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Die Fragwürdigkeit der Zensurengebung

 
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Doris Carnap
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BeitragVerfasst am: 30.04.2006, 20:46    Titel: Die Fragwürdigkeit der Zensurengebung Antworten mit Zitat

Hallo,

in vielen Elternhäusern geht es wieder um die Frage: Wird mein Kind die Versetzung schaffen? Oder auch, wird es eine Empfehlung für die gewünschte weiterführende Schule bekommen. Zu diesem Zeitpunkt werden häufig nochmal Gespräche mit den Lehrern geführt, in deren Fächer die Noten schlechter sind. Häufig kommt die eiskalte Aussage vonseiten des Lehrers: Da ist leider nichts zu machen, ihr Kind hat keine gymnasiale Reife oder ist auf der Realschule wirklich überfordert, das ist eindeutig bei den (zu) schlechten Noten.

Mir geht es um den, für den Lehrer anscheinend eindeutigen Zusammenhang zwischen der "schlechten Note" und dem scheinbar allgemeingültigen "nicht können". Um die "Fragwürdigkeit der Zensurengebung", über die ja seit über dreißig Jahren heftig diskutiert wird, also darum, was sagen Noten wirklich aus. Und die interessante Beobachtung, dass von dieser Diskussion an unseren Schulen so gar nichts bekannt zu sein scheint.
Zitat:

"Die ?Fragwürdigkeit der Zensurengebung? hiess ein in Deutschland und in der Schweiz sehr erfolgreicher Sammelband, der 1971 in erster Auflage erschien und bereits fünf Jahre später sechs Auflagen erreicht hatte. Die Befunde dieses Bandes beschäftigten seinerzeit die Medien und lösten auch heftige Reaktionen in der Lehrerschaft aus. Sie war überwiegend entsetzt über die Befunde der Forschung und fühlte sich angegriffen. Der Herausgeber des Bandes, KARL-HEINZ INGENKAMP, berichtet darüber im Vorwort zur sechsten Auflage des Buches: ?Ich war ... überrascht, dass fast kein Wort der Fäkaliensprache ausgelassen wurde, um meine ?Nestbeschmutzung? zu kennzeichnen. Solche Stellungnahmen konnten aber einzelnen Aussenseitern zugerechnet werden. Deprimiert haben mich jedoch Briefe der Wortführer einer ?schweigenden Mehrheit?, die mir kollegial ins Gewissen redeten und in jeder Zeile offenbarten, dass sie noch nie etwas von den Fehlerquellen der Zensurengebung gehört hatten und auch nicht bereit waren, in entsprechenden Untersuchungen mehr als eine Zahlenspielerei unredlicher Statistiker zu sehen? (INGENKAMP 1976, S. 5)

So Jürgen Jürgen Oelkers in seinem Vortrag "Leistungsbeurteilung als Problem und Chance der Schulentwicklung" vom 30. April 2001 http://www.paed.unizh.ch/ap/home/vortraege.html

Folgendes Ergebnisse veröffentlichte Ingenkamp in seinem Buch ?Fragwürdigkeit der Zensurengebung?: Verschiedene Lehrer beurteilen die gleiche Arbeit ganz unterschiedlich, die gleichen Lehrer beurteilen die gleiche Arbeit einige Wochen später vollkommen anders, die Beurteilung hängt davon ab, ob die vorher korrigierte Arbeit ihnen wesentlich besser und schlechter gefällt, die Beurteilung hängt davon ab, was sie über den Schüler erfahren oder denken, z.B. Schüler aus gutem Haus, aber faul oder Schüler aus einfachen Verhältnissen und sichtlich überfordert, sogar die gleichen Mathearbeiten werden von unterschiedlichen Lehrern mit Noten zwischen ?eins? und ?vier? bewertet.

Folgende "subjekiven Fehlerquellen" sind laut Oelkers bekannt:
Zitat:
"Als Effekte werden unter anderem genannt:
· Halo-Effekt: Ein globaler Allgemeineindruck bestimmt die Wahrnehmung einzelner Merkmale
· Beharrlichkeitstendenz: Lehrkräfte rücken von einem bereits gefällten Urteil bei späteren Beurteilungen nicht ab
· Reihungseffekt: Unter dem Eindruck, "es können doch nicht alle gleich schlecht sein" werden bessere Noten gegeben
· Kontrasteffekt: Nach einer Serie von sehr guten Leistungen wird eine mittelmässige Leistung tendenziell als schlecht bewertet
· Beurteilungstendenzen: Milde oder Strenge, "zentrale Tendenz" (Vermeidung von Extremwerten) und "motivierende" versus "selektive" Notengebung
· Wissen-um-die Folgen-Fehler: Mildere Beurteilung bei absehbar negativen Folgen für die Schüler, nicht umgekehrt"


Auch die PISA Studie hat aktuell wieder bestätigt, dass Noten nur eine Aussage darüber haben können, wo der Schüler notenmäßig innerhalb einer Klasse steht und keinesfalls darüber Auskunft geben, welchen Erfolg ein Kind in der Zukunft haben wird. Innerhalb von Parallellklassen einer Schule kann es größere Unterschiede geben als zwischen Klassen verschiedener Schulen. Ein Schüler mit der Note 'eins' aus der einen Klasse, könnte schlechtere Leistungen gezeigt haben, als ein Schüler aus einer anderen Klasse mit der Note 'fünf'. In den Fächern, in denen schulinterne Vergleichsarbeiten geschrieben. werden, ist es ungefähr möglich die Position des eigenen Kindes einzuschätzen, aber in den Fächer, in denen es diese Vergleichsarbeiten nicht gibt, ist eine derartige Einschätzung nicht möglich. Wer wie ich, immer wiederArbeiten verschiedener Klassen in der Hand hat, findet die eigenen Beobachtungen durch PISA bestätigt und ist eher erleichtert, dass diese Ungerechtigkeit endlich mal Thema wird.

Lehrer allerdings tun so, als existiere nur eine einzige Möglichkeit Noten zu geben und das ist die von ihnen gewählte, da lassen sie sich auf keine Diskussion ein und können sehr schnell sehr pampig werden! Sie wissen anscheinend auch nicht, dass sie die pädagogische Freiheit haben, nicht nur die Klasse als Maßstab zu nehmen (Sozialnorm), sondern auch nach der Individualnorm oder Sachnorm beurteilen können! Und dann ist noch genauso sinnlos, die Noten einer Klasse anhand der Normalverteilung aufzuteilen.

Den Eltern empfehle ich wirklich kritsch mit der Lehreraussage umzugehen, auch pädagogische Diagnostik war kein Thema der Lehrerausbildung! Pädagogische Diagnostik soll zum Einen zur Verbesserung des Lernens beitragen und dient zum anderen auch zur Erteilung von Qualifikationen.
Zitat:
"Die Methoden des Berechtigungswesens haben dabei in Deutschland die Methoden zur Optimierung des Lernens im letzten Jahrhundert völlig überwuchert und eine Weiterentwicklung didaktisch orientierter Pädagogische Diagnostik stark behindert." (Karlheinz Ingenkamp, Lehrbuch der pädagogischen Diagnostik, S.22)
Das hat sich seit PISA eher noch verschärft.

