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frage einer mutter an mich

 
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robischon



Anmeldedatum: 18.06.2006
Beiträge: 7
Bundesland: baden-württemberg

BeitragVerfasst am: 19.06.2006, 12:10    Titel: frage einer mutter an mich Antworten mit Zitat

das hat sie mir gemailt:
Sehr geehrter Herr Robischon,

was ich da auf Ihren Seiten las, scheint ein Traum....

Warum ist die Regelschule so weit entfernt davon? Mein ältester Sohn hat sich mit Eintritt in die Grundschule regressiv entwickelt, Ängste gewonnen, Komplexe, Macken. Er hat aufgehört Englisch zu sprechen, was er so gut konnte wie Deutsch. Er hatte sich bereits mit vier Jahren Lesen und Schreiben begebracht, nun kratzt er nur noch lustlos auf dem Papier, weint viel, fürchtet sich.

Wir erleben die Grundschule als Terrorapparat mit vollständig verwahrlostem Lernklima. Wunderliche erwachsene Persönlichkeiten haben dort ein Biotop gefunden um, warmgehalten vom eigenen Saft, Macht- und Mächtelchen-spiele zu treiben, auf Kosten der Gesundheit und Zukunftschancen unserer Kinder.

Könnten unsere Kinder doch nur in der von Ihnen beschriebenen Weise lernen...

Aber selbst die Nachmittage und Wochenende werden noch vom Schulterror kontrolliert: stundenlanges, gekrümmtes Sitzen am Schreibtisch statt Entdeckertum im Freien.

Was können wir tun, um eine Änderung herbei zu führen?

Ganz liebe Grüße aus ..........,

diese mail hab ich inzwischen auch an reinhard kahl geschickt und an die zuständige kultusministerin, sowie in zwei lehrerdiskussionsforen eingestellt.
mal sehen was kommt.
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Doris Carnap
Moderatorin


Anmeldedatum: 18.01.2006
Beiträge: 803
Bundesland: Hessen

BeitragVerfasst am: 29.06.2006, 11:27    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Rolf,

diese Frage begleitet mich, seitdem meine Kinder wieder in Deutschland in die Schule gehen:
Zitat:
Was können wir tun, um eine Änderung herbei zu führen?

Auch mein älterer Sohn musste erleben, wie man mit seinen besonderen Englischkenntnissen nach vier Jahren Auslandsaufenthalt und Besuch einer englischsprachigen Schule umging: Kein Lehrer erkannte, dass ein Schüler in der Klasse sitzt, der fließend Englisch spricht! (Das gleiche beschreiben meine australischen Freunde von den Schulen, die ihre Kinder hier besucht haben.) Und nachdem ich darauf hinwies und um eine angemessene Aufgabenstellung für ihn bat, die lapidare Antwort, man habe leider zu viele Schüler und könne auf ihn nicht besonders eingehen. Auf das Wort "Binnendifferenzierung" reagieren Lehrer grundsätzlich wie auf eine Beleidigung. Eine besondere Herausforderung war daraufhin für einige Lehrer ihm nachzuweisen, dass er die englische Sprache gar nicht gut genug beherrsche! Fehler waren Worte, weil sie noch nicht gelernt waren, Synonyme, die dem Lehrer unbekannt waren, wörtlich genommene Arbeitsaufträge des Schüler in den Arbeiten, die eigentlich gar nicht so gemeint waren, wie es da stand. Meine australische Freundin musste sich sogar anhören, ihre Töchter würde gar kein richtiges Englisch sprechen oder wäre geistig behindert, weil die Tochter einen Arbeitsauftrag, der nur schlecht englisch sprechenden Lehrerin mißverstanden hatte (der der Schülerin die Note 'fünf' in einer Arbeit bescherte). Und ganz beliebt, um eine Note zu drücken, ist immer wieder die angeblich mangelnde mündliche Mitarbeit, wobei aber nur das fleißige betätigen von Bizept und Trizeps gemeint sind. Mein Sohn fing sogar an die Zeit zu stoppen, in der er den Arm hochhielt ohne drangenommen zu werden - bis acht Minuten an einem Stück. Sein Schluss daraus, es lohnt sich nicht, wenn ich mich bei einfachen Aufgaben melde. Also meldete er sich nur noch bei schwierigen Aufgaben, die sonst keiner beantworten konnte. Aber promt ging die Note für mündliche Mitarbeit in den Keller!

