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Andere Schulen - anderer Unterricht

 
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Doris Carnap
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BeitragVerfasst am: 16.06.2006, 11:44    Titel: Andere Schulen - anderer Unterricht Antworten mit Zitat

Hallo,

hier Auszüge aus einem Vortrag von Martin Wellenreuther (Uni-Lüneburg) zum Thema ?Heterogene Lerngruppen?, gehalten auf dem Symposium der Didacta 2006. Er vergleicht den deutschen Leseunterricht mit dem in Neuseeland üblichen Unterricht:
Zitat:

Empirisch geprüfte Modelle des Umgangs mit Heterogenität im Unterricht

1 Problemstellung


Wenn Deutschland im Bildungsbereich wieder eine Spitzenstellung erreichen will, bedarf es einer grundlegenden Neuorientierung. Der erforderliche Paradigmenwechsel lässt sich durch folgende Schlagwörter grob umreißen:

? Mehr Selbstständigkeit und Schülerkooperation, weniger lehrerzentrierter Unterricht
? Empirisch validierte Selbstlernmaterialien statt traditioneller Schulbücher und Unterrichtsmaterialien
? Ein anderes System der Leistungsbewertung: Mastery Tests, Leistungsmessung zur Orientierung des nachfolgenden Unterrichts, Orientierung an Standards, Präzisierung durch Vergleichsarbeiten
? Mehr Lehrerkooperation: Ganztagsschule, Präsenzpflicht nachmittags
? Externe Evaluation von Schulen, denen gleichzeitig mehr Autonomie eingeräumt wird
? Mehr Kooperation zwischen Universität und Schulpraxis, zwischen empirischer Forschung und Anwendung der Forschung

Ich werde diese Vision eines anderen Unterrichts im Folgenden in einigen wesentlichen Punkten durch empirische Forschung untermauern (vgl. Wellenreuther 2004). Meine Frage ist: Was sagt empirische Forschung über einen effizienten Umgang mit Heterogenität aus? Auf diese Frage möchte ich anhand dreier Projekte genauer eingehen:

1. Lesenlernen in Neuseeland (Wilkinson & Townsend 2000),
2. Gruppenrallye nach Slavin (1996), und
3. Nutzung formativer Leistungsbewertung (vgl. Black & Wiliam 2003).

Zunächst möchte ich kurz erläutern, warum die Heterogenität der Schüler ein pädagogisches Problem ist. Die Heterogenität der Schüler manifestiert sich in folgenden Merkmalen:

a) Wissensbasis: Schüler einer Klasse verfügen in den verschiedenen Wissensbereichen über unterschiedliche Kenntnisse, so dass für den einzelnen Schüler die jeweils zu lernende Informationsmenge unterschiedlich ist.
b) Intelligenz: Schüler unterscheiden sich außerdem darin, wie schnell sie Informationen aufnehmen, wie viele Informationen sie im Arbeitsgedächtnis speichern und wie effizient sie Informationen in ihr Langzeitgedächtnis integrieren können.
c) Motivation: Ferner differieren Schüler in ihrer Lernlust, ihren Ängsten und in ihren Motivationen. Dies hat Auswirkungen auf den Umfang der Lerntätigkeiten in den verschiedenen Bereichen sowie auch auf die Fähigkeit, effektiv Informationen zu verarbeiten.
d) Meta-Kognition: Für das Lernen sind ferner metakognitive Unterschiede in den Strategien und Verfahrensweisen der Problembearbeitung, der Problemlösung sowie der Fähigkeit, die Güte der eigenen Problemlösung kritisch zu beurteilen, bedeutsam.

Durch Unterricht ist vor allem (a), (c), und (d) beeinflussbar.

Die Heterogenität der Schüler hat also für schulisches Lernen Folgen. Schüler mit einem breiteren Vorwissen, großer Lernfreude, mit hochentwickelten metakognitiven Fähigkeiten oder mit großem intellektuellem Potential lernen bei gleichem Lernangebot mehr. Dieser Effekt ist unter der Bezeichnung ?Matthäuseffekt" bekannt, getreu dem Motto aus dem Matthäusevangelium: ?Wer hat, dem wird gegeben." [...]

Lesenlernen in Neuseeland


Bei der Darstellung des in Neuseeland üblichen Unterrichts beziehe ich mich auf einen Artikel von Wilkinson & Townsend (2000) über ?best practice classrooms".