Doris
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Zuletzt bearbeitet von Doris Carnap am 29.01.2008, 11:25, insgesamt einmal bearbeitet
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Doris Carnap
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BeitragVerfasst am: 04.06.2006, 12:42    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

hier einige Zitate aus dem Vorlesungsskript "Einführung in die Schulpädagogik Wintersemester 2002/03" von Rose Boenicke (Uni-Heidelberg) "Probleme und alternative Formen der Leistungsmessung"

Zitat:
"Die Beurteilung von Schülerleistungen gehört neben der Erteilung von Unterricht zu den zentralen Aufgaben des Lehrerberufs. Indem die Lehrkräfte Schülerleistungen erheben, bewerten und zertifizieren, erzeugen sie wichtige Informationen über die ihnen anvertraute Klientel, die sowohl innerhalb als auch außerhalb der Schule rezipiert werden und die für die Beurteilten nachhaltige biographische Konsequenzen haben. Innerhalb der Schule erfüllen Leistungsurteile Rückmeldefunktionen für Schüler und Lehrkräfte und bilden zugleich die Grundlage für die Dirigierung von Schülerkarrieren; außerhalb der Schule regulieren sie Ausbildungs- und Berufschancen und wirken sich so indirekt auf die Reproduktion der Sozialstruktur aus." (Lüders 2001, S.217)

Dass diese Leistungsurteile ? zumindest in Gestalt der Ziffernnote ? die an sie gerichteten Erwartungen nur unvollständig oder gar nicht erfüllen, ist seit langem in der Erziehungswissenschaft Konsens (nämlich spätestens seit dem Ulshöfer 1949 ein und denselben Abituraufsatz 42 Fachlehrern zur Beurteilung vorlegte und die Notenverteilung sich von 1x sehrgut, 5x gut über 8x befriedigend bis zu 11x mangelhaft und 2x ungenügend erstreckte. Diese Ergebnisse wurden in Nachfolgeuntersuchungen mehrfach bestätigt, vgl. Ziegenspeck 1999, S. 190 ff). Dieser Konsens der Bildungsforscher hatte allerdings so lange keinerlei praktische Konsequenzen, bis auch der Arbeitgeberverband und die Industrie- und Handelskammer auf den geringen prognostischen Wert von Zeugnis- und Abschlussnoten aufmerksam machte und aussagekräftigere Beurteilungsformen anmahnte. Vor diesem Hintergrund ist zu sehen, dass gegenwärtig verstärkt über solche alternativen Formen der Bewertung nachgedacht wird und inzwischen eine reichhaltige Literatur mit Praxisvorschlägen vorliegt. [...]

Auslese-, Rangierungs- und Berechtigungsfunktion

Diese Funktionen sind der eigentliche Grund, warum Noten bereits im frühen 19. Jahrhundert eingeführt wurden. Ständische Privilegien sollten durch kontrollierbare Leistungen ersetzt werden. Dass sie in Gestalt einer Zahl, etwa auf einer Rangskala von 1 bis 6 ausgedrückt werden, ist damit noch nicht unbedingt plausibel und wird von vielen Pädagogen als unzulässig ?primitives Instrumentarium" (Flitner 1966, S.537) abgelehnt. Dennoch sind von Noten nach wie vor Studienzulassungen, Stipendien, sozialer Aufstieg und damit die spätere materielle Situation abhängig. Allerdings hat sich diese statuszuweisende Funktion der Notengebung immer mehr vom Berechtigungskriterium weg- und zum Auschlusskriterium hinentwickelt: Mit der guten Prüfungsnote hat man noch nicht automatisch die Berechtigung auf eine gut bezahlte Stelle in der Tasche, mit dem niedrigwertigen Abschluss sind hingegen viele berufliche Möglichkeiten automatisch verbaut.

2. Diagnostischer Wert Es besteht allgemein Übereinstimmung, dass Noten keine wissenschaftlichen Ansprüchen genügende diagnostische Aussagefähigkeit zukommt.

Diagnostische Qualität des Lehrerurteils

?Berufsanfänger erlernen die für die Bewältigung des Prüfungsgeschäfts erforderlichen Grundkenntnisse und Fähigkeiten durchweg nicht im Rahmen einer für alle verbindlichen pädagogisch-diagnostischen Grundausbildung während der Lehrerausbildung, sondern in der Regel erst, wenn der Ernstfall eintritt und die Durchführung von Prüfungen ansteht, also in der Phase der Berufsausübung. Wie eine Vielzahl von Untersuchungen zu zeigen versucht hat, ist die diagnostische Qualität des Lehrerurteils deshalb gering. Die Gütekriterien der Objektivität, Validität und Reliabilität werden nicht eingelöst. Die Folgen sind, dass subjektive Faktoren (unbemerkt und gegen den Willen der Beurteiler) durchschlagen und identische Schulleistungen nur selten identische Bewertungen erfahren." (Lüders 2001, S.218)" http://www.ibw.uni-heidelberg.de/~aeschule/Vorlesung030122.pdf

Ein Beispiel aus dem Lehrerforum: Ketfesem hatte am 24.5. unter der Rubrik Primarstufe im Thread "Orientierungarbeiten in Bayern - 3. Klasse Lesen" festgestellt:
Zitat:
Was mich aber überrascht hat,
1. dass sie insgesamt so gut abgeschnitten haben
2. dass die schwachen Schüler insgesamt oft ähnliche Punktzahlen erreicht haben, wie die die sonst sehr gut sind...

und am 25.5.

Mich überrascht auch, dass die Kinder so gut waren, deshalb hab ich ja nachgefragt. (Eigentlich ist meine Klasse nicht soooo schlau...) Was mich ja überrascht hat, dass viele wirklich schwache Kinder so gut waren; 4er-Schüler haben 11-12 Punkte erreicht. Und einige, die wirklich super sind, waren dann auch nicht besser... KOmisch, komisch...

Das ist weder überraschend noch komisch, sondern ein Zeichen dafür: "Die Gütekriterien der Objektivität, Validität und Reliabilität werden nicht eingelöst. Die Folgen sind, dass subjektive Faktoren (unbemerkt und gegen den Willen der Beurteiler) durchschlagen und identische Schulleistungen nur selten identische Bewertungen erfahren."

Doris
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BeitragVerfasst am: 07.06.2006, 17:51    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

der versetzungsgefährdete Schüler wird sich zum Schujahresende anstrengen und lernen, unter Umständen auch Nachhilfe bekommen, damit die letzte Arbeit besser ausfällt.

Aber dann ist das Entsetzen häufig groß, trotz großer Anstrengung ist auch die letzte Arbeit wieder schlecht ausgefallen. Und das obwohl der Nachhilfelehrer zuversichtlich war, weil der Schüler alles verstanden hat und 'den Stoff' beherrschte. Die Versetzung ist nun ausgeschlossen und Schüler und Eltern geraten in eine tiefe Krise.

Wie kann man sich erklären, was da passiert ist? Das ist die normale Folge, wenn die Leistungsfeststellung anhand der Gruppen-/Sozialnorm stattfindet, wenn der Maßstab für die Leistung der Klassendurchschnitt ist. Denn zum Schuljahresende werden (fast) alle Schüler versuchen ihre Leistung zu verbessern, also wird sich automatisch auch der Klassendurchschnitt verbessern. Trotz Anstrengung und Mehrwissen und - können, wird der Schüler keinere bessere Note bekommen!