Es ist eine Schwäche des Systems, wenn Eltern die Probleme und Schwächen der Lehrer und des Unterrichts erkennen müssen und sich für eine Änderung einsetzen müssen, weil sich sonst niemand für die Qualität des Unterrichts interessiert! Und auch nicht dafür, ob Lehrer überhaupt ihre Pflichten erfüllen oder wie sie es tun

So ist für mich der Schluss: Eltern können nur sehr wenig erreichen, weil Eltern und Kinder das schwächste Glied in der Kette sind. Aber sie könnten von den für die Schulpolitik zuständigen Parteipolitikern fordern, dass

-diese endlich die Verantwortung für die Qualität ihres Personals übernehmen

- sie statt parteipolitischer "Aktionen" endlich mal wahrnehmen, welchen Einfluss die deutschen Reformpädagogen auf die internationalen Schulsysteme seit Jahrhunderten schon haben und zu welchen Erfolgen dieser Einfluss in anderen Ländern führt

- sie endlich zu Kenntnis nehmen was die deutschen Erziehungwissenschaftler und Pädagogen von unserem Schulsystem fordern

- und endlich aufhören aus der parteipolitischen Engstirnigkeit herauszukommen und menschlich denken, das heißt die Bedürfnisse von allen Beteiligten wahrnehmen, von Schülern, Eltern und Lehrern, in diesem seit Jahrzehnten vernachlässigten System!

Doris
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"Das Geheimnis der Erziehungskunst ist der Respekt vor dem Schüler." Ralph Waldo Emerson
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Tess



Anmeldedatum: 16.03.2006
Beiträge: 50

BeitragVerfasst am: 29.06.2006, 11:47    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Doris,

was du über den "Fremd"sprachenunterricht erzählst, haben wir haarklein genau so erlebt. Mein Sohn ist native speaker, manche Lehrer bemängelten sogar seinen "Akzent", dabei spricht er wirklich "the queen's english".

Gerne wird auch betont, es würde im Fremdsprachunterricht nicht nur auf die Sprache ankommen, sondern es würden auch Inhalte gelehrt.

Was die Mutter in Rolf's email schreibt, kann man ähnlich überall hören, wo sich Eltern von Schulkindern treffen. Es scheint ein allgemein verbreitetes Phänomen zu sein, dass die Grundschule aus interessierten motivierten 6 jährigen im Laufe der Zeit gelangweilte, unmotivierte und auch traurige Kinder hervorbringt.

Es muss nicht sein, ich kenne Ausnahmen, auch in der Grundschule..........aber leider, es sind seltene Ausnahmen.

Besser machen als Eltern..............viel kann man vermutlich nicht ändern.

Aber viel darüber reden, bewusst machen, den Leuten die Scheu nehmen, sie wären nur bedauerliche Einzelfälle, wenn die schulische Freude nicht so richtig aufkommen will........ müsste auch eine Wirkung haben.


lg,

Tess
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Doris Carnap
Moderatorin


Anmeldedatum: 18.01.2006
Beiträge: 803
Bundesland: Hessen

BeitragVerfasst am: 01.07.2006, 16:34    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Tess,

auf diese Wirkung hoffe ich auch:
Zitat:
Tess schrieb: Aber viel darüber reden, bewusst machen, den Leuten die Scheu nehmen, sie wären nur bedauerliche Einzelfälle, wenn die schulische Freude nicht so richtig aufkommen will........ müsste auch eine Wirkung haben.

Es ist wirklich tragisch, was mit Kindern in unseren Schulen geschieht! Nach meiner Einschätzung vor allem eine deutsche Spezialität, die daraus ensteht, dass nie eine Bestandsaufnahme gemacht wird, was ein Schüler wirklich kann.
Zitat:
Tess schrieb: Was die Mutter in Rolf's email schreibt, kann man ähnlich überall hören, wo sich Eltern von Schulkindern treffen. Es scheint ein allgemein verbreitetes Phänomen zu sein, dass die Grundschule aus interessierten motivierten 6 jährigen im Laufe der Zeit gelangweilte, unmotivierte und auch traurige Kinder hervorbringt.

