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Kopie: Bildungs- und Erziehungsauftrag

 
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Anmeldedatum: 21.01.2006
Beiträge: 255

BeitragVerfasst am: 25.01.2006, 00:21    Titel: Kopie: Bildungs- und Erziehungsauftrag Antworten mit Zitat

DorisCarnap
Moderatorin

Schullaufbahnberaterin





Status: Offline
Registriert seit: 11.12.2004
Beiträge: 196
Nachricht senden Erstellt am 04.02.2005 - 20:04

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Hallo an Alle,

unter dem Thread ?sind Eltern verantwortlich für Note 5 in Deutsch? entwickelte sich eine Diskussion über die mangelnde Erziehungsleistung der Eltern.

Wolkenstein beschrieb, dass ihre Schüler nicht wissen wie sie sich richtig waschen, kämmen, anziehen, nicht wissen wie sie eine Türe zu schließen haben, nicht sicher wissen wie man mit Messer und Gabel isst, hungrig sind und sich deswegen nicht konzentrieren können, kein Frühstück dabei haben und auch kein Geld.

Das sind die Hauptpunkte an die ich mich erinnere, ohne nochmal genau zu lesen. Aber die Aussage war, sie müsse viel Zeit mit den Aufgaben verbringen für die eigentlich die Eltern verantwotlich sind.

Dazu Peter Kraft: ?Nun sind diese und andere Hinweise darauf, daß das Aufgabenspektrum von Lehrerinnen und Lehrern neben dem Unterrichten auch das Erziehen umfaßt, weder eine erst in den letzten Jahren formulierte Forderung an die Lehrkräfte noch sind sie irgendeine Zumutung, die Eltern neuerdings an die Schule herantragen. Erziehungsaufgaben sind seit Jahren, wenn nicht gar Jahrzehnten formulierte Bestandteile des Lehrerberufs.? Den ganzen Vortrag zum Thema ?Benimmunterricht in deutschen Schulen? kann man hier lesen: http://www.prof-kraft.de/vortraege/erziehung.htm

Sowohl im Grundgesetz als auch in den Landesverfassungen wird die Schule für Bildung und Erziehung verantwortlich gemacht, genauso in den Schulgesetzen und in den Dienstordnungen für Lehrkräfte steht es nicht anders. Ein Beispiel aus der Hessischen Dienstordnung: ?§ 4 (1) Die Lehrkräfte erziehen, unterrichten, beraten und betreuen die Schülerinnen und Schüler in eigener Verantwortung und pädagogischer Freiheit (§ 86 Abs. 2 des Hessischen Schulgesetzes). Dabei sind der Bildungs- und Erziehungsauftrag und die Grundsätze für dessen Verwirklichung nach den §§ 2 und 3 des Hessischen Schulgesetzes zu beachten.?

Ullrich Herrmann beschreibt die Situation in seinem Buch ?Wie lernen Lehrer ihren Beruf?? auf Seite 172: ?Die überwiegende Mehrzahl der Gymnasiallehrer heute versteht sich als ?Beybringer?...Sie müssen den Ablauf ihrer täglichen Schulstunden mit der Pünktlichkeit eines Busfahrers absolvieren, Variationen sind kaum möglich, und meist nur die Klassenlehrer kennen die Kinder und Heranwachsenden etwas näher. Lehrer zu sein an einer öffentlichen Schule, heißt eine mehr oder weniger standartisierte Dienstleistung zu erbringen, weshalb diese Lehrer ja in der Regel auch große Schwierigkeiten haben - sonst wäre die immerwährende Diskussion darüber nicht verständlich-, ihren Erziehungauftrag wahrzunehmen.?

Hier meine Frage an die mitlesenden Lehrer: Was versteht ihr unter diesen Erziehungsauftrag und wie nehmt ihr ihn wahr? Und fühlt ihr euch auf diese Aufgabe gut vorbereitet?

Doris






Signatur
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"Das Geheimnis der Erziehungskunst ist der Respekt vor dem Schüler." Ralph Waldo Emerson

<wolkenstein>
unregistriert

Erstellt am 06.02.2005 - 23:12

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Liebe Doris,

zunächst eine Richtigstellung: Ich habe nicht behauptet, dass (alle) "meine Schüler" all diese grundlegenden Fertigkeiten nicht beherrschen, sondern dass es einzelne Kinder in meinen Klassen ebenso wie in denen von Kollegen gibt, denen diese Grundfertigkeiten fehlen - weshalb sie dann manchmal, um beim Thema dieses Forums zu bleiben, von anderen Schülern ausgeschlossen werden. Den fehlenden sicheren Umgang mit Messer und Gabel habe ich an der Hauptschule beobachtet, nicht am Gymnasium. Dann sehe ich es als Teil meines Jobs an, diesen Kindern diese Fähigkeiten möglichst unauffällig zu vermitteln, und das ist eben Zeit, die bei der Konzentrations auf's "Kerngeschäft" fehlt.

