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Das Klinsmann Projekt

 
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Elterninitiative gegen Mobbing und Gewalt an Schulen (EMGS) e.V. Foren-Übersicht -> Allgemeine Diskussionen über Schulprobleme
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menthelius



Anmeldedatum: 04.04.2006
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Bundesland: Hessen

BeitragVerfasst am: 10.07.2006, 08:46    Titel: Das Klinsmann Projekt Antworten mit Zitat

Guten Morgen zusammen,

Die WM ist vorbei. Eine Gesinnungsästethik hat sich über das Land ausgebreitet, sowohl von aussen, alsauch von innen, frei nach Schiller: "Der Mensch ist ein Mensch wo er spielt und er spielt nur da, wo er Mensch ist."

Da liegt es nahe, die Leichtigkeit des Seins auch auf die Schule zu übertragen in einem Projekt, das sich in Anlehnung an den Erfolg der deutschen Nationalmannschaft anbietet.

Nicht der Dritte Platz war das, was so erfolgreich strahlt, es war die Spielfreude dieser jungen Mannschaft, die weltmeisterlich war.
Da konnte keine andere mithalten.

Wie, wenn man nun in den ersten Schultagen des neuen Schuljahres der/dem Klassenlehrer/in und allen Eltern die Zielvereinbarung vorschlüge, frei nach dem Klinsmann-Projekt, als Klassenmannschaft zusammen das Ziel Abitur zu erreichen. Keiner soll auf der Strecke bleiben. Das Potenzial, das sich aus einem Pool an elterlicher Kompetenz ergibt, gepaart mit den Möglichkeiten der Lehrer/innen, kraft pädagogischer Freiheiten, die das hessische Schulgesetz bietet, sollte es doch möglich sein, das System zu unterlaufen, indem man parallel zu Klinsmann und den damit verbundenen Erfolgsaussichten die Motivation der Lehrkräfte soweit anregt, dass sie dabei sind.

Wäre soetwas ein Ansatz? Was meint ihr dazu?

PS: Schade, dass wir sowenig Lehrkräfte in diesem Forum haben, vielleicht melden sich ja doch einige dazu.
@ Robischon, hoffe Du liest hier noch mit, bin immer gespannt auf Deine Beitrage. Laughing

Grüsse
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Doris Carnap
Moderatorin


Anmeldedatum: 18.01.2006
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Bundesland: Hessen

BeitragVerfasst am: 10.07.2006, 19:44    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo menthelius,

Stuttgart war viel schöner als Berlin, schöner als Berlin, schöner als Berlin... Wink

Ein schöne Idee das mit der Zielvereinbarung...Nur wer sollte den Eltern und Lehrern das vorschlagen? Es müßte noch geklärt werden, was "das System" eigentlich ausmacht.

Doris
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"Das Geheimnis der Erziehungskunst ist der Respekt vor dem Schüler." Ralph Waldo Emerson
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menthelius



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Beiträge: 69
Bundesland: Hessen

BeitragVerfasst am: 10.07.2006, 20:52    Titel: Antworten mit Zitat

Doris Carnap hat Folgendes geschrieben:
Hallo menthelius,

Stuttgart war viel schöner als Berlin, schöner als Berlin, schöner als Berlin... Wink

Ein schöne Idee das mit der Zielvereinbarung...Nur wer sollte den Eltern und Lehrern das vorschlagen? Es müßte noch geklärt werden, was "das System" eigentlich ausmacht.

Doris


Hallo Doris,

Ich, dachte mir, schlage das den Eltern und der/dem Klassenlehrer/in vor.

"Das System" =
- Sach- und Sozialnormnoten
- nicht binnendifferenzierter Unterricht
- Lehrerkonferenz ohne Beteiligung und Mitspracherecht eines Elternbeirats
- keine Diagnose

was fällt Dir noch ein ?

Und...kann man soetwas erreichen? Gesetzt den Fall, der/die Lehrer/in würde darauf einsteigen, wer und was könnte sie daran hindern?