Anhand des Englischunterrichts lässt sich das gut nachvollziehen - ein Muttersprachler hat natürlich einen ganz anderen Umgang mit der Sprache, er hat eine automatisierte Sprachverarbeitung, hat einen großen Wortschatz und kann sich auf allen Gebieten (altergemäß) gut ausdrücken. "Sie verfügen über umfangreiche sprachliche Mittel, einschließlich idiomatischer Wendungen" so heißt es in der DESI Studie (die die Sprachkenntnissse von Neuntklässler untersuchte) über die kleine Gruppe der Schüler, die über die Sprachkompetenzstufe E verfügen. Auch dort wird bemerkt, dass sich die außergewöhnlichen Leistungen dieser Gruppe nicht wirklich in den Noten widerspiegeln. Diese Schüler haben meist auch nur die Note 'eins' oder 'zwei' und der Unterschied zu einem Schüler mit der Note 'vier' kann riesengroß sein. Meinem Sohn ist es nur einmal gelungen, die Note "eins" in Englisch zu bekommen, da war die Lehrerin native speaker, den Kindern aus meinem australischen Freundeskreis ist das nie gelungen!

In Australien ging es der Tochter einer Freundin mit ihren außergewöhnlichen Deutschkenntnissen ganz anders. Deutschunterricht wurde dort von einer Deutschen erteilt, die schnell das hohe Niveau ihrer Schülerin feststellte. Die Deutschabschlussprüfung wurde um zwei Jahre vorgezogen und sie konnte dann parallel zur Schule an der Uni Deutsch studieren, während sich hier mein Sohn (und die Kinder der anderen Muttersprachler) mit angeblichen Fehlern auseinandersetzen mussten. Ich fand einen Artikel - über ein Thema über das was wir häufig im Freundeskreis diskutierten- "I really wonder how they know that it is wrong!" - Zum Problem des hyperaktiven Rotstifts bei der Korrektur von Klassenarbeiten und Klausuren http://www.wpvins.de/resources_002.htm
Zitat:
Tess schrieb: Gerne wird auch betont, es würde im Fremdsprachunterricht nicht nur auf die Sprache ankommen, sondern es würden auch Inhalte gelehrt.

In einer Unit wird neue Grammatik, neue Vokabeln und natürlich auch anderes Wissen vermittelt - z.B Informationen über die verschiedenen Länder. Wenn die Kids diese Informationen nicht gelernt haben, kann einiges schief gehen, selbst wenn sie die Grammatik können und über ein angemessenes Vokabular verfügen. Mein Sohn bekam schon deswegen eine schlechtere Note, weil er das neu zu lernende Vokabular nicht im ausreichenden Maße verwendet hatte. Mir erscheint dabei das Hauptproblem der Fleiß zu sein. Da fällt dann auf, dass die Kinder die Vokabeln nicht "ordentlich" lernen, nämlich in Form der verlangten Kunstworte wie "Tisch/table (Birkenbihl), die dann zwar für Vokabeltests gut abrufbar sind, aber nichts über die Anwendbarkeit in freien Texten aussagen. Wer über eine automatisierte Sprachverarbeitung verfügt, wird meist nicht so fleißig sein und dann noch diese Kunstwörter lernen - da ist die vier bis sechs in Vokabeltst so gut wie sicher, die ja in die mündliche Note mit eingehen. Der nächste Punkt für die mündliche Note sind die sorgfältig und fleißig zu erledigenden Hausaufgaben - das Niveau, das von den Kindern verlangt wird, die Englisch fließend sprechen und sich auch schriftlich gut ausdrücken können, ist für diese Kinder häufig einfach nur peinlich. Wenn sie die Aufgaben dann lieblos machen - ist das dann schnell ein weiterer Nachweis für eine Schwäche.

Die Probleme der mündlichen Mitarbeit zwecks Einsatzes von Bizept und Trizeps beschrieb ich ja schon. In diesem Zusammenhang sind die Ergebnisse der DESI Studie auch wieder interessant: Lehrer sprechen 2/3 der Unterrichtsstunde, für alle Schüler zusammen bleibt 1/3 der Zeit. Das bedeutet, wenn jeder Schüler einmal drangenommen wird (bei der Dauer einer Schulstunde von 45 min und einer Klassengröße von 30 Schülern), hätte jeder Schüler durchschnittlich 30 Sekunden Zeit zum Sprechen. Wie will man unter diesen Bedingungen feststellen, was ein Schüler wirklich kann? Moderner Fremdsprachendidaktik entspricht diese Art des Unterrichtens nicht. Aber wer interessiert sich in unserem Schulsystem dafür?

