Elterninitiative gegen Mobbing und Gewalt an Schulen (EMGS) e.V. Foren-Übersicht Elterninitiative gegen Mobbing und Gewalt an Schulen (EMGS) e.V.
www.emgs.de
 

Der Verein von Eltern für Eltern

Das Schreiben von Beiträgen ist nur registrierten Usern gestattet

Elterninitiative-Startseite

 FAQFAQ   SuchenSuchen   MitgliederlisteMitgliederliste   BenutzergruppenBenutzergruppen   RegistrierenRegistrieren 
 ProfilProfil   Einloggen, um private Nachrichten zu lesenEinloggen, um private Nachrichten zu lesen   LoginLogin 

Erziehung

 
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Elterninitiative gegen Mobbing und Gewalt an Schulen (EMGS) e.V. Foren-Übersicht -> Allgemeine Diskussionen über Schulprobleme
Vorheriges Thema anzeigen :: Nächstes Thema anzeigen  
Autor Nachricht
Doris Carnap
Moderatorin


Anmeldedatum: 18.01.2006
Beiträge: 803
Bundesland: Hessen

BeitragVerfasst am: 23.08.2006, 11:14    Titel: Erziehung Antworten mit Zitat

Hallo,

ich möchte hier das Thema Erziehung nochmal diskutieren und zwar die Erziehungshypothese, also die Annahme die Eltern seien für die Erziehung ihre Kinder alleinverantwortlich. Und die Beobachtung Vieler, dass die Eltern heute ihre Kinder nicht mehr 'richtig' erziehen. Darüber klagen besonders Lehrer auffallend häufig.

Auch wir Eltern, die wir unserern Kindern den richtigen Rahmen geben, ein bildungsnahes, leistungsfreudiges Umfeld, klare Regeln, ein regelmäßiges Mittagessen, werden sobald wir etwas am Schulsystem kritisieren sofort mit der Killerphrase abgeschreckt: Erzieht doch erst mal eure Kinder richtig.

Mir ist bei nur zwei Kindern schnell aufgefallen wie unterschiedlich diese Kinder von Geburt an sind und wie unterschiedlich sich diese Kinder unter den gleichen Bedingungen zu Hause weiterentwickeln und auch wie unterschiedlich sie auf Gleiches reagieren. Als Mutter wurde mir schnell klar wie begrenzt mein Erzieungseinfluss ist. Als mein Älterster in den Kindergarten kam, lernte er viel von den anderen Kindern, auch einiges was mir nicht so gefiel. Der Einfluss der Anderen wurde mit zunehmendem Alter immer größer und in der Pubertät zählte dann fast nur noch die Meinung die Freunde.

Ich fand für mich auch eine Erklärung, warum das so sein muss. Denn wenn sich die Menschheit weiterentwickeln soll, dürfen die Kinder nicht genau das machen, was die Eltern ihnen vormachen. Sonst säßen wir heute noch in unbeheizten Höhlen. Dass das Andere für die 'Alten' schon immer ein Problem war, zeigen die Sprüche über die 'heutige Jugend' der alten Griechen, dieser soll von Sokrates stammen: "Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt und schwatzt, statt zu arbeiten. Die jungen Leute widersprechen ihren Eltern, verschlingen Süßspeisen und tyrannisieren ihre Lehrer:"

Aber dass an all dem allein die Eltern Schuld sind, da sind sich doch alle Fachleute einig, oder?

Zitat:
"Ein liebgewordener Mythos", urteilt die amerikanische Psychologin Judith Rich Harris, 60, und mit dem räumt sie nun gründlich auf. Ihr Fazit nach Auswertung der Fachliteratur und Aufzucht zweier Töchter: Im guten wie im schlechten überschätzen Eltern maßlos ihre Macht, auf die Persönlichkeit des Kindes, seine Intelligenz, seine Werte, sein Sozialverhalten einzuwirken.
Für die Entwicklung vom Säugling zum lebenstüchtigen Erwachsenen, behauptet Harris, mache es beispielsweise keinen Unterschied, ob
-ein Vater im Haus ist oder die Mutter allein erzieht;
-die Mutter berufstätig ist oder sich ganz dem Nachwuchs widmet;
-das Kind in einer klassischen Familie aufwächst oder bei einem schwulen oder lesbischen Paar.

Soviel Mühe die Erzeuger sich auch geben, sagt die streitbare Psychologin, sie können den Charakter ihrer Kinder nicht formen ­ ihn aber auch nicht verderben. Denn was in den Genen nicht angelegt sei, präge die "Peer group", also der Freundeskreis, die Schulklasse, die Kids vom Spielplatz. Der Part der Eltern beschränke sich auf den Zeugungsakt, danach gesteht ihnen die Autorin nur noch eine Wartungsfunktion zu: "Wir sind austauschbar wie Fabrikarbeiter."