Güsse
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Doris Carnap
Moderatorin


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BeitragVerfasst am: 11.07.2006, 10:02    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo menthelius,

alles ist möglich, bei deinem Vorschlag. Es hängt von den Personen ab, die zufällig in dieser Gruppe sind. Grundsätzlich wäre es interessant herauszufinden wie und ob eine Schule diese Punkte schon bearbeitet hat - ein Blick ins Schulprogramm kann nützlich sein.

Welche Kompetenz ein Lehrer in "pädagogischer Diagnostik" hat, kann man vorher nicht abschätzen. Es gibt ja die geborenen Pädagogen, die auch unter ungünstigen Bedingungen ihre positive Einstellung den Schülern gegenüber behalten.

Da ein Lehrer ja pädagogische Freiheit besitzt, könnte er die Sachnorm anwenden und binnendifferenzieren, und würde so durchaus im Sinne seines "Dienstherren" arbeiten. Er könnte dein Ansinnen aber auch als vollkommen unzumutbar empfinden.

Grundsätzlich können die Lehrer in Hessen, auf den weiterführenden Schulen, bereits innerhalb des ersten Halbjahres die Schüler zurückstufen, wenn die Lehrer den Eindruck haben, ein Kind sei für die entsprechende Schulform ungeeignet. Für manche Kinder kann ihre Persönlichkeit schon für eine falsche Einschätzung sorgen, manche sind zu schüchtern und still, andere wiederum viel zu aktiv. Diese Querversetzungen sind in Hessen bis zum 7. Schuljahr möglich! Lehrer können sich so auf einfache Weise von den Schülern trennen, die sie mit ihren Lehrfähigkeiten nicht erreichen. Die später entwickelte Aufforderung von oben (HKM) Förderpläne zu schreiben, ist nicht sehr beliebt, weil sie mit mehr Arbeit verbunden ist. Auf deutschen Schulen gibt es schon die homogensten Lerngruppen überhaupt, trotzdem träumen viele Lehrer besonders auf dem Gymnasium von alten, besseren Zeiten (die sie selbst nie erlebt haben), als nur etwa 2% der Bevölkerung diese Schulform besucht haben. Dabei interessiert es sie wenig, dass wir in Deutschland dringend möglichst viele, gut ausgebildete Menschen benötigen.

Ob man einen Lehrer, der sich ausschließlich als Selektionsbeamter versteht, dazu bewegen kann seine eigene "pädagogische Mentalität" zu ändern, ist nicht wahrscheinlich, aber einen Versuch wert.

Was meinst du mit "Lehrerkonferenz ohne Beteiligung und Mitspracherecht eines Elternbeirats"?

Doris
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menthelius



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Bundesland: Hessen

BeitragVerfasst am: 11.07.2006, 10:41    Titel: Antworten mit Zitat

Doris Carnap hat Folgendes geschrieben:
Hallo menthelius,

Was meinst du mit "Lehrerkonferenz ohne Beteiligung und Mitspracherecht eines Elternbeirats"?

Doris



Sind bei Notenkonferenzen Elternvertreter zugelassen?
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Doris Carnap
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BeitragVerfasst am: 11.07.2006, 13:49    Titel: Antworten mit Zitat

Nein, da sind keine Elternvertreter zugelassen.

In der Klassenkonferenz sitzen nur die die Klasse unterrichtenden LehrerInnen, in der Versetzungkonferenz ist zusätzlich der/die SchulleiterIn anwesend, laut Hess. Schulgesetz.
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menthelius



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Bundesland: Hessen

BeitragVerfasst am: 11.07.2006, 17:29    Titel: Antworten mit Zitat

Das müsste doch dringend und schnell geändert werden. Kannst Du über Versuche (es zu ändern) Auskunft geben? Kann mir nicht vorstellen, dass das noch nicht versucht worden ist?
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menthelius



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BeitragVerfasst am: 11.07.2006, 22:48    Titel: Antworten mit Zitat

Wie es scheint, geht hier NDS voran.
http://www3.ndr.de/ndrtv_pages_std/...._REF_SIX1_ORS2408,00.html

Ist da in Hessen in dieser Richtung nichts in Bewegung?
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Doris Carnap
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Bundesland: Hessen