Neuseeland gehört nach PISA zu den Spitzenländern bezüglich der Lesekompetenz. Wilkinson und Townsend (2000) haben Experten-Lehrer untersucht, von denen aufgrund der Lernergebnisse ihrer Klassen aus früheren Jahren bekannt war, dass sie einen vorzüglichen Leseunterricht durchführen.

Folgende Punkte sind für diesen Unterricht kennzeichnend:


1) Einteilung der Unterrichtsmaterialien nach Kompetenzstufen: Nach dem Bericht von Wilkinson & Townsend (2000) werden die Lesebücher in Neuseeland nach dem Farbenrad grob in drei Schwierigkeitsstufen eingeteilt: Anfänger, erstes Lesen, und flüssiges Lesen. Innerhalb dieser Gruppen werden dann nach den Farben noch weitere Unterteilungen vorgenommen. Alle Lesematerialien außerhalb des Schulbuchs sind nach dem Farbenrad eingestuft.

Die Entwicklung angepasster Unterrichtsmaterialien hat im Rahmen einer solchen Förderung die Funktion, den Lehrer zu entlasten, damit er sich auf die gezielte Förderung seiner Schüler konzentrieren kann. Die Lehrer werden nämlich durch die differenzierenden Arbeitsaufträge an die Gruppen schon genügend gefordert.

2) Einteilung der Schüler in bis zu sieben homogene Lerngruppen: Um Schüler in die passenden Lerngruppen einzuordnen, werden Berichte von Lehrern, die die Schüler zuvor unterrichteten, eigene Beobachtungen in der ersten Unterrichtswoche sowie Ergebnisse von Tests berücksichtigt. Durch die stärkere Differenzierung in viele homogene Lerngruppen pro Klasse werden die Lehrer möglicherweise für die Größe der bestehenden Unterschiede stärker sensibilisiert.

3) Lernziele des Leseunterrichts und zusätzliche Maßnahmen: Jeder Schüler soll in einer bestimmten Zeit zum Stadium des flüssigen Lesens geführt werden. Bei größeren Defiziten kümmert sich an jeder Schule zusätzlich eine Fachkraft individuell so lange um das Kind, bis die Defizite aufgeholt sind (vgl. Faust, 2002). Ferner wird der Lehrer in seinem Unter-richt noch durch eine Hilfskraft zusätzlich unterstützt (Wilkinson & Townsend, 2000, S. 465).

Beim Lernziel ?flüssiges Lesen" handelt es sich um eine absolute Norm. Das Erreichen der Zwischenstufen zum Erreichen dieses Endziels ist klar geregelt: Ein Schüler muss beim Lesen einer Geschichte seiner Kompetenzstufe 95 % der Wörter richtig lesen, um in die nächst höhere Kompetenzstufe aufzusteigen.[...]

Vergleich: Neuseeländischer und deutscher Leseunterricht:

1) In Neuseeland werden Lernmaterialien nach Schwierigkeit geordnet. ?Im Gleichschritt marsch? gilt in Neuseeland nur für die Lernaktivitäten der homogenen Lerngruppe. Wenn ein Schüler die Schwierigkeiten seiner Kompetenzstufe gemeistert hat, kann er in die nächsthöhere Kompetenzstufe aufsteigen. Dadurch wird sichergestellt, dass sich keine größeren Lücken im systematischen Wissensaufbau ergeben. In Deutschland gilt dagegen für die ganze heterogene Lerngruppe ?im Gleichschritt marsch?.

2) In Neuseeland geht es um das Erreichen flüssigen Lesens für möglichst alle Schüler. Das ist eine absolute, keine relative Norm. Schüler vergleichen sich hauptsächlich mit dieser absoluten Norm. Das Erreichen der Zwischenstufen zum Erreichen dieses Endziels ist klar geregelt: Ein Schüler muss, um in die nächst höhere Kompetenzstufe aufzusteigen, beim Lesen einer Geschichte seiner Kompetenzstufe 95 % der Wörter richtig lesen. Falls das Erreichen des End-Ziels ?flüssiges Lesen? gefährdet ist, werden massive Maßnahmen wie z. B. zusätzlicher individueller Unterricht durch eine dafür abgestellte Lehrkraft ergriffen. Deutsche Lehrer können für ihre Klassen am Ende der 2. Klasse gar nicht sicher angeben, wie viele Schüler nicht flüssig lesen können. In deutschen Schulen wird als normales Ergebnis hingenommen, wenn etwa 20 % der Schüler in den ersten zwei bis drei Schuljahren nicht lernen, Texte wirklich flüssig zu lesen. Vermutlich hängen die Erfolge des Lesenlernens in Neuseeland mit zwei Faktoren zusammen:

(1) Die Durchführung von individuellen Lesetests ermöglicht eine genaue Platzierung der Schüler in einer leistungshomogenen Gruppe.