Doris
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Erika
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BeitragVerfasst am: 01.07.2006, 23:24    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Rolf,

schön, dass du dich hier mal wieder gemeldet hast! Vor ziemlich genau 1,5 Jahren hatte ich deine HP entdeckt und dich hierhin "gelotst".

Ja, auch ich denke, es wäre traumhaft für viele Kinder, so wie bei Robischon unterrichtet zu werden. Mein Großer (fast 12) hat nun die 5. Klasse (Gym.) hinter sich. Er findet den Unterricht dort ziemlich uninteressant. Er möchte etwas lernen, entdecken, erforschen, erleben und nicht immer nur geprüft werden - das hat er so gesagt. Zum Glück sind jetzt erst mal 6 Wochen Ferien.

Dass Heike/Meike sich darüber mokiert, dass du das Thema in verschiedenen Foren erwähnst, wundert mich gar nicht. Es sind doch immer wieder die selben Lehrer aus dem LF, die die Wahrheit nicht vertragen können. Ich finde es wichtig, dass die Öffentlichkeit so viel und so oft wie möglich darauf hingewiesen wird, dass viele Kinder in den Schulen leiden und sich mehr als unwohl fühlen - Schule ist für viele Kinder und auch Eltern eine unangenehme, oft schmerzliche Erfahrung.

Viele Grüße
Erika
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In dem Moment, wo die Hirnfunktionen vollständig und abgewogen ablaufen, erreichen die Körperbewegungen ihr höchstes Maß an Anpassung, ist Lernen eine relativ einfache Aufgabe und richtiges Verhalten ein ganz natürlicher Zustand.

(A. Jean Ayres)
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robischon



Anmeldedatum: 18.06.2006
Beiträge: 7
Bundesland: baden-württemberg

BeitragVerfasst am: 03.07.2006, 13:39    Titel: antwort aus dem kultusministerium Antworten mit Zitat

die erste reaktion kam aus dem kultusministerium:
Sehr geehrter Herr Robischon,

vielen Dank für Ihre Information. Ich habe Sie mit großer Aufmerksamkeit gelesen und gehe gerne darauf ein.
Die uns von Ihnen übermittelte Nachricht ist tatsächlich dazu angetan, den geschilderten Dingen auf den Grund zu gehen. Sie dürfen sicher sein, dass unser Haus solche Informationen nicht auf sich beruhen lässt. Allerdings ist es erforderlich, dass die beschriebenen Fehlentwicklungen auch lokalisierbar sind und die hierfür tatsächlich bzw. vermeintlich Verantwortlichen um eine Stellungnahme gebeten werden, ehe Konsequenzen bedacht werden.

Ihre Nachricht lässt ein solches Hinterfragen und Recherchieren nicht zu.
Ich möchte allerdings auch anmerken, dass es nicht angehen kann, das von Ihnen geschilderte Beispiel für das Lernen in unseren Grundschulen absolut zu setzen. Ganz im Gegenteil, die rheinland-pfälzischen Grundschulen zeichnen sich in den zurückliegenden Jahren durch ein sehr hohes Maß an Reformfreudigkeit, Innovationsbereitschaft und durch nachweisbare Erfolge in der Qualitäts- und Unterrichtsentwicklung aus.

Mit freundlichen Grüßen

Hans-Josef Dormann
Grundsatzfragen Grundschule, Referat 943 B
Ministerium für Bildung, Frauen und Jugend Rheinland-Pfalz
06131-164551

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Doris Carnap
Moderatorin


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Beiträge: 803
Bundesland: Hessen

BeitragVerfasst am: 03.07.2006, 20:35    Titel: Antworten mit Zitat

Was schrieb die Mutter:
Zitat:
Mein ältester Sohn hat sich mit Eintritt in die Grundschule regressiv entwickelt, Ängste gewonnen, Komplexe, Macken. Er hat aufgehört Englisch zu sprechen, was er so gut konnte wie Deutsch. Er hatte sich bereits mit vier Jahren Lesen und Schreiben begebracht, nun kratzt er nur noch lustlos auf dem Papier, weint viel, fürchtet sich.
Wir erleben die Grundschule als Terrorapparat mit vollständig verwahrlostem Lernklima. Wunderliche erwachsene Persönlichkeiten haben dort ein Biotop gefunden um, warmgehalten vom eigenen Saft, Macht- und Mächtelchen-spiele zu treiben, auf Kosten der Gesundheit und Zukunftschancen unserer Kinder.