Das Fazit der Fachleute: "Die Sozialnorm ist daher nicht motivierend für den Schüler!" und "Der Lernforschritt des Einzelnen wird anhand der Individualnorm ermittelt, in dem die Anfangs- und Endleistungen verglichen werden".

Aber wie hieß es so passend auf der Seite Bildung Hessen: Das Denken in Klassendurchschnitten ist weit verbreitet, widerspricht jedoch dem Bildungsauftrag und dem Gedanken einer erweiterten (individualisierenden) Beurteilung.

Aber auch hier ist wieder zu beklagen, dass niemand dafür sorgt, dass die Theorie über die individualisierte Beurteilung auch da bekannt ist, wo sie angewendet werden soll - in den Schulen.

Doris
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BeitragVerfasst am: 11.06.2006, 11:59    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

hier nochmal ein Zitat aus einem der vielen Vorträge von Jürgen Oelkers zur Leistungsbewertung (und dann noch ein Beispiel aus dem Lehrerforum) :

Zitat:
Die sechste These bezieht sich auf ein Problem, das ebenfalls immer wieder ins Feld geführt wurde (SACHER 1984), nämlich die ?trügerische Sicherheit? der Durchschnittsberechnung.

?Noten sind im besten Fall grobe Schätzwerte für den Leistungsrangplatz eines Schülers oder einer Schülerin innerhalb einer Klasse. Die Beurteilung lässt sich bei diesen ungenauen Ausgangsdaten auch durch exakte mathematische Prozeduren wie
z.B. eine Durchschnittsberechnung nicht verbessern. Die Berechnung von Kommastellen und deren Interpretation vermitteln eine trügerische Sicherheit, die durch die scheinbar mathematische Genauigkeit suggeriert wird. Durchschnittsberechnungen mit Noten sind aber aus mathematischen Gründen unzulässig, weil Noten als Ordinalzahlen von unzureichender mathematischer Qualität sind, so dass keine rechnerischen Grundoperationen durchgeführt werden dürfen?
(VÖGELI-MANTOVANI 1999, S. 86; Hervorhebung M.O.). [...]

Angesichts dieser Resultate könnte man schliessen, es sei unmöglich, zu einer "gerechten Zensierung" der Leistungen von Schüler zu gelangen und dass dies der Lehrerschaft auch bewusst sei (Döring 1925, S. 177). Das schrieb der Jugendpsycholge Otto Döring 1925, aber das wirft dann nochmals die Frage auf, warum immer noch weitgehend Noten die Praxis der Leistungsbeurteilung bestimmen. Die Genauigkeit von Schülerbeurteilungen scheint sich auf das "klasseninterne Bezugssytem" zu beschränken. "Im Durchschnitt betrachtet", heisst es in einer gerade veröffentlichten Uebersicht, können die Lehrkräfte "die Rangreihe der Leistungen innerhalb ihrer Klasse recht gut einschätzen", auch wenn mit "erheblichen Unterschieden" zwischen den Lehrkräften gerechnet werden muss (Weinert 2001, S. 50). Die klasseninterne Rangreihe der Leistungen, also die Nomalverteilung, entspricht nicht den tatsächlichen Schülerleistungen, wenn man diese unabhängig testet. Noten beschreiben den internen Rangunterschied. Aber auch wenn Lehrkräfte gut in der Lage sind, die Schüler ihrer eigenen Klasse gemäss ihren Leistungen zu rangieren, heisst das nicht, "dass gleichen Noten in unterschiedlichen Klassen auch vergleichbare Leistungen zu Grunde liegen" (ebd.). Daraus ergibt sich eine dreifache Forderung:

1. Die subjektive Beurteilung muss durch eine objektive ersetzt werden, die Standards oder einen übergreifenden "Bezugsmassstab" voraussetzt.
2. Das objektive Kriterium sind die vom Lehrplan geforderten Lernziele unabhängig von den in einer Klasse vorhandenen Leistungsunterschieden.
3. Dafür müssen am Lehrplan orientierte, diagnostische Instrumente entwickelt werden, die die Noten ersetzen. http://www.impulsmittelschule.ch/th..../leistungsbeurteilung.htm


Wenn also Noten bestenfalls Schätzwerte sind, die nur die Rangfolge innerhalb der Klasse bestimmen, warum werden diese Schätzwerte als Berechtigung gesehen, um über die Zukunft eines Schülers entscheiden zu können?

Bolzbold beschreibt im Lehrerforum unter der Rubrik 'Allgemein' "Die Macht über die Versetzung" vom 10.6. sein Problem folgendermaßen:


Zitat:
Manchmal hasse ich meinen Beruf!

Gerade hat mich eine Mutter angerufen und mich quasi angefleht, ihrem Sohn (Klasse 11) noch eine 4- in Englisch zu geben, weil er in Mathe eventuell auch eine 5 bekommen würde und damit nicht versetzt würde.

Das Problem ist, dass ich eigentlich aufgrund des Notenbildes (die beiden SoMi-Noten und eine Klausur sind glatt 5, eine Klausur 4+) keine Möglichkeit sehe, dem Jungen noch eine 4- zu geben.

Die Mutter (auch Lehrerin) berichtete mir daraufhin von den Anstrengungen ihres Sohnes in den letzten Wochen und wie sehr er sich über die 4+ und meinen positiven Kommentar gefreut habe. Sie erzählte, wie er sich reingehängt habe und wie er sich noch reinhängen werde.

Jetzt findet sie es eben schade, wenn der Junge trotz all der Anstrengungen nicht versetzt würde. Eine 5 in M und eine in E würde eine Nachprüfung bedeuten.

Gäbe ich dem Schüler aufgrund des Anrufs der Mutter jetzt noch eine 4- wäre das irgendwie aus meiner Sicht unprofessionell - abgesehen davon wäre es eine deutlichst pädagogische 4-.

Ich habe ihr daraufhin gesagt, ich werde mit dem Mathekollegen reden und sehen, ob und ggf. was sich machen lässt. Eine Entscheidung habe ich noch nicht getroffen.

OK, es ist das erste Mal, dass von meiner Notengebung das Weiterkommen eines Schülers abhängt - und es wird nicht bei diesem einen Mal bleiben. Soviel ist klar. Aber ich weiß gerade so überhaupt nicht, was ich tun soll.
Ehrlich gesagt tendiere ich zur 5.


und er schreibt weiter über die Situation:
Zitat:

Das ist bei ihm eine "Typ"-frage.

Er ist sehr schüchtern und still in der Schule. An sich ein lieber und netter Kerl, aber er kriegt keinen Ton raus und braucht eine halbe Ewigkeit, bis er mal einen Satz auf Englisch formuliert hat.

Die ersten Klasusuren hatte er mit maximal 250 Wörtern abgegeben (im Vergleich schreiben die meisten 11er mindestens 500 und mehr / teilweise schreiben meine 8er 600 Wörter in EINER Stunde).

Ich stehe im Grunde auf demselben Standpunkt wie Du, aber das wollte ich der Mutter nicht so knallhart am Telefon erwiedern.

Das Jahr zu wiederholen brächte ihm nichts - weil das bei ihm keine "Stofffrage" ist.