BeitragVerfasst am: 12.07.2006, 07:53    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo menthelius,

ja das ist auch Thema in Hessen und auch in anderen Bundesländern. Z.B. der neue Umgang mit dem Vertretungsunterricht in Hessen - der unter dem unglücklich gewählten Namen 'Unterrrichtsgarantie Plus" läuft, soll ein Anfang dabei sein den Schulen mehr eigenverantwortung zu geben. Aber natürlich wird auch hier gleich mit dem Thema Politik gemacht und überhaupt nicht wahrgenommen welche Chance auch dahintersteckt. Vor allem wird gesehen, dass jetzt die Schulen die Verantwortung für die falsche Politk tragen müssen. Es ist halt immer einfacher über die Fehler, die 'oben' gemacht werden zu schimpfen, als Verantwortung zu übernehmen und zu überlegen, was jeder selbst dazu beitragen kann, damit 'unser System' besser wird.

Doris
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robischon



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Beiträge: 7
Bundesland: baden-württemberg

BeitragVerfasst am: 12.07.2006, 14:45    Titel: Antworten mit Zitat

hallo menthelius
so eine grundeinstellung
Zitat:
Keiner soll auf der Strecke bleiben

wäre nicht schlecht.
ich stell mir vor, ich würde deine idee bei lehrerforen.de vorschlagen. du würdest grundsätzlich und rundum erfahren dass das nicht geht und warum es nicht geht
und überhaupt regen sie sich auf über mich. lies nur mal bei off topic. (die persönlichen nachrichten sind nicht weniger zimperlich).

in skandinavischen ländern wäre es kein problem.
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menthelius



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Beiträge: 69
Bundesland: Hessen

BeitragVerfasst am: 12.07.2006, 19:43    Titel: Antworten mit Zitat

robischon hat Folgendes geschrieben:
hallo menthelius
so eine grundeinstellung
Zitat:
Keiner soll auf der Strecke bleiben

wäre nicht schlecht.
ich stell mir vor, ich würde deine idee bei lehrerforen.de vorschlagen. du würdest grundsätzlich und rundum erfahren dass das nicht geht und warum es nicht geht
und überhaupt regen sie sich auf über mich. lies nur mal bei off topic. (die persönlichen nachrichten sind nicht weniger zimperlich).

in skandinavischen ländern wäre es kein problem.



Hallo robischon,

Das würde ich gerne erfahren. Es wäre eine gute Vorbereitung auf alle Einwände, die bei diesem Vorschlag kommen werden.
Ich gehe nicht davon aus, dass jeder zustimmen wird und alle auf diesen Zug aufspringen.

Den Thread im Lehrerforum habe ich gelesen. Immer wieder stellst Du die Frage "Wie Lernen funktioniert".
Ich bin überzeugt, dass "wahres Lernen" nur individuell funktioniert.
Wie ist das bei Dir. Hegst Du gewisse Zweifel, die Du hoffst, bestätigt zu bekommen, wenn Du die Frage stellst ?
Was erwartest Du, allen persönlichen Angriffen zum Trotz, beharrlich diese Frage zu diskutieren?
Eventuell die positive Bestätigung über die negative Reaktion?

Grüsse K.M.Menth
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menthelius



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Beiträge: 69
Bundesland: Hessen

BeitragVerfasst am: 12.07.2006, 21:24    Titel: Antworten mit Zitat

[quote="robischon"]hallo menthelius

Zitat:
.......und überhaupt regen sie sich auf über mich. lies nur mal bei off topic. (die persönlichen nachrichten sind nicht weniger zimperlich).

in skandinavischen ländern wäre es kein problem.


@ robischon

Ich glaube einfach, dass bei Lehrerforen einigen schlicht und einfach die Synapse fehlt, den Unterschied zu erkennen von Lerngelegenheit und Lernweg, von Selbstbestimmung und Intervention. "Hermines" Beispiel mit ihren Sprachen macht es für mich deutlich. Sie erkennt nicht, dass "Anleitung durch einen Lehrer" ihre eigene, selbstbestimmte Wahl ist, im Experimentieren verschiedener Lernwege, wie Bücher, Kassetten, Internet usw.
Sie kann also gar nicht erkennen, dass Schüler weder die Wahl eines Genres, noch die Wahl des Lernweges haben und deshalb in einem völlig anderen Verhältnis stehen.