Granatengleich schlug diese zugleich niederschmetternde wie entlastende Botschaft in den USA ein. Harris' Buch "The Nurture Assumption" (frei übersetzt: "Die Erziehungslüge") erlebte innerhalb weniger Wochen drei Auflagen*. "Das Buchphänomen der Saison", schrieb das Magazin "Newsweek", "ein Wendepunkt in der Geschichte der Psychologie", urteilte Sprachforscher Steven Pinker vom Massachusetts Institute of Technology. Stanford-Biologe Robert Sapolsky sekundierte, das Werk basiere "auf solider Wissenschaft".

Trotz solcher Lobeshymnen namhafter Forscher muß Judith Harris auf ihrem Feldzug gegen den Common sense einiges einstecken ­ zu ungewohnt und provozierend klingen ihre Thesen." http://www.pappa.com/familie/47110.htm


Die Neue Zürcher Zeitung zu diesem Thema:
Zitat:

Viele der klassischen Erziehungsstudien, die die Macht der Eltern nachgewiesen haben wollen, sind mit einen fatalen Mangel behaftet: Sie berücksichtigen die Vererbung nicht. Wenn Kinder von aggressiven Eltern oft streiten und Kinder von schüchternen Eltern keine Freunde haben, gehen sie stillschweigend davon aus, dass das Vorbild der Eltern und deren Erziehung die Ursache davon ist. Die Möglichkeit, dass das Erbgut eines Kindes seinen Charakter mitbestimmt, wurde lange Zeit nicht erwogen. Streiten Kinder von aggressiven Eltern oft, weil sie ihnen ständig ausgesetzt sind oder weil sie diese Neigung von ihnen geerbt haben? Und, in welche Richtung wirkt die Erziehung überhaupt? Bringt eine schlechte Erziehung schwierige Kinder hervor, oder sind es die schwierigen Kinder, die eine schlechte Erziehung erzeugen?

Harris wirft den Entwicklungspsychologen Befangenheit vor: «Die Frage, ob Eltern Kinder überhaupt beeinflussen, wurde gar nie gestellt. Es wurde immer nur untersucht, wie dieser Einfluss aussieht.» Deshalb hält sie einen grossen Teil der Forschung für wertlos. «Die können alle auf Feld eins zurück. Die Macht der Erziehung ist nichts weiter als eine Annahme.» http://www.nzzfolio.ch/www/d80bd71b....fb-abf7-01d2ca601f7e.aspx


Der Link zur Seite von Judith Rich Harris und weiteren Informationen zum Thema 'Erziehunghypothese' http://home.att.net/~xchar/tna/bio.htm

Doris
_________________
"Das Geheimnis der Erziehungskunst ist der Respekt vor dem Schüler." Ralph Waldo Emerson


Zuletzt bearbeitet von Doris Carnap am 31.05.2007, 11:23, insgesamt einmal bearbeitet
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden Website dieses Benutzers besuchen
Doris Carnap
Moderatorin


Anmeldedatum: 18.01.2006
Beiträge: 803
Bundesland: Hessen

BeitragVerfasst am: 29.09.2006, 08:43    Titel: Problembelastete Jugendliche laut 15. Shell Studie Antworten mit Zitat

Hallo,

ich finde einige Aussagen der Shell Studie hochinteressant. Besonders interessant ist die Aussage von Klaus Hurrelmann, dass er schätzt, dass es etwa 15 Prozent definitiv überforderte Elternhäuser gibt. Das heißt also, es gibt keine eindeutigen Zahlen. Mich wundert immer, wenn über die Eltern gesprochen wird, die angeblich im großen Rahmen in der Erziehung versagen, dabei gibt es keine eindeutigen Zahlen, sondern nur geschätzte! Und es handelt sich dabei hauptsächlich um sozial extrem schwache Familien:
Zitat:
Und diese Überforderung steht in einem engen Zusammenhang mit mangelnder Bildung und materieller Armut: »Armut macht die Menschen unsouverän, Väter verlieren ihre Rolle, Mütter ihre Gelassenheit, es entsteht eine Atmosphäre der Haltlosigkeit, oft kommen Alkoholprobleme hinzu, und die Kinder wachsen an der Grenze der Verwahrlosung auf[...].« Natürlich gebe es Jugendliche, die sich auf wundersame Weise selbst auch aus den schwierigsten Verhältnissen retteten, aber auf zehn bis 15 Prozent müsse man die Zahl der schwer belasteten jungen Leute ? darunter deutlich mehr Jungen als Mädchen ? durchaus schätzen, Tendenz steigend.

