist zu erklären oder dass die Eltern einspringen können oder dass Geld für Nachhilfe vorhanden ist. Und die weitere Erklärung der Lehrer ist recht einfach strukturiert, wenn ein Schüler schlechte Noten hat, stößt er an seine Grenzen und ist für die Schulform nicht geeignet. Unsere Schüler sind also sehr abhängig von dem "Zusammenspiel" mit einem Lehrer. Und manchmal hat man Glück und nach einem Lehrerwechsel sind dann auch die Noten wieder besser, aber unter Umständen auch Pech und dann hat man statt einer drei auf einmal eine fünf!

Der Mathematikdidaktiker Werner Blum von der Uni Kassel fasst auf Seite 75/ pdf S.77 zusammen, woran es bei uns mangelt:
Zitat:
Mehrere Studien (so etwa KAISER 1999 oder die TIMSVideostudie; siehe Kapitel 1.2 in diesem Band) zeichnen übereinstimmend das folgende Bild vom ?üblichen? Mathematikunterricht in der Sekundarstufe:

Er ist

? stark verfahrens- und kalkülorientiert; Schüler lernen punktgenau aufgabentypische Verfahren für die jeweils nächste Klassenarbeit, wobei das Anspruchsniveau großteils über die Komplexität der involvierten Terme definiert ist;

? wenig vorstellungs- und sinnorientiert;

? nur wenig vernetzend, sowohl was innerfachliche Verbindungen als auch was Alltags- und Umweltbezüge anbetrifft;

? methodisch variationsarm, wobei gewisse Formen ?fragend-entwickelnden Unterrichts? es gestatten, dass die Mehrzahl der Schüler in weiten Phasen geistig eher passiv ist, und wobei Lern- und Beurteilungssituationen häufig vermischt werden. http://www.bmbf.de/pub/timss.pdf

Zitat:
Landys: Nur die Klasse beschäftigte sich in einem Wochenprojekt nur mit Mathematik im Umfeld.So wurde der Park "vermessen", jeder schätzte und berechnete seinen Schulweg, mein Sohn riss mir förmlich die Tageszeitung aus den Händen, um anhand von Zahlen Aufgaben zu erstellen.

Das hört sich gut an - die Schüler werden aktiv und arbeiten interessiert mit, das beobachte ich auch so. Und das ist auch das Ziel der SINUS Fortbildung - der Lehrer erklärt nicht mehr eine neue Aufgaben anhand eines Tafelbildes und im fragend - entwickelnden Unterricht, sondern die Schüler sollen selbst herausfinden, wie etwas 'geht', meist gibt es sogar verschiedene Möglichkeiten ein Ziel zu erreichen, die alle richtig sein können. Nur was man sich selbst erarbeitet hat, wird im Gehirn so vernetzt, dass man es später auch noch abrufen kann und auch auf andere Situationen übertragen kann.

Etwas wichtiges fehlt in Deutschland häufig bis jetzt, dass Lehrer ihren Unterricht überprüfen. Mit der SINUS Fortbildung steht auch ein Fragebogen zur Verfügung, nach dem die Lehrer ihren Unterricht evaluieren können: http://sinus-transfer.uni-bayreuth.....chuelerfrage_brbogen.html

Doris
_________________
"Das Geheimnis der Erziehungskunst ist der Respekt vor dem Schüler." Ralph Waldo Emerson
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden Website dieses Benutzers besuchen
Doris Carnap
Moderatorin


Anmeldedatum: 18.01.2006
Beiträge: 803
Bundesland: Hessen

BeitragVerfasst am: 17.11.2006, 17:05    Titel: Antworten mit Zitat

Passend zum Thema: Die Ergebnisse der Teilstudie PISA-I-Plus und zwei Artikel dazu aus DIE WELT:

Zitat:
Pisa-Studie
Langweilige Lehrer haben schlechte Schüler
Frontalunterricht und passive Lehrer ? das sind der Pisa-Studie zufolge zwei der vielfältigen Ursachen für Defizite bei deutschen Schülern. Die Ergebnisse einer Ergänzungsstudie zu Pisa 2003 zeigen: Interessanter Unterricht hilft Schülern beim Lernen. Allerdings spielen auch Herkunft und Geschlecht der Schüler eine Rolle.

Frankfurt - Faktoren wie sozialer Hintergrund und Geschlecht, das Engagement der Schüler und ihr Selbstvertrauen wirken sich demnach auf das Lernverhalten aus. Auf jeden Fall besteht weiter Handlungsbedarf, denn 16-Jährige haben zum Teil große Defizite bei ihrer Leistungsentwicklung, wie die Studie Pisa-I-Plus zeigt.