Ja, da fragt man sich doch warum dieser Schüler die Klasse wiederholen soll. Nur weil er sich wortmengenmäßig vom Durchschnitt unterscheidet und leider auch sein Temperament vom Durchschnittsschüler abweichend ist? Das Wiederholen bringt ihm nichts, weil er stoffmäßig alles kann und trotzdem will Bolzbold ihm die Note "fünf" geben, die dazu führt, dass der Schüler die Klasse wiederholen muss.
Zitat:
Bolzbold: Gäbe ich dem Schüler aufgrund des Anrufs der Mutter jetzt noch eine 4- wäre das irgendwie aus meiner Sicht unprofessionell - abgesehen davon wäre es eine deutlichst pädagogische 4-.

Habe ich richtig verstanden, dass Bolzbold eine pädagogische Note zu geben als unprofessionell empfindet?

Doris
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Zuletzt bearbeitet von Doris Carnap am 12.06.2006, 10:30, insgesamt einmal bearbeitet
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Doris Carnap
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BeitragVerfasst am: 12.06.2006, 10:26    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

hier noch einige Zitate aus dem Buch von Karl-Heinz Ingenkamp "Die Fragwürdigkeit der Zensurengebung" aus dem Jahr 1971 - zum Thema Vergleichbarkeit von Schulnoten:

Zitat:
"Bei jeder Versetzung, Kurszuweisung usw. gehen wir im Grunde von dieser Vorraussetzung aus, denn wir würden es als Betroffene doch für eine Willkür halten, wenn unser Kind in der 3. Klasse dieser Schule nicht versetzt wird, während es mit gleichen Leistungen und gleicher Leistungsfähigkeit in der 3. Klasse der Nachbarschule glatt versetzt worden wäre. Wir haben uns in den vergangenen Jahren darauf verlasen, dass die in den nach einheitlichen Lehrplänen unterrichtenden Jahrgangklassen erteilten Zensuren prinzipiell vergleichbar seien.[...]

Ob die Zensuren der für unser gesamtes Bildungswesen entscheidenden Anforderung nach Vergleichbarkeit über viele Klassen und Schulen hinweg genügen können, ist in den vergangenen Jahrzehnten so gut wie überhaupt nicht untersucht worden. Vielleicht zeigt sich an diesem schulisch und gesellschaftlich so wichtigem Punkt der naive Dilletantismus unseres pädagogischen Beurteilungswesens am deutlichsten. Und es zeigt sich wiederum, wie wenig Erziehungswissenschaft und Bildungsbürokratie bei uns die Erfahrungen anderer Länder zur Kenntnis genommen haben.

Die Frage des klasseninternen Bezugssystems, die wir 1969 in Deutschland erstmals nach einer größeren Untersuchung empirisch belegten, ist in anderen Ländern bereits viel früher untersucht worden. De Groot schrieb in den Niederlanden: "Der Lehrer passt sich unwillkürlich dem Leistungsniveau seiner Klasse an, so dass er ungeachtet dieses Niveaus, also sowohl bei 'guten', alls auch bei 'schlechten' Klassen, immer ungefähr zu seinem persönlichem Durchschnitt (und durchschnittlichen Prozentsatz ungenügend) gelangt. Man nennt dieses auch das 'Gesetz des des Posthumus'" Posthumus hat seine Daten über den Einfluss klasseninterner Bezugssysteme 1949 veröffentlicht. [...]

Das naive Vertrauem in die mit dem Jahrgangsklassensystem verbundenen und nur formal uniformierenden Merkmale des gleichen Lehrplans, der gleichen Lehrerqualifikation, der einem Lebensalter der Schüler durchschnittlich zugeschriebenen Leistungskapazität usw. hat uns völlig übersehen lassen, dass die Zensuren keine Vergleichsfunktionen bei schulexternen Adressaten erfüllen können und dass damit unser gesamtes schulisches Berechtigungswesen auf einer Fiktion beruht. Alle Versetzeungsentscheidungen, Abschlusszeugnisse u.ä., die nicht nur für den individuellen Bildungsweg von entscheidender Bedeutung sind, sondern auch für unsere Gesellschaft die angemessene Einstufung in weiterführende Bildungsinstitutionen oder Eingangsstufen von Berufen übernehmen sollen, beziehen sich nicht auf vergleichbare Merkmale des Individuums, sondern geben in weit stärkerem Maße die Rangposition in einer bestimmten Schulklasse wieder, in die der Schüler weitgehend zufällig hineingekommen ist. Das hat eine für die Gesellschaft untragbare Beliebigkeit schulischer Entscheidungen zur Folge, die zu individuellen Fehllenkungen und geselleschaftlichen Fehlinvestitionen von außerordentlichem Umfange führt.

In einigen Jahrzehnten werden wir erkennen können, welch ungeheurer Fehler es war Studienplätze nach nicht weiter überprüften Notendurchschnitten im Abitur zu vergeben.

Andere Länder haben sich dem schwierigen Problem mit mehr Überlegung und Sorgfalt zugewandt. Als Beispiele sollen hier nur das schwedische System von Referenztests, die seit vielen Jahren andauernden Bemühungen um die Maßstabsangleichung (moderation) der externen Examen in Großbritannien und die niederländische Kombination schulinterner Beurteilungen mit zentralen, externen Tests erwähnt werden."


35 Jahre später dikutieren wir immer noch darüber und auch heute haben viele Lehrer noch nie von den Fehlerquellen der Zensurengebung gehört und zweifeln nicht im Geringsten an der Richtigkeit ihrer Noten, auch nicht bei Entscheidungen, die Einfluss auf die die Schullaufbahn haben. Und auch die meisten Eltern finden an der Notengebung nichts fragwürdiges, jedenfalls solange das Kind gute Noten hat.

Mittlerweile haben wir aber genau die gesellschaftlichen Probleme, die Ingenkamp (und viele andere) vorrausgesehen haben - in der Medizin und in der Bildung zum Beispiel, bei der Berufsgruppe der Ärzte und Lehrer, zeigt sich die Auswirkung dieser Fehlentwicklung (willkürlich festgesetzte Schulnoten als Bedingung für die Zulassung zum Studium) besonders deutlich.

Doris
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BeitragVerfasst am: 15.06.2006, 17:49    Titel: Antworten mit Zitat

Ein neues Gutachten der Arbeitsgruppe Primarstufe der Uni Siegen: "Sind Noten nützlich und nötig?"
http://www.agprim.uni-siegen.de/notengutachten.htm

Zitat:
Die Kultusminister warnen:
Noten können die Entwicklung Ihres Kindes gefährden?


Ein solcher Vermerk müsste in diesen Wochen auf vielen Zeugnissen stehen, folgt man dem neuesten Gutachten zur Funktion und Wirkung von Noten in der Schule. Denn was fast jeder aus der eigenen Schulzeit weiß, ist im Auftrag des Grundschulverbands e.V., Frankfurt, jetzt noch einmal wissenschaftlich belegt worden. Erstellt wurde die umfangreiche Expertise von der Arbeitsgruppe Primarstufe an der Universität Siegen in Zusammenarbeit mit Erika Brinkmann, Professorin an der Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd. Professor Hans Brügelmann fasst das Ergebnis der Arbeitsgruppe zusammen: ?Noten sind nicht objektiv, sie sind nicht vergleichbar und zu pauschal. Durch den Vergleich mit anderen entmutigen sie schwächere SchülerInnen, statt ihre Fortschritte zu honorieren und sie zu weiteren Anstrengungen anzuspornen. Vor allem aber erlauben sie keine zuverlässigen Vorhersagen, wie einzelne Kinder sich entwickeln werden.?