Andere können sich nicht vorstellen, wie sie in diesem Bildungssystem selbstbestimmtes Lernen integrieren können. Das ist aber auch nicht so einfach. Die Frage ist schon berechtigt, was machen, damit sie die Prüfungsanforderungen schaffen. Der Tag der Wahrheit ist spätestens der Schulabschlussprüfungstag.

Daraus ergeben sich für mich auch 2 verschiedene Zielvereinbarungen für die Schule:

1. Wie funktioniert Lernen, um mich zu bilden?
und
2. Wie funktioniert Lernen, um Wissen für Prüfungen parat zu haben?
Traditionelle Schule kümmert sich nur um Punkt 2 als Ziel. Um Bildung kümmert sie sich nicht. Und selbst um Punkt 2 kümmert sie sich nur in einer Goldwäschermentalität. Sie stellt das Wissen als fliessendes Gewässer zur Verfügung, je nach Schulform als breiten Strom, oder als Gebirgsbach. Dann holt sie mit dem Sieb den Sand vom Grund, wer mit Wissen glänzt und nach Gold aussieht darf bleiben, wer nicht wird aussortiert.

Punkt 2 muss erfüllt werden, da werden wir nicht drum rum kommen. Auch in Schweden gibt es Schulabschlussprüfungen, allerdings stehen Alternativen für den Eintritt in weitere Lebensabschnitte zur Verfügung. Sie hat also kein Monopol für die Erteilung von Berechtigungen.
Andererseits ist Punkt 2 natürlich eine Fähigkeit, die durchaus wichtig ist, gerade dann, wenn man nicht intrinsisch motiviert ist. Die Frage ist nur, wann? Ich bin überzeugt, die Hirnforschung wird uns bald darüber Aufschluss geben.
Ich denke, dass Punkt 2 in der Phase der neuronalen Vernetzung zwischen ca. 6 Jahren und 10 Jahren ein Bildungshindernis darstellt.
Jedenfalls das, was wir als Motivation bezeichnen in Form von chemischen Prozessen u.U. unterdrückt.

Grüsse

Ps:

Dies hier habe ich heute u.a. auf den Seiten von Prof. Hüther gefunden. Passt ganz gut dazu.

Zitat:
Der Lehrplan wird meist als Grundentscheidung für die "Wahrheit" der Bildung durch den Staat ausgegeben, obwohl die demokratische Verfasstheit des Lehrplans inzwischen nur in einer - im Vergleich zu den vielen Interessengruppen mit ihren speziellen Erwartungen an die Absolventen dieses Systems - winzig kleinen, unkontrollierten Gruppe repräsentiert und erstellt und dann vom Staat - d. h. von den Bundesländern, repräsentiert durch die Kultusministerien - als die Hyperpräzision von Wahrheit, Qualifikation und als Basis für das Fortbestehen der Gesellschaft dargestellt wird (Grundcodierung: staatlich anerkannt)ohne, dass es den Vertretern aus anderen Teilsystemen unserer Gesellschaft zur kritischen Überprüfung feigegeben wird. Und dies toleriert sogar unsere Gesellschaft.
Dieser Mythos ist eine Grund-Logik in unserer Gesellschaft, in anderen keineswegs (z. B. in den USA, Schweden, den Niederlanden u. a.).
Dieser Zustand ist angesichts der Krisen - z. B. Arbeitslosigkeit - und der Notwendigkeit einer Neuorientierung unserer Gesellschaft wegen der Globalisierung vieler Bezugssysteme didaktisch gesehen nicht mehr vertretbar.
Hier schläft meines Erachtens die ganze didaktische Elite, aber auch die gesellschaftlich relevanten Funktionsgruppen in der theoretischen und gesellschaftlichen Auseinandersetzung und Partizipation von Wissenskonstruktion. Sie haben oft keine neuen Vorstellungen, welche Bereiche von Wissen und Erkenntnis das Bildungssystems "Schule" mit der jungen Generation konstruieren soll und welche epistemologischen Grundprinzipien beachtet werden müssen.
Interessanterweise sucht die Wissenssoziologie einen neuen Anschluss an die Frage, welches Wissen wie und für wen konstruiert ist bzw. werden soll:
"Heute hat sich bis in die Feuilletons herumgesprochen, dass im Zuge einer nachhaltigen und rasanten Globalisierung Wissen, Wissensbasierung und Wissensarbeit zur unabdingbaren Voraussetzung der Wettbewerbsfähigkeit von Organisationen, Regionen und ganzen Gesellschaften geworden ist." [aus dem Vorwort von Willke, H., Systemisches Wissensmanagement, Stuttgart 1998]