Zitat:
Kultusministerium:"Sie dürfen sicher sein, dass unser Haus solche Informationen nicht auf sich beruhen lässt."
Vielleicht sollten Eltern sich in Zukunft direkt an das Ministerium wenden mit ihrer Beschwerde.

Zitat:
Kultusministerium: "Ich möchte allerdings auch anmerken, dass es nicht angehen kann, das von Ihnen geschilderte Beispiel für das Lernen in unseren Grundschulen absolut zu setzen. Ganz im Gegenteil, die rheinland-pfälzischen Grundschulen zeichnen sich in den zurückliegenden Jahren durch ein sehr hohes Maß an Reformfreudigkeit, Innovationsbereitschaft und durch nachweisbare Erfolge in der Qualitäts- und Unterrichtsentwicklung aus."
Ach, noch so ein Einzelfall! Das hoffen jedenfalls alle Kultusministerien. Hier die Empfehlung: In den Schulen mal nachsehen, was dort wirklich los ist!

Doris
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robischon



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Beiträge: 7
Bundesland: baden-württemberg

BeitragVerfasst am: 03.07.2006, 20:54    Titel: hier ist noch meine antwort an das kultusministerium Antworten mit Zitat

meine antwort:
Sehr geehrter Herr Dormann

Ich danke Ihnen herzlich für Ihr Antwortschreiben.

Dem Schreiben der Mutter ist vor allem zu entnehmen, dass es ihrem kleinen Sohn in der Ersten Klasse richtig schlecht geht.

Dazu darf ich anmerken, dass ich immer wieder Mitteilungen in dieser Art bekomme. Es ist kein Einzelfall, es ist noch nicht einmal selten, dass sich Kinder oder Jugendliche in der Schule äußerst unwohl fühlen und sich quälen.

Viele bleiben dann der Schule fern oder sie werden richtig krank.

Ich bin immer wieder Adressat solcher Klagen, weil ich in meiner Arbeit mit Kindern im Schulanfang Grundsätze der klassischen Schule aufgehoben hatte. Meinen vorgesetzten Schulbehörden musste ich jahrelang beweisen, dass die Kinder tatsächlich lernten und erfolgreich waren, obwohl ich nicht belehrte und erklärte, keine Aufträge und Anweisungen gab und Kinder sich im Schulzimmer immer frei bewegen konnten und immer miteinander reden konnten. Sie suchten sich aus, woran sie arbeiten wollten und mit wem.

In klassischer Schule sollen Kinder gleichzeitig belehrt werden, sollen stillsitzen an zugewiesenen Plätzen und sollen Arbeiten mit denen sie beauftragt wurden, abliefern. Sie werden ständig kontrolliert und dürfen nicht „stören“.

Dass ich die Frage und Klage dieser Mutter an das Kultusministerium in Mainz weitergeleitet hatte, soll keine „Anzeige“ von Fehlverhalten von Lehrkräften in einer bestimmten Schule sein, dem man nachgehen müsse um Schuldige zu ermitteln und zur Verantwortung zu ziehen.

Es ist vielmehr ein Hinweis darauf, dass es für unendlich viele Kinder quälend ist, gleichzeitig das Gleiche in kleinen Schrittchen der Reihe nach lernen zu sollen.

Damit Kinder so verfahren, wird versucht sie zu manipulieren mit Freundlichkeit, Versprechungen oder Drohungen. Solche Schule wirkt auf mich gelegentlich wie Zirkus, Bühne, Andacht oder Strafvollzug.

In einer Schule die Lern- und Lebensraum ist, in der Kinder sich frei bewegen dürfen, in der Erwachsene Lernbegleiter sind, in der Lerngelegenheiten zur Verfügung stehen und nicht „Lernstoff“ aufgedrängt wird, geht es keinem Kind schlecht.