Besondere Probleme sehen die Wissenschaftler deshalb in der Kopplung von Noten und Selektion, z. B. durch Sitzenbleiben oder beim Übergang in die weiterführenden Schulen. Axel Backhaus, Mitglied der Projektgruppe: ?Noten dienen in Deutschland vor allem der Verteilung und Aussonderung von SchülerInnen. Beurteilungen müssten aber den SchülerInnen helfen, ihren eigenen Lernstand besser einzuschätzen, und sie müssten ihnen gezielte Anregungen für die weitere Arbeit geben.?

Die Forschergruppe verweist in diesem Zusammenhang auf positive Erfahrungen mit alternativen Beurteilungsverfahren. Diese können inhaltlich aussagekräftiger sein und eine gezielte Förderung besser anleiten. Allerdings beschränken sich viele Wortgutachten auf Formeln, die die Ziffernnoten nur umschreiben. Hoffnungen setzen die WissenschaftlerInnen auf Selbsteinschätzungen von SchülerInnen und auf gemeinsame Zielvereinbarungen.

Um diese kompetent unterstützen und nutzen zu können, müssten LehrerInnen aber fundierter aus- und fortgebildet werden. Dann könnten sie auch die zurzeit ausufernden Tests sinnvoll nutzen. Unter dem Titel ?Pädagogische Leistungskultur? hat der Grundschulverband für die Grundschule Materialien entwickelt, die LehrerInnen bei dieser anspruchsvollen Aufgabe im Unterrichtsalltag unterstützen können. http://www.agprim.uni-siegen.de/inp....tachten_presse_siegen.pdf

Doris
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BeitragVerfasst am: 16.06.2006, 09:57    Titel: Antworten mit Zitat

Schon 2004 beschrieb Werner Sacher ( Uni Erlangen- Nürnberg) auf dem Didacta Symposium "Leistungsbeurteilung nach PISA" die Situation:
Zitat:
Die Ergebnisse von PISA zeigen, dass es deutschen Lehrkräften in erschreckendem Maße an diagnostischer Kompetenz fehlt. Erst kürzlich stellte das deutsche PISA-Konsortium neue, differenziertere Auswertungen der Länderuntersuchung vor, aus denen hervorgeht, dass an deutschen Schulen gleiche Schülerleistungen mit höchst unterschiedlichen Noten bewertet werden. Pikanterweise wurde dies nicht am Fach Deutsch demonstriert, dem man solche Bewertungsunsicherheiten schon immer nachsagt, sondern an Mathematikleistungen.

Nur 11,4 % jener Schüler, welche im Lesetest noch nicht einmal die unterste Kompetenzstufe I erreichten, wurden von ihren Lehrkräften als ?schwache Leser" eingestuft. Und wenn Lehrplanexperten (gewöhnlich erfahrene Lehrer und Vertreter der Schulaufsicht) schätzen, dass 49,3 % der 15-jährigen Hauptschüler, 60 % der Realschüler und 68 % der Gymnasiasten im Stande sein würden, Aufgaben des höchsten Niveaus V zu bewältigen, während es in Wahrheit nur 0,3 % bzw. 4,2 % und 27,7 % waren,3 dann ist daraus ebenfalls zu schließen, dass diese Lehrerelite schlicht ahnungslos hinsichtlich der tatsächlichen Leistungsfähigkeit unserer Schüler ist. Offensichtlich muss sich die Praxis der Leistungsüberprüfung und Leistungsbeurteilung an unseren Schulen gravierend ändern.

Zitat:
"Die neue Lernkultur ist zum Scheitern verurteilt, wenn die alte Leistungs- und Beurteilungskultur beibehalten wird!", stellt Werner Sacher fest und beschreibt für eine Lehrerfortbildung, wie diese neue Leistungs- und Beurteilungskultur aussehen sollte:

? Fachlich-inhaltliche Leistungen: Wissen, Verstehen, Erkennen, Beurteilen von Tatsachen und Zusammenhängen
? Methodisch-strategische Leistungen: Exzerpieren, Nachschlagen, Organisieren, Planen usw.
? Sozial-kommunikative Leistungen: Zuhören, Argumentieren, Diskutieren, Kooperieren usw.
? Persönliche Leistungen: Entwicklungsfortschritte machen, Selbstvertrauen gewinnen, ein günstiges Selbstkonzept entwickeln, Werthaltungen aufbauen usw.
? Dynamischer Leistungsbegriff: Leistung Anpassung an Verhaltenserwartungen und vorab feststehende Kriterien
Beteiligung der Schüler an Definition von Leistung

? Leistungsbeurteilungen dienen der Förderung der Schüler.
? Leistungsbeurteilung sind Mittel des Unterrichts: Entscheidungsgrundlage für Lernen und Unterrichten, nicht nur für Selektion, Sozialisation, Legitimation, Disziplinierung.
? Leistungsbeurteilung sind Inhalt des Unterrichts: Schüler sollen Leistungsbeurteilung lernen.

? Vielfältige Inszenierungsformen der Leistung:
-Mündlich, schriftlich, praktisch
-Ergebnisse und Prozesse
-Makro- und Mikrodiagnose
-Offene und enge Aufgaben
? Vielfältige Formen der Beurteilung:
-Vergleichend ? nicht vergleichend
-Monologisch ? kommunikativ
-Fremd- und Selbstbeurteilung

? Vermeiden der sozialen Bezugsnorm, stattdessen Orientierung an der kriterialen und individuellen Bezugsnorm
? Auch Praktizieren nichtvergleichender Beurteilung
? Transparenz für Schüler und Eltern, Kommunikation über Lernen und Leistungen
? Behandlung der Lerner als Subjekte: Selbstbeurteilung!

www.schulamt-wunsiedel.de/Leistung_u_Neue_Lernkultur.ppt

Mit diesem Wissen -wie eine Leistungsbewertung aussehen sollte- können Eltern beurteilen, wo die Schule steht, die das eigene Kind besucht oder besuchen soll.

Doris
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BeitragVerfasst am: 16.07.2006, 17:00    Titel: Antworten mit Zitat

Mit der neuentstandenen Diskussion nach der Studie von Brüggelmann zum Thema "Sinn und Unsinn von Schulnoten" beschäftigt sich Thorsten Stegemann:

Zitat:
TELEPOLIS

Brauchen Kinder Noten?

Thorsten Stegemann 11.07.2006
Neuauflage einer Grundsatzdiskussion
Über den Sinn und Unsinn von Schulnoten ist bereits so oft und kontrovers gestritten worden, dass sich längst irgendein Sommerloch erbarmt haben und das leidige Thema mitsamt den sich ähnelnden Argumenten verschluckt haben müsste. Doch die Zeugnisverteilung garantiert die alljährliche Auferstehung, und so kommt auch 2006 nicht an der Frage vorbei, ob den Schülerinnen und Schülern nebst ihren rechtschaffen verunsicherten Eltern in deutschen Landen besser mit traditionellen Ziffernnoten oder mit alternativen Beurteilungsverfahren gedient wäre.