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menthelius



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BeitragVerfasst am: 13.07.2006, 12:40    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:

als die Hyperpräzision von Wahrheit, Qualifikation und als Basis für das Fortbestehen der Gesellschaft dargestellt wird (Grundcodierung: staatlich anerkannt)ohne, dass es den Vertretern aus anderen Teilsystemen unserer Gesellschaft zur kritischen Überprüfung feigegeben wird. Und dies toleriert sogar unsere Gesellschaft.
Dieser Mythos ist eine Grund-Logik in unserer Gesellschaft, in anderen keineswegs (z. B. in den USA, Schweden, den Niederlanden u. a.).


Eine Schlüsselstelle, wie ich meine.
Nicht wenige Leute in diesem Land mögen immer noch die Vorstellung von der Zugehörigkeit zu einer Arischen Rasse gut leiden.
Da weiss man einfach, was Wissen ist. Crying or Very sad
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Doris Carnap
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BeitragVerfasst am: 15.07.2006, 13:45    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Menthelius, hallo Rolf,

die Diskussion im Lehrerforum läuft immer nach dem gleichen Muster, ich schließe mich menthelius' Einschätzung an, es fehlen die Synapsen für eine andere Denkweise.

Man könnte über den Lernprozess nachdenken und durchaus darüber diskutieren wieso bei uns die Kinder stillsitzen müssen, im Gleichschritt lernen müssen. Und natürlich auch darüber, warum der der Lernprozess bei uns in Deutschland auffallend häufig mißlingt, laut LAU, TIMSS, PISA, IGLU... Wenn Probleme auftreten, ist die Erklärung schnell bei der Hand: Das Kind ist schuld - das Kind ist gestört.

Der Bericht im Tagesspiegel beschreibt wie es ablaufen kann, wenn sich die Bedingungen verändern, machen Lehrer nicht mit, lassen einfach einen Teil der Kinder fallen, weil sie angeblich nicht normal sind. Lehrer sind für diesen anderen Umgang nicht ausgebildet, fühlen sich überfordert und verweigern sich einfach. Aus den Kids werden Problemkinder und die landen dann in der Psychiatrie.

Zitat:
Dies hat zu einer Ballung von Problemkindern geführt, die von den Lehrern nicht mehr aufgefangen werden können und sich verstärkt in der Psychiatrie wiederfinden [...]Inzwischen wurden die Bezirke von der Gesundheitsverwaltung um Stellungnahme gebeten. Zudem hat die Senatsverwaltung für Bildung mit Bilke gesprochen und ist jetzt auf der Suche nach Lösungen. Der zuständige Referatsleiter Peter Hübner bestreitet nicht, dass es zu gehäuften Problemen kommt. Solche Schwierigkeiten seien gemeldet worden. Die Lage soll aber dadurch entschärft werden, dass sich die Sonderpädagogen, die zwei Stunden pro Woche in den ersten Klassen sind, ?gezielt um Risikokinder kümmern?. Dafür soll es auch eine spezielle Fortbildung geben. Die Sonderpädagogen sollen auch versuchen, in den Kitas mehr über die Vorgeschichte der Problemkinder zu erfahren. Darüber hinaus sei für das Gelingen der Schulanfangsphase ?eine andere Lehrerhaltung? notwendig, meint Hübner. Die Reform an sich wird von ihm nicht in Frage gestellt. Ziel sei es, dass Kinder nicht von Anfang an ausgesondert würden. ?Nach einem Jahr zu sagen, dass alles verfehlt war, ist zu früh?, betont er. http://www.tagesspiegel.de/berlin/archiv/13.07.2006/2656685.asp