(2) Durch diese Platzierung wird eine adaptive Strukturierung des Lernangebots erst möglich: Die Schüler können in den leistungshomogenen Gruppen Lernangebote in der Zone der nächsten Entwicklung erhalten. Die Durchführung von individuellen Lesetests vermitteln den Schülern das Gefühl, ein konkretes Ziel bis zur Meisterschaft erreicht zu haben, ohne dabei das zu erreichende Endziel aus dem Blick zu verlieren. Dadurch kann auf identitätsverletzende Informationen zum Rangplatz in der Klasse verzichtet werden. Diese Interpretation steht in Übereinstimmung mit den Ergebnissen einer experimentellen Studie von Butler (1988). Erhielten hier die Schüler keine Noten, sondern nur Kommentare, dann verbesserten sie ihre Leistungen. Die Gruppe, die Noten und Kommentare erhielt, zeigte ein signifikantes Absacken der Leistungen, ähnlich wie die Gruppe, die nur Noten erhielt.
http://www.vds-bildungsmedien.de/html/presse/downloads_f.htm

Doris
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geloescht



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BeitragVerfasst am: 18.06.2006, 10:47    Titel: Antworten mit Zitat

http://www.wiesbadener-tagblatt.de/....t.php3?artikel_id=2421846


Auch die Lehrer werden beurteilt

Monika Mietz vergleicht die beiden Schulsysteme und findet entscheidende Unterschiede

Vom 17.06.2006

Die wenigsten Menschen wissen tatsächlich, wie es im Bildungssystem der bei uns lebenden US-Amerikaner aussieht. Ein Blick hinter die Kulissen bietet Erstaunliches, Ungewöhnliches und Sinnvolles, über das es sich für Pädagogen, Politiker und Eltern nachzudenken lohnt.


Von

Bertram Heide

"Die amerikanischen Kinder sind sehr aufgeschlossen, vor allem auch für das deutsche Programm", betont Monika Mietz, die Deutsch-Lehrerin an der Hainerberg Elementary School. Sie selbst hat das am Anfang ihrer Tätigkeit sehr gewundert. "Es ist sehr angenehm hier zu unterrichten", erzählt sie, die seit 34 Jahren auf dem Hainerberg arbeitet und diesen Schritt bisher nie ernsthaft bereut hat.

Natürlich, so stellte sie schnell fest, gibt es entscheidende Unterschiede im Vergleich zwischen deutschen und US-amerikanischen Schulen. Monika Mietz: "Da gab es zum Beispiel kein Unterrichtsmaterial. Aber das war vielleicht gerade das Interessante, weil wir uns für unseren Deutsch-Unterricht alles selbst zusammenstellen konnten."

Sehr ruhig ist es in der Schule, obwohl der Unterricht läuft und die Türen zu allen Klassenzimmern - aber auch zu den Toiletten - offen sind. "Das dient nicht zuletzt der Kontrolle", meint Monika Mietz auf erstaunte Nachfragen. Sie stellte anfangs bereits noch mehr gravierende Unterschiede in den Schulsystemen fest. "Im Gegensatz zu Deutschland werden wir als Lehrer hier immer beurteilt. Kontrolliert werden aber auch die Schüler, die sehr diszipliniert sind. Deshalb haben wir schon oft Komplimente von Fremden bekommen, wenn wir einmal auf Ausflügen waren." Natürlich, sagt Auf amerikanisch

Monika Mietz, gibt es an den US-amerikanischen Schulen so genannte Problemfälle, also Schüler, um die man sich als Pädagoge besonders kümmern muss. Und wer mit Lernschwächen zu kämpfen hat, wird besonders gefördert, wobei die Gruppen der zu fördernden Schüler maximal fünf Jungen und Mädchen umfassen. Parallel dazu gibt es einen Förder-Unterricht für Körperbehinderte.