Stein des Anstoßes ist diesmal eine wissenschaftliche Expertise (1) des Grundschulverbandes (2), die von der Arbeitsgruppe Primarstufe (3) an der Universität Siegen unter Leitung des Erziehungswissenschaftlers Hans Brügelmann durchgeführt wurde. Darin bestreiten die Forscher den Aussagewert und pädagogischen Nutzen von Ziffernnoten, die bis dato die mit Abstand häufigste Form formeller Leistungsbewertung darstellen, sieht man einmal von den Waldorfschulen ab, die schon lange bis zur Oberstufe keine Notenzeugnisse vergeben.

Zitat:
Noten sind nicht in der behaupteten Weise für das Lernen nützlich und sie sind erst recht nicht nötig. Sie betonen einseitig die Bewertungsfunktion - können aber auch diese wegen ihrer mangelnden Aussagekraft, Vergleichbarkeit und Objektivität nicht angemessen erfüllen. Es gibt deshalb keinen Grund, auf ihnen zu beharren, zumal sie darüber hinaus etliche unerwünschte Nebenwirkungen haben.
Arbeitsgruppe Primarstufe der Universität Siegen

An ihrer Stelle fordern die Wissenschaftler die Entwicklung alternativer Bewertungsmaßstäbe und ?verfahren, die allerdings Auswirkungen auf das gesamte Schulsystem und die Ausbildung der Lehrenden hätten.

Zitat:
Ziffernoten sind zu ersetzen durch differenziertere Formen der Dokumentation und der Bewertung von Leistungen. Rückmeldung und Bewertung sind klar zu trennen. Beschreibungen sollen den Leistungsstand bezogen auf konkrete Lernziele und die individuelle Entwicklung darstellen. Das lernförderliche Potenzial differenzierter Rückmeldungen wird in der Praxis aber nur dann zur Geltung gebracht werden können, wenn die entsprechenden Rahmenbedingungen geschaffen werden: vor allem durch eine Verringerung des Selektionsdrucks im Bildungssystem und durch eine fachliche Qualifizierung der LehrerInnen.
Arbeitsgruppe Primarstufe der Universität Siegen


Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (4) plädierte daraufhin einmal mehr für "Ermutigung statt Notenschock". Die stellvertretende GEW-Vorsitzende Marianne Demmer forderte den verstärkten Einsatz von Verbalnoten, Test- oder Ziffernpunkten. Schließlich könnten auch so Leistungsfortschritte und Lernschwächen dokumentiert und Kindern sowie Eltern individuelle Lösungsstrategien vermittelt werden.

Zitat:
Besonders junge Kinder reagieren sehr sensibel auf Entmutigungen durch Notenschocks. Im schlimmsten Fall nehmen die Schüler die Noten für bare Münze ? und entwickeln sich wie vorgegeben: Wer eine ?fünf' bekommt, macht sich danach selbst zum Fünfer-Kandidaten. Bei Lernproblemen helfen Noten nicht - schon gar nicht, wenn sie als Ausleseinstrument zum Einsortieren in die verschiedenen Schulformen dienen. Ziffernnoten vertragen sich nicht mit individueller Förderung.
Marianne Demmer


Fünf Mark von Mama und Papa

Für das traditionsbewusste Bildungsbürgertum war der Bogen nun überspannt. Jörg Lau, der seine rebellischen Jugendjahre bei der "taz" derzeit in den Redaktionsräumen der "ZEIT" abbüßt, holte Ende Juni in Deutschlands größter Wochenzeitung zum Gegenschlag aus. Unter dem apodiktischen Titel Kinder wollen Noten (5) verteidigte Lau das bisherige System der schulischen Leistungsbewertung. Schließlich böte die Zeugnisvergabe nicht nur "Stoff für wiederkehrende Albträume", sondern für die Angestrengten, Ehrgeizigen und Disziplinierten auch einen "Augenblick narzisstischen Selbstgenusses". Die eigene Tochter und deren Mitschüler finden es folgerichtig "super", dass sie ab der dritten Klasse endlich Noten bekommen, und Lau selbst erinnert sich gern an die frühen 70er, da eindeutig bezifferte Erfolge seine "Freude am Lernen" bestärkten. Und nicht nur das.

Zitat:
Ich bekam für jede Eins fünf Mark, eine stattliche Summe, und der Triumph, mit dem Klassenarbeitsheft oder dem Zeugnis bei meinen stolzen Eltern abkassieren zu gehen, wird mir immer unvergesslich bleiben.
Jörg Lau


Für Schülerinnen und Schüler sind Noten, so glaubt Jörg Lau, der Beweis, dass Leistung zählt. Sie sind stolz darauf, wenn sie Mitschüler übertreffen können und brauchen den permanenten Vergleich für eine gedeihliche Entwicklung. Sein Kollege Reinhard Kahl war in derselben Zeitung zwei Wochen zuvor deutlich skeptischer (6), doch seit Lau sich von den linken Verschwörungstheoretikern öffentlich distanziert (7) hat, unter denen ein "apolitischer, zutiefst zynischer Paranoiker" wie Michael Moore sein Unwesen treibe, schätzt er offenbar auch in der Bildungspolitik die klaren Fronten und ein übersichtliches Schwarz-Weiß. Von dem Vorschlag, die Zahlenkolonnen durch ausführliche Berichtszeugnisse zu ersetzen, will er folgerichtig nichts wissen. Verbale Zeugnisse seien nicht präzise genug, und der gemeine Lehrkörper könne durch das immer gefährliche Internet überdies verleitet werden, sich nicht nur auf die eigenen Formulierungskünste zu verlassen. (Tatsächlich wird beispielsweise unter zeugnismaster.de (8 ) eine Softwarelösung angeboten, die schreibmüden Lehrern verspricht, die Grundschul-Berichtszeugnisse "kinderleicht und in Null Komma Nix" zu erstellen. Das Basispaket kostet 19 Euro zuzüglich 3 Euro Versandkosten.)

Hans Brügelmann hat mittlerweile eine Replik auf Laus Artikel verfasst, den die "ZEIT" in der nächsten Ausgabe veröffentlichen wird. Die Argumente des Siegener Professors sind mindestens bedenkenswert. Brügelmann verweist nicht ganz zu Unrecht darauf, dass die Expertise der Arbeitsgruppe auf mehreren hundert wissenschaftlichen Studien und nicht auf der Meinung seiner Tochter oder persönlichen Erfahrungen basiert. Laus lernfreudiger Nachwuchs, der endlich wissen will, "wie gut man ist", verkennt nach Meinung des Erziehungswissenschaftlers ebenso wie der Herr Papa, dass Leistungsausschnitte immer wieder zu "Urteilen über den ganzen Menschen" ausgeweitet werden.