Ich habe mir den Bericht der Praktikantin von Rolf http://www.rolf-robischon.de/maerzpraktikum2004.htm durchgelesen. Es hört sich für mich stimmig an, wie dort Unterricht stattfindet. In einer solchen positven Atmosphäre haben meine Kinder in einer International School gelernt. Das war für alle Beteiligten eine vollkommen entspannte Zeit, was wir danach in Deutschland erlebten, war gar nicht damit zu vergleichen.

Doris
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Doris Carnap
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BeitragVerfasst am: 17.07.2006, 21:12    Titel: Antworten mit Zitat

Eine Schule in Hamburg: Die neue Max-Brauer -Schule

Die Max-Brauer-Schule wird von etwa 1200 Schülerinnen und Schülern aus über 30 Nationen besucht. Diese werden von ca. 100 Lehrerinnen und Lehrern unterrichtet sowie von zwei Sozialpädagogen betreut. Die Max-Brauer-Schule ist eine Schule mitten im Stadtteil, für den Stadtteil und darüber hinaus.

Zitat:
DIE SCHULE MUSS SICH VERÄNDERN!
Das sagen viele, aber nur wenige haben bedacht, wie diese Veränderung erfolgen soll.

Anders die Max Brauer Schule. Lehrer und Eltern haben ein pädagogisches Konzept erarbeitet, in dem dargelegt wird, wie grundlegend Schule sich verändern muss und wie das an dieser Schule erfolgen soll.

Die jahrelangen Bemühungen, die Schule schüler-gerechter und leistungsstärker zu machen, haben durch die Ergebnisse der PISA-Untersuchungen einen neuen Anstoß erhalten. Angeregt vor allem durch Veröffentlichungen von Stiftungen, Verbänden und Wirtschaftsunternehmen, wie der Bertelsmann-Stiftung, dem Baden-Württembergischen Handwerkertag, der Unternehmensberatung McKinsey und der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft, hat die Schule sich daran gemacht, ihre Aufgaben und Möglichkeiten grundlegend neu zu denken.

Vielfalt ist Reichtum
Die Max-Brauer-Schule ist eine Gesamtschule. Sie wirbt um eine Schülerschaft, die in sozialer, kultureller und ethnischer Hinsicht sehr verschieden und in ihren Begabungen und Fähigkeiten breit gestreut ist. Die Vielfalt wird als Reichtum verstanden. Die Vielfalt der Schüler und Schülerinnen soll auch in jedem Unterricht gegenwärtig sein. Im Unterschied zu der an Gesamtschulen in Deutschland üblichen Zuweisung der Schüler und Schülerinnen zu Kursen unterschiedlichen Lernanspruchs, wird an der MBS auf eine solche Ein-teilung verzichtet. Keinerlei innerschulische Barrieren sollen der Lernentwicklung des einzelnen hemmend im Wege stehen. Gleichzeitig sollen alle lernen, mit der Unterschiedlichkeit umzugehen, sich mit ihr auseinander zu setzen und sie als selbstverständlich zu akzeptieren.

Auf jeden Einzelnen kommt es an
Jeder junge Mensch kann und will lernen, ist das Credo der Lehrerinnen und Lehrer. Jeder lernt auf seine Weise.

Lernen ist ein eigenständiger Prozess, der in jeder lernenden Person stattfindet. Dieser Prozess kann von außen nicht direkt gesteuert, wohl aber angeregt, gestützt und gefördert werden. Um jedem Schüler mit seinen individuellen Möglichkeiten gerecht zu werden, wird der Unterricht stärker, als es bisher möglich war, individualisiert werden. Ziel ist es, jeden optimal zu fördern und vor allem keinen zurück zu lassen. Die Schule sieht vielfältige und unterschiedliche Lernformen vor, die die Schüler anregen, heraus fordern und zum selbstständigen Lernen befähigen. Das erfolgt in Lernbüros, Projekten, Werkstätten und an außerschulischen Lernorten.