Schulpsychologische Dienste oder Schul-Sozialarbeiter, wie in Wiesbaden üblich, kennen die US-Amerikaner nicht. Dafür gibt es beispielsweise an der Elementary School eine Krankenschwester, die während der ganzen Zeit, da die Kinder im Haus sind, erreichbar und vor Ort ist, um notfalls erste Hilfe leisten zu können.

Erstaunlich ist das Engagement der Eltern an den Schulen. Eine große Pause gibt es nicht, klassenweise gehen die Kinder, zumindest wenn es das Wetter zulässt, ins Freie. Die Eltern führen wechselweise die Pausenaufsicht.

Und eine Besonderheit, die an Wiesbadener Schulen auch kaum zu finden ist: Auf dem Hainerberg gibt es so genannte "Fachlehrer ESL", Pädagogen die Englisch als zweite Fremdsprache unterrichten.

"Viele Kinder sprechen nur deutsch, spanisch, koreanisch oder japanisch, wenn sie zu uns kommen, weil zu Hause so gesprochen wurde", erklärt Monika Mietz. Und da viele der Eltern eingezogen und außer Landes sind, kümmern sich Pädagogen, Freunde und Nachbarn natürlich besonders um die Kleinen, die mit dieser Situation fertig werden müssen. "Für die Kinder", sagt Monika Mietz aus langer Erfahrung, "ist die Schule in dem Moment der Mittelpunkt ihres Lebens". Amerikanische Kinder seien sehr liebesbedürftig. "Sie brauchen einen festen Bezugspunkt und wollen auch einmal in den Arm genommen werden."

Lesen Sie am Montag:

Pisa unbekannt

Alle Berichte zum Jahresthema Bildung im Internet auf www.wiesbadener-tagblatt.de
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Doris Carnap
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BeitragVerfasst am: 18.06.2006, 14:58    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

hier noch ein Bericht von Renate Hendricks, der ehemaligen Vorsitzenden des Bundeselternbeirts (BEL) über eine Bildungsreise nach Kanada:
http://www.renate-hendricks.de/.net....YQ/html/9029/welcome.html

Zitat:
Kanada nach PISA 2001 war völlig unaufgeregt. Fast niemand hat von der ersten PISA Untersuchung überhaupt Kenntnis genommen. Warum auch, die Kanadier waren einfach gut, auf Platz drei international platziert, wenn kümmert da die OECD. Auch bei der letzten PISA- Runde waren die kanadischen Schüler und Schülerinnen wieder gut platziert. Und das, obwohl Kanada ein Einwanderungsland ist und ganz ähnliche Probleme mit Migrationsfamilien hat, wie Deutschland. Was machen die Kanadier also anders als wir? Warum sind die kanadischen Schulen einfach erfolgreicher als deutsche Schulen?

Im Januar 2005 war ich erneut in Canada und habe die Pine Ridge Secondary High School, Durham, besucht. Bilder aus dieser Schule füge ich meinem Bericht bei. Wieder einmal war ich von dem offenen und menschenfreundlichen Klima begeistert.

Drei meiner Kinder haben in der Oberstufe jeweils für ein halbes Jahr eine kanadische Schule besucht. Das Charakteristikum aller drei Schulen, die in völlig unterschiedlichen Regionen Kanadas lagen (Manitoba, Ontario, Nova Scotia): Schüler und Schüler/innen sind dort wichtig, sie werden gefördert, individuell wahrgenommen und die Lehrer/innen betrachten sich als Unterstützer und Begleiter ihrer Schüler/innen.

Die Schüler/innen empfinden die Lehrer zum überwiegenden Teil als ihre Freunde. Dabei ist das eingeforderte Niveau hoch, Selbständigkeit ist gefordert. Es besteht für die Schüler/innen eine hohe Wahlfreiheit innerhalb eines vorgeschriebenen Kanons von Fächern. Die Schulen sind Ganztagschulen, die von der Ausstattung in allen Landesteilen nur wenig zu wünschen übrig lassen. Jede Schule hat eine Bibliothek, ein Research-Centre, ausreichende Computerzugänge für Schüler/innen, fantastische Sportangebote, Theater, Video- und Filmräume, Tanzangebote, Orchester, Chor, Kunst, Literatur, Küchen, Werkstätten, usw. Die Kanadier sind stolz auf ihr vielfältiges Angebot in den Schulen und glauben, dass die hohen handwerklichen und künstlerischen Fertigkeiten und das Interesse an Kunst und Theater eine Folge ihrer Schulausbildung sind.