Dein Posting (ebenso wie frühere, auf die du leider nicht geantwortet hast) liest sich für mich so, als würdest du unterschwellig annehmen, Lehrer wären sich ihres Erziehungsauftrages nicht bewusst, obwohl er doch, wie du ja ausführlich belegst, gesetzlich verankert ist. Ich bin mir meiner Erziehungsverantwortung sehr bewusst, empfinde mich keineswegs als reinen "Beybringer", und "Erziehen" ist eine der grundlegenden (sieben) Lehrerfunktionen, die im Referendariat intensiv besprochen werden (ob man es dadurch besser kann, ist eine andere Frage). Aber Erziehen kann auf sehr vielen verschiedenen Ebenen stattfinden, und hier liegt für mich des Pudels Kern:

Die Richtlinien des Gymnasiums Sek I bauen die Erziehungsfunktion des Lehrers auf dem Bildungsauftrag auf. Der Lehrer soll
"- Hilfen geben zur Entwicklung einer mündigen und sozial verantwortlichen Persönlichkeit und
- grundlegende Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten vermitteln" (RL 12)

Danach werden die Details dessen angeführt, was das alles umfasst, also die Entfaltung individueller Fähigkeiten, Aufbau sozialer Verantwortung, Gestaltung einer demokrationschen Gesellschaft, Orientierung an Grundwerten usw. Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten beziehen sich auf den Fächern zugeordnete Inhalte wie die Beherrschung der Rechtschreibung, Präsentationsfähigkeiten, Kenntnis bestimmter Genres und Texte usw. Wie bei dieser Aufzählung auffällt, ist, dass von relativ "hochwertigen" Fähigkeiten und Werten die Rede ist, für die andere Fähigkeiten und Einstellungen selbstverständlich vorausgesetzt werden. Erst wenn diese "stillschweigend vorausgesetzten" Fähigkeiten nicht da sind, kommt man im Unterricht ins Schleudern - und ich glaube, darum geht auch unsere Diskussion im Moment, welche Fähigkeiten welche Schulform voraussetzen darf und welche nicht. Ich glaube, niemand würde von der Schule erwarten, Kinder an die Benutzung der Toilette zu gewöhnen - das ist eine Aufgabe, die selbstverständlich dem Elternhaus zugeordnet wird. Niemand erwartet von Eltern, dass sie ihren Kindern binomische Formeln beibringen - hier ist selbstverständlich die Schule dran. Die Schwierigkeiten entstehen für mich im Zwischenbereich - Arbeitshaltung, Sozialverhalten und die anderen Fähigkeiten in der Grauzone zwischen engerer und weiterer sozialer Gruppe, also zwischen Elternhaus und Schule. Weder Schule noch Eltern allein können da glaub ich viel ausrichten; meine Lösung wäre, nicht um die Erziehungsverantwortung zu streiten bzw. sie isch gegenseitig in die Schuhe zu schieben, sondern Eltern und Schule als gemeinsam verantwortlich zu sehen. Für Kinder ist es, meiner Erfahrung nach, verwirrend und bestürzend, wenn Schule und Eltern unterschiedliche Standards anstreben. Ich versuche, mit Eltern so weit wie möglich auf einen Nenner zu kommen und an einem Strang zu ziehen; wenn das gelingt, sind auch die Erfolge überzeugend.

Unbenommen sei, dass es viele Lehrer gibt, die das anders sehen und die ihre Verantwortung auf das reine Fachwissen beschränken. Das ist aber weder vom Gesetzgeber noch von den Gremien der Schule so vorgesehen - hier finde ich es wichtig, diese Lehrer auf ihre Pflichten aufmerksam zu amchen.

Mit bestem Gruß,
w.





DorisCarnap
Moderatorin

Schullaufbahnberaterin





Status: Offline
Registriert seit: 11.12.2004
Beiträge: 196
Nachricht senden Erstellt am 22.02.2005 - 09:53

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Liebe Wolkentein,

du meinst ich bin auf nicht alles genügend eingegangen, was du geschrieben hast? Ich werde versuchen alles so nach und nach ?abzuarbeiten?.

Mir war schon klar, dass nicht alle deine Schüler die grundlegenden Fertigkeiten nicht beherrschen. Nur war es für dich erwähnenswert, dass einige wenige (oder war es ein einziger?) Schüler nicht mit Messer und Gabel essen konnten. Mich würde da interessieren, warum sie/er das nicht konnte ? konnte er stattdessen Couscous fein säuberlich mit der Hand essen, sprich gehörte das Essen mit Messer und Gabel nicht zu dem was man in seinem Ursprungsland unter guten Tischsitten verstand. Oder lebte er in relativ einfachen Verhältnissen und gehörte es deswegen nicht zu seinem Repertoire oder war er im Gegenteil überbehütet und Mami machte ihm immer Häppchen. Auf alle Fälle hält es dich vom ?Kerngeschäft? ab. Was ist dein Kerngeschäft, die Wissenvermittlung?