Lernen und Leben braucht Zeit
Lernformen, die die Schüler und Schülerinnen schrittweise befähigen, selbstverantwortet zu lernen, brauchen mehr Zeit, als sie in einer Vormittagsschule üblicherweise vorhanden ist. Schulstunden von 45 Minuten reichen nicht aus, entdeckendes Lernen und selbstverantwortliche Arbeitsformen sich entwickeln zu lassen. Hierfür bedarf es größerer Zeiteinheiten, die im Stundenplan verankert sind.

Die MBS wird als Ganztagsschule geführt, da es für eine umfassende Förderung der Schüler und Schülerinnen nicht ausreicht, die Schule nur als einen Lernort zu gestalten; sie muss zugleich als Lebensort angenommen werden. Um die Schule mit ihren Anforderungen und Möglichkeiten stärker in den Mittelpunkt der Schüler und Schülerinnen zu rücken, muss sie ganztags für sie da sein. Ein phantasievoll rhythmisierter Tagesablauf, in dem Phasen konzen-trierten Lernens mit Phasen der Entspannung, der Eigeninitiative, der Selbstbetätigung wechseln, kann Schulleben, Unterricht und Leben außerhalb der Schule ertragreich miteinander verzahnen.

Kooperation ist alles
Sechs bis neun Lehrer und Lehrerinnen, die nach Möglichkeit alle Fachbedarfe abdecken, sind als Team für den Unterricht und die Betreuung der Klassen eines Jahrgangs verantwortlich. Das Team gestaltet im Rahmen der Vorgaben den Unterricht für seine Klassen; es ist flexibel genug, besonders den fächerverbindenden Unterricht, die Epochenarbeit und das Aufsuchen außerschulischer Lernorte zu koordinieren. Diese kleinen Einheiten schaffen für Schüler und Schülerinnen überschaubare Beziehungs-strukturen, in denen sie beheimatet sind und in denen sie weitgehende Mitwirkungsmöglichkeiten entfalten können.

Die Kooperation innerhalb der Schule wird ergänzt durch die Kooperation mit Institutionen, Vereinen, Betrieben, Kirchen und Jugendeinrichtungen im Stadtteil und darüber hinaus. Einige dieser Kooperationen bestehen seit vielen Jahren. Um das Lernen an außerschulischen Lernorten und mit außerschulischen Partnern in der Schule zu einem verlässlichen und langfristigen Teil des Schullebens werden zu lassen, werden die bereits vorhandenen Kooperationen gefestigt und verstetigt.

Selbstverantwortete Schule
Viele der pädagogischen Vorhaben der Schule ließen sich im Rahmen der geltenden Rechts- und Verwal-tungsvorschriften nicht realisieren. Um die nötigen Gestaltungs- und Entscheidungsmöglichkeiten zu erlangen, hat die MBS sich dem Hamburger Schulversuch ?Selbstverantwortete Schule? angeschlossen. Die Schule bleibt damit an die Abschlussregelungen und Bildungsstandards der Behörde für Bildung und Sport gebunden, sie kann über den Weg, diese Ziele zu erreichen, aber weitgehend selbst befinden.Als Schirmherrin für ihren Schulversuch hat die MBSFrau Dr. Hildegard Hamm-Brücher gewinnen können.Seit 2005 ist die Max-Brauer-Schule auch in den Kreisder Club of Rome-Schulen in Gründung aufgenommen worden.

Unterricht in neuen Lernformen
Das Kernstück der umgewandelten MBS bleibt der Unterricht. Ein Unterricht allerdings, der hinsicht-lich seiner Struktur, seiner Arbeitsformen und seiner Leistungsbewertung nur noch wenig mit herkömmlichem Unterricht gemeinsam hat. Im Mittelpunkt des Unterrichts steht eine konsequente Individualisierung. Das Lernen vollzieht sich schwerpunktmäßig in vier Lernbereichen: im Lernbüro, im Projektunterricht, in Werkstätten und an außerschulischen Lernorten...
http://www.maxbrauerschule.de/downloads/neue_mbs_v2.pdf

Doris
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