Wenn in Deutschland ein Viertel der Schüler ohne ausreichende Basiskompetenzen entlassen wird, dann liegt das nach Brügelmanns Einschätzung eben auch daran, dass sie bereits mit Erfahrungs- und Kompetenzunterschieden von drei bis vier Entwicklungsjahren eingeschult worden sind. Noten können unter diesen Voraussetzungen keine Entwicklungsmöglichkeiten beschreiben, die jedoch notwendig wären, um den betroffenen Schülern und Eltern einen Ausweg aus der Bildungsmisere zu zeigen. Sie dokumentieren Ist-Zustände oder täuschen eine "diagnostische Scheinpräzision" nur vor und mutieren schlimmstenfalls zur "self-fulfilling prophecy", die den betroffenen Schüler demoralisiert, indem sie die vermeintlich negative Beurteilung seiner Umwelt zu bestätigen scheint. Verbale Zeugnisse sind im Vergleich nicht objektiver, laut Brügelmann jedoch vielseitiger einsetzbar.

Zitat:
Die Chance von Berichten liegt aber darin, dass sie können, was mit Noten nicht gelingen kann: Konkret beschreiben und damit erkennbar machen, wo genau die Stärken und Schwächen in einem Lernbereich liegen, und - nicht minder wichtig -, wie die Leistungen sich entwickeln, d. h. was der einzelne Schüler dazugelernt hat und was seine nächsten Lernaufgaben sind.
Hans Brügelmann


Der Erziehungswissenschaftler legt Wert auf die Feststellung, dass moderne und erfolgreiche Schulen, die bei Untersuchungen wie PISA, TIMSS oder IGLU positiv abgeschnitten haben, keine reinen Leistungszentren sind. Sie vermitteln ihren Schülern auch wesentliche Aspekte der Persönlichkeitsbildung und tragen im Idealfall dazu bei, soziales und solidarisches Verhalten zu schulen.

Zitat:
Es geht vor allem um das Verhältnis von Fremd- und Selbstbeurteilung. Schule muss die Fähigkeit fördern, aus realistischer Selbsteinschätzung Folgerungen für die Entwicklung des eigenen Könnens zu ziehen. "Pädagogische Leistungskultur" nennt der Grundschulverband diesen Anspruch an eine gute Schule (...). Die hierarchische Schule der Kaiserzeit passt nicht mehr in eine demokratische Gesellschaft. Sie ist politisch überholt.
Hans Brügelmann


Klassenverträge und gläserne Noten

Auch im benachbarten Österreich ist die Diskussion um Schulnoten gerade wieder aufgeflammt. Der ehemalige Landesschulratspräsident für Oberösterreich, Johannes Riedl, hat vor wenigen Tagen darauf hingewiesen, dass 38 Prozent aller Schülerinnen und Schüler Angst vor Noten haben und sich die schulische Leistungsbewertung mittlerweile zu einem regelrechten "Fehlersuchsystem" entwickelt hat. Kinder würden "tendenziell" anhand ihrer Schwächen identifiziert, anschließend einer Leistungsskala zugeordnet und also unter Bedingungen lernen und arbeiten müssen, die sich kaum ein Erwachsener gefallen ließe.

Die österreichische Schülerunion (9) moniert derweil, dass die Notenvergabe weder transparent noch landesweit einheitlich geregelt ist. Es sei ohne weiteres möglich, für die gleiche Leistung an der einen Schule mit "befriedigend" und an einer anderen mit "nicht genügend" bewertet zu werden. Die Schülerunion fordert (10) deshalb die Einführung einer "gläsernen Note": Zu Beginn eines Schuljahres sollen sich Lehrer und Schüler auf einen Klassenvertrag einigen, in dem exakt festgelegt wird, wie sich die Note am Ende des Jahres zusammensetzt. Darüber hinaus wünschen sich die Schülervertreter Unterrichtsskripte, um eine gemeinsame Grundinformation zu gewährleisten.

Schule ohne Noten und Fächer-Unterricht

Ihre Altersgenossen in Hamburg-Altona würden ein solches Unterrichtskonzept vermutlich schon wieder als rückschrittlich empfinden. An der Max-Brauer-Gesamtschule (11), die von 1.200 Schülerinnen und Schülern aus 30 Nationen besucht wird, erprobt man seit Mitte vergangenen Jahres ein vielbeachtetes Konzept (12), das nicht nur auf Noten, sondern auch auf den gewohnten Fächer-Unterricht verzichtet.

In Lernbüros beschäftigen sich die Schüler mit Deutsch, Mathematik, Fremdsprachen und verschiedenen Arbeitstechniken, entscheiden aber eigenständig, wann sie sich mit welchem Wissensgebiet auseinandersetzen wollen. Damit sie selbst einschätzen können, auf welchem Leistungsstand sie sich aktuell befinden, werden Punkte auf sogenannten Kompetenzrastern gesammelt. Darüber hinaus orientieren sich die Schüler an Checklisten und Wochenplänen, die mit den Klassenlehrern möglichst einmal in der Woche abgestimmt werden. Die Eltern können sich auf drei Sprechtagen im Jahr und zusätzlich durch Portfolio?Mappen und Lernentwicklungsberichte über den Leistungsstand ihrer Kinder informieren. # Die Max-Brauer-Gesamtschule ist einer von 18 Kandidaten, die aus 481 Bewerbungen für den Deutschen Schulpreis 2006 (13) nominiert wurden. Die staatliche Jenaplan-Schule (14) in Jena ist auch für den Deutschen Schulpreis nominiert. Hier werden die vielerorts obligatorischen Noten eins bis sechs erst ab der siebten Klasse vergeben, weil nicht nur die Lernergebnisse im Mittelpunkt der Betrachtung stehen sollen, sondern auch das Lern- und Arbeitsverhalten sowie die Leistungsbereitschaft unter Berücksichtigung der individuellen Leistungsfähigkeit. Den Schülerinnen und Schülern traut man zu, den Bewertungsprozess mit Hilfe von Gesprächen und Selbstreflexionen von Jahrgang zu Jahrgang aktiver mitzugestalten.

Blumenkinder mit Ich-Kompetenzen

Ebenfalls preisverdächtig ist ein Bildungsinstitut mit dem schönen Namen Grundschule Harmonie (15) aus dem nordrhein-westfälischen Eitorf. An der Grenze zu Rheinland-Pfalz tragen die Klassen eigenwillige Namen wie "Fledermäuse", "Blumenkinder" oder "Harmoniegeister", die wichtigsten Angelegenheiten werden im "Kreis" verhandelt, einmal pro Halbjahr schätzen die Kinder ihre Sach-, Sozial- und Ich-Kompetenzen selbst ein und besprechen das weitere Vorgehen mit Eltern und Lehrern. Kein Wunder also, dass die Beschlüsse des Kinderparlaments, in das jede Klasse zwei Delegierte entsendet, die sich dort mit dem "Kids-Manager" verständigen müssen, den gleichen Stellenwert haben wie die Entscheidungen der Lehrerkonferenz. Wie das Lernparadies aussehen könnte, ist auf den Internetseiten (16) nachzulesen, die einen beispielhaften Schultag im März 2006 beschreiben.