Die latenten Ängste führen bei den jungen Menschen im Alltag nicht zu Renitenz und Auflehnung, sondern vor allem zu Anpassung und extremer Leistungsorientierung. Fleiß, Zuverlässigkeit, Höflichkeit und Pünktlichkeit, das weiß man auch aus dem soeben erschienenen Jugendsurvey 3 des Deutschen Jugendinstituts in München, stehen bei ihnen hoch im Kurs. Insofern gehen Diskussionen über eine nötige Renaissance der Disziplin, wie sie etwa der Pädagoge und ehemalige Leiter des Internats Schloss Salem, Bernhard Bueb, gegenwärtig anzustoßen versucht (Lob der Disziplin. Eine Streitschrift), zumindest an einem Teil der jugendlichen Wirklichkeit vorbei. »Man sieht eine Generation, die alle Erwartungen der Gesellschaft nach Verantwortung, Leistungsbereitschaft und Familiensinn erfüllt«, bilanzieren die Verfasser der Shell-Studie: »Unbekümmertheit und Unbeschwertheit ? nach Definition der Jugendlichen ?eigentlich? Kennzeichen der Jugendphase ? sind wenig zu spüren.«

Der erhöhte Druck führe zu vermehrten gesundheitlichen Problemen in der fraglichen Altersgruppe, sagt Klaus Hurrelmann: »Mädchen reagieren darauf mit depressiven Verstimmungen und psychosomatischen Störungen, Jungen versuchen den Druck aggressiv nach außen loszuwerden.« Eine fatale Reaktion auf die Arbeitsplatzknappheit in Deutschland sei die geradezu unverantwortliche Verlängerung der Ausbildungszeiten gewesen: Man habe die Jugendlichen in den Bildungseinrichtungen geparkt, und es dauere immer länger, bis Berufseinstieg, Auszug aus dem Elternhaus und eigene Kinder den Schritt in die Erwachsenenwelt dokumentierten. »Und das in einer Zeit, in der die Kindheit zugleich immer kürzer wird, die Pubertät häufig schon mit zehn oder elf Jahren einsetzt«, betont der Jugendforscher http://www.zeit.de/2006/39/Shell_Studie


Hurrelmann schätzt die Jugendlichen sehr leistungsbereit ein:
Zitat:
Der Experte bescheinigte der Jugend eine "erstaunlich pragmatische Grundhaltung" sowie eine "sehr hohe" Leistungsbereitschaft. Zu dieser Generation könne sich das Land "beglückwünschen". Allerdings hingen die Bildungs- und damit Zukunftsaussichten weiterhin in erster Linie von der sozialen Herkunft ab. Der Erhebung zufolge stuften sich lediglich 38 Prozent der Hauptschüler, aber 57 Prozent der Gymnasiasten als "eher zuversichtlich" ein.


Hurrelmann machte als "neue Bildungselite" junge Frauen aus. Der unterschiedliche Umgang mit Jungen und Mädchen in Deutschland war für mich extrem auffällig! Es wird in vielen Schulen so getan, als sei das was Mädchen können und wie sie sich verhalten normal, und was Jungen leisten und wie sie sich verhalten nicht normal. Jungen werden sehr häufig ausgegrenzt und diese Ausgrenzung ist als Mobbing zu sehen!
Zitat:
Beim Besuch höherer Schulen verbuchten Mädchen deutlich stärkere Zuwächse als Jungen. Da sich dies voraussichtlich auch in besseren Berufschancen der Frauen niederschlagen werde, könne künftig eher ein "Krieg der Geschlechter" als ein "Krieg der Generationen" drohen, so Hurrelmann. Die jungen Männer nämlich tickten anders, viele Jungs stiegen beim Wettlauf um Abi und Beziehung einfach aus. Sie igelten sich laut Studie möglichst lange im "Hotel Mama" ein und klammerten sich an ein traditionelles Männerbild, das von der Realität längst überholt wurde. http://www.spiegel.de/schulspiegel/leben/0,1518,438504,00.html

Doris
_________________
"Das Geheimnis der Erziehungskunst ist der Respekt vor dem Schüler." Ralph Waldo Emerson
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden Website dieses Benutzers besuchen
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Elterninitiative gegen Mobbing und Gewalt an Schulen (EMGS) e.V. Foren-Übersicht -> Allgemeine Diskussionen über Schulprobleme Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde
Seite 1 von 1

 
Gehe zu:  
Sie können keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Sie können auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Sie können Ihre Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Sie können Ihre Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Sie können an Umfragen in diesem Forum nicht teilnehmen.


Powered by phpBB © 2001, 2005 phpBB Group
Deutsche Übersetzung von phpBB.de