Wenn Kinder nicht gleichzeitig um die Wette Erfolge haben sollen, können alle Kinder erfolgreich sein.

So eine Schule unterscheidet sich von klassischer Schule. Meine Arbeitsweise wurde misstrauisch kontrolliert, nicht die der Kolleginnen, die Kinder belehrten, bestraften, entmutigten, mit Belohnungen köderten.

Lehrer werden für klassische Schule ausgebildet.

Die Klage und Frage dieser Mutter verwende ich hier, um das Kultusministerium (ich hatte meine erste Mail ja an die Ministerin gerichtet) aufmerksam zu machen, dass durchaus üblicher Schulalltag für Kinder quälend und entmutigend sein kann.

Ihre Antwort hab ich natürlich der Mutter weitergeleitet.

Vielen Dank und herzliche Grüße

Rolf Robischon

(eigene Schulzeit in Prüm und Trier, 40 Jahre Lehrer)

http://www.robischon.eu Lernen ist wie Netze spinnen
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Doris Carnap
Moderatorin


Anmeldedatum: 18.01.2006
Beiträge: 803
Bundesland: Hessen

BeitragVerfasst am: 05.07.2006, 14:33    Titel: Antworten mit Zitat

Eine aktuelle Pressemeldung:

Zitat:
Hirnforscher: Kinder brauchen mehr Herausforderung

Erfurt/Göttingen (dpa) - Schüler müssen nach Ansicht des Hirnforschers Gerald Hüther mehr Möglichkeiten bekommen, ihr erworbenes Wissen praktisch anzuwenden. «Sie könnten zum Beispiel älteren Menschen vorlesen oder Englisch beibringen», sagte der Professor für Neurobiologie an der Universität Göttingen in einem dpa-Gespräch.

«Kinder sind keine Gefäße, die man mit Wissen füllen kann. Sie brauchen Aufgaben, an denen sie wachsen können. Müll runterbringen und Küche aufräumen zählen nicht dazu», sagte Hüther, der auch dem Beirat des Thüringer Projekts «Hirngerechte Bildung in Kindergarten und Schule» (hi.bi.kus) angehört.

Kinder wollten Leistung zeigen, um anerkannt zu werden, betonte Hüther. Zudem könnten nur so in ihrem Gehirn die für ihr Selbstbild zuständigen Nervenzellverschaltungen herausgebildet werden. «Eine Katastrophe ist es, wenn Schüler etwa wegen einer schlechten Zensur entwertet und beschämt werden.» Zensuren seien zwar nötig, aber nicht als Auswahlkriterium dafür, ob ein Kind ein guter oder schlechter Mensch ist.

«Alle Kinder kommen mit einem unglaublichen Potenzial zur Welt», sagte der Neurobiologe. Von den vielen anfänglich hergestellten Nervenzellverknüpfungen würden aber nur diejenigen stabilisiert, die auch genutzt werden. «Wir alle sind nur eine Kümmer-Version dessen, was aus uns hätte werden können», sagte Hüther. Eltern, Kindergärtner und Lehrer könnten dazu beitragen, dass dieses Potenzial der Kinder nicht verloren geht, sondern gefördert wird.

«Es müssen Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass die Kinder viele unterschiedliche praktische Erfahrungen machen können. Nur diese werden im Gehirn fest verankert», sagte der Professor. Die Erwachsenen dürften dem Nachwuchs das, was er lernen soll, nicht fertig vorsetzen. «Kinder brauchen immer wieder Gelegenheit, etwas zu erfahren, was unter die Haut geht, was sie berührt und begeistert. Deshalb werden diejenigen die besten Erzieher und Lehrer, die selbst noch neugierig sind und die Kinder mögen», sagte Hüther. «Eine gute Schule erkennt man daran, dass die Schüler traurig sind, wenn der Unterricht ausfällt, weil der Lehrer krank ist oder die Schulferien beginnen
http://www.sueddeutsche.de/wissen/t....20060702-42-dpa_12094186/


"Eine gute Schule erkennt man daran, dass die Schüler traurig sind, wenn der Unterricht ausfällt, weil der Lehrer krank ist oder die Schulferien beginnen" - ja davon träumen wir!

Doris
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