Überall sieht man selbst lernende Kinder, jahrgangs- und klassen- übergreifend, alleine oder in Gruppen, auf dem Flur, in den Klassen, im Lehrerzimmer oder wo sonst immer Platz oder Atmosphäre herrscht. LehrerInnen arbeiten mit einzelnen Kindern oder mit Gruppen, man sieht sie Lerngespräche führen oder etwas vermitteln. Andere Kinder lernen mit Studentinnen, die auch Themen anbieten wie "Ernährung", "Wir binden Bücher aus unseren eigenen Geschichten" oder "Wir gründen Betriebe, um Waffeln zu verkaufen". Eine andere Gruppe arbeitet mit einer Lehramtsanwärterin aus London, die bei uns für einen Monat einen Teil ihrer Ausbildung absolviert. Sie bereiten für die nächste Woche eine Führung durch die Schule auf Englisch vor. Andere Kinder setzen ihren Text in der Druckerei, eine Mutter liest aus einem türkischen Buch vor. Einige Kinder gehen ein paar Meter bis zur nächsten Kirche, weil der Jugendreferent mit seiner Steuergruppe (Kinder unserer Schule) einen Gottesdienst gestaltet.

Zitat:
Kinder einer Klasse nehmen über das Internet, mit Webcam und dem Programm "Skype", Kontakt zu der Partnerklasse in Klagenfurt auf und halten einen Vortrag über "Spinnen". Im Forum stehen Kinder an ihrem Infostand und verkaufen selbst gebastelte Lesezeichen, deren Erlös an ein nahes Tierheim geht. Andere üben Tänze, schreiben ihre Geschichten, erarbeiten ihre Themen im Netz oder mit Büchern, sitzen an der Schulzeitung, lösen Sudoku-Rätsel oder besuchen London City mit Google-Earth. Wieder andere arbeiten in ihrem Mathe-Übungsheft oder Rechtschreibtrainer.
Grundschule Harmonie


Bisweilen klingen diese Konzepte weniger nach pädagogischer Überzeugung als nach angestrengter Selbstfindung im Rahmen esoterischer Feldstudien. Doch zur Suche nach neuen Unterrichtsformen und Bewertungssystemen gibt es keine Alternative. Sie müssen ermutigen, motivieren und Schüler mit schneller Auffassungsgabe weiter fördern, gleichzeitig aber lernschwachen Kindern Anschlussmöglichkeiten bieten und auch noch dafür Sorge tragen, dass soziales Verhalten nicht von einer rücksichtslosen Ellenbogenmentalität unterminiert wird. Auf dem Weg zu einer grundlegenden Modernisierung des deutschen Schulsystems kann man Fehler machen ? die Behauptung, es sei doch eigentlich alles in Ordnung, ist allerdings sicher der schwerwiegendste.

Links


(1) http://www.agprim.uni-siegen.de/notengutachten.htm
(2) http://www.grundschulverband.de
(3) http://www.agprim.uni-siegen.de
(4) http://www.gew.de
(5) http://www.zeit.de/2006/27/Titel-Schulnoten-27
(6) http://www.zeit.de/2006/25/Noten_xml
(7) http://www.zeit.de/2003/38/Verschw_9arung
(8 ) http://www.zeugnismaster.de
(9) http://www.schuelerunion.at
(10) http://schuelerunion.at/buvo/stoetti/Bildungsprogramm.pdf
(11) http://www.maxbrauerschule.de
(12) http://www.maxbrauerschule.de/downloads/neue_mbs_v2.pdf
(13) http://www.deutscher-schulpreis.de
(14) http://www.jenaplanschule.jena.de
(15) http://www.grundschule-harmonie.de
(16) http://www.grundschule-harmonie.de/unterrichtsqualitaet.htm

Telepolis Artikel-URL: http://www.telepolis.de/r4/artikel/23/23078/1.html

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Silke
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BeitragVerfasst am: 16.07.2006, 18:18    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

ich stehe Noten schon seit Jahren kritisch gegenüber, zumal ich die Erfahrung gemacht habe, dass die Notengebung alles andere als gerecht ist, und viele Lehrer die Noten als Disziplinierungsmaßnahme einsetzen, wofür sie ja gar nicht gedacht sind.
Außerdem ist die Art und Weise der Zensurenerteilung in den allermeisten Fällen, vor allen Dingen in den sprachlichen Fächern, für Eltern und auch die Schüler/innen nicht nachvollziehbar.
Es würde mich darüber hinaus interessieren, ob es die Möglichkeit gibt, Arbeiten überprüfen zu lassen.
Meine älteste Tochter zum Beispiel, hatte im letzten Versetzungszeugnis in Deutsch eine sehr gute 3 mit Tendenz zur 2, im diesjährigen Zeugnis, nach einem Lehrerwechsel, hat sie eine
schwache 4; wie kommt so etwas zustande? Deutsch war eines ihrer Lieblingsfächer und der neue Lehrer hat ihr den Spaß daran regelrecht ausgetrieben; eine ähnliche Situation haben wir in den Sprachen, wobei ihr von den ersten Lehrern, die sie in den Sprachen hatte, eine gewisse Sprachbegabung bescheinigt wurde. Nach Lehrerwechsel sind dann auch hier die Leistungen nach unten gerutscht; mittlerweile hat sie sogar Angst vor den Arbeiten,
was der ganzen Sache natürlich auch nicht dienlich ist.

Liebe Grüße

Silke
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Doris Carnap
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BeitragVerfasst am: 17.07.2006, 19:04    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Silke,

ein Absacken der Noten nach einem Lehrerwechsel geschieht häufig, weil jeder Lehrer die Leistungen nach seinem persönlichen Gutdünken festsetzt und einschätzt. Auf Elternabenden wird das mit einen angeblich "wesentlich anspruchvolleren" Unterricht begründet, der unter Umständen aber auch einfach ein schlechterer sein kann!

Wenn die Note Einfluss auf die Versetzung hat, ist das in der Verordnung zur Ausgestaltung des Schulverhältnisses folgendermaßen geregelt, unter §12 Einzelfragen und Querversetzungen:
Zitat:
(1) Verschlechtert sich die Fachnote einer Schülerin oder eines Schülers nach einem Schulhalbjahr im Vergleich zu der Fachnote des vorhergehenden Halbjahres um mehr als eine Stufe, ist dies von der Fachlehrerin oder dem Fachlehrer in der Versetzungskonferenz zu begründen. Falls von dieser Fachnote die Entscheidung über eine Versetzung abhängt, ist die Begründung im Protokoll festzuhalten und den Eltern, bei Volljährigen diesen selbst, mitzuteilen.

Dass die Lehrer dies den Eltern mitteilen müssen ist neu und ich schätze, den Lehrern auch noch nicht bekannt.

Zitat:
Silke: Es würde mich darüber hinaus interessieren, ob es die Möglichkeit gibt, Arbeiten überprüfen zu lassen.

Es gibt keine "offizielle" Stelle in der man Arbeiten überprüfen lassen kann. Ich sehe mir Arbeiten an, um im Falle eines Einspruches oder bei der Überlegung ob ein Schulwechsel sinnvoll ist, einschätzen zu können, wo die Kids in etwa stehen und wie ein Lehrer die Arbeit überhaupt bewertet.

Was man selbst machen kann, ist sich die Arbeit eines Klassenkameraden mit einer guten Note zu besorgen, das gibt einen interessanten Einblick darüber, was ein Lehrer als gut betrachtet - gelegenlich ist das auch durchaus erstaunlich!

Notengebung ist ein heikles Thema, Lehrer übernehmen die Art der Notengebung meist während des Referendariats von anderen Lehrern und reagieren auf kritsches Nachfragen unter Umständen überaus empfindlich.

Doris
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