Erziehungswissenschaftler warnen jedoch davor, die Ergebnisse überzubewerten: Die Schulbildung in Deutschland habe sich seit dem Pisa-Schock 2001 weiterentwickelt, betonen sie. Bei Pisa-I-Plus handelt es sich um eine Messwiederholung im Rahmen von Pisa 2003. Dafür wurde ergänzend zu der internationalen Querschnittstudie in einem Längsschnitt der Kompetenzzuwachs deutscher Schüler in Mathematik und Naturwissenschaften getestet.

Ein Jahr nach dem Test für Pisa 2003 wurden die ehemaligen Neuntklässler nochmals befragt, um zu sehen, wie sich ihre Kompetenzen geändert haben und welche Faktoren die Entwicklung bedingt haben könnten. Im Bereich der Mathematik hatten dem Bericht zufolge rund 60 Prozent der Schüler während des Jahres ihre Kompetenz deutlich erhöht, ein Drittel stagnierte in der Leistungsentwicklung und acht Prozent zeigten deutliche Leistungsabnahmen. ?Auf die Frage, was sie in einem Jahr Mathematikunterricht gelernt haben, müssen etwa 40 Prozent der Schülerinnen und Schüler mit ?nichts? antworten?, heißt es in dem Bericht.

Erziehungswissenschaftler Peter Struck von der Universität Hamburger warnt aber davor, die Folgestudie überzuinterpretieren. Man sollte lieber die nächsten Studien abwarten, statt auf Ergebnisse aus dem Jahr 2003 zu blicken. ?Seit dem ersten Pisa-Schock 2001 hat sich in Deutschland viel getan?, betont Struck. Damals hätten Experten wie er geschätzt, dass Deutschland 15 Jahre brauche, um den Anschluss an andere Länder zu bekommen. ?Nun stellen wir fest, es hat nur fünf gedauert.? Von rund 42.000 Schulen in Deutschland seien inzwischen rund 5.000 in der Zukunft angekommen.

Auf Grund von in Pisa-I-Plus gewonnenen Daten und Aussagen von Lehrern über angewandte Lehrmodelle folgert die Studie, dass der Mathematik-Unterricht auf der Sekundarstufe I in Deutschland nach wie vor variationsarm sei: ?Das Wechselspiel von lehrergesteuertem Unterrichtsgespräch und anschließender Stillarbeit scheint den Unterrichtsalltag zu prägen.? Erweiterte Lehr-Lernformen, individuelle Arbeitspläne oder neuere mathematikdidaktische Ansätze seien die Ausnahme und nicht die Regel.

?Tatsächlich sind die Kompetenzzuwächse dann deutlich größer, wenn an den Schulen vorwiegend aktive oder disziplinorientierte Lehrkräfte unterrichten ? im Vergleich zu Schulen mit überwiegend ?passiven? Lehrkräften?, heißt es. Um einen Zusammenhang zwischen Ergebnissen der Schüler und dem Unterricht herstellen zu können, wurde im Rahmen von Pisa-I-Plus auf Grundlage von Angaben der Schulleiter diese Typologie entwickelt.

Die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft äußert Vorbehalte dagegen, die Erklärung für die Probleme deutscher Schüler nur bei den Lehrern zu suchen. ?Dass wir in Deutschland nach wie vor nicht auf einer breiten Stufe einen Schüler-aktivierenden Unterricht bieten, ist sicher unbestritten?, sagt die stellvertretende GEW-Vorsitzende Marianne Demmer. Aber nur den an sich richtigen Appell ?Macht einen anderen Unterricht!? an die Lehrer zu schicken, greife zu kurz ? auch die Rahmenbedingungen müssten stimmen. Derzeit seien die Klassen zu groß, das gegliederte Schulsystem vermittle den Eindruck homogener Klassen, und gerade in den naturwissenschaftlichen Fächern fehlten einfach Fachkräfte.

Die Studie betrachtete auch Geschlecht und sozialen Hintergrund der Kinder. Demnach zeichnet sich bei der mathematischen Kompetenz ein deutlicher Vorsprung der Jungen sowohl in der 9. als auch in der 10. Klasse ab. Dabei stützen die Daten nicht die immer wieder geäußerte Vermutung, Geschlechterunterschiede in Mathematik seien mit dem Geschlecht des Lehrers oder dem relativen Mädchenanteil in der Klasse zu erklären. Bei der Betrachtung der sozialen Herkunft stellt Pisa-I-Plus zudem heraus, dass sich Schüler im Jahr der Folgeuntersuchung trotz unterschiedlichem sozialen Hintergrund gleich gut weiterentwickelt haben.
WELT.de/AP
Artikel erschienen am 16.11.2006
http://www.welt.de/data/2006/11/16/1113136.html


Zitat:
Pisa-Studie
Feindbild Mathelehrer

Von Schülern gefürchtet, von der Wissenschaft kritisiert: Mathelehrer sind nach Erkenntnissen der neuen Pisa-Studie häufig an mangelnden Fähigkeiten ihrer Schüler schuld. Veraltete Unterrichtsmethoden sind demnach oft verantwortlich für schlechte Leistungen in Mathematik und den Naturwissenschaften. Außerdem räumt die Studie mit einem Vorurteil auf: Im Unterricht viel am Computer zu arbeiten, bringt Schüler nicht weiter.