Kanada ist ein föderativer Staat. Es besteht aus zehn Provinzen, die alle ihre Richtlinien und Lehrpläne selbst festlegen. Jede Provinz hat ein Bildungsministerium. Diese übertragen den kommunalen Schulaufsichtsbehörden die Schulverwaltung, Personaleinstellung und die Lehrplanfestlegung für den Grundschul- und Sekundarbereich.

Es gibt öffentliche, konfessionelle und private Schulen. Alle erhalten Finanzzuweisungen durch den Staat. Die Schulen sind Gesamtschulen, die als Ganztagschulen geführt werden. Die Schule beginnt in der Regel um 9.00 Uhr und endet um 15.30h. Der kanadische Unterricht orientiert sich an den Schülern. Eine kanadische Schulleiterin, die auch deutsche, ausgewanderte Lehrer an ihrer Schule hat, beschreibt den Unterschied zwischen deutschen und kanadischen Lehren wie folgt: Ein deutscher Lehrer bereitet seine Stunde genau und exakt vor, diese Stunde hält er auch tatsächlich, gleichgültig was in der Klasse passiert, ob es einem Schüler schlecht geht, welche Reaktionen er von den Schülern erhält etc.

Ein kanadischer Lehrer bereitet die Stunde nicht exakt vor, er kennt das Lernziel, bespricht es mit seinen Schülern und kann dann auf seine Schüler eingehen, sie fördern und Hilfestellung geben.

Das System in Kanada gliedert sich in:

Schule Dauer
Grundschule 6-8 Jahre
Junior high school 3 Jahre
Senior high school 3 Jahre

Die weiterführenden Schulen sind entweder auf ein universitäres Studium ausgerichtet, oder auf eine weiterführende Ausbildung am community college. Daneben gibt es besondere Programme für diejenigen Schüler, die die reguläre Sekundarstufe nicht erfolgreich abschließen können
Um den High school Abschluss zu schaffen, können die Schüler/innen ihrem Lerntempo entsprechend credits sammeln.

Neben dem normalen Unterricht sieht das kanadische System Förderunterricht und einige Wahlprogramme vor. ?Sitzenbleiben? gibt es nicht. Auch leistungsschwache Schüler werden versetzt und zusätzlich gefördert. Es gibt allerdings als disziplinarisches Mittel: den Schulverweis. Dieses Problem haben die Kanadier bisher nicht befriedigend gelöst und machen sich zurzeit Gedanken zu neuen Ansätzen.

Von der 7. bis zur 9. Klasse besuchen die Kanadier die Junior High school oder Middle School, die der deutschen Mittelstufe entspricht. Die Senior High school umfasst die Klassen 10 bis 12 und ist das Gegenstück zur deutschen Oberstufe. In manchen Provinzen wechseln die Schüler im 7. oder 8. Schuljahr direkt von der Elementary School zur Senior High School.

Die Schüler werden ab dem 9. oder 10. Schuljahr nach Leistung und Interessen unterschieden und verschiedenen Gruppen zugeordnet. Die Kanadier sprechen von unterschiedlichen Tracks, d.h. von Zweigen. Es gibt meistens zwei Zweige, von denen einer zum Studium an einer kanadischen Universität führt und ein anderer zum Besuch eines community college, einer technischen Fachschule oder direkt ins Berufsleben.
Die Schüler haben in der High School die Wahl zwischen einem akademisch, technisch oder handwerklich ausgerichteten Ausbildungsgang. In den meisten Provinzen wird der High School-Abschluss dann verliehen, wenn ein Schüler die erforderliche Anzahl an credits ? das sind die Punkte, die für den Besuch von Kursen vergeben werden ? gesammelt hat.

Zur Evaluation der Schulen dienen Provinz-Test, die regelmäßig geschrieben werden und deren Ergebnisse in die Schulen zurückgespiegelt werden.

Die Universität kann erst nach einer Aufnahmeprüfung besucht werden.

http://www.canada-for-you.com/page.php?artno=6

Doris
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Doris Carnap
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BeitragVerfasst am: 18.06.2006, 15:01    Titel: Antworten mit Zitat

Ebenfalls auf der Seite von Renate Hendricks eine Vortrag über das Finnische Schulsystem:

http://www.renate-hendricks.de/.net....TV/html/9030/welcome.html
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