Ich nehme es nicht unterschwellig an, dass Lehrer sich ihres Erziehungsauftrages nicht bewusst sind, das Stöhnen über unzumutbare Erziehungsaufgaben lässt doch den Schluss zu, dass diese Lehrer ein Problem mit ihrem Erziehungsauftrag haben. Oder handelt es sich auch hier nur um eine von Lehrern besonders beliebte Killerphrase? Killerphrasen die den Gesprächsablauf manipulieren, in dem sie vom eigentlichen Thema ablenken. So stand es in der FR vom 8.2.05:?Die Schule versagt?, schimpfen die Eltern. ?Wir können nicht die Erziehungsfehler der Eltern ausgleichen?, kontern die Lehrer.? Der Artikel trug die Überschrift: ?Nachgeholfen . Wenn die Schule aus ist, geht das Lernen richtig los: drei Kinder und ihr Nachmittagsprogramm. Petra G. ist Zahntechnikerin. Wenn die 45-Jährige nach ihrem Beruf gefragt wird, rutscht ihr mitunter spontan heraus: Lehrerin. Den Job hat sie zwar nicht gelernt, doch sie übt ihn aus. Tagtäglich. Ein Gehalt erhält sie nicht. Denn Petra G. ist ?nur? Mutter dreier Kinder und steht ihnen fordernd und fördernd nach Schulschluss zur Seite. Sie gleicht aus was Schule nicht schafft. Und das seit etliche Jahren.? Dann folgt die Beschreibung was die ?Hobbypädagogin? alles leisten muss.

Du schreibst:?Niemand erwartet von Eltern, dass sie ihren Kindern binomische Formeln beibringen - hier ist selbstverständlich die Schule dran.? Es wäre schön, wenn Lehrer sich wenigstens dafür verantwortlich fühlten! Dafür setze ich mich seit vielen Jahren ein, dass die Lehrer wissen welche Schüler das Thema beherrschen und welche nicht, um den Stoff diesen Schülern nochmal gezielt nahezubringen. Diese diagnostische Kompetenz gehört nach Franz Weinert, zu den vier Kompetenzbereichen, die den erfolgreichen Lehrer auszeichnen ? neben dem Fachwissen, den didaktisch-methodischen Fähigkeiten und der Fähigkeit zur Klassenführung. Wenn man das nicht von den Eltern erwarten darf, dann sollte man das auch nicht den Nachhilfelehrern und ? instituten aufbürden! Die Millionen, die von Eltern jährlich für Nachhilfeunterricht ausgegeben werden müssen, sollten doch wirklich jeden misstrauisch machen, dass da etwas nicht stimmen kann! Es sei denn, man erklärt sich das durch die nur in Deutschland existierende ?mangelnde und bildungsresistente Begabung.? Ich sehe die Ursachen im schlechten Unterricht und der steht in keinelei Zusammenhang mit der Erziehung der Eltern!

Du schreibst: ?Unbenommen sei, dass es viele Lehrer gibt, die das anders sehen und die ihre Verantwortung auf das reine Fachwissen beschränken.? Wenn sie das wenigstens gut machen würden, hätte ich damit kein Problem. Guter, interessanter Unterricht und einen angemessenen Umgang mit den Schülern, das wäre doch prima!

?... hier finde ich es wichtig, diese Lehrer auf ihre Pflichten aufmerksam zu machen.? Wer sollte das denn machen? Der Schulleiter? Als gleicher unter gleichen fühlt er sich nicht weisungsbefugt. Die Kollegen? Piep, piep, piep- wir haben uns alle lieb! Oder wird auch noch ein anderes Spiel gespielt? Oder die Eltern? Dazu sagt Gisela Erler (die viele Jahre Familienforscherin am Deutschen Jugendinstitut war) in einem Interview mit Reinhard Kahl (Treibhäuser der Zukunft): ?Unsere Lehrer haben keinen Respekt vor den Eltern, Lehrer haben Angst vor Prozessen, sehen Eltern aber nicht als kompetente Partner an... Das Bild ?Eltern ruinieren das Kind? ?zieht sich durch alle Stufen des Erziehungsystems und ist kombiniert mit einem Missverständnis, ?dass Erziehung am besten in der Familie geleistet wird. Das war ja ein Gründungsmythos der Bundesrepublik nach dem Nationalsozialismus...Die fundamentalen Dinge müssten zu Hause geleistet werden... Die deutsche Schule ist aus der Sicht berufstätiger Mütter und ihrer Kinder eine Katastrophe.?

?Viele Nachrichten aus deutschen Schulen klingen wie Frontberichte. Demütigung, Geringschätzung und Feindseligkeit. Wenn es hoch kommt, sachlich cooles Desinteresse sind häufig der Normalfall. Und dann werden Diskussionen darüber geführt, wer Schuld hat: Die Kinder, ihre Eltern, der soziale Brennpunkt oder die Wohlstandsverwahrlosung im Villenvorort, das viele Fernsehen und die großen Klassen...Alles externe Faktoren, mit denen man sich den eigenen Einfluss und Verantwortung wegdefiniert.?(Reinhard Kahl, Treibhäuser der Zukunft).

Ich würde gerne darüber diskutieren, warum zu viele Lehrer sich weigern guten und verständlichen Unterricht zu machen und die Schüler zu unterstützen, die Hilfe benötigen. Und mich würde interessieren, wie du deine Schüler beim Lernen unterstützt.

Doris






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