Berlin - Nach der offiziell veröffentlichten Messwertwiederholung der Pisa-Studie 2003 stiegen die naturwissenschaftlichen Kompetenzen der Schüler in Klassen mit aktiven, nach modernen Methoden unterrichtenden Lehrern vom 9. bis zum 10. Schuljahr um durchschnittlich knapp 20,3 Punkte. Beim klassischen ?Pauker? alten Typs, in der Studie als ?disziplinorientiert? und ?passiv? beschrieben, nahmen die Kompetenzen hingegen nur um 8,8 Punkte zu.

In der Teilstudie Pisa-I-Plus ist der Kompetenzzuwachs gezielt untersucht worden. Für Pisa 2003 als Neuntklässler getestete Schüler wurden ein Jahr später erneut geprüft, um zu sehen, wie sich ihre Fähigkeiten geändert haben und was dies bewirkt hat. Das Ergebnis: Bei 58 Prozent der Schüler gab es nach diesem einen Jahr einen bedeutsamen Kompetenzzuwachs in Mathematik, 42 Prozent allerdings machten trotz mehrerer Mathestunden pro Wochen keinerlei Fortschritte, bei acht Prozent wurde sogar eine signifikante Verschlechterung festgestellt. In den naturwissenschaftlichen Fächern gab es bei 44 Prozent einen Kompetenzzuwachs, bei gut 19 Prozent allerdings eine bedeutende Abnahme.

Bei der Untersuchung der Ursachen wurde beispielsweise die positive Auswirkung häufiger Computernutzung als Vorurteil entlarvt. Auch Elternhaus und Migrationshintergründe haben ebenso wenig wie das Geschlecht messbare Auswirkungen auf Zu- oder Abnahme der Kompetenzen. Als einzige signifikante Ursache stellte sich der Typ des Lehrers heraus: Pauker der alten Schule, die der Klasse eine Formel servieren und sie dann rechnen lassen, waren bei der Vermittlung mathematischer und naturwissenschaftlicher Zusammenhänge deutlich weniger erfolgreich als nach modernen, kooperativen und dialogorientierten Methoden unterrichtende Kollegen.

In ersten Reaktionen aus der Kultusministerkonferenz wurde allerdings vor einer allgemeinen Lehrerschelte gewarnt. Staatssekretär Wolfgang Meyer-Hesemann vom schleswig-holsteinischen Bildungsministerium etwa betonte, dass Qualitätsverbesserungen im Unterricht nicht gegen, sondern nur mit den Lehrern erreicht werden könnten. Allerdings kritisierte er auch das in der Studie festgestellte fehlende Interesse vieler Lehrer an modernen Methoden als ?nicht sehr schmeichelhaft? für die Berufsstand. Als Ansatzpunkt für Verbesserungen nannte er die Aus- und Fortbildung der Lehrer.

Eine als Teil der Studie durchgeführte Lehrerbefragung ergab, dass nahezu 80 Prozent der Pädagogen die grundlegenden Arbeiten des Mathematik-Didaktikers Hans Freudenthal unbekannt sind. Freudenthal hat die Unterrichtstheorie schon in der 70er Jahren revolutioniert mit dem Ansatz, bei der Vermittlung von mathematischen Begriffen an beobachteten und erlebten Erscheinungen in der natürlichen und sozialen Welt anzusetzen und Mathematik nicht losgelöst von der realen Welt als fertiges System aufzufassen. Andere grundlegende Arbeiten zum Mathe-Unterricht waren nur etwa der Hälfte der Lehrerschaft bekannt.
WELT.de/AP

Artikel erschienen am 17.11.2006
http://www.welt.de/data/2006/11/17/1114296.html

_________________
"Das Geheimnis der Erziehungskunst ist der Respekt vor dem Schüler." Ralph Waldo Emerson
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden Website dieses Benutzers besuchen
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Elterninitiative gegen Mobbing und Gewalt an Schulen (EMGS) e.V. Foren-Übersicht -> Allgemeine Diskussionen über Schulprobleme Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde
Seite 1 von 1

 
Gehe zu:  
Sie können keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Sie können auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Sie können Ihre Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Sie können Ihre Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Sie können an Umfragen in diesem Forum nicht teilnehmen.


Powered by phpBB © 2001, 2005 phpBB Group
Deutsche Übersetzung von phpBB.de